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Fassade verputzen: Untergrund, Armierung & Oberputz

Fassadenputz ist der mehrlagige Schutz- und Gestaltungsauftrag auf dem Außenmauerwerk — bestehend aus Haftgrund, Armierungsschicht und Oberputz. Wann welcher Putz auf welchen Untergrund gehört, was DIN EN 998-1/2 vorschreiben und was der Berliner Markt 2026 kostet: der vollständige Leitfaden für Bauherren und Fachplaner.

16 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
NEUWEST Bau-Experten

Was ist Fassadenputz — und warum ist er unverzichtbar?

Fassadenputz ist ein mineralisch oder kunststoffgebundener Mehrschichtauftrag auf dem Außenmauerwerk, der gleichzeitig Witterungsschutz, Wärmedämmung (bei WDVS), Schallschutz und gestalterische Oberfläche übernimmt. Er ist kein optionales Finish, sondern nach DIN 18550-1 ein bautechnisch normiertes Bauteil der Gebäudehülle.

Ein fachgerecht aufgebauter Außenputz besteht typischerweise aus drei Lagen: dem vorbereitenden Haftgrund oder Spritzbewurf (Grundierung/Anspritzbewurf), der bewehrten Armierungsschicht (Unterputz + Gewebe) und dem abschließenden Oberputz (Edelputz). Jede Lage hat eigene Anforderungen an Zusammensetzung, Schichtdicke und Trocknungszeit.

Berliner Altbauten aus Backstein, Kalksandstein oder Porenbeton stellen besonders hohe Anforderungen: unterschiedliche Saugfähigkeit, Altputzreste, Sulfatausblühungen und die klimatischen Bedingungen im nordostdeutschen Übergangsklima erfordern präzise Materialwahl und sorgfältige Untergrundvorbereitung.

Fassadenputz auf einen Blick

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Schichten: Spritzbewurf, Armierungsputz, Oberputz
15–30 mm
Typische Gesamtputzdicke außen (DIN 18550)
DIN EN
998-1/2
Europäische Produkt-Normreihe für Putzmörtel
35–90 €/m²
Berliner Marktpreise 2026 (Material + Lohn, netto)
1

Untergrundvorbereitung & Haftgrund

Reinigung, Ausbesserung, Spritzbewurf (Anspritzbewurf CS IV nach DIN EN 998-1) oder Grundierung — die Basis für alle Folgeschichten. Saugfähigkeit des Untergrunds entscheidet über das Verfahren.

Haftgrund
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Armierungsschicht (Unterputz + Gewebe)

Bewehrter Zwischenputz mit eingebettetem Glasfasergewebe (160 g/m², alkalifest nach ETAG 004). Verhindert Rissbildung, bindet das WDVS ein und sorgt für Gesamtstabilität.

Armierung
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Oberputz (Edelputz)

Sichtbarer Abschluss in gewählter Struktur (Scheibenputz, Rillenputz, Mineralputz). Definiert Optik, Wasserabweisung, Dampfdurchlässigkeit (sd-Wert < 2 m) und Reinigungsfreundlichkeit.

Oberputz

Untergrundvorbereitung: Der entscheidende erste Schritt

Über 60 % aller Putzschäden gehen auf mangelhafte Untergrundvorbereitung zurück. Wer hier spart, zahlt doppelt.

Untergrundtypen & Anforderungen

🧱
Vollziegel / Klinker: Geringer Saugfähigkeit → Spritzbewurf aus CS IV zwingend, Trocknungszeit mind. 24 h vor Unterputz
🧱
Kalksandstein (KS): Mittlere Saugfähigkeit, glatte Oberfläche → Vornetzen oder Kontaktbrücke (Haftschlämme) empfohlen
🧱
Porenbeton (PP/PB): Sehr hohe Saugfähigkeit → Vornetzen obligatorisch, Leichtputz mit niedriger E-Zahl (≤ 4000 N/mm²)
🧱
Beton (Sichtbeton): Nahezu nullsaugend → mechanische Aufrauung oder Haftbrücke (epoxidgebunden), kein Spritzbewurf nötig
🧱
Altputz (Sanierung): Prüfung nach ZDB-Merkblatt: Klopftest, Haftzugfestigkeit ≥ 0,05 N/mm² (Kalk) / ≥ 0,3 N/mm² (Zementputz)

Checkliste: Untergrundprüfung vor Putzarbeiten

Festigkeit: Lose Teile, Ausblühungen, Algen, Moos vollständig entfernen (Hochdruckreiniger ≥ 150 bar oder Schleifmaschine)
Ebenheit: Unebenheiten > 10 mm über 1 m müssen vor Putz ausgeglichen werden (DIN 18202 Tab. 3)
Feuchte: Mauerfeuchte < 6 % (kapazitives Messgerät), sonst Ursache beheben → Putz erst danach
Risse: Risse > 0,2 mm (aktivere Risse) → Ursachendiagnose, ggf. Dehnfugenplanung nach WTA-Merkblatt 2-4
Salze / Sulfate: Sulfatausblühungen (häufig bei Berliner Altbauziegel) → Sanierputz-System nach WTA-Merkblatt 2-9 vorschreiben
⚠ Berliner Altbau-Besonderheit: Gründerzeit-Fassaden (1870–1918) in Charlottenburg, Prenzlauer Berg und Mitte enthalten häufig hygroskopische Mauerwerksalze (Chloride, Nitrate) aus Kriegsschadenreparaturen. Hier ist vor dem Verputzen eine Salzanalyse (nach DIN 18558) obligatorisch. Sanierputzsysteme nach WTA-Richtlinie 2-9-04/D speichern und verteilen die Salze, anstatt sie an die Oberfläche zu führen.

Spritzbewurf: Wann und wie?

Der Spritzbewurf (Anspritzbewurf) nach DIN 18550-2 ist eine dünnflüssige Zementschlämmschicht (Schichtdicke 3–5 mm), die die Haftung zwischen Mauerwerk und Unterputz herstellt. Er ist keine eigenständige Putzschicht, sondern Haftbrücke. Voraussetzungen:

📍
Deckung: Etwa 50–70 % der Wandfläche bewusst offen lassen — der Bewurf muss nicht schließen, sonst schlechte Haftung
Trocknungszeit: Mind. 24 Stunden (besser 48 h) vor Aufbringung des Unterputzes warten — bei Temperaturen < 5 °C gar nicht aufbringen
💧
Mischungsverhältnis: Typisch 1 Teil Zement CEM II : 2–3 Teile Sand (0/1 mm), w/z-Wert ≤ 0,5. Fertigprodukte nach DIN EN 998-1 (CS IV) bevorzugt
🚫
Nicht bei Porenbeton und sehr leichten Mauerziegeln (< 600 kg/m³): hier Kontaktbrücke (Dispersionshaftbrücke) statt Spritzbewurf

Schichtaufbau: Armierungsputz & Oberputz im Detail

Jede Schicht hat eine definierte Aufgabe. Materialmix und Schichtdicken sind normativ geregelt — Abweichungen führen zu Systemversagen.

MAUERWERK SPRITZBEWURF 3–5 mm ARMIERUNGSPUTZ + GEWEBE OBERPUTZ (EDELPUTZ) ANSTRICH Mauerwerk (Ziegel, KS, PP) Spritzbewurf CS IV (3–5 mm) Armierungsputz + Glasgew. (≥ 5 mm) Oberputz / Edelputz (2–5 mm) Farbanstrich (optional) Gesamtputzdicke: 15–30 mm
Mauerwerk
Spritzbewurf
Armierungsputz + Gewebe
Oberputz (Edelputz)
Farbanstrich

Armierungsschicht: Anforderungen nach ETAG 004 & DIN EN 13499

🔱
Gewebe-Spezifikation: Glasfasergewebe alkalifest (AR-Glas), Mindestflächenmasse 160 g/m², Maschenweite 4×4 mm. An Ecken, Laibungen und Dehnfugen: Doppellagenarmierung (ETAG 004, Abs. 4.3)
📏
Einbettungstiefe: Gewebe im oberen Drittel der Armierungsschicht, Überdeckung ≥ 1 mm Putz. Gewebe darf nicht an der Oberfläche durchscheinen → Rissrisiko
👥
Überlappung: Mindestens 100 mm Überlappung aller Gewebebahnen. An Gebäudeecken: 200 mm Überstand auf jede Seite — kritische Zone für Wärmedehnung
🌧
Systemgebundenheit: Armierungsputz und Gewebe müssen aus demselben zugelassenen WDVS-System stammen (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, abZ). Mischprodukte sind nicht normkonform

Oberputzarten im Vergleich

PutzartBindemittelKörnungSd-WertTypischer Einsatz
Mineralputz (Kalk-Zement)Kalk + Zement1–4 mm< 0,1 mNeubau, gut diffusionsoffen, preisgünstig
Kunstharzputz (Dispersionsputz)Acrylharz1–3 mm0,5–2 mRenovierung, hohe Flexibilität, viele Farben
SilikonharzputzSilikonharz1–3 mm0,1–0,5 mWDVS-Standard, wasserabweisend + diffusionsoffen
SilikatputzKaliumwasserglas1–3 mm< 0,1 mDenkmalschutz, stark kapillarbrechend
Sanierputz (WTA)Kalk + Poren-bildnerbis 4 mm< 0,2 mFeuchtes/salzbelastetes Mauerwerk (Altbau Berlin)

Putz-Mengenrechner: Material & Kosten live berechnen

Geben Sie Fassadenfläche, Putzdicke und Putzart ein — der Rechner ermittelt Materialbedarf und Berliner Richtpreise 2026 in Echtzeit.

Fassadenfläche 120 m²
Unterputzdicke 15 mm
Putzart Oberputz
Zuschlag Ecken & Laibungen
Unterputzmörtel (ca. 16 kg/m² je 10 mm)
288 kg
Armierungsgewebe (m²)
126 m²
Oberputz (Sack à 25 kg)
22 Sack
Gesamtkosten Material + Lohn (netto)
4.560 €
Richtpreise Berlin 2026 (netto, ohne MwSt.). Individuelles Angebot je nach Gerüst, Altputzabtrag, Komplexität. Einheitspreise: Unterputz masch. 18–28 €/m², Oberputz 12–22 €/m², Material ~30 % des Gesamtpreises.

Relevante Normen & Regelwerke für Fassadenputz

Fassadenputz ist durch europäische und nationale Normen, bauaufsichtliche Zulassungen und Merkblätter geregelt. Abweichungen begründen Sachmängel.

Norm / RegelwerkInhaltRelevanz Fassadenputz
DIN EN 998-1:2017Anforderungen an Mörtel für Mauerwerk — Putzmörtel (GP, LW, CR, OC, R)Produktnorm für alle Außenputzmörtel; definiert Druckfestigkeit-Klassen CS I–IV
DIN EN 998-2:2017Mauermörtel (nicht Putz, aber Systemkompatibilität)Mauerwerk-Putz-Kompatibilität: E-Modul des Putzes ≤ E-Modul Mauerwerk (Softer-on-Harder)
DIN 18550-1:2015Planung, Vorbereitung und Ausführung von Außen- und InnenputzenZentrale Ausführungsnorm: Mindestputzdicken, Schichtfolge, Verarbeitungsklima
DIN 18550-2:2015AußenputzeSpritzbewurf-Anforderungen, Unterputzdicken (mind. 10 mm), Armierungslagen
DIN 18202:2013Toleranzen im Hochbau – BauwerkeEbenheitstoleranzen für Putzoberflächen (Stich unter 4-m-Latte: ≤ 10 mm)
ETAG 004 / ETALeitlinie Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS)Systemzulassung, Armierungsgewebe-Anforderungen, Brandschutzklassen
WTA-Merkblatt 2-4Dehnfugen in Putz und Wärmedämm-VerbundsystemenFugenplanung: max. 6 m Putzfelder, Zwangsfugen an Bauteilanschlüssen
WTA-Merkblatt 2-9-04/DSanierputzsystemePflichtlektüre bei Salzbelastung (Berlin Altbau): Systemaufbau, Mindestputzdicke 20 mm
🔒
Softer-on-Harder-Prinzip: Der E-Modul jeder Putzlage muss ≤ dem E-Modul der darunter liegenden Schicht sein. Ein zu harter Oberputz auf weichem Unterputz reißt — klassischer Schadensmechanismus
🎯
Verarbeitungsklima (DIN 18550-1): Lufttemperatur > 5 °C und < 30 °C, keine direkte Sonneneinstrahlung, kein Regen, kein Frost innerhalb 24 h nach Auftrag
📋
Bauaufsichtliche Zulassung (abZ/ETA): WDVS-Systeme benötigen eine Europäische Technische Bewertung (ETA). Beim Mischen verschiedener Hersteller erlischt die Zulassung → Haftungsrisiko
📅
Gewährleistung: Nach BGB § 634a beträgt die Verjährungsfrist für Baumängel 5 Jahre ab Abnahme. Putzrisse nach < 3 Jahren gelten i.d.R. als mangelhaft — Beweislastumkehr in den ersten 12 Monaten

Berliner Marktpreise 2026: Was kostet Fassadenputz?

Reale Einheitspreise aus Berliner Ausschreibungen und Angeboten, netto ohne MwSt. Lohnanteil ca. 55–65 % der Gesamtkosten.

LeistungEinheitPreisspanne netto (Berlin 2026)Hinweis
Altputzabtrag (maschinell)8–18 €Je nach Dicke und Haftfestigkeit; Entsorgung separat (ca. 80 €/t)
Spritzbewurf aufbringen4–8 €Inkl. Material; oft in Pos. Unterputz enthalten
Unterputz maschinell (15 mm)18–28 €Kalk-Zement-Unterputz; Handputz +20–30 %
Armierungsschicht incl. Gewebe14–22 €Bei WDVS-System: i.d.R. in Systempreis enthalten
Mineralputz Oberputz (1,5–2 mm)12–18 €Scheibenputz oder Rillenputz, vorgemischt
Silikonharzputz Oberputz18–26 €Hydrophob + diffusionsoffen; Marktstandard bei WDVS
Silikatputz Oberputz22–34 €Denkmalgerecht; Mineralfarbe als Basis empfohlen
Sanierputz (WTA, 20 mm)38–58 €Inkl. Vorbehandlung, 2-lagiger WTA-Aufbau
Gerüst (An-/Abbau inkl. Standzeit 4 Wo.)12–22 €Bezogen auf Gerüstfläche; bei Berliner Altbau oft Engpass
Gesamtpaket Neubau (Unter- + Oberputz)35–60 €Ohne Gerüst, ohne Altputzabtrag
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Beispiel Berlin-Neukölln: Altbau-Fassadensanierung, 180 m²

Altputzabtrag (12 €/m²) + Sanierputzsystem WTA (48 €/m²) + Silikatputz Oberputz (28 €/m²) + Gerüst (16 €/m²) = ca. 18.700 € netto (104 €/m² Gesamtpaket). Typische Berliner Sanierungsmaßnahme an Gründerzeit-Fassade mit Salzbelastung, Denkmalschutzbeirat informiert.

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Beispiel Berlin-Marzahn: Neubau-Fassade, 320 m² (WDVS + Putz)

WDVS-Dämmung 160 mm EPS (30 €/m²) + Armierungsputz inkl. Gewebe (18 €/m²) + Silikonharzputz (22 €/m²) + Gerüst (14 €/m²) = ca. 26.900 € netto (84 €/m²). Hier Gesamtsystemzulassung (ETA) zwingend, da Dämmdicke > 200 mm brandschutztechnisch zu prüfen (Brandriegel).

Ablauf: Fassade verputzen in 8 Schritten

Von Untergrundprüfung bis Farbanstrich — der gesamte Werkablauf nach DIN 18550 und VOB/C ATV DIN 18350.

1

Untergrundprüfung & Bestandsaufnahme

Klopftest auf losen Altputz, Feuchtemessung (kapazitiv, Zielwert < 6 %), Rissaufnahme (Rissprotokoll nach WTA 2-4), Salzanalyse bei Verdacht. Ergebnis dokumentieren → Grundlage für LV-Position.

2

Gerüststellung & Schutzmaßnahmen

Fassadengerüst nach TRBS 2121, Abstand zur Wand ≤ 30 cm. Fenster, Türen, Außenfensterbänke und Sockelbereiche abkleben. Für Berliner Altbauten: Gerüstgenehmigung beim Bezirksamt beantragen (Antragsdauer ca. 4–8 Wochen).

3

Altputzabtrag & Untergrundvorbereitung

Losen Altputz mechanisch entfernen (Stemmhammer, Putzfräse), Fläche mit Hochdruckreiniger (150 bar) reinigen. Algenbefall mit geeignetem Biozid vorbehandeln (mind. 48 h Einwirkzeit). Tiefe Fehlstellen im Mauerwerk mit systemkompatiblem Reparaturmörtel schließen.

4

Spritzbewurf / Haftgrundierung aufbringen

Spritzbewurf CS IV per Spritzgerät ca. 3–5 mm dick aufbringen, Flächendeckung 50–70 %. Trocknungszeit ≥ 24 h abwarten. Bei Porenbeton/Leichtziegel: Dispersionshaftbrücke stattdessen dünn einrollen und antrocknen lassen.

5

Unterputz & Armierungsschicht einbringen

Putzprofile (Putzlehren) setzen, Unterputz maschinell aufspritzen und abziehen. Trocknungszeit nach Hersteller (typisch 1 Tag je 2 mm Schichtdicke, mind. 3 Tage). Anschließend Armierungsputz aufziehen, Glasfasergewebe einbetten, glatt abziehen. Gewebedopplung an allen Ecken und Öffnungen.

6

Dehnfugen setzen

Putzfelder max. 6 m × 6 m (WTA 2-4). Dehnfugen an Bauteilanschlüssen (Fensterrahmen, Sohlbänke, Attiken, Balkonplatten) mit systemzugehörigem Profil ausbilden. Fugenbreite nach DIN 18540 mind. 5 mm, mit dauerhaft elastischer Dichtstofffuge (Klasse F 25 E) schließen.

7

Oberputz (Edelputz) auftragen & strukturieren

Armierungsschicht muss vollständig durchgetrocknet sein (≥ 7 Tage, besser 14 Tage bei > 20 mm Unterputz). Oberputz gleichmäßig aufziehen, im frischen Zustand mit Reibebrett (Scheibenputz), Zahnkelle (Rillenputz) oder Bürste (Besenstrich) strukturieren. Nass in nass arbeiten — Anschlüsse auf Putzfeld, nicht auf Unterbrechung.

8

Farbanstrich & Abnahme

Bei mineralischem Oberputz: Mineralfarbe oder Silikatfarbe; bei Kunstharzputz: Fassadenfarbe passend zum System. Mindest-Trocknungszeit vor Erstanstrich: 28 Tage (Kalk-Zement-Unterputz). Abnahme nach VOB/B § 12: Aufmaß, Mängelprotokoll, Gewährleistungsbeginn.

Typische Putzschäden & wie man sie vermeidet

Die häufigsten Reklamationen bei Außenputzarbeiten — und die normative Grundlage für die Mängelrüge.

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Haarrisse im Oberputz (Schwindriße)

Ursache: Zu schnelles Austrocknen (Wind, Sonne), zu zementreicher Mörtel, fehlende Schutzfolie. Prävention: Mörtel abdecken, nass halten (Jutesäcke), Verarbeitungsklima nach DIN 18550-1 einhalten. Haarrisse < 0,2 mm gelten rechtlich oft als hinnehmbar — strukturelle Risse > 0,3 mm sind Mangel.

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Putzablösung vom Untergrund

Ursache: Mangelhafter Spritzbewurf, nicht vorgenetzte saugende Untergründe, zu früh aufgebrachte Folgeschicht. Prüfung: Klopftest (Hohlklang). Haftzugfestigkeit nach DIN EN 1015-12 muss ≥ 0,3 N/mm² (zementgebunden) betragen. Vollständige Neumachung meist unumgänglich.

💧

Ausblühungen & Salzflecken

Ursache: Hygroskopische Mauerwerksalze, Kapillarfeuchte, zu dichter Außenputz (hoher sd-Wert). Lösung: Sanierputzsystem WTA 2-9, hohe Porosität, keine Sperrgrundierung als "Lösung". Reine Oberflächenbehandlung bekämpft Symptome, nicht Ursache → Rückfall nach 2–5 Jahren.

🍀

Algen- & Pilzbefall an WDVS-Fassaden

Ursache: Kapillarsaugende Mineralputzoberflächen bei hoher Taudauer (Berlin: 100–140 Taudauerstunden/Jahr). Prävention: Silikonharzputz mit Biozid-Additiv, Dachüberstand ≥ 40 cm, Sockelabstand ≥ 30 cm. Sanierung: biozide Fassadenreinigung, dann Neuanstrich mit hydrophobierten Produkten.

Risse an Ecken, Fensterlaibungen & Dehnfugen

Ursache: Fehlende Gewebedopplung an geometrischen Schwachstellen, zu kleine oder keine Dehnfugen, unterschiedliche Wärmedehnungskoeffizienten. Prüfmaßstab: ETAG 004 Anlage A, WTA 2-4. Reparatur: Fugenöffner, neue Dehnfuge mit Silikonabdichtung, Gewebeeinlage lokal ergänzen.

FAQ: Fassade verputzen

Was kostet es, eine Fassade in Berlin verputzen zu lassen?
+
Die Kosten für Fassadenputz in Berlin liegen 2026 bei 35–90 €/m² netto (Material und Lohn), je nach Putzart und Vorarbeiten. Einfacher Mineralputz (Unter- + Oberputz, kein Altputzabtrag) kostet ca. 35–55 €/m². Mit Silikonharzputz und Gerüst sind es 55–75 €/m². Eine vollständige Altbausanierung mit Sanierputzsystem, Gerüst und Altputzabtrag liegt bei 90–130 €/m². Nutzen Sie unseren Putz-Mengenrechner für eine erste Kostenschätzung.
Wie viele Schichten braucht ein Außenputz?
+
Ein normgerechter Außenputz besteht aus mindestens zwei Putzlagen (Unterputz + Oberputz) plus Haftgrund. Bei WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem) kommen Klebemörtel, Dämmplatten und eine Armierungsschicht mit eingebettetem Glasfasergewebe dazu — insgesamt 5–6 Systemlagen. DIN 18550-2 schreibt vor, dass der Unterputz vollständig durchgetrocknet sein muss, bevor der Oberputz aufgebracht wird.
Welcher Außenputz ist der beste für Berliner Altbauten?
+
Für Berliner Gründerzeit-Fassaden empfehlen Fachleute Kalk-Zement-Unterputz mit Silikatputz als Oberputz — diffusionsoffen (sd-Wert < 0,1 m), alkalisch gegen Algen und optisch denkmalgerecht. Bei nachgewiesener Salzbelastung (Sulfate, Chloride) ist ein Sanierputzsystem nach WTA-Merkblatt 2-9 zwingend. Kunstharzputze (Dispersionsputze) sind für Altbau ungeeignet: zu hoher sd-Wert führt zu Feuchteaufstau hinter der Putzschicht.
Wie lange muss Außenputz trocknen, bevor man streichen kann?
+
Die Mindesttrocknungszeit beträgt nach DIN 18550 und den meisten Herstellerangaben 28 Tage für Kalk-Zement-Unterputz vor dem Farbanstrich. Als Faustregel gilt: 1 Monat pro 10 mm Putzdicke. Kunstharzputze und Silikonharzputze als Oberputz können oft schon nach 7–14 Tagen überstrichen werden, da sie nicht carbonatisieren müssen. Bei Kälte (< 10 °C) verlängert sich die Trocknungszeit erheblich — im Berliner Herbst/Winter Faktor 2–3 einkalkulieren.
Kann man eine Fassade im Winter verputzen?
+
Grundsätzlich nein, unterhalb von 5 °C Luft- und Untergrundtemperatur. DIN 18550-1 verbietet das Aufbringen von Putzmörtel bei Frost oder wenn Frost innerhalb von 24 Stunden nach dem Auftrag zu erwarten ist. In Ausnahmefällen (Winterbaustelle, Eingerüstung mit Planen und Heizung) ist Verputzen bei kontrollierten Bedingungen möglich, aber teuer. Frostschutzadditive sind kein Ersatz für ausreichende Temperatur — sie verzögern den Schaden nur.
Was ist der Unterschied zwischen Unterputz, Armierungsputz und Oberputz?
+
Unterputz (Grundputz) ist die erste dicke Schicht (10–20 mm), die den Untergrund egalisiert und die Hauptlast der Putzdicke übernimmt. Der Armierungsputz (auch Klebe-Armier-Mörtel) ist ein speziell flexibler, dünnschichtiger Mörtel, in den ein Glasfasergewebe eingebettet wird — er sichert das System gegen Rissbildung. Der Oberputz (Edelputz) ist die sichtbare Abschlussschicht in 1,5–3 mm, die Struktur, Farbe und Wasserabweisung definiert. Beim klassischen Aufbau ohne WDVS übernimmt der Unterputz auch die Armierungsfunktion (Gewebe in der oberen Hälfte des Unterputzes).
Was ist ein WDVS und brauche ich immer Armierungsgewebe?
+
WDVS steht für Wärmedämm-Verbundsystem: Dämmplatten (EPS, Mineralwolle) werden auf das Mauerwerk geklebt und gedübelt, darüber kommen Armierungsputz mit Glasfasergewebe und Oberputz. Das Gewebe ist hier zwingend vorgeschrieben (ETAG 004) — ohne es fehlt die Rissbrücke zwischen den thermisch arbeitenden Dämmplatten. Beim einfachen Außenputz ohne WDVS ist Armierungsgewebe in der Normierung nicht zwingend vorgeschrieben, aber fachlich dringend empfohlen an Ecken, Leibungen und über Rissen, da es die Dauerhaftigkeit erheblich verbessert.
Wann brauche ich einen Sanierputz statt normalem Außenputz?
+
Sanierputz nach WTA-Merkblatt 2-9 ist notwendig, wenn das Mauerwerk mit hygroskopischen Salzen (Sulfate, Chloride, Nitrate) belastet ist — typisch bei Berliner Gründerzeit-Altbauten, Kellerwänden oder nach Feuchte- und Hochwasserschäden. Der Unterschied: Sanierputz ist hochporös (Porenanteil > 40 Vol.%) und nimmt Salze in seinen Hohlräumen auf, ohne dass diese an der Oberfläche auskristallisieren und Putz absprengen. Normaler Außenputz mit geringer Porosität würde an Salzbelastung binnen 2–5 Jahren abblättern.

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