DIN 4108-2, Fc-Werte, Gtot-Berechnung und die richtige Strategie gegen Ueberhitzung -- von Raffstore bis Nachtauslueftung, speziell fuer Berliner Bestandsgebaeude.
Der Nachweis nach DIN 4108-2 ist bei Neubau und umfassender Sanierung Pflicht und schuetzt vor Ueberhitzung im Sommer.
Die DIN 4108-2 regelt den Mindestwaermeschutz im Sommer. Ziel ist es, uebermässige Aufheizung von Raeumen durch Sonneneinstrahlung zu vermeiden -- ohne energieintensive Kuehlung. Der Nachweis ist seit der EnEV 2014 und im aktuellen Gebaeudeenergiegesetz (GEG) verpflichtend.
Die Norm kennt zwei Nachweisverfahren: Das vereinfachte Sonneneintragskennwert-Verfahren (Vergleich des vorhandenen mit dem zulaessigen Sonneneintragskennwert) und die thermische Gebaeudesimulation (detailliertes Berechnungsverfahren). Fuer die meisten Wohngebaeude reicht das vereinfachte Verfahren aus.
Entscheidend sind drei Faktoren: Fensterflaeche und -orientierung, Verglasungsqualitaet (g-Wert) und Sonnenschutzsystem (Fc-Wert). In Berlin mit seiner Klimaregion B (seit 2024 angehoben) gelten verschaerfte Anforderungen -- insbesondere bei suedorientierten Fenstern und Dachgeschosswohnungen.
Aussenliegender Sonnenschutz ist bis zu 5x wirksamer als innenliegender -- er stoppt die Waerme, bevor sie ins Gebaeude gelangt.
Der Fc-Wert beschreibt, wie stark ein Sonnenschutzsystem die solare Einstrahlung reduziert. Je niedriger, desto besser.
| Sonnenschutzsystem | Position | Fc-Wert | Reduktion | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Aussenjalousie / Raffstore | aussen | 0,10 -- 0,25 | 75 -- 90 % | sehr gut |
| Rollladen (geschlossen) | aussen | 0,15 -- 0,30 | 70 -- 85 % | sehr gut |
| Senkrechtmarkise (Screen) | aussen | 0,15 -- 0,35 | 65 -- 85 % | gut |
| Markisolette | aussen | 0,20 -- 0,40 | 60 -- 80 % | gut |
| Sonnenschutzverglasung | im Glas | 0,30 -- 0,50 | 50 -- 70 % | mittel |
| Innenjalousie (helle Lamellen) | innen | 0,50 -- 0,65 | 35 -- 50 % | maessig |
| Plissee / Rollo (reflektierend) | innen | 0,55 -- 0,75 | 25 -- 45 % | maessig |
| Vorhang (hell, transparent) | innen | 0,70 -- 0,90 | 10 -- 30 % | gering |
Der Gtot-Wert beschreibt den tatsaechlichen solaren Waermeeintrag durch die Kombination aus Verglasung und Sonnenschutz. Er ist das Produkt aus dem g-Wert der Verglasung und dem Fc-Wert des Sonnenschutzsystems.
Beispiel: 3-fach Verglasung (g = 0,50) mit Aussenjalousie (Fc = 0,15) ergibt gtot = 0,50 × 0,15 = 0,075. Das bedeutet: Nur noch 7,5 % der Sonnenenergie gelangt in den Raum -- eine Reduktion um 85 % gegenueber dem ungeschuetzten Fenster.
Dachgeschosswohnungen sind am staerksten von sommerlicher Ueberhitzung betroffen -- durch Dachflaechenfenster, geringe Speichermasse und fehlende Nachtauslueftung.
Dachflaechenfenster empfangen bis zu 3x mehr Sonnenstrahlung als vertikale Fenster, da die Sonne im Sommer steil einfaellt. Gleichzeitig heizt sich die Dachflaeche auf ueber 70 Grad Celsius auf -- diese Waerme strahlt direkt in den Wohnraum.
Ein ganzheitliches Konzept kombiniert Sonnenschutz, Daemmung und Lueftung. Einzelne Massnahmen allein reichen selten aus.
Berlin liegt in der DIN 4108-2 Klimaregion B -- mit zunehmend heisseren Sommern durch den urbanen Waermeinseleffekt.
Berlins Sommer werden heisser: Die mittlere Sommertemperatur ist in den letzten 30 Jahren um ca. 1,5 °C gestiegen. Der urbane Waermeinseleffekt verstaerkt die Hitze in der Innenstadt um weitere 2 -- 4 °C gegenueber dem Umland. Fuer den Nachweis des sommerlichen Waermeschutzes nach DIN 4108-2 gilt Berlin als Klimaregion B -- das bedeutet strengere Anforderungen an den zulaessigen Sonneneintragskennwert als in Klimaregion A.
Die Nachtauslueftung funktioniert in Berlin gut: Die Nachttemperaturen sinken typischerweise auf 15 -- 20 °C, was ausreichend Kuehlpotenzial bietet. Voraussetzung ist allerdings die Moeglichkeit zur Queerlueftung und ein sicherer Fensterbetrieb (Einbruchschutz, Insektengitter).
Ueberschlaegige Kosten fuer die Nachruestung von Sonnenschutzsystemen an Ihrem Gebaeude in Berlin.
Simulierter Tagesverlauf an einem heissen Sommertag (35 °C Aussentemperatur, Suedwestfenster, Berlin).
Suedwest-Raum, 20 m2, 3-fach Verglasung (g=0,50), 3 m2 Fensterflaeche -- Simulation nach DIN 4108-2
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