🏛 Fassade & Instandhaltung

Fugensanierung im Mauerwerk: Verfugen & Verpressen

Fugensanierung ist die gezielte Instandsetzung schadhafter Mörtelfugen in Mauerwerk — durch mechanisches Ausfäsen und Neumverfugen oder durch Injektionsverpressung bei tiefer liegenden Hohlräumen und Rissen. Welche Methode wann nötig ist, welche DIN/EN-Normen gelten und was die Sanierung in Berlin 2026 kostet.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist Fugensanierung — und wann ist sie nötig?

Fugensanierung im Mauerwerk bezeichnet die Instandsetzung schadhafter Mörtelfugen in Ziegel-, Klinker-, Naturstein- oder Betonmauerwerk. Die Fuge — typischerweise 8–15 mm breit — verbindet die einzelnen Steine nicht nur mechanisch, sondern dichtet das Mauerwerk auch gegen Schlagregen, Frost und kapillar aufsteigende Feuchte ab.

Wenn Mörtel durch Frost-Tau-Wechsel, Carbonatisierung, Sulfattreib oder biologischen Bewuchs ermürbt, reist die Verbundebene auf. Wasser dringt ein, gefriert und sprengt das Mauerwerk weiter auf — ein sich selbst verstärkender Prozess. In Berlin, wo Gebäude im Schnitt 30–50 Frost-Tau-Wechsel pro Winter erleben, sind Bestandsgebäude besonders gefährdet.

Je nach Schadenbild kommen zwei Verfahren zum Einsatz: Verfugen (mechanisches Ausfäsen + Neumverfugen mit geeignetem Mörtel) und Injektionsverpressung (Einpressen von flüssigem Injektionsgut in Hohlräume und Risse). Oft werden beide Methoden kombiniert.

Grundlage für Planung und Ausführung sind vor allem das WTA-Merkblatt 5-10 (Fugensanierung an Außenwänden aus Mauerwerk) und DIN EN 998-2 (Mörtel für Mauerwerk).

Fugensanierung auf einen Blick

80 %
der Feuchteschäden an Altbauten entstehen durch schadhafte Fugen (WTA)
2,5 cm
Mindest-Ausräumtiefe für dauerhaftes Verfugen nach WTA-Merkblatt 5-10
25–150 €
Kosten pro m² je nach Verfahren und Mauerwerkstyp (Berlin 2026)
30–50 a
Lebensdauer fachgerecht ausgeführter Fugen mit NHL-Mörtel

Schadensbilder: Wann müssen Fugen saniert werden?

Eine Sichtkontrolle genügt für die erste Einschätzung. Diese drei Schadenstypen sind die häufigsten Auslöser einer Fugensanierung.

01

Mörtelausfall & Hohlstellen

Fugen sind sichtbar ausgewaschen, der Mörtel krümelt heraus oder fehlt ganz bis auf mehrere Zentimeter Tiefe. Fingertest: Mortel lässt sich mit dem Fingernagel auskratzen → sofortiger Handlungsbedarf. Hohlstellen hinter der Fugenschale zeigt ein Klopftest (dumpfer Ton).

Sofortiger Handlungsbedarf
02

Rissbildung & Setzungsrisse

Haar- und Setzungsrisse durchziehen Fuge und/oder Stein. Horizontale Risse im Lagerfugenbereich deuten auf Frost- oder Setzungsschäden hin. Vertikale Risse über mehrere Steinlagen können auf tragende Schäden hinweisen — hier ist vor der Fugensanierung ein Statiker einzuschalten. Risse < 0,2 mm: Tiefeninjektion; > 0,2 mm: Injektion + Verfugen.

Statiker prüfen
03

Biologischer Bewuchs & Ausblühungen

Moose, Algen und Flechten siedeln bevorzugt in feuchten, offenen Fugen. Salzausblühungen (weiße Ausblühungen an der Oberfläche) signalisieren dauerhaften Feuchtigkeitseintritt. Effloreszenzen bestehen oft aus löslichen Sulfaten oder Carbonaten — vor der Neuverfugung müssen sie mit verdünnter Säurelösung oder mechanisch entfernt werden.

Reinigung vorab
🔍
Baudiagnose empfohlen: Bei unklarer Schadensursache sollte vor Beginn der Arbeiten eine Feuchtemessung (CM-Methode oder kapazitiv) sowie eine Mörtelanalyse (Bindemittelart, pH-Wert) erfolgen
Denkmalgeschützte Gebäude: Vor der Maßnahme Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde einholen — oft sind bestimmte Mörtelrezepturen vorgeschrieben (NHL, Trassmörtel)
📈
Schadensumfang kartieren: Eine Schadenskartierung auf Fassadenplan (m² je Schadenstyp) ist Grundlage für Leistungsverzeichnis und Kostenangebot nach VOB/C
Nicht warten: Offene Fugen vergrößern sich durch Frost-Tau-Wechsel jährlich. Bereits 5 mm tiefe Hohlstellen über > 20 % der Fläche rechtfertigen eine Vollsanierung

Verfugen vs. Verpressen: Die zwei Hauptverfahren im Vergleich

Die Wahl des Verfahrens hängt von Tiefe und Art des Schadens ab. Häufig werden beide Methoden kombiniert.

Verfugen (mechanisch)

Wann: Oberflächlich verwitterter oder ausgewaschener Mörtel; Schadenstiefe ≤ 3–4 cm; Befall von ≥ 20 % der Fugenfläche
🔨
Werkzeug: Winkelschleifer mit Frässcheibe (Fugenfräse), Druckluftmeißel oder Handmeißel; Druckluftreinigung
📋
Norm: WTA-Merkblatt 5-10; DIN 18349 (VOB/C Mauerarbeiten); Ausräumtiefe mind. 2,5 × Fugenbreite, min. 2,0 cm
💰
Kosten Berlin 2026: 25–50 €/m² (inkl. Ausräumen, Reinigen, Verfugen; Klinker netto)
🕑
Produktivität: Ca. 50–80 m²/Werktag (2 Personen) bei Klinkerfassaden in Normalformat

Injektionsverpressung

Wann: Tiefliegende Hohlräume; Risse im Mauerwerksinnern; zweischaliges Mauerwerk; stark geschädigtes Sichtmauerwerk mit strukturellen Defiziten
🔨
Werkzeug: Kernbohrgerät (Ø 10–16 mm), Gummi- oder Stahlpacker, Injektionspumpe (0,1–2,0 bar)
📋
Norm: DIN EN 1504-5 (Injektion); WTA-Merkblatt 5-10; Bohrabstand je nach Hohlraumgröße 20–50 cm
💰
Kosten Berlin 2026: 45–90 €/m² (Injektion inkl. Bohren, Packer, Material; PU oder CS)
🕑
Produktivität: Ca. 25–45 m²/Werktag (2 Personen); abhängig von Bohrabstand und Aushärtezeit

Injektionsmittel im Vergleich

InjektionsstoffViskosität / VerarbeitbarkeitTypische AnwendungNorm
Zementschlempe (CS)niedrigviskos bis pastösGrößere Hohlräume, zweischaliges Mauerwerk, statische ErtüchtigungDIN EN 1504-5, Typ CI
Polyurethan (PU), wasserreagierendsehr niedrigviskosHaarrisse ab 0,1 mm, Wasseraustritt abdichten (quellendes PU)DIN EN 1504-5, Typ HI
Epoxidharz (EP)niedrig- bis mittelviskosTragfähige Rissverpressung, kraftschlüssiger Verbund; trockenDIN EN 1504-5, Typ SI
Acrylatgelwasserdünn bis gelartigFeinste Haarrisse (< 0,05 mm), boden- und wasserbauliche AbdichtungDIN EN 1504-5, Typ HI
Trassmilch / NHL-SuspensionmittelviskosHistorisches Mauerwerk, denkmalgerechte Ergänzung von KalksystemenWTA-MB 5-10, NHL EN 459-1

Fugenmörtel: Materialwahl, Druckfestigkeitsklassen & Normen

Die Materialwahl ist entscheidend: Ein zu harter Mörtel im Altbau erzeugt Zwangsspannungen, die den Stein sprengen können. Faustregel: Mörtel immer weicher als der Stein.

Norm / RichtlinieBezeichnungInhalt & Relevanz für Fugensanierung
DIN EN 998-2:2017Festmörtel für MauerwerkKlassifiziert Mörtelarten nach Druckfestigkeit: CS I (≤1,5 N/mm²) bis CS IV (>6 N/mm²). Für Altbau-Klinker: CS I–II, für Neubau: CS III–IV
WTA-Merkblatt 5-10:2008Fugensanierung Außenwände MauerwerkWichtigste Planungsgrundlage in Deutschland; regelt Ausräumtiefe (mind. 2,5× Fugenbreite), Mörtelauswahl, Verfahren und Qualitätssicherung
DIN EN 459-1:2015Baukalk – Definitionen, AnforderungenKlassifiziert natürliche hydraulische Kalke (NHL 2, NHL 3,5, NHL 5) — Pflichtmaterial bei Denkmalinstandsetzung
DIN 18349:2019 (VOB/C)MauerarbeitenAllgemeine Technische Vertragsbedingungen; regelt Abrechnung, Qualitätsanforderungen und Gewährleistung bei Verfugearbeiten
DIN 18333:2019 (VOB/C)NatursteinarbeitenATV für Natursteinmauerwerk; gilt zusätzlich zu DIN 18349 bei Sandstein, Granit, Kalkstein
DIN EN 1504-5:2013Produkte für Schutz & Instandsetzung (Injektion)Klassifiziert Injektionsstoffe nach Typ (CI, HI, SI) — übertragbar auf Mauerwerksinjektionen; wird in WTA-Planungen referenziert
DIN 18540:2014Abdichten von Außenwandfugen im HochbauFür Bewegungsfugen/Dehnfugen an Fassaden; kommt ergänzend zum Einsatz, wenn Fugen zusätzlich abgedichtet werden müssen

Mörtelwahl nach Gebäudetyp — Kurzentscheidung

🏛
Gründerzeitaltbau (vor 1918): Originale Fugen oft aus reinem Kalkmörtel. Ersatz durch NHL 3,5 oder Trassmörtel MG I/IIa — weich, dampfdiffusionsoffen, salzresistent
🏠
Klinker Nachkrieg (1950–1975): Härtere Klinker ertragen CS III (Kalkzementmörtel). Achtung: Kammklinkerfassaden haben dünnere Fugen — Fugentiefe prüfen
📍
Naturstein (Sandstein, Kalkstein): Immer weicheren Mörtel als den Stein wählen. Sandstein: NHL 2 oder reine Kalktünche; Granit: CS II–III. Druckfestigkeit des Steins ist Obergrenzen-Maßstab
🏭
Neubau-Verblendmauerwerk (nach 2000): CS III–IV zulässig. Systemabstimmung mit Klinkerhersteller beachten — Farbanpassung über Pigmentzusatz möglich

Kostenkalkulator: Was kostet Ihre Fugensanierung?

Wählen Sie Wandfläche, Mauerwerkstyp und Schädigungsgrad — die Kostenscha–tzung und das empfohlene Verfahren erscheinen sofort. Richtwerte für Berlin 2026, netto zzgl. MwSt.

Sanierungsfläche (Wandfläche) 150 m²
Mauerwerkstyp
Schädigungsgrad

Schädigungsgrad = Anteil schadhafter Fugenfläche an der Gesamtwandfläche. Gerüstkosten (ca. 15–25 €/m² bei mehrstöckigen Fassaden) sind nicht enthalten.

Gesamt-Kostenscha¨tzung (netto)
3.300 – 5.200 €
Ausführungszeit (2 Personen)
2 Werktage
Empfohlenes Verfahren
Selektives Ausräumen & Verfugen in betroffenen Bereichen
Empfohlener Mörtel
NHL 3,5 oder Kalkzementmlörtel CS II

Ausführung: So läuft eine professionelle Fugensanierung ab

Von der Zustandsanalyse bis zur Qualitätskontrolle — dieser Ablauf gilt für Klinker- und Natursteinfassaden gleichermaßen.

1

Baudiagnose & Schadenskartierung

Sichtprüfung, Klopftest (Hohlstellen), Feuchtemessung (CM-Methode), Mörtelentnahme zur Druckfestigkeitsprüfung. Ergebnis: Schadenskartierung auf Fassadenplan (m² je Schadenstyp), Grundlage für Leistungsverzeichnis und Angebot nach VOB/C DIN 18349.

2

Gerüstbau & Arbeitsvorbereitung

Bei mehrstöckigen Gebäuden: Systemgerüst oder Hubbühne. In Berlin ist für Gehweggerüste eine Sondernutzungserlaubnis beim Bezirksamt nötig (Gebühr ca. 25–60 €/Woche). Schutznetze und Staubschutzfolien vor Beginn der Fräsarbeiten montieren.

3

Fugenausräumen (Fräsen / Stemmen)

Mit Winkelschleifer (Fugenfrässcheibe) oder Druckluftmeißel schadhafte Fugen auf mind. 2,5× Fugenbreite (bei 10 mm Fugenbreite: 25 mm), mindestens jedoch 20 mm tief ausräumen (WTA-Merkblatt 5-10). Bei engen Fugen (< 8 mm) Handmeißel verwenden. Steinkan ten nicht beschädigen.

4

Reinigung & Untergrundvorbereitung

Fugen mit Druckluft (5–8 bar) gründlich ausblasen. Bei Salzausblühungen: verdünnte Salsäure (max. 10 %, nur auf Klinker, nie auf Kalkstein/Sandstein) oder Sulfatreiniger, danach Neutralwäschen. Saugfähige Untergründe (Sandstein, poröse Klinker) vor dem Verfugen vornässen (keine stehenden Pfützen).

5

Injektion (wenn erforderlich)

Kernbohrungen Ø 10–16 mm im Raster 20–50 cm setzen; Gummi- oder Stahlpacker einschrauben; Injektionspumpe (Handpumpe oder pneumatisch) anschließen und unter niedrigem Druck (0,1–1,0 bar) Injektionsgut einpressen, bis Material an Nächstbohrung austritt. Nach Geli erung Packer abziehen, Löcher mit Reparaturmörtel verschließen.

6

Verfugen (Mörtel einbringen)

Mörtel in Lagen einbringen (max. 15 mm/Lage), verdichten und gegen die Steinfläche abziehen. Fugenoberfläche je nach Anforderung: bündig, eingezogen (Bett) oder Wulstfuge (nur Klinker). Sichtmörtel fürbt an — auf Pigmentzugabe und Mischkonstanz achten. Bei NHL-Mörteln: mindestens 28 Tage langsame Trocknung, kein direkte Sonneneinstrahlung.

7

Nachbehandlung & Qualitätskontrolle

NHL- und Trassmörtel mind. 7 Tage feucht nachbehandeln (Nebeln, Abdecken bei Sonne). Abnahme nach VOB/B: Klopftest auf Hohlstellen, Protokoll der ausgeführten Flächen und verwendeten Materialien (Chargennummern). Gewährleistung nach VOB: 4 Jahre, nach BGB: 5 Jahre.

Fugensanierung in Berlin: Preise 2026 & Besonderheiten

Berlin hat einen der größten Altbaubestände Deutschlands. Gründerzeit-Klinker, Natursteinfassaden und ein hohes Maß an Denkmalschutz prägen den Markt.

LeistungspositionPreis nettoPreis inkl. 19 % MwSt.Anmerkungen (Berlin 2026)
Fugenausräumen Klinker (Fräsen)8–14 €/m²9,50–16,70 €/m²LV-Eigenleistung Subunternehmer; Normalformat, Drempel
Verfugen Klinker (inkl. Ausräumen)25–45 €/m²29,75–53,55 €/m²NHL 3,5 oder Kalkzement CS II; Berliner Klinker-Altbau
Verfugen Naturstein (Sandstein/Kalkstein)40–70 €/m²47,60–83,30 €/m²Manuell, unregelmäßige Fugengeometrie; NHL 2
Injektionsverpressung (PU / CS)45–90 €/m²53,55–107,10 €/m²Inkl. Bohren, Packer, Injektionsgut; je nach Tiefe
Kombinierte Sanierung (Injektion + Verfugen)80–150 €/m²95,20–178,50 €/m²Stark ges. Mauerwerk; zweischalig; inkl. Gerüstanteil
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Gründerzeitmauerwerk: Berlins größte Herausforderung

Ca. 40 % des Berliner Wohnbaubestands stammt aus der Gründerzeit (1870–1918). Die Fugen bestehen oft aus reinem Kalkmörtel, der ohne Zementzusatz härtet. Ersatz mit Zementmörtel (CS III/IV) würde die weicheren Klinker mechanisch einspannen und sprengen. Vorgeschrieben oder empfohlen: NHL 3,5 oder Trassmörtel MG IIa (max. CS II).

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Denkmalschutz: Abstimmung mit Unterer Denkmalschutzbehörde (UDB)

Berlin hat über 10.000 gelistete Denkmäler und 67 Erhaltungsgebiete (Milieuschutz). Für Fugensanierungen an denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Baugenehmigung oder zumindest Zustimmung der UDB erforderlich. Die Behörde legt Mörtelzusammensetzung, Fugengeometrie und Oberflächenbeschaffenheit fest. Falsche Mörtel können zu kostspieliger Nachbesserung verpflichten.

Frost-Tau-Wechsel als Haupttreiber

Berlin erlebt durchschnittlich 35–50 Frost-Tau-Wechsel pro Winter (DWD-Klimastatistik Berlin). Wasser, das in offene Fugen eindringt, gefriert und dehnt sich um ca. 9 % aus — der Eisdruck übersteigt die Zugfestigkeit von Mörteln um ein Vielfaches. Sanierung vor dem Herbst (optimale Zeitfenster: April–September) verhindert weitere Frostfolgeschäden.

🏠

Praxisbeispiel: Klinker-Altbau Prenzlauer Berg

Viergeschössiges Miethaus, Baujahr 1905, Klinkerfassade ~280 m². Schadensgrad mittels: ca. 45 % der Fugen ausgewaschen. Maßnahme: Vollverfugen mit NHL 3,5 (Trassanteil 10 %), gebrochene Fugengeometrie. Kosten inkl. Gerüst: ca. 18.000 € netto (≈ 64 €/m²). Ausführungsdauer: 12 Werktage. Koordination mit UDB Pankow: formlose Zustimmung in 3 Wochen.

FAQ: Fugensanierung im Mauerwerk

Was ist Fugensanierung im Mauerwerk?
+
Fugensanierung bezeichnet die Instandsetzung schadhafter Mörtelfugen in Klinker-, Ziegel-, Naturstein- oder Betonmauerwerk. Sie umfasst das mechanische Ausräumen des alten Mörtels und das Neumverfugen mit geeignetem Fugenmörtel (Verfugen) sowie ggf. das Einpressen von Injektionsgut in tiefer liegende Hohlräume und Risse (Injektionsverpressung). Ziel ist, die Schutzfunktion der Fuge gegen Feuchte, Frost und mechanische Beanspruchung wiederherzustellen.
Wann müssen Fugen im Mauerwerk saniert werden?
+
Handlungsbedarf besteht wenn: Mörtel mit dem Fingernagel ausschaben lässt (Festigkeit verloren), Fugentiefe bei Sichtprüfung > 5 mm, Klopftest ergibt dumpfen Ton (Hohlstellen), Feuchteschäden oder Salzausblühungen an der Innenwänden auftreten, oder sichtbare Risse im Fugenbereich erkennbar sind. Als Faustregel gilt: Sind mehr als 20 % der Fugenfläche betroffen, lohnt sich eine Vollsanierung.
Was kostet Fugensanierung pro m² in Berlin 2026?
+
Die Kosten hängen stark von Mauerwerkstyp und Verfahren ab. Richtwerte für Berlin 2026 (netto): Verfugen Klinker: 25–45 €/m²; Verfugen Naturstein: 40–70 €/m²; Injektionsverpressung: 45–90 €/m²; Kombi-Sanierung (Injektion + Verfugen): 80–150 €/m². Gerüstkosten (ca. 15–25 €/m²) kommen bei mehrstöckigen Gebäuden hinzu. Nutzen Sie unseren Kostenkalkulator auf dieser Seite für eine schnelle Schätzung.
Was ist der Unterschied zwischen Verfugen und Verpressen?
+
Verfugen ist das klassische Verfahren: Alter Mörtel wird mechanisch ausgefräst oder gestemmt, der Untergrund gereinigt und anschließend frischer Fugenmörtel eingebracht. Das Verfahren eignet sich für oberflächlich schadhafte Fugen bis ca. 3–4 cm Tiefe. Injektionsverpressung (Verpressen) füllt tiefer liegende Hohlräume und Risse durch Einpressen von flüssigem Injektionsgut (Polyurethan, Zementschlempe, Epoxid) über Bohrlöcher. Beide Methoden ergänzen sich: Bei stark geschädigtem Mauerwerk wird meist zuerst injiziert und danach verfugt.
Welcher Mörtel ist für historische Fugen in Berliner Altbauten richtig?
+
Für Gründerzeitbauten (1870–1918) mit weichen Klinkersteinen und historischen Kalkmörteln: Natürlicher hydraulischer Kalk NHL 3,5 nach DIN EN 459-1 oder Trassmörtel MG IIa (Kalkzement mit Pozzolan-Anteil). Maximale Druckfestigkeit: CS II (1,5–3,0 N/mm²) — niemals härtere Zementmörtel (CS III/IV) in Gründerzeitaltbauten, da diese die weicheren Steine durch Zwangsspannungen schädigen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die Mörtelzusammensetzung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB) abzustimmen.
Wie tief müssen alte Fugen ausgestemmt werden?
+
Nach WTA-Merkblatt 5-10 müssen Fugen auf mindestens das 2,5-fache der Fugenbreite ausgefräst werden, mindestens jedoch 20 mm. Bei einer Standardfuge von 10 mm Breite also 25 mm Tiefe. Bei Fugen unter 10 mm Breite werden mindestens 20 mm Tiefe gefordert. Zu geringe Ausräumtiefe führt zu mangelhaftem Verbund des neuen Mörtels und vorzeitigem Versagen — ein häufiger Mangel bei Billigangeboten.
Kann ich Fugensanierung am Klinkerhaus selbst durchführen?
+
In kleinen Bereichen (Kelleraußenwand, Gartenmauerwerk) ist Eigenverfugen möglich, wenn die richtige Mörtelsorte und ausreichende Ausräumtiefe sichergestellt werden. An Sichtklinkerfassaden von Mehrfamilienhäusern, denkmalgeschützten Gebäuden oder bei Kombination mit Injektion ist professionelle Ausführung dringend empfohlen. Fehler (falsche Mörtelhärte, unzureichendes Ausräumen, Frostschäden am frischen Mörtel) können Folgeschäden verursachen, die ein Vielfaches der Ersparnis kosten. Nach VOB/C ist zudem eine Dokumentation und Mörtelnachweis erforderlich, wenn die Arbeit in Leistungsverzeichnissen abgerechnet wird.
Wie lange hält eine fachgerecht ausgeführte Fugensanierung?
+
Bei korrekter Mörtelwahl und fachgerechter Ausführung sind Lebensdauern von 30–50 Jahren realistisch — vergleichbar mit der ursprünglichen Mörtellebensdauer. NHL-Kalkmörtel härten langsam durch Carbonatisierung aus (CO₂-Aufnahme) und verbessern ihre Festigkeit über Jahre. Entscheidend sind: richtige Ausräumtiefe, passende Mörtelsorte, ausreichende Nachbehandlung (7 Tage feucht) und Vermeidung von Frosteinwirkung innerhalb der ersten 28 Tage. Die gesetzliche Gewährleistung beträgt nach VOB 4 Jahre, nach BGB 5 Jahre.
Brauche ich für eine Fugensanierung eine Baugenehmigung in Berlin?
+
In der Regel nein — Fugensanierungen gelten als Instandhaltungsmaßnahmen und sind nach § 61 BauO Bln genehmigungsfrei. Ausnahme: Denkmalgeschützte Gebäude. Hier ist eine Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB) des jeweiligen Bezirks erforderlich, auch wenn formal keine Baugenehmigung nötig ist. In Milieuschutzgebieten ist außerdem bei wesentlichen Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes (z. B. neue Fugenfarbe) eine Stellungnahme beim Bezirksamt sinnvoll. Für das Aufstellen eines Gerüsts mit Einschränkung des Gehwegs ist stets eine Sondernutzungserlaubnis beim Bezirksstraßen- und Grünflächenamt nötig.

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