Schalungsbau ist das temporäre Tragwerk, das flüssigen Beton in Form hält, bis er seine Festigkeit erreicht. Welche Schalungssysteme es gibt, wann nach DIN EN 13670 ausgeschalt werden darf und was Schalungsarbeiten 2026 in Berlin kosten.
Ohne Schalung kein Stahlbetonbau — sie ist das kurzlebigste und zugleich wirtschaftlich gewichtigste Element im Rohbau.
Schalungsbau bezeichnet die Planung, Herstellung und den Betrieb von Schalungen: temporären Formen aus Holz, Stahl oder Kunststoff, die flüssigen Frischbeton aufnehmen und halten, bis dieser ausreichend erhärtet ist. Erst nach Erreichen der Mindestfestigkeit gemäß DIN EN 13670:2011 darf die Schalung entfernt werden.
Schalungsarbeiten machen in einem typischen Stahlbeton-Rohbau 35 bis 55 % der Gesamtkosten für Betonarbeiten aus — und sind damit einer der stärksten Hebel für Baukostenoptimierung. Zum Vergleich: Bewehrungsstahl kostet im Schnitt 15 %, Beton selbst nur 20 % der Rohbaukosten.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Systemschalung (genormte, wiederverwendbare Fabrikat-Systeme aus Stahl/Aluminium mit Schalhaut) und Holzschalung (vor Ort gezimmerte Ortschalung aus Brettern, Kanthölzern und Schaltafeln). Beide haben spezifische Anwendungsbereiche und wirtschaftliche Vor- und Nachteile.
Normativ geregelt ist die Ausführung durch DIN EN 13670 (Ausführung von Tragwerken aus Beton), die Lastannahmen durch DIN 18218:2010 (Frischbetondruck auf lotrechte Schalungen) und die einzuhaltenden Maßtoleranzen durch DIN 18202:2013.
Systemschalungen sind fabrikmäßig hergestellte, genormte Elemente — vielfach mietbar, schnell montiert und wirtschaftlich bei Wiederholung.
Die verbreitetste Systemschalung im Hochbau: Stahlrahmen mit eingelassener Schalhaut aus beschichteter Siebdruckplatte (18 mm) oder Stahl. Standardelemente (z. B. 270 × 240 cm) lassen sich schnell koppeln. Typische Anwendung: Wände, Stützen, Kernbereiche. Hersteller: Doka, Peri, NOE, Hünnebeck.
Wände & StützenFlexible Schalung aus Holzträgern (H20-Träger, Typ I) oder Stahlträgern, auf denen beliebige Schalungsplatten verlegt werden. Ideal für unregelmäßige Grundrisse, geneigte Flächen und Sondergeometrien. Deckenschalung mit Schaltafeln auf Trägern + Stützen ist die Standardlösung im Deckenbau.
Decken & SonderformenVorgefertigte Schalungstische, die als komplette Einheit unter die frische Decke gefahren und mit einem Kran oder Gabelstapler in die nächste Ebene gehoben werden. Minimiert Auf- und Abbauzeit erheblich. Wirtschaftlich ab ca. 4 Wiederholungsebenen. Standard: Mehrgeschossbau mit gleichem Grundriss.
SeriendeckenDie traditionelle Holzschalung — auch Ortschalung genannt — wird vor Ort zugeschnitten und gezimmert. Sie ist flexibel und eignet sich für Sondergeometrien und kleine Serien.
Schalungsplan erstellen: Trägeranordnung, Stützenraster (max. 1,50–2,00 m), Lastannahmen nach Betoniergeschwindigkeit und Frischbetongewicht (ca. 25 kN/m³). Bei Spannweiten >5 m oder Sonderkonstruktionen: Schalungsstatik durch Bauingenieur erforderlich.
Teleskopstützen (Dreibeinstütze oder Einzelstütze mit Dreifuß) auf Kernholz-Unterlage oder Schalung stellen. Kopf- und Fußspindeln einstellen, Oberkante der Träger auf Solllage ausrichten. Durchbiegungszuschlag (Vorwölbung) bei Spannweiten über 5 m nach Norm einplanen.
Hauptträger (Querrichtung) und Nebenträger (Längsrichtung) gemäß Plan verlegen. Trägerenden mindestens 15 cm auf Stützen-Gabelkopf auflagern. Abstand H20-Träger typisch 50–62,5 cm (je nach Plattenstärke und Betonierlast).
18-mm-Siebdruckplatten stumpfstoßend verlegen, Fugen <2 mm (sonst Klebeband), Nagelung an Trägern sicherstellen. Trennmittel (Schalöl) gleichmäßig auftragen — kein Überschuss (Beeinträchtigung der Betonoberfläche). Randschalung mit Kanthölzern 80×80 setzen.
Beton einbringen und verdichten (Innenrüttler Ø 38–58 mm, Rüttelabstand max. 0,8× Wirkungsbereich). Nachbehandlung gemäß DIN EN 13670 Abschn. 8.5: Oberfläche 3–7 Tage feucht halten oder mit Folie abdecken (Nachbehandlungsklasse N3 bei C25/30).
Ausschalten erst nach Erreichen der Mindestfestigkeit gemäß DIN EN 13670:2011, Abschn. 8.6 (Details im Ausschalfrist-Kapitel). Stützen unterhalb zunächst belassen (umstützen), Schaltafeln vorsichtig lösen. Oberfläche sofort prüfen: Kiesnester, Fehlstellen dokumentieren und ggf. verschließen.
Die richtige Schalungswahl hängt von Stückzahl, Geometrie, Sichtbetonklasse und Projektzeitplan ab.
Berliner Marktpreise für Schalungsarbeiten 2026 — Mietpreise für Systemschalung, Lohnkosten und Gesamtpreise im Überblick. Alle Angaben netto, ohne Mehrwertsteuer.
| Schalungsart / Leistung | Einheit | Preisspanne Berlin 2026 (netto) | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Rahmenschalung mieten (Doka, Peri, NOE) | €/m²/Woche | 2,80–5,50 € | zzgl. An-/Abtransport 500–1.500 € pauschal je Lieferung |
| Trägerschalung mieten (H20 + Schaltafeln) | €/m²/Woche | 1,80–3,50 € | Stützen (Eurex) separat ca. 0,60–1,20 €/Stk./Woche |
| Wandschalung gesamt (Miete + Lohn, einfache Wand) | €/m² Schalungsfläche | 40–70 € | Einseiting; bei beidseitig betonierter Wand jeweils beide Seiten |
| Deckenschalung gesamt (Trägerschalung + Stützen + Lohn) | €/m² Deckenfläche | 38–65 € | Lichte Höhe bis 3,50 m; über 4 m: Zuschlag ca. 8–15 €/m² |
| Stützenschalung (Rechteck, Systemschalung) | €/lfd. m Stütze | 65–130 € | Je nach Querschnitt (20×20 bis 60×60 cm) und Höhe |
| Kletterschalung mieten (hydraulisch, Hochhau) | €/m²/Woche | 15–32 € | Nur für Großprojekte; Montage/Demontage separat (6–15 €/m²) |
| Holzschalung Fundament (einfache Kantenschalung, inkl. Lohn) | €/m² Schalungsfläche | 22–42 € | Einweg-Bretterschalung; Wiederverwendung selten wirtschaftlich |
| Sichtbeton-Zuschlag (SB2/SB3 nach DBV-Merkblatt) | €/m² Sichtbetonfl. | 15–40 € | Für besondere Schalhaut, Trennmittel, Nachweis, Dokumentation |
Die Mindest-Ausschalfristen sind in DIN EN 13670:2011 (Ausführung von Tragwerken aus Beton), Abschnitt 8.6, geregelt. Zu frühes Ausschalen gefährdet die Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit des Bauteils.
| Bauteil | Mindestbetonfestigkeit beim Ausschalen | Richtwert bei C25/30, CEM I N, +15 °C | Norm-Referenz |
|---|---|---|---|
| Stützen, Wände (lotrechte Schalung) | fcm ≥ 5 N/mm² (Eigengewicht tragfähig) | 12–24 Stunden | DIN EN 13670, Abs. 8.6.2 |
| Fundamente (unbelastet) | Ausreichende Erhärtung für Eigengewicht | 12–24 Stunden | DIN EN 13670, Abs. 8.6.2 |
| Decken/Platten (Lehrgerüst bleibt, Jochform) | fcm ≥ 0,50 × fck,28 | 5–8 Tage | DIN EN 13670, Abs. 8.6.3 + NA |
| Decken/Platten (Lehrgerüst wird entfernt) | fcm ≥ 0,70 × fck,28 | 12–18 Tage | DIN EN 13670, Abs. 8.6.3 + NA |
| Träger/Unterzüge (Lehrgerüst wird entfernt) | fcm ≥ 0,70 × fck,28 | 10–16 Tage | DIN EN 13670, Abs. 8.6.3 + NA |
Berechnen Sie die Mindest-Ausschalfrist für Ihr Bauteil — abhängig von Bauteiltyp, Betonklasse, Temperatur und Zementklasse (Richtwerte, kein Ersatz für Planernachweis).
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