Bauschutt ist jeder mineralische Rückstand aus Bau-, Ab- und Umbauarbeiten — und unterliegt in Deutschland strengen Trennpflichten. Falsch entsorgter Bauschutt kostet nicht nur Bußgelder, sondern verteuert auch die eigene Rechnung erheblich. Aktuelle Preise, AVV-Schlüssel und Deponiekosten für Berlin 2026.
Bauschutt ist die Sammelbezeichnung für mineralische Abfälle, die bei Bau-, Abriss-, Sanierungs- und Umbauarbeiten anfallen — darunter Beton, Ziegel, Fliesen, Putz, Kalksandstein und Natursteine. Die rechtlich verbindliche Einordnung erfolgt über die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV), die den europäischen Abfallkatalog (EAK) in deutsches Recht überführt. Bauabfälle sind dort unter der Gruppe 17 aufgelistet.
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG § 7) und die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) verpflichten Gewerbetreibende — und damit alle Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und GU — zur getrennten Erfassung und Verwertung. Wer mineralische Abfälle verschiedener Fraktionen mischt, verstoßt gegen § 3 GewAbfV und riskiert ein Bußgeld bis zu 10.000 €.
In Berlin fallen jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Bauabfälle an — mehr als bei allen anderen Abfallarten zusammen. Die Recyclingquote für Beton und Ziegel liegt bundesweit bei rund 90 %, was Bauschutt zu einer wichtigen Sekundärrohstoffquelle macht. Voraussetzung: saubere Trennung am Entstehungsort.
Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik, Naturstein, Putz. Inerte Abfälle mit hohem Recyclingpotenzial. Bei Schadstofffreiheit als Recycling-Baustoff verwertbar (RC-Material gem. LAGA M 20).
VerwertbarVermischte Abfälle aus Mineral, Holz, Kunststoff, Gips, Metall. Höhere Entsorgungskosten, geringeres Recyclingpotenzial. Entsteht bei fehlender Trennung am Entstehungsort.
KostspieligerErd- und Gesteinsmaterial aus Aushub, Bohrungen und Baggerarbeiten. Weitestgehend unbelasteter Boden kann direkt wiederverwendet werden (Z0-Material). Belasteter Boden unterliegt strengen Zuordnungswerten.
Separat entsorgenDie GewAbfV § 3 schreibt für Gewerbe-, Bau- und Abbruchbetriebe die getrennte Sammlung von mindestens sechs Fraktionen vor. Die AVV-Abfallschlüssel entscheiden über den Entsorgungsweg und — direkt — über Ihre Kosten.
| AVV-Schlüssel | Bezeichnung | Kategorie | Entsorgungsweg | Deponietyp |
|---|---|---|---|---|
| 17 01 01 | Beton | inert | Recyclinganlage → RC-Beton | DK 0 |
| 17 01 02 | Ziegel | inert | Recyclinganlage → RC-Ziegel | DK 0 |
| 17 01 03 | Fliesen, Ziegel, Keramik | inert | Recyclinganlage | DK 0 |
| 17 01 07 | Gemisch Beton/Ziegel/Fliesen (nicht gef.) | nicht gef. | Sortieranlage oder Deponie | DK I / II |
| 17 05 04 | Boden und Steine (nicht gef.) | inert | Rekultivierung / Verwertung | DK 0 |
| 17 06 04 | Dämmstoffe (KMF/Mineralwolle, nicht gef.) | nicht gef. | Getrennt! Spezialdeponie | DK I / II |
| 17 08 02 | Baustoffe auf Gipsbasis (nicht gef.) | nicht gef. | Getrennt! Gipsdeponie | DK I (Mono) |
| 17 09 04 | Gemischte Bauabfälle (Mischbauschutt) | nicht gef. | Sortieranlage / Deponie | DK II |
| 17 06 01* | Dämmstoffe mit Asbest | ⚠ gefährlich | Zugelassener Entsorger (Sonderabfall) | DK III / IV |
| 17 06 05* | Asbesthaltige Baustoffe | ⚠ gefährlich | Sonderabfall-Entsorgung | DK III / IV |
| 17 03 01* | Bitumengemische mit Teer (PAK > 25 mg/kg) | ⚠ gefährlich | Sonderabfall | DK III |
Mindestens 6 Fraktionen separat: Glas, Kunststoff, Metalle, Papier/Pappe, Holz sowie mineralische Abfälle (Beton, Ziegel). Bei überwiegend mineralischen Baustellen zusätzlich Trennung Gips/KMF zwingend.
Gefährliche Abfälle (AVV-Schlüssel mit Sternchen) erfordern einen Entsorgungsnachweis (EN) und Begleitschein. Für nicht gefährliche Gewerbeabfälle genügt die Wiegeschein-Dokumentation des Entsorgers.
Mischung nur erlaubt, wenn technisch unmöglich oder wirtschaftlich unzumutbar (GewAbfV § 3 Abs. 3) und anschließend eine Sortieranlage genutzt wird. Nachweis ist Pflicht. Die Behörde prüft im Zweifel.
Alle Entsorgungsnachweise, Wiegescheine und Begleitscheine müssen mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden (KrWG § 49 Abs. 1). Bei Kontrollen durch das Berliner Landesamt für Umwelt sind diese vorzulegen.
Berliner Containerpreise setzen sich aus Transport (Anlieferung + Abholung) und Entsorgungsgebühr zusammen. Die folgenden Richtwerte gelten für den Innenstadtring — außerhalb (Marzahn, Sp andau, Lichterfelde) teils günstiger.
| Container | Beton / Ziegel (17 01) | Mischbauschutt (17 09 04) | Gips / KMF (17 08 / 17 06) | Inkl. Leistungen |
|---|---|---|---|---|
| Bigbag 0,5–1 m³ | 45–85 € | 70–120 € | 80–140 € | Lieferung, Abholung, Entsorgung |
| 5 m³ Absetzcontainer | 180–270 € | 250–370 € | 280–420 € | 7 Tage, Transport, Entsorgung |
| 7 m³ Absetzcontainer | 220–320 € | 310–450 € | 340–510 € | 7 Tage, Transport, Entsorgung |
| 10 m³ Abrollcontainer | 290–420 € | 410–580 € | 450–640 € | 7 Tage, Transport, Entsorgung |
| 15 m³ Abrollcontainer | 380–530 € | 540–740 € | 590–820 € | 7 Tage, Transport, Entsorgung |
| 20 m³ Abrollcontainer | 460–650 € | 670–920 € | 720–990 € | 7 Tage, Transport, Entsorgung |
| Mehrtage-Zuschlag | + 15–35 € pro weiteren Tag — bei längeren Bauprojekten Wochenmiete verhandeln | über 7 Tage | ||
Typisch 1–3 m³ Fliesen und Estrich. Bigbag oder 5 m³-Container genügt. Beton-Estrich ist schwer: 1 m³ wiegt ca. 2,1 t. Darauf achten, dass kein Gips-Estrich (A-Beleite) mit Betonestrich gemischt wird.
Gipsständerwerk und Blätter fallen separat an: 5–7 m³ Gipscontainer (17 08 02). Zusätzlich 3–5 m³ für Restmaterialien. KMF-Mineralwolle ebenfalls separat sammeln (17 06 04).
Rechnen Sie mit 0,5–1,0 m³ Bauschutt je m³ Abbruchvolumen. Typisch 20–60 m³ für ein Gebäude à 120 m³ Bruttorauminhalt. 10–15 m³ Abrollcontainer, ggf. mehrere Touren. Vorab Schadstoffkataster erstellen lassen.
Ab 500 t Bauschutt lohnt sich ein Muldenkonzept mit Radladersieb direkt auf der Baustelle. Sauber vorsortierter Beton lässt sich vor Ort zu RC-Material verarbeiten und direkt für Planumsarbeiten nutzen — spart Transportkosten und Deponiegebühren erheblich.
Stellen Sie Menge, Abfallklasse und Entsorgungsweg ein — die geschätzten Kosten berechnen sich live. Richtwerte für den Berliner Markt 2026.
Berliner Deponien befinden sich fast ausschließlich in Brandenburg (Vorketzin, Schöneiche, Schenkendorf). Zusätzlich sind Recyclinganlagen und Sortierwerke mögliche Entsorgungswege — teils deutlich günstiger als die Deponie.
| Abfallart (AVV) | Deponietyp | Preis je Tonne | Preis je m³ (Richtwert) | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Beton sauber (17 01 01) | Recyclinganlage / DK 0 | 15–25 €/t | 27–45 € | RC-Beton-Verwertung |
| Ziegel (17 01 02) | Recyclinganlage / DK 0 | 15–28 €/t | 18–34 € | RC-Ziegelbruch |
| Gemisch Beton/Ziegel (17 01 07) | DK I / Sortieranlage | 35–55 €/t | 45–75 € | Sortierung vor Recycling |
| Mischbauschutt (17 09 04) | DK II | 55–85 €/t | 70–115 € | Sortieranlage (teurer, aber Pflicht) |
| Gipsabfälle (17 08 02) | DK I Monodeponie | 55–95 €/t | 45–80 € | Gipsrecycling (begrenzt verfügbar) |
| Mineralwolle / KMF (17 06 04) | DK I / II Deponie | 100–180 €/t | 70–126 € | Spezialentsorgung |
| Asbest (17 06 01*) | DK III / IV Untertagedeponie | 350–700 €/t | — | Nur zugelassene Entsorger |
| PAK-Bitumen (17 03 01*) | DK III Sonderabfall | 180–380 €/t | — | Thermische Behandlung |
Gebäude, die vor 1993 errichtet wurden, enthalten häufig Schadstoffe. Vor jedem Abbruch oder Teilabriss ist ein Schadstoffkataster (Gebäudeschadstoffgutachten) Pflicht — in Berlin nach § 14 BauO Bln für genehmigungspflichtige Abbrucharbeiten.
Asbest war bis 1993 als Dämmstoff, Fassadenplatte (Eternit), Bodenbelag und Rohrisolierung verbreitet. Asbestfasern sind krebserregend (Mesotheliom, Bronchialkarzinom). Entsorgungskosten: 350–700 €/t inkl. Sicherheitsverpackung, Transport und Untertagedeponie. Entfernung nur durch zertifizierte Schadstoffsanierer (TRGS 519). Anzeigepflicht bei der Berufsgenossenschaft Bau (BG BAU).
Teerhaltige Dachpappe und Steinkohlenteer-Bitumen (Pech) wurden bis in die 1970er-Jahre eingesetzt. PAK-Gehalt > 25 mg/kg macht das Material zum gefährlichen Abfall (17 03 01*). Entsorgungskosten: 180–380 €/t. Einfaches überbituminieren genügt nicht — Nachweis des PAK-Gehalts durch Laboranalyse erforderlich. PAK-armes Bitumen (17 03 02) hingegen als normaler Bauschutt entsorgbar.
Glaswolle und Steinwolle, die vor 1996 hergestellt wurden, können krebsverdächtige Fasern enthalten (ehem. Kat. 2). Neuere KMF gelten als unbedenklich. Einbaudatum und RAL-Kennzeichnung prüfen. Alte KMF: AVV 17 06 04, aber Sicherheitsmaßnahmen bei Einbau vor 1996. Entsorgungskosten: 100–180 €/t.
Bleimennige-Anstrich (rot-orange Rostschutzfarbe) und chromhaltige Industriefarben finden sich an Stahlkonstruktionen bis in die 1980er. Strahlgut und Farbabriss sind Sonderabfall (AVV 08 01 11*). Auch Holzschutzmittel (PCP, Lindan) in Dachstühlen und Holzbalken vor 1990 sind regelmäßig kontaminiert (AVV 17 02 04*).
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