Ratgeber Luftung

Kontrollierte Wohnraumlüftung:
Zentral und dezentral im Vergleich

Warum ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 heute Pflicht ist, wie Wärmerückgewinnung funktioniert und welches System zu Ihrem Gebäude passt.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Februar 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Warum kontrollierte Wohnraumlüftung?

Moderne Gebäude sind luftdicht gebaut. Das spart Energie, schafft aber neue Herausforderungen für die Raumluftqualität.

Nach Fenstertausch, Fassadendämmung oder bei Neubau ist die Gebäudehülle nahezu luftdicht. Der natürliche Luftaustausch über Fugen und Ritzen entfällt. Ohne kontrollierte Lüftung steigt die Luftfeuchtigkeit, CO2-Konzentration wächst und es droht Schimmelbildung. Die DIN 1946-6 schreibt deshalb bei Neubau und Sanierung mit Fensteraustausch ein Lüftungskonzept verpflichtend vor.

DIN 1946-6: Pflicht seit 2009

Bei Neubau und Sanierung (wenn mehr als 1/3 der Fenster getauscht werden) muss ein Lüftungskonzept erstellt werden. Es definiert die notwendigen Luftvolumenströme und die Art der Lüftung.

Schimmelgefahr ohne Lüftungskonzept

Eine 4-köpfige Familie produziert ca. 10-12 Liter Feuchtigkeit pro Tag. Ohne ausreichenden Luftaustausch kondensiert diese an kalten Oberflächen - Schimmel entsteht bereits ab 80% relativer Feuchte.

Die 4 Lüftungsstufen nach DIN 1946-6

I
Feuchteschutz
Mindestlüftung zum Schutz vor Bauschäden, nutzerunabhängig
II
Reduzierte Lüftung
Hygienischer Mindeststandard bei zeitweiser Abwesenheit
III
Nennlüftung
Normalbetrieb bei Anwesenheit, Grundlage der Auslegung
IV
Intensivlüftung
Erhöhter Bedarf z.B. nach Kochen, Duschen, Partys

Zentral vs. Dezentral im Überblick

Beide Systeme haben ihre Stärken. Der Vergleich hilft Ihnen bei der Entscheidung.

Kriterium Zentrale KWL Dezentrale KWL
AufbauEin Zentralgerät mit Kanalnetz durch das gesamte GebäudeEinzelgeräte pro Raum, in der Außenwand verbaut
Wärmerückgewinnung85 – 95 % (Gegenstrom-WT)70 – 90 % (Keramik-Speicher)
EinbauAufwändig: Kanäle in Decke/Wand, Deckenabhängung nötigEinfach: Kernbohrung (ca. 16 cm) pro Gerät
Ideal fürNeubau, größere Sanierungen mit offenen DeckenSanierung, Nachrüstung, einzelne Räume
Investitionskosten5.000 – 12.000 € (EFH komplett)500 – 1.500 € pro Gerät (3-6 Geräte typisch)
WartungZentral: 1x jährlich, ein FilterwechselPro Gerät: alle 3-6 Monate Filterwechsel
LautstärkeGerät im Technikraum, Räume: 20 – 25 dB(A)Im Raum: 20 – 35 dB(A) je nach Stufe
PlatzbedarfTechnikraum + Kanalquerschnitte in DeckenMinimal: nur Wanddurchbruch pro Gerät
SteuerungZentral: eine Bedieneinheit, Raumweise Regelung möglichJedes Gerät einzeln oder per Smart-Home
FilterqualitätFeinfilter F7-F9 (Pollen, Feinstaub)Standard G3-G4, teils F7 nachrüstbar

Lüftungswege im Gebäudequerschnitt

ZENTRALE KWL Schlafzimmer Bad Wohnzimmer Küche Zentralgerät Außenluft Fortluft DEZENTRALE KWL Schlafzimmer Bad Wohnzimmer Küche paarweise getaktet Gerät Gerät Gerät Gerät
Zuluft (gefiltert, erwärmt)
Abluft (verbraucht)
Außenluft (frisch)
Fortluft (abgeführt)

So funktioniert Wärmerückgewinnung

Der Wärmetauscher ist das Herzstück jeder KWL-Anlage. Er überträgt die Wärme der Abluft auf die kalte Außenluft.

KWL-Zentralgerät Wärmetauscher Kreuz-/Gegenstrom Außenluft -5°C Filter F7 Zuluft +17°C Abluft +22°C Filter G4 Fortluft +2°C WRG 90% Kondensat

Funktionsweise Schritt für Schritt

1
Außenluft ansaugen: Kalte Frischluft (-5°C im Winter) wird durch einen Feinfilter (F7) von Pollen und Feinstaub gereinigt.
2
Wärme übertragen: Im Kreuzstrom-Wärmetauscher gibt die warme Abluft (+22°C) ihre Energie an die kalte Zuluft ab - ohne Luftvermischung.
3
Zuluft einblasen: Die vorgewärmte Luft (+17°C bei 90% WRG) wird in Wohn- und Schlafräume geleitet.
4
Abluft absaugen: Verbrauchte Luft aus Bad, Küche und WC wird abgesaugt und durch den WT geführt.
5
Fortluft abführen: Die abgekühlte Abluft (+2°C) wird nach außen geleitet. Das Kondensat wird über einen Siphon abgeführt.
Rechenbeispiel: Bei -5°C Außentemperatur und 22°C Raumtemperatur beträgt der Temperaturunterschied 27°C. Bei 90% WRG werden 24,3°C davon zurückgewonnen. Die Zuluft kommt mit ca. 17°C in die Räume - die Heizung muss nur noch 5°C nachheizen.

Wann welches System?

Anhand weniger Kriterien finden Sie das passende System für Ihr Gebäude.

Neubau oder Sanierung? Neubau Sanierung Abgehängte Decken möglich? Ja Nein Zentrale KWL Beste Effizienz (bis 95% WRG) Budget > 6.000 €? Ja Nein Zentral (Flachkanäle) Ohne Deckenabhängung Dezentrale KWL Günstiger Einstieg Kernsanierung geplant? Nein Ja Zentrale KWL Kanäle bei offener Decke Wie viele Räume? 1-3 4+ Dezentral (Einzel) 500 - 1.500 € / Gerät Dezentral (Paarweise) Zuluft/Abluft-Paare Grundregel: Neubau = Zentral bevorzugt | Sanierung = Dezentral bevorzugt Individuelle Beratung empfohlen - Gebäudegegebenheiten entscheiden

Kosten und Fördermöglichkeiten

Was eine KWL-Anlage kostet, welche Betriebskosten anfallen und wie Sie bis zu 20% Förderung erhalten.

Zentrale KWL

Einfamilienhaus komplett
5.000 - 12.000 €
inkl. Kanalnetz & Montage
Zentralgerät1.500 - 4.000 €
Kanalnetz + Ventile1.500 - 3.500 €
Montage2.000 - 4.500 €

Dezentrale KWL

Pro Gerät (3-6 Geräte typisch)
500 - 1.500 €
pro Einzelgerät inkl. Montage
Gerät300 - 900 €
Kernbohrung + Einbau200 - 600 €
4 Geräte gesamt2.000 - 6.000 €

Jährliche Betriebskosten

Strom + Filter + Wartung
80 - 200 €
pro Jahr je nach System
Strom (30-50 W)30 - 60 €/Jahr
Filter50 - 100 €/Jahr
Wartung0 - 150 €/Jahr

Heizkosten-Ersparnis durch WRG

Einfamilienhaus, 120 m², Gasheizung, Berlin

1.200 €
Heizkosten ohne KWL / Jahr
780 €
Heizkosten mit KWL (90% WRG)
-420 €
Jährliche Ersparnis (35%)

Förderung für Ihre KWL-Anlage

Diese staatlichen Förderprogramme können Sie nutzen.

15%

BEG Einzelmaßnahme (BAFA)

Zuschuss für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung als Einzelmaßnahme. Voraussetzung: WRG-Grad mindestens 80%, Einbau durch Fachunternehmen, Energieberater empfohlen.

Zuschuss
+5%

iSFP-Bonus

Zusätzlich 5% Bonus, wenn die Maßnahme im individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) empfohlen wird. Ergibt insgesamt bis zu 20% Zuschuss auf förderfähige Kosten.

Zusatzbonus
20%

Steuerliche Förderung

Alternativ zum BAFA-Zuschuss: 20% der Kosten über 3 Jahre steuerlich absetzbar (§35c EStG). Max. 40.000 € pro Wohnobjekt. Kein Energieberater nötig.

Steuerbonus
Gut zu wissen: BAFA-Zuschuss und Steuerbonus sind nicht kombinierbar. Wir beraten Sie, welche Variante für Sie günstiger ist. Der Antrag muss vor Auftragserteilung gestellt werden.

Einbau und Planung Ihrer KWL-Anlage

So läuft ein typisches KWL-Projekt bei NEUWEST ab.

1

Lüftungskonzept nach DIN 1946-6

Berechnung der notwendigen Luftvolumenströme anhand von Gebäudedaten, Raumgrößen und Nutzung. Festlegung, ob Lüftungsstufe I (Feuchteschutz) nutzerunabhängig sichergestellt werden muss.

1–2 Werktage
2

Systemauswahl und Planung

Auf Basis des Lüftungskonzepts wird das passende System (zentral/dezentral) gewählt. Kanalführung bzw. Gerätepositionen werden geplant, Angebot mit Festpreisgarantie erstellt.

3–5 Werktage
3

Installation

Zentral: Montage des Geräts, Verlegung der Lüftungskanäle, Einbau der Zu- und Abluftventile. Dezentral: Kernbohrungen (ca. 16 cm Durchmesser), Einsetzen und Anschluss der Einzelgeräte.

1–3 Tage
4

Inbetriebnahme und Einregulierung

Einmessung der Volumenströme pro Raum, Einstellung der Lüftungsstufen, Einweisung in die Bedienung. Protokoll der Inbetriebnahme für Gewährleistung und Förderantrag.

0,5–1 Tag

Regelmäßige Wartung

Filterwechsel alle 3–6 Monate (dezentral) bzw. 6–12 Monate (zentral). Jährliche Inspektion des Wärmetauschers und der Ventilatoren empfohlen. NEUWEST bietet Wartungsverträge an.

Fortlaufend

FAQ zur kontrollierten Wohnraumlüftung

Antworten auf die wichtigsten Fragen unserer Kunden.

Ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung Pflicht?
+
Nicht direkt. Die DIN 1946-6 schreibt bei Neubau und Sanierung (wenn mehr als 1/3 der Fenster getauscht werden) ein Lüftungskonzept vor. Dieses muss die nutzerunabhängige Lüftung zum Feuchteschutz sicherstellen. In der Praxis bedeutet das fast immer den Einbau einer mechanischen Lüftung, da Fensterlüftung allein die Anforderungen selten erfüllt.
Wie laut ist eine KWL-Anlage?
+
Moderne KWL-Anlagen arbeiten sehr leise. Zentrale Anlagen erreichen in Wohnräumen ca. 20–25 dB(A), da das Gerät im Technikraum steht. Dezentrale Geräte liegen bei 20–35 dB(A) je nach Lüftungsstufe. Zum Vergleich: Flüstern liegt bei ca. 30 dB(A). Im Schlafmodus arbeiten hochwertige Geräte nahezu unhörbar unter 20 dB(A).
Wie oft müssen die Filter gewechselt werden?
+
Bei zentralen Anlagen empfehlen wir einen Filterwechsel alle 6–12 Monate. Dezentrale Geräte haben kleinere Filter, die alle 3–6 Monate getauscht oder gereinigt werden sollten. Die Kosten liegen bei 5–25 € pro Filter. Manche dezentralen Geräte haben auswaschbare Keramikfilter, die nur gelegentlich gereinigt werden müssen.
Kann ich trotzdem Fenster öffnen?
+
Ja, selbstverständlich. Eine KWL-Anlage ergänzt die Fensterlüftung, sie ersetzt sie nicht. Im Sommer können Sie Fenster öffnen und die Anlage auf niedrigste Stufe stellen oder ausschalten. Hochwertige Anlagen haben einen Bypass-Modus für die Sommernachtskühlung: Die kühle Nachtluft wird direkt (ohne Wärmetauscher) eingeblasen.
Entsteht Zugluft durch die Lüftungsanlage?
+
Nein, bei fachgerechter Planung und Einregulierung. Die Luftgeschwindigkeit an den Zuluftventilen ist so gering (ca. 1 m/s), dass keine Zugluft spürbar ist. Die Zuluft kommt vorgewärmt in den Raum (dank WRG). Wichtig: Die Ventile sollten nicht direkt über dem Bett oder Arbeitsplatz positioniert werden.
Wie hoch ist der Stromverbrauch einer KWL-Anlage?
+
Moderne KWL-Anlagen sind sehr effizient. Zentrale Geräte verbrauchen ca. 30–50 Watt im Dauerbetrieb, das entspricht 260–440 kWh/Jahr bzw. ca. 80–130 € Stromkosten. Dezentrale Geräte verbrauchen 3–7 Watt pro Gerät. Die Heizkosten-Ersparnis durch WRG (300–500 €/Jahr) übersteigt den Stromverbrauch deutlich.
Ist eine Nachrüstung in Bestandsgebäuden möglich?
+
Ja, vor allem dezentrale Systeme eignen sich hervorragend zur Nachrüstung. Pro Gerät wird nur eine Kernbohrung (ca. 16 cm Durchmesser) in der Außenwand benötigt. Auch zentrale Systeme mit Flachkanälen können im Bestand nachgerüstet werden, wenn Platz für die Kanalführung vorhanden ist (z.B. abgehängte Decken, Fußbodenaufbau).
Kann ich KWL mit einer Wärmepumpe kombinieren?
+
Sehr gut sogar. KWL und Wärmepumpe ergänzen sich ideal. Die KWL reduziert den Lüftungswärmeverlust um bis zu 90%, wodurch die Wärmepumpe kleiner dimensioniert werden kann. Einige Hersteller bieten Kompaktgeräte an, die Lüftung mit WRG, Wärmepumpe und Warmwasserbereitung in einem Gerät vereinen — ideal für energieeffiziente Neubauten (KfW 40/55).
Trocknet eine KWL die Raumluft zu stark aus?
+
Im Winter kann die relative Luftfeuchtigkeit bei sehr kalter Außenluft auf 30–35% sinken — das passiert aber auch bei regelmäßiger Fensterlüftung. Gegenmaßnahmen: Feuchterückgewinnung (Enthalpie-Wärmetauscher, ca. 40–60% Feuchterückgewinnung), Bedarfsregelung über Feuchte-Sensoren (reduziert den Volumenstrom bei niedriger Feuchte), oder Zimmerpflanzen und Luftbefeuchter.
Was kostet die jährliche Wartung?
+
Die laufenden Kosten sind überschaubar. Filterwechsel: 50–100 € pro Jahr. Professionelle Wartung: 100–200 € pro Jahr bei zentralen Anlagen (Inspektion, Reinigung WT, Prüfung Volumenströme). Dezentrale Geräte können oft selbst gewartet werden (Filter reinigen/tauschen). NEUWEST bietet Wartungsverträge ab 120 €/Jahr für zentrale Anlagen an.

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