Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit erkennen, fachgerecht diagnostizieren und mit dem richtigen Verfahren dauerhaft beseitigen. Mit Kostenrechner und Entscheidungsbaum.
Wasser steigt durch feinste Poren im Mauerwerk nach oben — wie ein Schwamm, der Flüssigkeit aufsaugt.
Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, wenn Bodenfeuchtigkeit oder drückendes Wasser durch das Porensystem von Mauerwerk nach oben transportiert wird. Verantwortlich sind Kapillarkräfte: In Poren mit Durchmessern von 0,001–1 mm überwiegt die Adhäsion (Anziehung zwischen Wasser und Porenwand) gegenüber der Schwerkraft. Je feiner die Poren, desto höher steigt das Wasser.
Physik der Kapillarität: Die Steighöhe berechnet sich nach der Jurin'schen Formel: h = 2σ · cosθ / (ρ · g · r). Bei typischem Ziegelmauerwerk mit Porenradien von ca. 0,01 mm ergibt sich eine theoretische Steighöhe von über 1,5 m. In der Praxis liegt die Steighöhe bei 30–150 cm über Geländeoberkante, da Verdunstung und Schwerkraft dem kapillaren Sog entgegenwirken.
Betroffen sind vor allem Altbauten (vor 1960), deren Horizontalsperre fehlt, defekt oder durchlässig geworden ist. Typische Baumaterialien: Vollziegel, Naturstein (Sandstein, Kalkstein), Bruchsteinmauerwerk und historischer Kalkmörtel — allesamt hochporös und kapillaraktiv.
Diese fünf Schadensbilder deuten auf kapillar aufsteigende Feuchtigkeit hin — oft treten mehrere gleichzeitig auf.
Weiße, kristalline Ablagerungen an der Wandoberfläche. Das aufsteigende Wasser löst Salze aus Mauerwerk und Mörtel. Beim Verdunsten an der Oberfläche kristallisieren die Salze aus. Häufig: Natriumsulfat, Calciumsulfat, Nitrate.
Strukturschäden möglichDurch Salzsprengung (Kristallisationsdruck bis 200 MPa) platzt der Putz in Schollen ab. Typisches Bild: schalenförmige Ablösung im Sockelbereich bis ca. 100 cm Höhe. Auch Anstriche blättern und verfärben sich.
Fortschreitende ZerstörungDunkel verfärbte, nasse Zonen im unteren Wandbereich — besonders sichtbar nach Regenperioden. Die Feuchtigkeitsfront zeigt sich als wellenförmige Linie, deren Höhe je nach Jahreszeit schwankt (höher im Frühjahr).
Deutliches WarnsignalDauerhaft erhöhte Wandfeuchtigkeit (>70% rel. Feuchte an der Oberfläche) bietet Schimmelpilzen idealen Nährboden. Befall zeigt sich als dunkle Flecken, oft im Bereich Sockelleiste, hinter Möbeln an Außenwänden.
GesundheitsgefahrDauerhaft erhöhte Raumluftfeuchtigkeit, ein permanent muffiger, modrig-erdiger Geruch und ein „kaltes“ Raumklima trotz Heizung. Die Verdunstung der Wandfeuchtigkeit entzieht dem Raum Wärme (Verdunstungskälte) und erhöht den Heizenergiebedarf.
Erhöhte HeizkostenEin Querschnitt zeigt den Unterschied zwischen ungeschütztem und geschütztem Mauerwerk.
Ohne funktionsfähige Horizontalsperre dringt Bodenfeuchtigkeit ungehindert ins Mauerwerk ein. Die Feuchtigkeit steigt kapillar auf, transportiert Salze und schädigt Putz, Anstrich und Bausubstanz.
Eine funktionstüchtige Horizontalsperre blockiert den kapillaren Feuchtetransport. Das Mauerwerk oberhalb bleibt trocken, Putz und Anstrich werden nicht geschädigt, das Raumklima verbessert sich spürbar.
Vier etablierte Methoden zur Bestimmung der Mauerwerksfeuchte — mit unterschiedlicher Genauigkeit und Aufwand.
| Verfahren | Messprinzip | Genauigkeit | Zerstörungsfrei? | Kosten | Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| CM-Messung (Calciumcarbid) |
Materialprobe wird mit Calciumcarbid in Druckflasche reagiert. Der entstehende Gasdruck zeigt den Feuchtegehalt in Masse-% an. | Sehr hoch ±0,5 M.-% |
Nein — Bohrprobe nötig (∅ 20 mm) | 150–300 € / Messpunkt | Standardverfahren für quantitative Feuchtebestimmung nach WTA |
| Darr-Methode (Gravimetrie) |
Materialprobe wird bei 105 °C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Differenz = Wassergehalt in Masse-%. | Referenzverfahren ±0,1 M.-% |
Nein — Bohrkernentnahme | 200–400 € / Probe (Labor) | Referenzmessung, Kalibrierung anderer Verfahren, Gutachten |
| Thermografie (Infrarotkamera) |
Feuchte Bereiche zeigen niedrigere Oberflächentemperatur durch Verdunstungskälte. IR-Kamera macht Temperaturunterschiede sichtbar. | Qualitativ Zeigt Verteilung, nicht Menge |
Ja — komplett zerstörungsfrei | 300–600 € / Gebäude | Überblick, Schadensbild-Erfassung, Erfolgskontrolle nach Sanierung |
| Mikrowellen-Messung (MOIST-Verfahren) |
Mikrowellen durchdringen das Mauerwerk. Wasser dämpft das Signal — die Dämpfung korreliert mit dem Feuchtegehalt. | Hoch Tiefenprofil möglich |
Ja — zerstörungsfrei | 400–800 € / Gebäude | Tiefenfeuchte-Profil, großflächige Kartierung, denkmalgeschützte Gebäude |
Jedes Verfahren hat spezifische Vorteile und Grenzen — die Wahl hängt von Mauerwerk, Schadensgrad und Budget ab.
Funktionsprinzip: Das Mauerwerk wird abschnittsweise (ca. 1 m) horizontal durchsägt. In den Schnitt wird eine Dichtungsbahn aus PE, Bitumen oder Edelstahl eingelegt und vermörtelt. Es entsteht eine lückenlose, mechanische Horizontalsperre.
Eignung: Ideal für regelmäßiges Ziegelmauerwerk mit durchgehenden Lagerfugen. Nicht geeignet für Bruchstein- oder Natursteinmauerwerk (ungleichmäßige Fugen). Auch bei denkmalgeschützten Gebäuden oft nicht zugelassen (Substanzeingriff).
Funktionsprinzip: Bohrungen (∅ 12–16 mm, Abstand 10–12 cm) in der Lagerfuge, drucklos oder unter Niederdruck wird Silikon-Mikroemulsion (z.B. Siliconharzlösung nach WTA 4-4) injiziert. Das Mittel kapillarisiert ins Porensystem und bildet eine hydrophobe Zone.
Eignung: Universell einsetzbar — auch bei Bruchstein, Mischmauerwerk und denkmalgeschützten Gebäuden. Voraussetzung: Mauerwerk muss für das Injektionsmittel durchlässig sein. Bei sehr hoher Durchfeuchtung (>95%) ggf. Vortrocknung nötig.
Funktionsprinzip: Elektroden im Mauerwerk erzeugen ein elektrisches Feld, das die polar geladenen Wassermoleküle in Richtung Erdreich zurückdrängt. Unterschieden werden aktive (mit Stromquelle) und passive (galvanische) Systeme.
Eignung: Zerstörungsfreies Verfahren, daher beliebt bei Denkmalschutz. Achtung: Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten. Die WTA erkennt Elektroosmose nicht als gleichwertig an. Unabhängige Studien zeigen stark schwankende Ergebnisse. Nicht empfohlen als alleinige Maßnahme.
Funktionsprinzip: Gewellte Edelstahlbleche (Chromstahl V4A, 1,5 mm) werden mit Druckluft-Rammgerät in die Lagerfuge eingeschlagen. Die Bleche überlappen sich und bilden eine durchgehende, mechanische Sperrschicht. Kein Sägeschnitt nötig.
Eignung: Nur für regelmäßiges Ziegelmauerwerk mit Kalkmörtel-Fugen. Nicht geeignet für Zementmörtel (zu hart), Naturstein oder Bruchstein. Vibrationen können empfindliche Bausubstanz schädigen.
Beantworten Sie drei Fragen — und erhalten Sie eine fundierte Empfehlung für das optimale Sanierungsverfahren.
Geschätzte Kosten je Verfahren auf Basis von Wandlänge und Mauerdicke. Richtwerte inkl. Material und Arbeit.
Die Horizontalsperre allein reicht oft nicht. Diese Begleitmaßnahmen sichern den Sanierungserfolg langfristig.
WTA-zertifizierter Sanierputz (WTA 2-9-20) ist hochporös und hydrophob. Salze kristallisieren innerhalb des Putzes statt an der Oberfläche — keine Absprengungen. Aufbau: Spritzbewurf → Vorspritzmörtel → Sanierputz (mind. 20 mm) → Sanierputz-Feinschicht. Trocknungszeit: ca. 1 mm/Tag.
Kapillaraktive Calciumsilikat-Klimaplatten (z.B. 50 mm) erhöhen die Wandoberflächentemperatur und puffern Feuchtigkeit. Keine Dampfbremse nötig — das System reguliert sich selbst. Verklebung vollflächig mit Leichtmörtel. Ideal bei Denkmalschutz, wenn Außendämmung nicht möglich ist.
Ringdrainage (DN 100, Filtervlies, Kiesbett) leitet drückendes Wasser vom Fundament ab. Vertikale Außenabdichtung mit KMB (kunststoffmodifizierter Bitumendickbeschichtung) gemäß DIN 18533 schützt den erdberührten Sockelbereich. Perimeterdämmung (XPS) ergänzt den Wärmeschutz.
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