Radon ist die zweithaeufigste Ursache fuer Lungenkrebs -- und dringt unsichtbar aus dem Boden in Gebaeude ein. Hier erfahren Sie alles ueber Messung, gesetzliche Grenzwerte und wirksame Schutzmassnahmen.
Ein natuerliches radioaktives Edelgas, das ueberall im Boden vorkommt -- unsichtbar, geruchlos und potenziell gefaehrlich.
Radon (Rn-222) ist ein natuerlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das bei der Zerfallsreihe von Uran-238 im Erdreich entsteht. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos und daher mit menschlichen Sinnen nicht wahrnehmbar. Da Uran in nahezu allen Boeden und Gesteinen vorkommt, wird Radon praktisch ueberall gebildet -- allerdings in regional sehr unterschiedlichen Konzentrationen.
Im Freien verduennt sich Radon schnell und ist unbedenklich. Problematisch wird es in geschlossenen Raeumen: Radon dringt aus dem Erdreich ueber Risse, Fugen und undichte Stellen in der Bodenplatte oder im Kellermauerwerk in Gebaeude ein. Dort kann es sich anreichern und ueber die Zeit hohe Konzentrationen erreichen. Die Einheit fuer die Radon-Aktivitaetskonzentration ist Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3).
Die Radonkonzentration im Freien betraegt typischerweise 5 -- 15 Bq/m3. In Gebaeuden kann sie dagegen auf 100 bis ueber 10.000 Bq/m3 ansteigen -- abhaengig von Bauweise, Untergrund und Lueftungsverhalten.
Radon ist nach Rauchen die zweithaeufigste Ursache fuer Lungenkrebs -- laut WHO und Bundesamt fuer Strahlenschutz.
Wenn Radon eingeatmet wird, zerfaellt es in der Lunge in kurzlebige radioaktive Folgeprodukte (Polonium-218, Blei-214, Bismut-214, Polonium-214). Diese lagern sich im Lungengewebe ab und bestrahlen es mit Alpha-Strahlung -- der energiereichsten Form ionisierender Strahlung. Ueber Jahre kann diese Bestrahlung zu Lungenkrebs fuehren.
In Deutschland sterben laut Bundesamt fuer Strahlenschutz (BfS) jaehrlich etwa 1.900 Menschen an radonbedingtem Lungenkrebs. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Referenzwert von 100 Bq/m3. Ab dieser Konzentration steigt das Lungenkrebsrisiko statistisch messbar an. Das Risiko steigt linear mit der Konzentration -- es gibt keine unbedenkliche Schwelle.
Internationaler Referenzwert der Weltgesundheitsorganisation
100 Bq/m3 Obergrenze fuer Wohnraeume (Empfehlung)Europaeische Vorgabe gemaess Richtlinie 2013/59/Euratom
300 Bq/m3 Nationaler Referenzwert (Obergrenze)Gesetzlicher Referenzwert seit 2018 (Strahlenschutzgesetz)
300 Bq/m3 Jahresmittel Aufenthaltsraeume & ArbeitsplaetzeDurchschnittliche Radon-Konzentration in Innenraeumen (Bq/m3) nach Bundeslaendern -- Quelle: BfS Radon-Handbuch
Seit 2020 gelten in Deutschland verbindliche Vorschriften zum Schutz vor Radon -- mit besonderen Pflichten in Vorsorgegebieten.
Das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG), in Kraft seit 31.12.2018, legt fuer Deutschland einen Referenzwert von 300 Bq/m3 im Jahresmittel fuer die Radon-Aktivitaetskonzentration in Aufenthaltsraeumen und an Arbeitsplaetzen fest. Die Bundeslaender haben bis Ende 2020 sogenannte Radon-Vorsorgegebiete ausgewiesen -- Regionen, in denen auf mindestens 75 % der Flaeche der Referenzwert ueberschritten werden koennte.
In Vorsorgegebieten gelten zusaetzliche Pflichten: An Arbeitsplaetzen im Erd- und Kellergeschoss muss innerhalb von 18 Monaten eine Radon-Messung durchgefuehrt werden. Bei Neubauten sind bautechnische Radon-Schutzmassnahmen vorgeschrieben. Fuer Wohngebaeude gibt es keine Messpflicht, aber eine dringende Empfehlung.
Nur eine fachgerechte Messung zeigt die tatsaechliche Radon-Belastung -- Kurzzeitmessungen reichen nicht aus.
Die Radonkonzentration in Gebaeuden schwankt stark -- abhaengig von Tageszeit, Wetterlage, Heizverhalten und Lueftung. Eine zuverlaessige Aussage ist daher nur ueber eine Langzeitmessung ueber mindestens 12 Monate moeglich, die saisonale Schwankungen erfasst. Die Messgeraete (Exposimeter) sind einfach in der Handhabung und kostenguenstig.
| Messmethode | Dauer | Kosten | Genauigkeit | Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Exposimeter (passiv) | 3 -- 12 Monate | 30 -- 50 EUR / Stueck | Hoch (bei 12 Monaten) | Standardmessung, Langzeit, amtlich anerkannt |
| Kernspurdetektor | 6 -- 12 Monate | 25 -- 40 EUR / Stueck | Hoch | Passive Langzeitmessung, anerkannt gemaess StrlSchG |
| Elektret-Detektor | 1 -- 12 Monate | 40 -- 60 EUR / Stueck | Mittel bis hoch | Flexible Messdauer, wiederverwendbar |
| Elektronisches Messgeraet | Ab 48 Stunden | 100 -- 400 EUR (Kauf) | Mittel (Kurzzeitwert) | Schnelle Orientierung, Echtzeitanzeige, nicht amtlich |
| Radon-Schnelltest | 2 -- 7 Tage | 30 -- 50 EUR | Niedrig (Momentaufnahme) | Grobe Ersteinschaetzung, nicht fuer Bewertung geeignet |
Bestellen Sie 2 -- 3 Exposimeter bei einer anerkannten Messstelle (z.B. BfS-gelistet, Radon Analytics, Kernfysisch Versneller Instituut). Pro Messort (Raum) ein Geraet. Kosten: ca. 30 -- 50 EUR pro Stueck inkl. Auswertung.
Platzieren Sie die Exposimeter in Wohnraeumen im Erd- und Kellergeschoss -- idealerweise im Schlafzimmer, Wohnzimmer und Keller. Aufstellhoehe: ca. 1 -- 1,5 m. Nicht direkt an Fenster, Heizung oder in Zugluft. Mindestabstand zur Wand: 25 cm.
Lassen Sie die Geraete mindestens 12 Monate ungestoert liegen, um saisonale Schwankungen abzubilden. In der Heizperiode sind die Werte typischerweise hoeher (Kamineffekt, geschlossene Fenster). Im Sommer meist niedriger.
Senden Sie die Geraete an die Messstelle zurueck. Die Auswertung erhalten Sie nach ca. 2 -- 4 Wochen. Sie bekommen den Jahresmittelwert in Bq/m3 -- vergleichen Sie diesen mit dem Referenzwert von 300 Bq/m3.
Wer vorsorglich baut, kann Radon effektiv draussen halten -- durch radondichte Bodenplatte, Abdichtung und Lueftungskonzept.
Auch in Bestandsgebaeuden laesst sich die Radon-Belastung deutlich senken -- von einfachen Massnahmen bis zur professionellen Sanierung.
Wenn die Messung Werte ueber 300 Bq/m3 ergibt (oder Sie auch bei niedrigeren Werten das Risiko minimieren moechten), stehen verschiedene Sanierungsmassnahmen zur Verfuegung. Die Wahl der richtigen Massnahme haengt von der Hoehe der Radonkonzentration, der Bauweise des Gebaeudes und dem Budget ab.
Einfachste und kostenlose Massnahme: Regelmaessiges Querstosslueften im Keller und Erdgeschoss (3 -- 5 Mal taeglich, je 5 -- 10 Minuten). Kellertuer zum Wohnbereich geschlossen halten. Kann die Radonkonzentration um 30 -- 50 % senken. Allerdings nicht nachhaltig in der Heizperiode (Energieverlust).
Risse in der Bodenplatte und im Kellermauerwerk mit Spezialharzen (PU-Harz, Epoxidharz) verpressen. Fugen zwischen Bodenplatte und Wand mit dauerelastischer Dichtmasse verschliessen. Rohrdurchfuehrungen mit Radon-Manschetten nachdichten. Kosten: 500 -- 3.000 EUR. Wirksamkeit: 50 -- 80 % Reduktion.
Effektivste Massnahme: Ein Radonbrunnen wird durch die Bodenplatte gebohrt und erzeugt mittels Ventilator einen Unterdruck unter dem Gebaeude. Radonhaltige Bodenluft wird abgesaugt und ueber ein Rohr ueber Dach abgeleitet. Wirksamkeit: 80 -- 99 %. Kosten: 2.000 -- 6.000 EUR inkl. Einbau. Betriebskosten: ca. 50 -- 120 EUR/Jahr (Strom).
Eine kontrollierte Wohnraumlueftung (KWL) mit leichtem Ueberdruck im Gebaeude verhindert das Nachstroemen radonhaltiger Bodenluft. Besonders sinnvoll in Kombination mit einer energetischen Sanierung. Kosten: 5.000 -- 12.000 EUR (dezentral) bzw. 8.000 -- 18.000 EUR (zentral). Nebeneffekt: verbesserte Luftqualitaet und Energieeffizienz.
Bei sehr hohen Werten oder stark geschaedigter Bausubstanz: Vollstaendige Abdichtung der Kellersohle und -waende von innen oder aussen. Innenabdichtung mit Dichtungsschlaemme und Radon-Membran: 5.000 -- 15.000 EUR. Aussenabdichtung mit Freilegung: 15.000 -- 40.000 EUR. Oft nur sinnvoll in Kombination mit Feuchtigkeitssanierung.
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