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Dach- & Fassadenbegrünung Berlin
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Video: Dach- & Fassadenbegrünungvon Neuwest Bauleitern empfohlen
Leistung · Gewerk Dacharbeiten

Dach- & Fassadenbegrünung in Berlin fachgerecht ausführen lassen

Ob extensives Gründach mit 8 cm Sedum-Substrat oder begrünte Fassade mit bodengebundenen Kletterpflanzen: Die konstruktive Grundlage entscheidet über Langlebigkeit, Staunässefreiheit und Wurzelschutz. Maßgebend sind der normgerechte Schichtaufbau, die wassergesättigte Auflast als Bemessungsgrundlage sowie ein nach DIN EN 13948 geprüft wurzelfester Abdichtungsaufbau.

In Berlin lohnt sich die genaue Planung auch wegen der Niederschlagswassergebühr der BWB: Gründächer mit mindestens 6 cm Substrataufbau werden nach aktueller Entwässerungsgebührensatzung mit dem Abflussbeiwert 0,5 angerechnet — die begrünte Fläche gilt zur Hälfte als nicht versiegelt und reduziert damit dauerhaft die laufende Wassergebühr.

Leistungsumfang

Was umfasst Dach- & Fassadenbegrünung?

  • Zustandsaufnahme und statische Vorbewertung des Dach- oder Fassadenuntergrundes (wassergesättigte Auflast, Gefälle, Anschlüsse)
  • Planung des Schichtaufbaus: Abdichtung nach DIN 18531, Wurzelschutzlage nach DIN EN 13948, Drainageelement, Filtervlies, Normsubstrat
  • Begrünungstypauswahl nach FLL-Richtlinie: Extensiv (6–15 cm), einfache Intensiv (15–25 cm) oder Intensivbegrünung (>25 cm)
  • Ausführung wurzelfester Abdichtungs- und Schutzlagen mit normgerechten Anschlüssen an Attika, Wandflächen und Durchdringungen
  • Einbau Drainageelement und Substrat in definierter Schichtdicke mit gesicherter, gefällegeführter Entwässerung (mind. 1,5 % Gefälle)
  • Vegetationsaufbau und Fertigstellungspflege bis zur geschlossenen Vegetationsdeckung; bei Fassade: Montage Ranksystem oder Wandmodule

Fassadenbegrünung wird je nach Anforderung als bodengebundenes Ranksystem aus korrosionsbeständigen Edelstahlseilen oder -stäben oder als wandgebundenes Modulsystem mit integrierter Bewässerungsanlage ausgeführt. Beide Systeme unterscheiden sich grundlegend in Substrat- und Wasserversorgung, Konstruktionsaufwand und laufendem Pflegebedarf.

6–15 cmSubstratdicke Extensivbegrünung (FLL-Mindest 6 cm)
60–150 kg/m²Sättigungsgewicht extensiv (wassergesättigt)
40–60 JahreAbdichtungslebensdauer unter Begrünung
ab 5°Dachneigung mit Pflicht zur Schubsicherung
Systemaufbau Gründach: Alle Lagen von der Abdichtung bis zur Vegetationsdecke – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Fehlende Zertifizierung macht Gewährleistungsansprüche hinfällig

Wurzelschutznachweis: wann eine Abdichtung wirklich gilt

Nicht jede bituminöse Dachabdichtungsbahn ist automatisch wurzelfest — für Dachbegrünungen ist ein Wurzelschutznachweis nach EN 13948 zwingend erforderlich. Ohne diesen Nachweis erlischt die Herstellergewährleistung für die Abdichtung, selbst wenn die Bahn technisch einwandfrei verlegt wurde.

Besondere Vorsicht gilt bei Umkehrdächern, wo Wurzeln die Dämmebene erreichen können, bevor eine Schädigung an der Oberfläche sichtbar wird. Die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) verlangt den Nachweis als Planungsunterlage — fehlende Dokumente führen bei Gewährleistungsstreitigkeiten regelmäßig zum Nachteil des Auftraggebers.

Querschnitt Umkehrdach: Wurzel dringt unbemerkt bis zur wurzelfesten Abdichtung in der Dämmebene vor, Oberfläche wirkt intakt.
Schematischer Aufbau

Schichtaufbau Extensivbegrünung (von oben nach unten)

Mineralische Leichtzuschläge statt humusreicher Erde

Gründach-Substrat: warum Gartenerde das Falsche ist

Gründach-Substrate bestehen aus mineralischen Leichtzuschlägen wie Blähton, Lavagranulat oder Bims mit definierter Korngrößenverteilung. Diese Materialien bieten die nötige Luftkapazität und verhindern Setzungen, die bei Gartenerde durch Zersetzung organischer Substanz entstehen.

Gartenerde verdichtet sich unter Dauerfeuchtigkeit, verliert ihre Luftkapazität und kann anaerob werden — das tötet Pflanzenwurzeln und verstopft Drainmatten. Die FLL-Richtlinie begrenzt den organischen Anteil in Extensivsubstraten ausdrücklich, um Setzungen und Dränmittelverstopfungen über die gesamte Nutzungsdauer zu verhindern.

Interaktiv

Gründach-Kostenrechner

Kalkulation für Extensivbegrünung mit 100 mm FLL-Substrat (Typ S, Körnung 0/16 mm). Gesättigtes Systemgewicht ca. 100–130 kg/m². Vergleich: Einfach intensiv (150–300 mm) ca. 80–150 EUR/m²; intensiv mit Baum (ab 800 mm) ca. 200–500 EUR/m². Statische Freigabe durch Tragwerksplaner zwingend vor Beauftragung.

FLL-Leichtsubstrat Typ S (Extensiv, 100 mm Einbaudicke)
Richtkosten inkl. Arbeit

Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

Preise & Kosten

Was kostet Dach- & Fassadenbegrünung?

Richtwerte für Berlin inklusive Material und Verlegung; Tragwerksüberprüfung, Planung und Brandschutzmaßnahmen sind separat zu kalkulieren.

LeistungPreis-Spanne (Richtwert)
Extensivbegrünung (schlüsselfertig)40–80 EUR/m²
Intensivbegrünung einfach (Gräser, Stauden)90–150 EUR/m²
Intensivbegrünung komplex (Gehölze, Wege)150–350 EUR/m²
Fassadenbegrünung bodengebunden30–70 EUR/lfd. m
Fassadenbegrünung fassadengebunden (Modulsystem)80–200 EUR/m²
Nur Substrat- und Drainageaufbau25–45 EUR/m²
Wartung Extensivdach (jährlich)0,80–1,50 EUR/m²
Wartung Intensivdach (jährlich)2,00–5,00 EUR/m²

Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.

Fassadenbegrünung: Bodengebundene Kletterpflanze vs. wandgebundenes Kassettensystem – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Nicht Trocken-, sondern Nassgewicht entscheidet über Tragfähigkeit

Statik: Sättigungsgewicht als kritische Planungsgröße

Das Sättigungsgewicht — das Gewicht des vollständig wassergesättigten Aufbaus — ist die maßgebliche Lastannahme für die Tragwerksplanung, nicht das Trockengewicht. Extensivbegrünungen erreichen 60–150 kg/m², intensive Systeme mit Gehölzen und Substrattiefen über 40 cm können 500–900 kg/m² auf das Tragwerk aufbringen.

Bei Bestandsgebäuden aus den 1960er bis 1980er Jahren ist die Tragwerksüberprüfung kein optionaler Schritt. Die meisten dieser Stahlbetonkonstruktionen wurden nicht für Nutzlasten einer Intensivbegrünung dimensioniert; eine nachträgliche Ertüchtigung kann die Wirtschaftlichkeit des Projekts grundlegend verändern.

Querschnitt: wassergesättigte Intensivbegrünung belastet Stahlbetondecke und Stütze eines Bestandsbaus, mit nachträglicher Ertüchtigung.
Im Vergleich

Extensiv- vs. Intensivbegrünung im Vergleich

MerkmalExtensivbegrünungIntensivbegrünung
Substratdicke6–15 cm20–100+ cm
Sättigungsgewicht60–150 kg/m²200–900 kg/m²
Zugänglichkeitnicht begehbarbegehbar
Pflegeaufwand1–2 × jährlich4–8 × jährlich
PflanzenwahlSedum, Moose, WildkräuterStauden, Gehölze, Bäume
Bewässerungmeist nicht erforderlichdauerhaft erforderlich
Kosten (Richtwert)40–80 EUR/m²90–350 EUR/m²
Verlängerte Abdichtungslebensdauer überwiegt Wartungskosten im Gesamtvergleich

Lebenszykluskosten: was Wartung wirklich kostet — und was sie spart

Extensivdächer in Berlin erfordern typischerweise zwei Begehungen pro Jahr: Kontrolle der Dachabläufe, Unkrautentfernung und bei Bedarf Düngung. Die Wartungskosten liegen bei ca. 0,80–1,50 EUR/m² und Jahr — bei 200 m² sind das 160–300 EUR jährlich.

Die Dachabdichtung unter Begrünung ist vor UV-Strahlung und extremen Temperaturwechseln geschützt und erreicht laut Herstellerangaben und Praxiserfahrungen eine Lebensdauer von 40–60 Jahren gegenüber 20–30 Jahren auf ungeschützten Flachdächern. Im 30-Jahres-Vergleich überwiegt dieser Vorteil die kumulierten Wartungskosten in der Regel deutlich.

Lösungs-Finder

Begrünungstyp-Finder: System nach Dachparametern wählen

Welche Parameter treffen auf Ihr Dach zu?

Extensivbegrünung (FLL-Mindestsubstrat 60 mm, Sedum-Moos-Gräser-Gesellschaft). Abflussbeiwert ψ ≈ 0,20. Systemgewicht gesättigt ca. 80–130 kg/m². Statik: Nachweis nach DIN EN 1991-1-1 (Eigengewicht gesättigt + Verkehrslast). Bei Neigung über 5°: Rückhaltevlies oder Profilnoppen-Drainage nach FLL-Richtlinie vorsehen.
Einfach intensive Begrünung (FLL: 150–300 mm Substrat, Stauden und Gehölze bis 80 cm). Abflussbeiwert ψ ≈ 0,10–0,15. Systemgewicht gesättigt ca. 200–400 kg/m². Statik: Unabhängiges Tragwerksgutachten vor Planung erforderlich. Tropfbewässerung mit Feuchtefühler für gleichmäßige Pflanzenentwicklung einplanen.
Intensive Begrünung (FLL: ab 500 mm für Sträucher, ab 800 mm für Solitärbäume bis 5 m Kronenhöhe). Systemgewicht gesättigt ca. 500–1.200 kg/m². Durchwurzelungsschutz nach FLL und DIN 18531 prüfen. Statischer Einzellastnachweis je Baumstandort erforderlich. Auf Bestandsgebäuden häufig nur mit Lastverteilungsplatten umsetzbar.
Extensiv-Hybrid (80–120 mm Substrat). Bifaziale Module profitieren vom Albedo-Effekt der Vegetation (Studien: +3–6 % Mehrertrag gegenüber Kiesballast). Mindestabstand Vegetation zu Modulunterkante: 0,50 m (Brandschutz und Wartung). FLL-Empfehlung: mindestens 2 m² Begrünung je kWp. Kombinierter Windlastnachweis nach DIN EN 1991-1-4 erforderlich.
Technische Daten

Technische Kennwerte nach FLL-Dachbegrünungsrichtlinie

Substratdicke extensiv (FLL-Minimum)6 cm; Empfehlung 8 cm
Substratdicke intensiv (FLL-Minimum)20 cm; bei Gehölzen >40 cm
Sättigungsgewicht extensiv60–150 kg/m²
Sättigungsgewicht intensiv200–900 kg/m²
Wasserspeicherkapazität Substrat35–45 Vol.-% (FLL-Richtwert)
Schubsicherung erforderlich ab5° Dachneigung
Brandschutzstreifen Mindestbreite50 cm kiesbedeckt, unbewachsen
Filtervlies Mindestflächenmasse100 g/m² (systemabhängig)
Wurzelschutznachweisnach EN 13948 (Pflicht für alle Dachabdichtungen unter Begrünung)
FLL-Intensivklassen: Substrattiefe, Traglast und Nutzungsprofil im Vergleich – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Erosionsschutz und Schubsicherung sind keine Optionen

Geneigte Flächen: was ab 5° anders geplant werden muss

Ab einer Dachneigung von etwa 5° beginnt Extensivsubstrat bei Starkregen zu verrutschen. Die FLL-Richtlinie unterscheidet Niedergefälle- und Steilflächen-Systeme: Bis ca. 15° reichen Erosionsschutzmatten (Jute, Kokos), darüber sind Schubsicherungswinkel oder Stahlgitter zwingend.

Drainbahnen müssen bei geneigten Flächen so verlegt werden, dass einerseits Staunässe ausgeschlossen ist, andererseits ausreichend Wasserrückhalt für die Vegetation bleibt — bei steilem Gefälle oft ein Zielkonflikt. Bewässerungssysteme werden bei geneigten Extensivdächern häufiger benötigt als bei Flachdächern, da das Substrat schneller austrocknet.

Querschnitt eines geneigten Extensivdachs mit Drainbahn, Schubschwelle, Bewässerungsrohr und Substrat zur Vermeidung von Staunässe bei Gefälle.
Im Überblick

Begrünungsarten und Systeme im Überblick

Extensivbegrünung

6–15 cm Substrat; Sedum-Mischungen, Wildkräuter, Moose; pflegearme Selbstregulation; kein Bewässerungssystem im Normalbetrieb; geringstes Gewicht und niedrigste Kosten; auch auf Schrägdächern bis 45° mit Sonderkonstruktion möglich.

Intensivbegrünung einfach

20–40 cm Substrat; Gräser, Stauden, Bodendecker; begehbar; Bewässerungsanlage erforderlich; typisch für Tiefgaragendecken und Innenhöfe; Wartung 4–6 × jährlich.

Intensivbegrünung komplex

Über 40 cm Substrat; ermöglicht Gehölze, Solitärbäume, Wege und Wasserflächen; höchste statische Anforderungen; vollständige Freiraumplanung erforderlich; Kosten 150–350 EUR/m².

Fassadenbegrünung bodengebunden

Kletterpflanzen (Efeu, Weinrebe, Clematis) wachsen vom Bodenpflanzbeet an der Fassade hoch; geringe Investition; Risiko: Feuchteeintrag bei fehlendem Wandabstand — Mindestabstand 10 cm zur Wandfläche einhalten.

Fassadenbegrünung fassadengebunden

Wandmontierte Trägersysteme mit Substratmodulen und integrierter Bewässerung; auch ohne Bodenkontakt realisierbar; hohe Gestaltungsfreiheit; aufwendige Wartung; typisch für Gewerbe- und Repräsentationsbauten.

Strukturvielfalt erhöht Habitatwert und erfüllt Berliner Artenschutzvorgaben

Biodiversität gezielt gestalten: mehr als flächiges Sedum

Eine artenreiche Dachbegrünung benötigt Substratvielfalt statt Monokultur: Unterschiedliche Substratdicken (8, 12, 18 cm) auf einer Fläche schaffen Trocken- und Feuchthabitate für Wildbienen, Käfer und Spinnen. Offene Kiesflächen, Totholzstapel und sandige Bereiche erhöhen den Habitatwert erheblich.

Im Rahmen von Berliner Baugenehmigungen kann eine Dachbegrünung als Maßnahme zum naturschutzrechtlichen Ausgleich anerkannt werden — der Habitatwert muss dokumentiert und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt sein. Reine Sedum-Einheitsdecken werden dabei in der Regel geringer bewertet als strukturreiche Mischbegrünungen mit heimischen Wildpflanzen.

Interaktiv

KAV-Gebührenersparnis-Rechner Berlin

Berliner Niederschlagswasserentgelt (BWB 2024): ca. 1,84 EUR/(m²·a) für befestigte, ans Kanalnetz angeschlossene Dachflächen. Extensive Begrünung senkt den Abflussbeiwert auf ψ ≈ 0,20 — 80 % der Niederschlagseinleitung entfallen. Der Rechner zeigt die jährliche Gebührenreduktion. BWB-Tarifblatt jährlich prüfen.

Anrechenbare Entlastungsfläche (extensiv, ψ = 0,20)
Richtkosten inkl. Arbeit

Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

Gewährleistungsfalle: Abdichtung ohne Wurzelschutznachweis

Bituminöse Bahnen ohne Prüfnachweis nach EN 13948 gelten bei Dachbegrünungen nicht als wurzelfest — die Herstellergewährleistung erlischt. Bestehen Sie bei der Ausschreibung auf dem schriftlichen Nachweis als Planungsunterlage.

Bewässerung im Etablierungsjahr einplanen

Richtig geplante Extensivbegrünungen in Berlin kommen im Regelbetrieb ohne aktive Bewässerung aus. Im ersten Vegetationsjahr nach der Verlegung ist ein temporärer Bewässerungsanschluss sinnvoll, um Trockenstress der Jungpflanzen zu vermeiden.

Berliner Gründachstrategie und Fördermöglichkeiten

Berlin fördert Dachbegrünungen im Rahmen der städtischen Gründachstrategie. Aktuelle Förderprogramme des Landes Berlin und der IBB können die Investitionskosten spürbar reduzieren — eine Prüfung vor Auftragsvergabe lohnt sich.

Notentwässerung nicht vergessen

Jede Dachbegrünung benötigt einen gesicherten Notablauf. Ein verstopfter Hauptablauf kann zur Durchfeuchtung der Abdichtung führen. Notüberläufe sind nach DIN 1986-100 zu dimensionieren und müssen dauerhaft zugänglich bleiben.

Synergie Gründach und Photovoltaik: Verdunstungskühlung steigert Modulleistung – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Zu schmale Kiesstreifen verursachen Brandschutz- und Erosionsmängel

Randausbildung: der häufigste Ausführungsfehler beim Gründach

Der am häufigsten anzutreffende Ausführungsfehler ist ein zu schmaler oder fehlender Kiesrandstreifen an Attika, Dachabläufen und Dachaufbauten. Die FLL-Richtlinie fordert begrünungsfreie, kiesbedeckte Streifen von mindestens 50 cm Breite — aus Brand-, Erosions- und Wartungsgründen.

An der Attika müssen Substrat und Kiesstreifen mit einem profilierten Winkelblech aus Zink oder Edelstahl sauber getrennt werden, damit kein Substrat in den Kiesbereich wandert und umgekehrt kein Kies die Vegetationsfläche kontaminiert. Fehlende Trennelemente führen mittel- bis langfristig zu Erosionsschäden und erschweren die Wartungsbegehung.

Querschnitt der Gründach-Randausbildung an der Attika: profiliertes Winkelblech trennt Kiesstreifen und Substrat-Vegetationsschicht sauber.

Vor- und Nachteile der Dachbegrünung

Vorteile

  • Abdichtungslebensdauer 40–60 Jahre durch UV- und Thermoschutz (statt 20–30 Jahre ungeschützt)
  • Regenwasserrückhalt: Extensivdächer puffern 50–70 % des jährlichen Niederschlags
  • Kühlwirkung im Sommer: bis 50 K niedrigere Abdichtungstemperatur gegenüber ungeschütztem Bitumendach
  • Naturschutzrechtlicher Ausgleich: Begrünung kann Kompensationspflichten in Berliner Baugenehmigungen erfüllen
  • Schallminderung: Substrat und Vegetation dämpfen Körper- und Luftschall (relevant bei Fluglärmbelastung)

Nachteile / Grenzen

  • Erhöhte statische Anforderungen; bei Bestandsgebäuden ggf. kostspielige Tragwerksertüchtigung nötig
  • Erstinvestition 40–350 EUR/m² je nach System — deutlich über einfachem Flachdachaufbau
  • Regelmäßige Wartungspflicht; Vernachlässigung führt zu Ablaufverstopfung und Abdichtungsschäden
  • Geneigte Flächen ab 5° erfordern Zusatzkonstruktionen (Schubsicherung, Erosionsschutzmatten)
  • Fassadenbegrünung ohne ausreichenden Wandabstand kann Feuchteschäden an der Außenwand verursachen
Evapotranspiration reduziert Oberflächentemperaturen um bis zu 50 Kelvin

Thermische Wirkung: wie Gründächer Dachgeschosse kühlen

Auf einem ungeschützten Bitumendach werden im Berliner Hochsommer Oberflächentemperaturen von 70–80 °C gemessen. Unter einem Extensivgründach bleiben die Temperaturen an der Abdichtungsoberfläche in der Regel unter 30 °C — die Differenz von bis zu 50 K resultiert aus der kombinierten Wirkung von Albedo, Substrat-Wärmepufferung und Evapotranspiration der Vegetation.

KAV Berlin: Niederschlagswassergebühr und anrechenbare Flächenreduktion je Gründachtyp – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Querschnitt: Gründach kühlt Dachgeschoss – dichte Stauden mit hohem LAI reduzieren Wärmelast stärker als dünnes Sedum.

Für das darunterliegende Dachgeschoss bedeutet das eine messbar reduzierte sommerliche Wärmelast. Der Effekt ist umso größer, je dichter der Bewuchs und je höher der Blattflächenindex (LAI) der Vegetation ist — Sedum mit LAI ≈ 1–2 kühlt weniger effizient als eine artenreiche Stauden-Begrünung mit LAI ≈ 3–5.

Kurz erklärt

Wichtige Begriffe rund um Dach- & Fassadenbegrünung

Sättigungsgewicht
Gewicht des vollständig wassergesättigten Schichtaufbaus (Substrat + Drainage) in kg/m²; maßgebliche Lastannahme für die Tragwerksplanung — nicht das Trockengewicht.
FLL-Dachbegrünungsrichtlinie
Planungs-, Bau- und Instandhaltungsrichtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.; Standardwerk für Dachbegrünungen in Deutschland; regelt Substratanforderungen, Schichtaufbau, Brandschutzstreifen und Wartung.
EN 13948
Europäische Norm zur Prüfung der Wurzelwiderstandsfähigkeit von Abdichtungsbahnen. Pflichtnachweis für alle Dachabdichtungen unter Begrünungsaufbauten; ohne Nachweis erlischt die Herstellergewährleistung.
Extensivbegrünung
Pflegearme Dachbegrünung mit 6–15 cm Substratdicke; hauptsächlich Sedum, Moose und Wildkräuter; nicht begehbar; geringstes Gewicht und niedrigste Kosten.
Intensivbegrünung
Begehbare oder bepflanzungsintensive Dachbegrünung mit mindestens 20 cm Substrat; ermöglicht Gehölze, Sträucher und Dachgartennutzung; höchste statische Anforderungen.
Evapotranspiration
Kombinierter Wasserverlust durch Bodenverdunstung (Evaporation) und Pflanzentranspiration; Hauptmechanismus der Kühlwirkung von Gründächern im Sommer.
Blattflächenindex (LAI)
Verhältnis von Gesamtblattfläche zu Bodenfläche; höherer LAI bedeutet stärkere Evapotranspiration und effizientere Kühlung; Sedum LAI ≈ 1–2, Staudenbegrünung LAI ≈ 3–5.
Drainschicht
Schicht zwischen Substrat und Abdichtung; leitet Überschusswasser ab und speichert Wasser für Trockenphasen; ausgeführt als Noppenfolie oder mineralische Drainschüttung.

Das teuerste an einer Dachbegrünung ist nicht das Substrat — sondern die Tragwerksüberprüfung, die man erst nach dem Einbau nachholt. Bei Berliner Bestandsgebäuden aus den 1960er und 1970er Jahren ist dieser Schritt kein optionaler Zusatz, sondern die Grundlage jeder wirtschaftlichen Planung.

Erfahrungssatz aus der Tragwerksplanung für Bestandsgründächer

Dach- & Fassadenbegrünung Fragen & Antworten

Was ist der technische Unterschied zwischen Extensiv- und Intensivbegrünung?
Die FLL-Richtlinie unterscheidet drei Stufen: Extensivbegrünung mit 6–15 cm Substrat und wassergesättigter Auflast von ca. 80–170 kg/m² (Sedum, Moose, Gräser, nahezu wartungsfrei); einfache Intensivbegrünung mit 15–25 cm Substrat für Stauden und Gräser; sowie Intensivbegrünung ab 25 cm für Sträucher, Bäume und begehbare Dachgärten mit Auflasten von 400–1.000+ kg/m². Entscheidend für die Wahl ist nicht der ästhetische Wunsch allein, sondern die rechnerische Tragfähigkeit der Dachkonstruktion unter wassergesättigtem Substrat zuzüglich Schneelast — bei Bestandsdächern ist ein statisches Gutachten daher Pflicht.
Welche Normen und Regelwerke gelten verbindlich für Dachbegrünung?
Das zentrale Regelwerk ist die FLL-Richtlinie für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen — kein DIN-Dokument, sondern ein anerkanntes Regelwerk der Technik mit Vertragsrelevanz nach VOB/B. Für die Abdichtungsebene gilt DIN 18531 (seit 2017 in fünf Teile aufgeteilt, löst die frühere DIN 18195 für Dachabdichtungen ab). Die Wurzelfestigkeit von Abdichtungsbahnen wird nach DIN EN 13948 nachgewiesen — ein Prüfnachweis, den nicht automatisch jede FPO- oder Bitumenbahn trägt, sondern nur explizit geprüfte und vom Hersteller als wurzelfest deklarierte Produkte.
Wie wirkt sich ein Gründach konkret auf die Berliner Niederschlagswassergebühr aus?
Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) berechnen die Niederschlagswassergebühr nach der angeschlossenen Versiegelungsfläche. Gründächer mit einem Substrataufbau von mindestens 6 cm werden nach der geltenden BWB-Entwässerungsgebührensatzung mit dem Abflussbeiwert 0,5 bewertet — die begrünte Fläche zählt also nur zur Hälfte als versiegelt. Bei einer Dachfläche von 150 m² und dem aktuellen BWB-Gebührensatz ergibt das eine dauerhaft jährlich wiederkehrende Einsparung, die bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung der Begrünung zwingend einkalkuliert werden sollte.
Was unterscheidet bodengebundene von wandgebundener Fassadenbegrünung konstruktiv?
Bodengebundene Systeme führen Kletterpflanzen (Wilder Wein, Kletterhortensie, Efeu) über ein Rank- oder Seilsystem aus Edelstahl an der Fassade nach oben; die Pflanze wurzelt im Erdreich oder Kübel — vergleichsweise günstig (ca. 30–100 €/lfm Ranksystem) und wartungsarm. Wandgebundene Systeme (Living Walls) befestigen Substratmodule oder Hydroponikplatten direkt an der Fassadenunterkonstruktion und erfordern eine separate Bewässerungs- und Nährstoffanlage; Kosten typisch 200–800 €/m². Wandgebundene Systeme eignen sich für fensterlose Flächen oder repräsentative Innenräume, setzen aber zwingend einen Wartungsvertrag für die Bewässerungsanlage voraus.
Welche statischen Anforderungen muss ein Bestandsdach vor der Begrünung erfüllen?
Bemessungsgrundlage ist immer die wassergesättigte Auflast als ungünstigster Lastfall: Extensivbegrünung bringt je nach Substratdicke ca. 80–170 kg/m², einfache Intensivbegrünung 170–400 kg/m², Intensivbegrünung mit Gehölzen 400–1.000+ kg/m². Viele Bestandsdächer der 1960er–1980er Jahre wurden nur für Verkehrslasten von 100–150 kg/m² bemessen. Hinzu kommen Schneelast (Schneelastzone Berlin: Lastklasse 2, charakteristischer Wert ca. 0,85 kN/m²), ggf. Personenverkehr auf begehbaren Flächen sowie die Eigenlast der Konstruktionsschichten — alle Lastfälle sind nach Eurocode 0/1 kumuliert zu betrachten.
Warum sind Drainageelement und Filtervlies keine verzichtbaren Zusatzlagen?
Das Drainageelement (Noppenfolie oder Kunststoff-Drainplatte) leitet Überschusswasser zügig zur Entwässerung ab — fehlt ein ausreichendes Gefälle (Mindestgefälle nach FLL: 1,5–2 %) oder die Drainschicht, entstehen dauerhaft anaerobe Staunässezonen, die Pflanzenwurzeln irreversibel schädigen. Das Filtervlies darüber verhindert das Auswaschen von Feinsubstrat in die Drainage (Colmatierung); korrekte Überlappung an den Stößen von mindestens 10 cm ist Pflicht — bei Unterschreitung unterspült Wasser das Vlies lateral und trägt Substrat kontinuierlich in die Drainschicht ein, bis die Entwässerung versagt.
Welche Ausführungsfehler sind bei Dachbegrünung in der Praxis besonders folgenreich?
Häufigster Fehler: kein Wurzelschutznachweis — nicht jede Abdichtungsbahn ist nach DIN EN 13948 geprüft; FPO-Bahnen gelten nicht automatisch als wurzelfest, sondern nur wenn der Hersteller dies explizit deklariert und nachweist. Zweiter kritischer Fehler: Substratschicht zu dünn — Unterschreitung der FLL-Mindestdicke führt bei Trockenperioden zu irreversiblem Vegetationsausfall und Erosion. Dritter Fehler: Substrat ohne Trennlage an Attika- und Wandanschlüssen direkt an Holz- oder Metallkonstruktionen geführt — dauerhafter Feuchte- und Schimmeleintrag in die Dachrandkonstruktion ist die Folge.
Welche Förderprogramme gibt es für Dach- und Fassadenbegrünung in Berlin?
Das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung fördert gebäudebezogene Klimaanpassungsmaßnahmen — darunter Gründächer und Fassadenbegrünung — als Investitionszuschuss. Einzelne Bezirke (u.a. Mitte, Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg) legen zeitweise eigene Fördertöpfe auf. Kombinierbar ist die Bezuschussung mit der dauerhaften Reduktion der BWB-Niederschlagswassergebühr; diese laufende Kostenersparnis sollte stets in die Amortisationsrechnung einfließen. Da Programme zeitlich begrenzt ausgeschrieben werden, sind aktuelle Konditionen und Antragszeiträume direkt bei der zuständigen Berliner Senatsverwaltung zu erfragen.
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Dach- & Fassadenbegrünung Referenzen & Beispiele

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Grundlage für Planung und Ausführung sind die FLL-Richtlinie für Dachbegrünungen, DIN EN 13948 (Wurzelfestigkeit von Abdichtungsbahnen), DIN 18531 (Dachabdichtungen) sowie die Entwässerungsgebührensatzung der Berliner Wasserbetriebe (BWB).

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