Erst die Hülle, dann die Technik: Warum die Sanierungsreihenfolge über Erfolg und Kosten entscheidet. Mit Entscheidungsbaum, Kostenvergleich und Praxisbeispiel aus Berlin.
Die Bauphysik gibt die Sanierungsreihenfolge vor: Erst die Gebäudehülle dämmen, dann die Technik anpassen.
Die Heizlast eines Gebäudes ergibt sich aus den Wärmeverlusten über Dach, Fassade, Fenster und Keller. Wird zuerst die Hülle gedämmt, sinkt der Heizwärmebedarf um 50-70 %. Die neue Heizung kann dann passend kleiner dimensioniert werden -- das spart Anschaffungs- und Betriebskosten.
Überdimensionierte Heizung: Wird die Heizung vor der Dämmung erneuert, ist sie zu groß und taktet ständig -- das verursacht höheren Verschleiß und schlechte Effizienz. Schimmelgefahr: Neue dichte Fenster in ungedämmten Wänden verschieben den Taupunkt nach innen und erzeugen Kondensatprobleme.
8 Schritte von der Bestandsaufnahme bis zur fertigen Sanierung -- bauphysikalisch korrekt und förderfähig.
Ein zertifizierter Energieberater erstellt den individuellen Sanierungsfahrplan. Er bewertet den Ist-Zustand (Energieausweis, Thermografie), ermittelt die Heizlast und priorisiert Maßnahmen nach Wirtschaftlichkeit. Der iSFP ist Voraussetzung für den 5 %-Förderbonus bei jeder Einzelmaßnahme.
Über ein ungedämmtes Dach entweichen bis zu 30 % der Heizwärme. Aufsparren-, Zwischensparren- oder Untersparrendämmung -- je nach Zustand. Gleichzeitig werden Dacheindeckung und Entwässerung erneuert. So wird das Gebäude von oben dicht, bevor die Fassade kommt.
Die Fassade macht den größten Anteil der Gebäudehülle aus. WDVS mit 14-20 cm Dämmstoff (EPS, Mineralwolle oder Holzfaser) senkt den U-Wert von ca. 1,4 auf unter 0,20 W/(m²·K). Gleichzeitig wird die Kellerdecke von unten gedämmt (8-12 cm), um Fußkälte zu beseitigen.
Neue Fenster mit Dreifachverglasung (Ug ≤ 0,6 W/(m²·K)) werden idealerweise zusammen mit oder direkt nach der Fassadendämmung eingebaut. So lassen sich die Anschlüsse (Laibung, Brüstung) wärmebrückenfrei in das WDVS integrieren. Alte Fenster mit Uw > 1,3 verursachen bis zu 20 % der Wärmeverluste.
Nach der Dämmung und dem Fenstertausch ist die Gebäudehülle nahezu luftdicht. Ohne kontrollierte Lüftung drohen Feuchteprobleme und Schimmel. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (WRG, 85-95 % Rückgewinnungsgrad) sichert frische Luft und spart zusätzlich Heizenergie.
Jetzt wird die neue Heizung auf den tatsächlich reduzierten Wärmebedarf ausgelegt. Eine Wärmepumpe arbeitet nach der Hüllsanierung besonders effizient, da niedrigere Vorlauftemperaturen möglich sind (35-45 °C statt 60-70 °C). Die Jahresarbeitszahl (JAZ) steigt dadurch von 2,5 auf 3,5-4,5.
Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage, ggf. Austausch der Heizkörper gegen Niedertemperaturheizkörper oder Fußbodenheizung. Elektrik modernisieren (Zählerschrank, Leitungen), Smart-Home-Steuerung integrieren. Innenwände und Böden werden abschließend renoviert.
Blower-Door-Test zur Überprüfung der Luftdichtheit (n50 ≤ 1,5 1/h), Übergabe aller Nachweise für BAFA/KfW, Aktualisierung des Energieausweises. Die Dokumentation sichert die Förderung und den Wertnachweis für Ihre Immobilie.
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Wird die Heizung vor der Dämmung erneuert, wird sie auf den hohen Altbau-Wärmebedarf ausgelegt (z. B. 20 kW). Nach der Dämmung reichen oft 8-10 kW. Die Folge: Die Anlage taktet ständig, arbeitet ineffizient und verschleißt schneller. Besonders bei Wärmepumpen sinkt die Effizienz drastisch, wenn die Vorlauftemperatur zu hoch sein muss.
Neue Dreifach-Fenster in einer ungedämmten Wand verschieben den Taupunkt. Die kalte Wandfläche neben dem warmen Fenster wird zur Kondensationsfläche -- Schimmelgefahr! Außerdem müssen die Fensterlaibungen beim späteren WDVS-Auftrag nochmals aufwändig angepasst werden. Kosten für Nacharbeit: 80-150 EUR pro Fenster.
Innendämmung reduziert das Raumvolumen und verändert das Feuchteverhalten der Wand. Ohne kontrollierte Lüftung steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf über 65 % -- idealer Nährboden für Schimmel. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist bei Innendämmung zwingend erforderlich (DIN 1946-6).
Wer planlos einzelne Maßnahmen umsetzt, riskiert bauphysikalische Konflikte und verschenkt Förderung. Ein iSFP kostet ca. 800-1.800 EUR (davon 50 % BAFA-Zuschuss), bringt aber +5 % Förderbonus auf jede Einzelmaßnahme und erhöht die förderfähigen Kosten von 30.000 auf 60.000 EUR pro Wohneinheit.
BEG-Förderung muss vor Beginn der Maßnahme bei der BAFA beantragt werden. Auch der Vertrag mit dem Handwerksbetrieb darf erst nach Eingang der Antragsbestätigung unterschrieben werden. Wer vorher anfängt, verliert den gesamten Zuschuss (bis zu 20 % + 5 % iSFP-Bonus). Ausnahme: Ein Energieberater darf vorher beauftragt werden.
Investitionskosten und jährliche Heizkosten-Einsparung für ein typisches EFH (150 m², Baujahr 1965, Berlin).
Komplettsanierung eines typischen Einfamilienhauses in Berlin -- von der Energieberatung bis zur Abnahme.
Massivbau, 24 cm Hochlochziegel, ungedämmtes Dach, Fenster aus 1992 (Zweifach), Gas-Niedertemperaturkessel (28 kW, Bj. 2001)
| 1. Energieberatung + iSFP | 1.600 EUR (800 EUR nach BAFA-Zuschuss) |
| 2. Dachdämmung (Zwischensparren, 20 cm MiWo) | 18.000 EUR |
| 3. Fassadendämmung (16 cm EPS WDVS, 130 m²) | 22.000 EUR |
| 4. Kellerdeckendämmung (10 cm, 80 m²) | 4.500 EUR |
| 5. Fenster (12 Stk. Dreifach-Verglasung) | 16.800 EUR |
| 6. Lüftungsanlage mit WRG | 8.500 EUR |
| 7. Wärmepumpe (Luft-Wasser, 10 kW) | 32.000 EUR |
| 8. Innenausbau, Elektrik, hydraulischer Abgleich | 38.600 EUR |
| Eigenanteil nach Förderung | 110.500 EUR |
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