Berlin besitzt eines der größten Fernwärmenetze Europas. Was Fernwärme kostet, wie der Anschluss funktioniert und warum sie eine zentrale Rolle in der kommunalen Wärmeplanung spielt.
Zentral erzeugte Wärme, über ein Rohrleitungsnetz direkt in Ihr Gebäude geliefert — ohne eigene Heizungsanlage.
Bei der Fernwärme wird Heizwärme in zentralen Kraftwerken oder Heizwerken erzeugt und über ein unterirdisches Rohrleitungsnetz als heißes Wasser (90–130 °C Vorlauf) zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Im Gebäude gibt eine Übergabestation (Hausanschlussstation) die Wärme an das hausinterne Heizungssystem und die Warmwasserbereitung ab. Das abgekühlte Wasser (40–60 °C Rücklauf) fließt zum Kraftwerk zurück.
Der Großteil der Berliner Fernwärme stammt aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): In KWK-Kraftwerken wird gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Durch diese Kopplung erreicht KWK einen Gesamtwirkungsgrad von bis zu 90 %, während konventionelle Stromerzeugung nur ca. 40 % schafft. Die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme wird als Fernwärme genutzt, statt ungenutzt an die Umgebung abgegeben zu werden.
In KWK-Anlagen wird ein Brennstoff (Erdgas, Biomasse oder zukünftig Wasserstoff) verfeuert. Die Turbine erzeugt Strom, die Abwärme wird über Wärmetauscher ins Fernwärmenetz eingespeist. So werden aus einem Brennstoff zwei Produkte gewonnen.
Eines der größten Fernwärmenetze Westeuropas — betrieben von der Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW).
Das Berliner Fernwärmenetz erstreckt sich über rund 2.000 Kilometer Trassenlänge und versorgt etwa 1,4 Millionen Wohnungen — rund 30 % aller Berliner Haushalte. Damit ist Berlin die Stadt mit der höchsten Fernwärmeversorgungsquote in Deutschland.
Seit 2024 gehört das Netz der Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW), einer landeseigenen Gesellschaft. Das Land Berlin hat das Netz von Vattenfall zurückgekauft, um die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung gezielt voranzutreiben. Bis 2045 soll die gesamte Berliner Fernwärme klimaneutral werden.
Das Netz wird aus mehreren KWK-Kraftwerken gespeist, darunter die Standorte Reuter West, Moabit, Klingenberg, Lichterfelde und Marzahn. Ergänzt werden diese durch dezentrale Heizwerke und zunehmend durch erneuerbare Erzeugungsanlagen.
Stand Februar 2026 — Versorgungsstatus basierend auf bestehendem Netz und geplantem Ausbau
Vom ersten Kontakt bis zur warmen Wohnung — der Ablauf eines Fernwärmeanschlusses in Berlin.
Prüfen Sie auf der Website der BEW oder telefonisch, ob an Ihrer Adresse ein Fernwärmeanschluss möglich ist. Die BEW erstellt nach einer Vor-Ort-Begehung ein unverbindliches Angebot mit den konkreten Anschlusskosten und Konditionen für Ihr Gebäude.
Bei Annahme des Angebots schließen Sie einen Wärmeliefervertrag mit der BEW ab. Dieser regelt die vereinbarte Anschlussleistung (in kW), den Grund- und Arbeitspreis sowie die Vertragslaufzeit (in der Regel 10 Jahre). Der Vertrag wird auf Basis der Fernwärme-Verordnung (AVBFernwärmeV) geschlossen.
Die BEW verlegt die Fernwärmeleitung von der Haupttrasse bis zu Ihrem Gebäude. Der Tiefbau (Grabungsarbeiten, Rohrverlegung, Wiederherstellung) wird in der Regel von der BEW organisiert und koordiniert. Die Dauer beträgt je nach Entfernung zur Trasse 2 bis 6 Wochen.
Im Keller Ihres Gebäudes wird die Übergabestation (auch Hausanschlussstation) montiert. Sie enthält Wärmetauscher, Regelventile, Pumpen und Wärmezähler. Die Station ist kompakt (etwa so groß wie ein Kühlschrank) und ersetzt den bisherigen Heizkessel inklusive Schornstein. Installation durch einen Fachbetrieb, Dauer ca. 2 bis 3 Tage.
Nach dem hydraulischen Abgleich wird die Anlage in Betrieb genommen. Die BEW nimmt die Übergabestation ab und schaltet die Wärmelieferung frei. Ab diesem Zeitpunkt fließt Fernwärme. Die alte Heizungsanlage kann zurückgebaut werden. Gesamtdauer vom Vertrag bis zur Inbetriebnahme: 3 bis 6 Monate, abhängig von Trassenentfernung und Auslastung.
Fernwärme hat drei Kostenblöcke: einmaliger Anschluss, monatlicher Grundpreis und verbrauchsabhängiger Arbeitspreis.
Kumulative Gesamtkosten über 20 Jahre inkl. Investition, Wartung, Energie und prognostizierter Preisentwicklung.
Fernwärme erfüllt die 65%-Erneuerbare-Energien-Pflicht — ohne weiteren Nachweis.
Laut §71 Abs. 3 Nr. 4 GEG erfüllt der Anschluss an ein Wärmenetz die 65%-Erneuerbare-Energien-Pflicht ohne individuellen Nachweis. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Wärmenetze bis 2045 auf klimaneutrale Quellen umgestellt werden müssen (§29 WPG). Die BEW als Netzbetreiberin ist gesetzlich verpflichtet, diese Transformation umzusetzen.
Besonders relevant für Berliner Eigentümer: Wenn ein Fernwärme-Anschluss vertraglich zugesichert ist, aber noch nicht realisiert wurde, gilt eine Übergangsfrist von bis zu 10 Jahren gemäß §71j GEG. In dieser Zeit darf die bestehende fossile Heizung weiter betrieben werden.
Berlins Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung — und warum Fernwärme die Hauptrolle spielt.
Berlin muss als Großstadt seine kommunale Wärmeplanung bis zum 30. Juni 2026 vorlegen (§4 WPG). Der Plan legt für jeden Stadtteil fest, welche Wärmeversorgung vorgesehen ist: Fernwärme, Wasserstoffnetz, dezentrale Wärmepumpen oder eine Kombination.
Die BEW will das Netz bis 2040 um 30 % erweitern — vor allem in den westlichen und südlichen Bezirken. Geplante Technologien: Flusswärmepumpen (Spree-Wärme), tiefe Geothermie, Abwärmenutzung aus Industrie und Rechenzentren sowie Power-to-Heat-Anlagen für überschüssigen Windstrom.
Berechnen Sie die ungefähren jährlichen Kosten für Ihren Fernwärme-Anschluss in Berlin.
Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Fernwärme-Anschluss, Kosten und Vertrag.
Wir prüfen die Verfügbarkeit, beraten zu Kosten und Alternativen und begleiten Sie bis zur Inbetriebnahme.