🏠 Energieeffizienz & Gebäudestandard

Passivhaus bauen — Konzept, Technik & Zertifizierung

Ein Passivhaus ist ein Gebäude, dessen Heizwärmebedarf auf ≤ 15 kWh/(m²·a) begrenzt ist — bis zu 90 % weniger als im unsanierten Altbau. Was dahintersteckt, was es kostet und wie die Zertifizierung läuft: präzise erklärt für Bauherren und Fachpublikum.

18 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist ein Passivhaus? Konzept und Standards

Ein Passivhaus ist ein Gebäude, dessen Heizwärmebedarf so weit gesenkt ist, dass es seinen Wärmebedarf überwiegend „passiv“ deckt — aus solaren Gewinnen durch Fenster, inneren Wärmequellen (Personen, Geräte) und der Wär­me­rück­ge­winnung der Belüftungsanlage. Das Konzept wurde 1990 vom Passivhaus Institut (PHI) Darmstadt unter Prof. Dr. Wolfgang Feist entwickelt und ist heute der international anerkannte Standard für Niedrigstenergie­gebäude.

Der Schlüsselwert: ≤ 15 kWh/(m²·a) Heizwärmebedarf (berechnet mit dem PHPP — Passivhaus Projektierungs­paket). Zusätzlich gilt eine maximale Heizlast von 10 W/m², die die Dimensionierung der Heiztechnik begrenzt. Auf ein separates Heizkörper­system wird meist völlig verzichtet; ein kleiner Heizregister in der Zuluft übernimmt die Restwärme.

Seit 2015 unterscheidet das PHI drei Passivhaus-Klassen: Classic (rein energiesparend), Plus (mit erneuerbarer Eigenstromerzeugung) und Premium (bilanziell Plus-Energie). Für Sanierungen gilt der EnerPHit-Standard mit angepassten Grenzwerten.

Passivhaus auf einen Blick

≤ 15
kWh/(m²·a) Heizwärmebedarf (Classic) — ca. 90 % weniger als Altbau
≤ 0,6
h²¹ Luftwechselrate n50 im Blower-Door-Test (DIN EN ISO 9972)
≤ 0,80
W/(m²·K) U-Wert Fenster gesamt (Uw) — Dreifach­verglasung
≥ 75 %
Wär­me­rück­ge­win­nungs­grad der Lüftungs­anlage (typisch 80–90 %)

Die vier Passivhaus-Klassen

C

Passivhaus Classic

Heizwärmebedarf ≤ 15 kWh/(m²·a), Primärenergie­bedarf ≤ 120 kWh/(m²·a). Der Grundstandard — weltweit am häufigsten zertifiziert.

Basisstandard
+

Passivhaus Plus

Wie Classic, zusätzlich: erneuerbare Eigenstromerzeugung ≥ 60 kWh/(m²·a) und Primär­energie­bedarf ≤ 60 kWh/(m²·a). Typisch mit PV-Anlage auf dem Dach.

Mit Eigenstromerzeugung
P

Passivhaus Premium

Höchste Klasse: Primär­energie­bedarf ≤ 0 kWh/(m²·a), EE-Erzeugung ≥ 120 kWh/(m²·a). Bilanziell ein Plus-Energie-Gebäude.

Plus-Energie
E

EnerPHit

Passivhaus-Zertifikat für Sanierungen. Heizwärme­bedarf ≤ 25 kWh/(m²·a) oder bauteil­basierter Nachweis — realistisch für Berliner Altbauten.

Sanierungsstandard

Die fünf technischen Säulen des Passivhauses

Alle fünf Komponenten müssen konsequent umgesetzt sein — das Weglassen auch nur einer gefährdet die Erreichung des Standards.

🪟

1. Hochwirksame Wärmedämmung (U ≤ 0,15 W/(m²·K))

Außenwände, Dach und Bodenplatte erhalten Dämmschichten von typisch 24–40 cm (WDVS mit λ = 0,035 W/(mK) oder Einblasddämmung). Der Grenzwert von U ≤ 0,15 W/(m²·K) nach EN ISO 6946 ist rund 40 % strenger als die GEG-2024-Anforderung. Mineralwolle, EPS, PUR und Zellulose sind gängige Materialien; deren Wärmeleitfähigkeit muss nach DIN 4108-4 deklariert sein.

👥

2. Wärmebrückenfreiheit (Ψ < 0,01 W/(mK))

Wärmebrücken an Balkonen, Fensteranschlüssen, Sockeln und Ecken können im Passivhaus bis zu 30 % des Heizwärmebedarfs ausmachen. Die Lösung: Ψ-Werte aller Anschlüsse < 0,01 W/(mK), berechnet nach EN ISO 10211 und EN ISO 14683. Auskragende Balkone werden mit thermisch getrennten Verbindungselementen (Isokorb) oder als Freistehende Konstruktionen ausgeführt.

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3. Luftdichtheit der Gebäudehülle (n50 ≤ 0,6 h²¹)

Eine lückenlose Luftdichtheitsschicht aus Dampfbremse, Luftdichtheitsfolie oder luftdichtem Mauerwerk verhindert unkontrollierte Wärmeverluste. Das Ergebnis wird im Blower-Door-Test nach DIN EN ISO 9972 gemessen: Bei 50 Pa Druckdifferenz darf maximal das 0,6-Fache des Gebäudevolumens pro Stunde entweichen — fünf- bis achtmal dichter als der GEG-Mindestwert. Kritische Details: Steckdosen, Deckeneinbauleuchten, Durchd­ringungen für Rohre und Kabel.

👁

4. Passivhaus-geeignete Fenster (Uw ≤ 0,80 W/(m²·K))

Dreifach-Isolierverglasung mit Ug ≤ 0,60 W/(m²·K) und g-Wert ≥ 0,50 ist Pflicht. Ebenso wichtig: der Rahmen (Uf ≤ 0,80) und der Glasrandverbund — die sogenannte „warme Kante“ (Randverbund aus Kunststoff oder Edelstahl statt Aluminium) verhindert Tauwasserbildung und senkt den linearen Wärmedurchgangskoeffizienten Ψg nach EN ISO 10077. Südfenster werden bewusst groß dimensioniert, um solare Gewinne zu maximieren.

🌀

5. Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (η ≥ 75 %)

Eine Komfortlüftungsanlage (KWL) führt kontinuierlich frische Außenluft zu und saugt verbrauchte Raumluft ab. Im integrierten Plattentauscher oder Gegenstromwärmetauscher werden ≥ 75 % (üblich: 80–92 %) der Abluftwärme auf die Zuluft übertragen — gemessen nach EN 13141-7. Ein kleiner elektrischer Nachheizregister (1–2 kW) übernimmt die Restwärmezufuhr. CO2-Fühler sorgen für bedarfsgerechte Regelung, F7/F9-Filter für Pollenfreiheit. Hygienische Wartung: Filteraustausch alle 6–12 Monate.

U-Werte, Luftdichtheit & Normreferenzen im Vergleich

Passivhaus vs. GEG 2024 — alle relevanten Bauteilwerte und die zugehörigen DIN/EN-Normen auf einen Blick.

Bauteil / Kenngröße Passivhaus-Anforderung GEG 2024 Höchstwert Maßgebliche Norm
Außenwand U ≤ 0,15 W/(m²·K) U ≤ 0,24 W/(m²·K) EN ISO 6946
Dach / Oberste Geschossdecke U ≤ 0,15 W/(m²·K) U ≤ 0,20 W/(m²·K) EN ISO 6946
Bodenplatte / Kellerdecke U ≤ 0,15 W/(m²·K) U ≤ 0,30 W/(m²·K) EN ISO 6946 / EN ISO 13370
Fenster gesamt (Uw) U ≤ 0,80 W/(m²·K) U ≤ 1,30 W/(m²·K) EN ISO 10077-1/-2
Verglasung (Ug) U ≤ 0,60 W/(m²·K) U ≤ 1,10 W/(m²·K) EN 673
Haustür U ≤ 0,80 W/(m²·K) U ≤ 1,40 W/(m²·K) EN 14351-1
Luftdichtheit n50 ≤ 0,6 h²¹ ≤ 1,5 h²¹ (EFH) / 3,0 (MFH) DIN EN ISO 9972
Wärmerückgewinnung η ≥ 75 % — (Empfehlung) EN 13141-7
Linearer Wärmedurchgang Ψ < 0,01 W/(mK) je Anschluss EN ISO 10211 / EN ISO 14683
Heizwärmebedarf (PHPP) ≤ 15 kWh/(m²·a) Primärenergiebedarf ≤ 55 kWh/(m²·a) PHPP (PHI Darmstadt)
📚
DIN 4108-2: Mindestwärmeschutz — legt Mindestwerte für Innenoberflächen­temperaturen fest, um Tauwasser und Schimmel zu vermeiden (Grundlage für alle Energiestandards)
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EN 16798-1 (ehem. EN 15251): Innenraumklima-Anforderungen — definiert CO2-Gehalte, Temperatur­korridore und Lüftungsvolumenströme für gesundes Raumklima
📚
DIN 4108-7: Luftdichtheit von Gebäuden — beschreibt Ausführungsregeln für die luftdichte Ebene, Anschlussdetails und Qualitätssicherung auf der Baustelle
📚
PHPP (Passivhaus Projektierungspaket): Das Excel-basierte Berechnungswerkzeug des PHI Darmstadt. Einziges anerkanntes Nachweisverfahren für die Passivhaus-Zertifizierung — präziser als DIN V 18599

Passivhaus-Wirtschaftlichkeitsrechner

Vergleichen Sie den Heizenergiebedarf Ihres Referenzgebäudes mit dem Passivhaus-Standard und berechnen Sie die Amortisation der Mehrkosten — live für Berliner Marktpreise 2026.

Wohnfläche 150 m²
Referenzgebäude
Energieträger
Mehrkosten Passivhaus 130 €/m²
Heizenergieersparnis / Jahr
25.200 kWh
Kosteneinsparung / Jahr
3.557 €
Mehrkosten Passivhaus gesamt
19.500 €
Amortisation
5,5 Jahre
Referenz: 180 kWh/(m²·a)
Passivhaus: 12 kWh/(m²·a)
Richtwerte für Berlin 2026. Gas: 13 ct/kWh (Wirkungsgrad 92 %), Wärmepumpe: 30 ct/kWh el. × JAZ 3,5, Fernwärme Berlin: 14,5 ct/kWh. Passivhaus-Zielwert: 12 kWh/(m²·a).

Kosten & Berliner Marktpreise 2026

Ein Passivhaus kostet in Berlin 2026 rund 4–8 % mehr als ein GEG-Neubau — die Mehrkosten von ca. 100–180 €/m² rechnen sich durch dauerhaft niedrige Heizkosten.

KostenpostenPassivhaus (Berlin 2026)GEG-NeubauDifferenz
Außenwand inkl. Dämmung (WDVS) 85–130 €/m² 55–85 €/m² +30–45 €/m²
Dreifach-Fenster (Passivhaus-geeignet) 750–1.400 €/m² 400–750 €/m² +350–650 €/m²
Komfortlüftung mit WRG 8.000–20.000 € — (optional) +8.000–20.000 €
PHPP + Energieberatung 2.500–6.000 € 1.000–3.000 € +1.500–3.000 €
PHI-Zertifizierung 1.500–3.000 € +1.500–3.000 €
Blower-Door-Test (DIN EN ISO 9972) 450–850 € 450–850 €
Gesamtbaukosten EFH (Netto inkl. Ausbau) 2.700–3.600 €/m² 2.400–3.000 €/m²
Mehrkosten Passivhaus gesamt 100–180 €/m² +4–8 %
💰
KfW BEG NB (Programm 261): Passivhaus entspricht Effizienzhaus 40 → 20 % Tilgungszuschuss, Kredit bis 150.000 € (EFH) / 150.000 € je WE (MFH). Antragsstellung IMMER vor Baubeginn über Hausbank
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IBB Berlin: Die Investitionsbank Berlin (IBB) ergänzt KfW-Mittel für energetisch nachhaltige Neubauten. Aktuelles Programm: bis 50.000 € je WE zusätzlich — Konditionen regelmäßig prüfen
🌿
CO2-Einsparung (Altbau → Passivhaus): Statt 180 kWh/(m²·a) Heizenergie (Gas) nur noch 12 kWh/(m²·a) → Einsparung von > 35 kg CO2/(m²·a) — relevant für Berlin­er Klimaziele 2045
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Wertsteigerung & Zukunftssicherheit: Passivhäuser erzielen am Berliner Markt 5–12 % höhere Verkaufspreise und Mieten gegenüber GEG-Neubauten (Quellen: empirica, Gutachterausschuss Berlin 2025) — steigt mit zunehmendem CO2-Preis

Passivhaus-Zertifizierung: So läuft das Verfahren

Die Zertifizierung durch das PHI Darmstadt oder einen akkreditierten Zertifizierer bestätigt die Einhaltung aller Passivhaus-Anforderungen — und ist Voraussetzung für bestimmte Förderprogramme.

1

Konzeptphase: PHPP-Vorabberechnung

Ein Passivhaus-Planer (zertifiziert durch PHI) erstellt eine Vorab-PHPP-Berechnung auf Basis der ersten Entwurfspläne. Ziel: Grobüberprüfung der Zielerreichung und Identifikation kritischer Bauteile. Kosten: ca. 800–1.500 € für diese Phase.

2

Entwurfsplanung: Bauteilkonzept & Wärmebrückenanalyse

Alle Anschlussdetails (Fenster, Balkon, Sockel, Dach/Wand) werden auf Wärmebrücken analysiert (EN ISO 10211). Fenster, Lüftungsgerät und Dämmstärken werden endgültig festgelegt. Die PHPP-Berechnung wird verfeinert und die Heizlast (≤ 10 W/m²) endnachgewiesen.

3

Ausführungsplanung: Luftdichtheitskonzept

Ein Luftdichtheitskonzept nach DIN 4108-7 mit Schnittzeichnungen der luftdichten Ebene ist Pflicht. Alle Durchdringungen, Steckdosen und Anschlüsse werden detail­liert. Die Aufteilung in Abschnitte ermöglicht spätere Leckage­suche.

4

Rohbau: Blower-Door-Test nach DIN EN ISO 9972

Im Rohbauzustand wird ein erster Blower-Door-Test durchgeführt. Ziel-n50: ≤ 0,6 h²¹. Wird der Wert überschritten, können Lecks mit Thermografie oder Nebelgerät geortet und noch vor dem Trockenbau behoben werden. Kosten: 450–850 €.

5

Fertigstellung: As-Built-PHPP & Dokumentation

Nach Bauabschluss wird die PHPP-Berechnung mit den tatsächlich eingebauten Bauteilwerten (as-built) aktualisiert. Alle Produktdatenblätter (Dämmung, Fenster, Lüftung) und Nachweise werden zusammengestellt. Endgültiger Blower-Door-Test.

6

Zertifizierungsantrag beim PHI Darmstadt

Der vollständige Antrag wird beim Passivhaus Institut (PHI) in Darmstadt oder einem akkreditierten Zertifizierer eingereicht. Das PHI prüft PHPP-Berechnung, Produktdaten­blätter und Blower-Door-Protokoll. Nach erfolgreicher Prüfung (ca. 4–8 Wochen) wird das Passivhaus-Zertifikat ausgestellt. Gebühr: 1.500–3.000 €.

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Zertifizierte Passivhaus-Planer: Verzeichnis unter passiv.de — in Berlin und Brandenburg gibt es über 80 akkreditierte Planer. Viele Architekturbüros integrieren die PHPP-Berechnung in ihre Leistungsphasen 1–5 (HOAI)
Ohne Zertifizierung: Der Passivhaus-Standard kann auch ohne formale Zertifizierung angestrebt werden („zertifizierungsreif“). Für KfW-Förderung (Effizienzhaus 40) wird das Zertifikat nicht zwingend benötigt — der PHPP-Nachweis genügt.

Passivhaus in Berlin: Förderung, Markt & Besonderheiten

Der Berliner Klimaschutzplan 2030 setzt auf Niedrigstenergie­gebäude — und der Markt honoriert Passivhaus-Qualität mit messbaren Preisaufschlägen.

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Berliner Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030)

Der Berliner Senat hat Klimaneutralität bis 2045 festgeschrieben. Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK 2030) benennt Passivhaus und EnerPHit als Leitstandards für Neubau und Sanierung. Baugenehmigungen für große Wohnbauprojekte (> 50 WE) auf Landesflächen sehen Passivhaus-Qualität zunehmend als Voraussetzung vor.

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Förderung 2026: KfW 261 + IBB Berlin

Für ein Passivhaus (= Effizienzhaus 40) gibt es in Berlin typischerweise eine Doppelförderung: KfW 261 mit 20 % Tilgungszuschuss (bis 30.000 € bei 150.000 € Kredit) und IBB-Mittel. Wichtig: KfW-Antrag muss vor Baubeginn über die Hausbank gestellt werden. Bei Sanierungen: BAFA-Förderung für Energieberatung (80 % der Beraterkosten, max. 1.300 €) als Einstieg nutzen.

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Altbaubestand — EnerPHit als Berliner Spezialität

Etwa 70 % des Berliner Wohnbau­bestands wurden vor 1978 errichtet — viele gründerzeitliche Mietshäuser mit Heiz­wärmebedarf von 150–250 kWh/(m²·a). Für diese Gebäude ist der EnerPHit-Standard (≤ 25 kWh/(m²·a) oder bauteilbasiert) der realistische Zielstandard. Typische Maßnahmen: Außendämmung 16–24 cm, Dreifach-Fenster, dezentrale oder zentrale KWL, Kellerdeckendämmung. Berliner Vorschrift: Bei Sanierung > 10 % der Fassade greift GEG § 48 → U ≤ 0,24 W/(m²·K). Passivhaus geht freiwillig deutlich weiter.

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Berliner Passivhaus-Projekte — Praxisbeispiele

In Berlin sind zahlreiche Passivhaus-Gebäude realisiert: Das Vinetaplatz-Quartier (Prenzlauer Berg, GEWOBAG, MFH in PHI-Classic), mehrere sozialer Wohnungsbau-Neubauten der degewo sowie private EFH in Zehlendorf und Weissensee. Die IG Passivhaus Berlin-Brandenburg veranstaltet jährlich den Berliner Passivhaus-Tag mit Besichtigungen realisierter Objekte — ideal zur Vorbereitung des eigenen Bauvorhabens.

Berliner Klima: Besonderheiten für die PHPP-Berechnung

Berlin hat rund 3.200 Heizgradtage (Kd/a) und eine mittlere Jahres-Globalstrahlung von ca. 1.050 kWh/(m²·a) — leicht unter dem bundesdeutschen Mittel. Im PHPP wird der Standort Berlin mit dem nächsten Klimadatensatz (Potsdam, DWD-Referenzperiode) hinterlegt. Folge: Südfenster sind in Berlin besonders wertvoll (Wintergewinne), Nord-Überflächen brauchen besonders starke Dämmung.

FAQ: Passivhaus bauen — Ihre Fragen, klare Antworten

Was ist ein Passivhaus — kurze Definition?
+
Ein Passivhaus ist ein Gebäude mit einem Heizwärmebedarf von ≤ 15 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr (berechnet mit dem PHPP). Es nutzt passive Energiequellen — Sonnenstrahlung durch optimierte Fensterfronten, interne Wärmelasten und Wärmerückgewinnung aus der Abluft — so effektiv, dass auf ein konventionelles Heizsystem weitgehend verzichtet werden kann. Das Konzept wurde 1990 vom Passivhaus Institut (PHI) Darmstadt unter Prof. Dr. Wolfgang Feist entwickelt und ist heute in über 60 Ländern verbreitet.
Was kostet ein Passivhaus in Berlin 2026?
+
Ein Passivhaus-Neubau kostet in Berlin 2026 typischerweise 2.700–3.600 €/m² Wohnfläche (Netto, EFH inkl. Keller und Ausbau, ohne Grundstück). Gegenüber einem GEG-Neubau (2.400–3.000 €/m²) betragen die Mehrkosten ca. 100–180 €/m² (4–8 %). Die Mehrinvestition amortisiert sich durch niedrigere Heizkosten in der Regel innerhalb von 5–15 Jahren, je nach Ausgangssituation, Energieträger und Eigenverbrauchsprofil. Nutzen Sie unseren Rechner weiter oben zur individuellen Berechnung.
Brauche ich im Passivhaus noch eine Heizung?
+
Ein vollwertiges Heizsystem mit Heizkörpern ist im Passivhaus in der Regel nicht mehr erforderlich. Die Restwärme — maximal 10 W/m² Heizlast — wird über einen kleinen elektrischen Nachheizregister (1–2 kW für ein 150-m²-EFH) in der Zuluft der Lüftungsanlage eingekoppelt. Für die Brauchwassererwärmung wird meist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe oder Solarthermie eingebaut. Viele Bauherren setzen auf eine kombinierte Sole-Wasser-Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser, die dank des niedrigen Heizenergiebedarfs sehr effizient läuft.
Was ist der Unterschied zwischen Passivhaus Classic, Plus und Premium?
+
Alle drei Klassen erfüllen die Grundanforderung von ≤ 15 kWh/(m²·a) Heizwärmebedarf. Der Unterschied liegt in der erneuerbaren Energieerzeugung:

Classic: Primärenergie ≤ 120 kWh/(m²·a) — reines Effizienzgebäude ohne Pflicht zur Eigenstromerzeugung.
Plus: Primärenergie ≤ 60 kWh/(m²·a) + erneuerbare Erzeugung ≥ 60 kWh/(m²·a) — typisch mit Photovoltaik­anlage.
Premium: Primärenergie ≤ 0 kWh/(m²·a) + EE-Erzeugung ≥ 120 kWh/(m²·a) — bilanziell ein Plus-Energie-Gebäude, das mehr erzeugt als es verbraucht.
Welche Förderung gibt es für ein Passivhaus in Berlin?
+
Ein Passivhaus entspricht dem KfW Effizienzhaus 40 und ist damit für das BEG-Programm der KfW (Nr. 261) förderfähig: Kredit bis 150.000 € (EFH) oder 150.000 € je WE (MFH) mit 20 % Tilgungszuschuss. Zusätzlich ergänzt die Investitionsbank Berlin (IBB) die KfW-Förderung mit eigenen Programmen. Wichtig: Der KfW-Antrag muss vor Baubeginn über die Hausbank gestellt werden. Für die Planung: BAFA-Förderung für Energieberatung (bis 80 % der Beratungskosten) vorab nutzen.
Gilt der Passivhaus-Standard auch für Sanierungen?
+
Ja — für Sanierungen gibt es den EnerPHit-Standard des PHI mit angepassten Grenzwerten: entweder Heizwärmebedarf ≤ 25 kWh/(m²·a) (rechnerischer Nachweis) oder der bauteilbasierte Nachweis (einzelne Bauteilwerte müssen EnerPHit-Kriterien erfüllen). Der bauteilbasierte Weg ist bei Altbauten oft praktikabler, wenn z. B. historische Fassaden nicht verändert werden dürfen. In Berlin bietet sich EnerPHit besonders für gründerzeitliche Mietshäuser an — auch schrittweise Sanierung über mehrere Jahre ist möglich.
Wie funktioniert die Lüftung im Passivhaus — stinkt es oder ist es zu trocken?
+
Die kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) transportiert kontinuierlich frische Außenluft in Wohn- und Schlafräume und saugt verbrauchte Luft aus Küche und Bad ab. Im Wärmetauscher werden ≥ 75 % der Abluftwärme übertragen — d.h. die frische Zuluft ist nicht kalt. Gerüche und Feuchtigkeit werden nach außen abgeführt: kein „muffiger“ Geruch, kein Schimmelrisiko. Die Luftfeuchtigkeit bleibt im empfohlenen Bereich von 40–60 % — trockene Luft tritt nur bei Billig-Lüftungsgeräten ohne Feuchtigerückgewinnung und extremer Kälte auf. Hochwertige Geräte mit Enthalpietauscher vermeiden das. Filter­wechsel alle 6–12 Monate sichern Hygiene und Pollenfreiheit.
Was ist PHPP und muss ich als Bauherr damit umgehen können?
+
Das PHPP (Passivhaus Projektierungspaket) ist ein vom PHI Darmstadt entwickeltes Excel-basiertes Berechnungstool. Es berechnet Heizwärmebedarf, Primärenergiebedarf, Kühllast und Tageslichttüchtigkeit des geplanten Gebäudes präziser als die DIN V 18599. Als Bauherr müssen Sie PHPP nicht selbst bedienen — das ist Aufgabe Ihres zertifizierten Passivhaus-Planers. Was Sie als Bauherr wissen sollten: Das PHPP ist der einzige anerkannte Nachweis für die PHI-Zertifizierung. Kosten: 2.500–6.000 € für Planung und PHPP-Berechnung (Teil der Energieberatungsleistung).
Wie lange dauert es, bis ein Passivhaus seinen Mehrpreis eingespart hat?
+
Die Amortisation hängt stark vom Ausgangsgebäude und Energieträger ab:
Altbau saniert zum EnerPHit: Einsparung von bis zu 160 kWh/(m²·a) → bei 150 m² und Gasheizung (14 ct/kWh Wärme) ca. 3.360 €/a → Amortisation von 150 × 140 € = 21.000 € Mehrkosten in 6–8 Jahren.
GEG-Neubau vs. Passivhaus: Einsparung von 43 kWh/(m²·a) → ca. 906 €/a → Amortisation von 150 × 130 € = 19.500 € in ca. 22 Jahren. Hier lohnt sich die Mehrkosten-Betrachtung vor allem unter Berücksichtigung von Wertsteigerung, CO2-Preisanstieg und Förderung. Unser Rechner zeigt Ihre individuelle Situation.

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