Gesundheit

Schimmel beseitigen und vorbeugen:
Der ultimative Ratgeber

Von der Ursachenanalyse bis zur professionellen Sanierung. Mit interaktivem Taupunkt-Rechner, Entscheidungsbaum und rechtlichen Hinweisen.

16 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Februar 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist Schimmel?

Schimmelpilze sind mikroskopische Organismen, die auf feuchten Oberflächen wachsen und ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen.

Schimmelpilze gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde. Sie verbreiten sich über Sporen, die in der Luft schweben und bei geeigneten Bedingungen auf Oberflächen keimen. Drei Faktoren begünstigen Wachstum: Feuchtigkeit (rel. Luftfeuchtigkeit >60%), Temperatur (5-35 °C) und organisches Material (Tapeten, Putz, Holz, Staub).

Gesundheitsrisiken: Schimmelsporen und Mykotoxine können allergische Reaktionen, chronische Atemwegserkrankungen, Asthma, Kopfschmerzen und Schleimhautreizungen auslösen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und immungeschwächte Personen. Stachybotrys chartarum ("Schwarzschimmel") produziert Satratoxine, die bei Dauerexposition toxisch wirken.

UBA-Empfehlung: Ab einer befallenen Fläche von mehr als 0,5 m² sollte die Schimmelsanierung von einer Fachfirma durchgeführt werden. Eigene Reinigungsversuche können Sporen freisetzen und die Belastung verschlimmern.

Aspergillus

Aspergillus niger / fumigatus

Häufigster Schimmel in Wohnräumen. Bildet grün-schwarze Kolonien, kommt in Bad, Küche und auf Lebensmitteln vor. Kann Aspergillose (Lungenmykose) verursachen.

Hohes Risiko

Cladosporium

Cladosporium herbarum

Olive-grüner bis brauner Schimmel, häufig an Fensterrahmen und Silikonfugen. Hauptauslöser für Schimmelpilzallergien mit Heuschnupfen-ähnlichen Symptomen.

Mittleres Risiko

Stachybotrys

Stachybotrys chartarum

Der berüchtigte "Schwarzschimmel". Wächst auf dauerhaft durchfeuchtetem Material (Gipskarton, Tapeten). Produziert Mykotoxine (Satratoxine), die hochgiftig wirken.

Sehr hohes Risiko

Ursachen-Finder: Woher kommt der Schimmel?

Beantworten Sie die Fragen, um die wahrscheinlichste Ursache und die passende Maßnahme zu finden.

Wo tritt der Schimmel auf?

Die 5 Hauptursachen für Schimmel

Fast jeder Schimmelbefall lässt sich auf eine oder mehrere dieser Ursachen zurückführen.

01

Wärmebrücken

Geometrische oder konstruktive Schwachstellen in der Gebäudehülle, an denen die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt fällt. Typisch: Außenecken, Rollladenkästen, Betondeckenanschlüsse.

Baulich bedingt
02

Falsches Lüften

Dauerhaft gekippte Fenster kühlen die Laibung aus, statt die feuchte Raumluft effektiv auszutauschen. Empfohlen: 3-4x täglich Stoßlüften für 5-10 Minuten bei vollständig geöffneten Fenstern.

Nutzerverhalten
03

Eindringende Feuchtigkeit

Undichte Dächer, defekte Fallrohre, mangelhafte Abdichtung im Sockel- und Kellerbereich oder aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk führen zu dauerhafter Durchfeuchtung.

Wasserschaden
04

Baumängel

Fehlende oder mangelhafte Dampfbremsen, schlecht ausgeführte Anschlüsse, Verarbeitungsfehler bei Abdichtungen oder unzureichende Trocknungszeiten nach Bauarbeiten.

Konstruktionsfehler
05

Fenstertausch ohne Lüftungskonzept

Moderne dichte Fenster in Altbauten verhindern den natürlichen Luftaustausch. Laut DIN 1946-6 ist bei Fensteraustausch ein Lüftungskonzept Pflicht, um ausreichenden Mindestluftwechsel sicherzustellen.

DIN 1946-6

Taupunkt-Rechner

Berechnen Sie den Taupunkt aus Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit — und erfahren Sie, ob Schimmelgefahr besteht.

10 °C20 °C30 °C
20 %50 %80 %95 %
Magnus-Formel: Td = (237,3 × γ) / (17,27 − γ) mit γ = (17,27 × T) / (237,3 + T) + ln(RH/100).
Schimmelgefahr besteht, wenn die Wandoberflächentemperatur den Taupunkt erreicht. Typisch: Außenecken liegen 3-5 °C unter der Raumtemperatur.
Berechneter Taupunkt
9,3
°C
bei 20 °C und 50 % rF
Kein Schimmelrisiko
Wandoberfläche Außenecke (geschätzt):
~16 °C
Puffer zum Taupunkt: 6,7 °C

Schimmel selbst beseitigen (bis 0,5 m²)

Kleine Flächen können Sie selbst behandeln — wenn Sie die Ursache kennen und Schutzmaßnahmen einhalten.

1

Schutzausrüstung anlegen

FFP2-Atemschutzmaske, Schutzbrille, Einweg-Handschuhe und langärmlige Kleidung tragen. Raum gut belüften, Tür zu angrenzenden Räumen geschlossen halten.

2

Fläche beurteilen

Größe des Befalls messen. Bis 0,5 m²: Eigenbehandlung möglich. Bei größeren Flächen, Stachybotrys-Verdacht oder Befall in Hohlräumen: sofort Fachfirma beauftragen. Bei Mietwohnungen den Vermieter informieren.

3

Ursache abstellen

Schimmelentfernung ohne Ursachenbeseitigung ist sinnlos — der Befall kehrt zurück. Feuchtequelle identifizieren: Undichtigkeit reparieren, Lüftungsverhalten ändern oder Wärmebrücke dämmen.

4

Reinigung mit 70% Isopropanol

Befallene Stelle mit 70-80% Isopropylalkohol (Ethanol) einsprühen, 10 Minuten einwirken lassen und mit Einwegtuch abwischen. Kein Chlorreiniger — dieser schädigt das Material und löst die Ursache nicht. Tapeten und Silikonfugen im befallenen Bereich entfernen und erneuern.

5

Kontrolle nach 4 Wochen

Stelle regelmäßig prüfen. Tritt der Schimmel erneut auf, ist die Ursache nicht beseitigt — dann professionelle Ursachenanalyse beauftragen.

Professionelle Schimmelsanierung

Bei größerem Befall, gesundheitlichen Beschwerden oder unklarer Ursache ist eine Fachfirma unerlässlich.

Ab 0,5 m²

Wann zum Profi?

Gemäß UBA-Schimmelleitfaden (2024): Flächen >0,5 m², verdeckter Befall (hinter Verkleidungen, in Hohlräumen), wiederkehrender Schimmel trotz Reinigung, Stachybotrys-Verdacht oder bei Personen mit Immunschwäche.

3-5 Tage

Ablauf der Sanierung

1. Bestandsaufnahme & Feuchtemessung → 2. Ursachenanalyse (ggf. Materialprobe) → 3. Abschottung & Unterdruckhaltung → 4. Fachgerechte Entfernung & Desinfektion → 5. Trocknung & Wiederaufbau → 6. Kontrollmessung.

1.500-8.000 €

Kosten

Je nach Ausmaß, Ursache und Sanierungsaufwand. Kleine Flächen (Bad): ab 1.500 €. Großflächiger Befall mit Wärmebrückensanierung: 4.000-8.000 €. Ursachenbeseitigung (z.B. Innendämmung, Abdichtung) kommt ggf. hinzu.

UBA 2024

Normen & Richtlinien

UBA-Schimmelleitfaden (aktualisiert 2024), WTA-Merkblatt 4-12 (Schimmelpilzsanierung), DIN 1946-6 (Lüftungskonzept), TRGS 524 (Schutzmaßnahmen). Achten Sie auf zertifizierte Sachverständige (TÜV, DEKRA).

Schimmel wirksam vorbeugen

Mit diesen Maßnahmen senken Sie das Schimmelrisiko in Ihrer Wohnung auf ein Minimum.

Stoßlüften: 3-4x täglich für 5-10 Min. mit weit geöffneten Fenstern. Im Winter kürzer (3-5 Min.), dafür häufiger. Querlüften ist am effektivsten.
Heizen >16 °C: Auch in wenig genutzten Räumen die Temperatur nie unter 16 °C fallen lassen. Gleichmäßiges Heizen ist effizienter als Stoßheizen.
Möbel 5-10 cm Abstand: Schränke und Regale an Außenwänden mindestens 5-10 cm abrücken, damit Luft zirkulieren kann.
Luftfeuchtigkeit <60%: Mit Hygrometer kontrollieren. Ideal: 40-55% rel. Luftfeuchtigkeit. Wäsche nicht in Wohnräumen trocknen.
Türen schließen: Feuchträume (Bad, Küche) nach Nutzung sofort lüften, aber Türen zu kälteren Räumen geschlossen halten, um Feuchtetransport zu vermeiden.
Wärmebrücken sanieren: Außenwände professionell dämmen, um kalte Oberflächentemperaturen zu vermeiden. NEUWEST berät Sie zur optimalen Lösung.
Lüftungsanlage: Bei energetischer Sanierung oder Fenstertausch eine dezentrale Wohnraumlüftung mit Feuchtesteuerung einplanen (DIN 1946-6).
Regelmäßige Kontrolle: Risikostellen (Außenecken, Fensterlaibungen, hinter Möbeln) mindestens 2x jährlich inspizieren — vor allem nach dem Winter.

Schimmel und Mietrecht

Wer trägt die Verantwortung — und wann ist eine Mietminderung möglich?

Vermieter-Pflicht

Baumangel als Ursache

Liegt die Ursache in der Bausubstanz (fehlende Dämmung, Wärmebrücken, mangelhafte Abdichtung), ist der Vermieter zur Beseitigung verpflichtet (§ 535 BGB). Der BGH stellt klar: Der Vermieter muss beweisen, dass der Mieter den Schimmel verursacht hat (Beweislastumkehr seit BGH VIII ZR 182/06).

Mieter-Pflicht

Lüftungsverhalten

Mieter sind zu "normalem Heiz- und Lüftungsverhalten" verpflichtet. 3x tägliches Stoßlüften gilt laut Rechtsprechung als zumutbar. Mehr als 4x wird von Gerichten oft als unzumutbar eingestuft — in diesem Fall liegt ein baulicher Mangel nahe.

Beweislast

Wer muss beweisen?

Der Vermieter muss nachweisen, dass das Gebäude mangelfrei ist und der Schimmel allein durch das Nutzerverhalten entstand (BGH VIII ZR 182/06). Ein Sachverständigengutachten ist in strittigen Fällen meist unvermeidbar. Kosten: 800-2.000 €.

Mietminderung

Mietminderung bei Schimmel

Ist der Vermieter verantwortlich, sind Mietminderungen von 10-100% möglich (je nach Ausmaß). Voraussetzung: Schriftliche Mängelanzeige mit Fristsetzung. Bei Gesundheitsgefährdung besteht ggf. ein Recht zur fristlosen Kündigung (§ 569 Abs. 1 BGB).

Wichtig: Dokumentieren Sie Schimmelbefall sofort mit Fotos, Datum und Raumklimadaten (Temperatur, Luftfeuchtigkeit). Melden Sie den Mangel unverzüglich schriftlich an den Vermieter. Nur so sichern Sie Ihre Rechte.

FAQ zu Schimmel in Wohnräumen

Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen unserer Kunden.

Ist Schimmel in der Wohnung gefährlich?
+
Ja. Schimmelpilze geben Sporen und teils giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) in die Raumluft ab. Diese können Allergien, Asthma, Atemwegserkrankungen, Kopfschmerzen und Hautreizungen auslösen. Besonders gefährdet sind Kinder, Senioren und immungeschwächte Personen. Bei sichtbarem Schimmel sollten Sie immer handeln.
Ab welcher Fläche brauche ich eine Fachfirma?
+
Das Umweltbundesamt empfiehlt ab einer befallenen Fläche von mehr als 0,5 m² eine professionelle Sanierung. Auch bei verdecktem Befall (hinter Verkleidungen), wiederkehrendem Schimmel oder Verdacht auf toxische Arten (Stachybotrys) sollten Sie grundsätzlich eine Fachfirma beauftragen.
Hilft Anti-Schimmel-Farbe dauerhaft?
+
Nein — Anti-Schimmel-Farbe bekämpft nur das Symptom, nicht die Ursache. Fungizide Farben hemmen das Wachstum kurzfristig (6-12 Monate), lösen aber nicht das Feuchtigkeitsproblem. Zudem geben sie biozide Wirkstoffe an die Raumluft ab. Nur die dauerhafte Beseitigung der Feuchteursache verhindert Neubefall.
Wie entferne ich Schimmel an Silikonfugen?
+
Befallenes Silikon muss komplett entfernt und erneuert werden — Reinigen allein reicht nicht, da Schimmel tief ins Material eindringt. Altes Silikon mit Cutter und Silikonentferner herauslösen, Fuge mit 70% Isopropanol desinfizieren, gut trocknen lassen und neues, fungizides Sanitärsilikon auftragen.
Warum hilft Stoßlüften besser als Kipplüften?
+
Beim Stoßlüften (5-10 Min., Fenster ganz offen) wird die feuchte Raumluft in kurzer Zeit komplett ausgetauscht — die Wände kühlen kaum ab. Kipplüften dagegen tauscht kaum Luft aus, kühlt aber die Fensterlaibung dauerhaft aus. Die Folge: niedrige Oberflächentemperatur + hohe Luftfeuchtigkeit = ideale Bedingungen für Schimmel.
Was kostet eine professionelle Schimmelsanierung?
+
Die Kosten variieren stark nach Ausmaß und Ursache. Kleine Sanierung (Bad/Fensterbereich): 1.500-3.000 €. Großflächiger Befall mit Ursachenbeseitigung: 4.000-8.000 €. Ein Sachverständigengutachten kostet zusätzlich 800-2.000 €. Klären Sie die Kostenübernahme mit Vermieter oder Versicherung (bei Wasserschaden).
Ist schwarzer Schimmel besonders gefährlich?
+
Die Farbe allein sagt wenig über die Gefährlichkeit aus — viele harmlose Arten sind schwarz. Stachybotrys chartarum ("Schwarzschimmel") ist jedoch tatsächlich besonders toxisch, da er Mykotoxine (Satratoxine) produziert. Eine sichere Bestimmung ist nur per Laboranalyse möglich. Bei dunklem Befall auf dauerhaft feuchtem Material sollten Sie vorsichtshalber eine Probe nehmen lassen.
Kann ich meine Miete mindern, wenn Schimmel auftritt?
+
Ja, wenn der Schimmel durch einen baulichen Mangel verursacht wird (Wärmebrücken, fehlende Dämmung). Der Vermieter muss beweisen, dass Sie den Schimmel selbst verursacht haben (BGH VIII ZR 182/06). Mietminderungen von 10-100% sind je nach Ausmaß möglich. Voraussetzung: schriftliche Mängelanzeige mit Frist. Lassen Sie sich ggf. von einem Mieterverein beraten.
Welche Luftfeuchtigkeit ist ideal?
+
Die optimale relative Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen liegt bei 40-55%. Ab 60% steigt das Schimmelrisiko deutlich, ab 70% ist Schimmelbildung auf kühleren Oberflächen fast unvermeidlich. Investieren Sie in ein Hygrometer (ab ca. 10 €) und kontrollieren Sie die Werte regelmäßig — besonders in Schlafzimmer, Bad und Küche.
Brauche ich nach Fenstertausch ein Lüftungskonzept?
+
Ja, laut DIN 1946-6 ist bei Austausch von mehr als einem Drittel der Fenster ein Lüftungskonzept Pflicht. Neue Fenster sind deutlich dichter als alte — der natürliche Luftwechsel durch Fugen entfällt. Ohne Lüftungskonzept steigt die Luftfeuchtigkeit und damit das Schimmelrisiko massiv. Mögliche Lösungen: Fensterfalzlüfter, dezentrale Lüftungsgeräte oder zentrale Wohnraumlüftung.

Schimmel-Beratung anfragen

Kostenlose Erstberatung durch unsere Bau-Experten — von der Ursachenanalyse bis zur Sanierung.