🔥 Brandschutz & Trockenbau

Trockenbau-Brandschutzwände: F30 bis F90 — Aufbau, Normen & Kosten 2026

Eine Trockenbau-Brandschutzwand ist eine nicht tragende, raumabschließende Wand aus Metallständern und Brandschutzplatten, die im Brandfall einen definierten Zeitraum (30–90 Minuten) Feuer und Rauch zurückhält — klassifiziert nach DIN EN 13501-2.

16 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist eine Trockenbau-Brandschutzwand?

Eine Trockenbau-Brandschutzwand ist eine nicht tragende, raumabschließende Innenwand, die aus einem Metallständerprofil-Gerippe und beidseitig aufgeschraubten Brandschutzplatten (z. B. Gipsfaserplatten, Feuerschutzplatten nach EN 520 Typ F) besteht und einen Feuerwiderstand von mindestens 30 Minuten (F30) bis zu 90 Minuten (F90) bietet.

Die Klassifizierung erfolgt nach DIN EN 13501-2 (Brandverhalten) und DIN EN 1364-1 (Prüfung nicht tragender Wände). In der deutschen Bauordnung (MBO § 26 ff.) wird der Begriff feuerbeständige Wand (F90) bzw. feuerhemmende Wand (F30) verwendet.

Trockenbau-Lösungen haben massive Mauerwerkswände in Neubauten und Sanierungen weitgehend abgelöst, weil sie schneller montiert, leichter (relevant für Deckentragfähigkeit) und bei gleicher Schutzklasse kostengünstiger sind. Besonders in Berliner Gewerbebauten, Krankenhäusern und Schulen ist F60-/F90-Trockenbau heute Standard.

Brandschutzwand auf einen Blick

F30
30 Min. Feuerwiderstand — typisch in Einfamilienhäusern, Wohnungstrennwände GK 2
F60
60 Min. — Bürobauten, Gebäudeklasse 4, Flurwände in Hotels
F90
90 Min. — Feuerbeständig; Treppenhäuser, Hochhäuser, Krankenhäuser, GK 5
EI2
Europ. Klassifizierung: E = Raumabschluss, I = Wärmedämmung (unter Brandbedingungen)
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DIN EN 13501-2: Klassifizierung des Brandverhaltens von Bauprodukten — Maßgeblich für die F-Klassen in Deutschland seit Harmonisierung mit EU-Recht
🔧
Systemzulassung: Brandschutzwände benötigen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder europ. technische Bewertung (ETA) — kein Freestyle-Aufbau erlaubt
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Gebäudeklassen (GK): Die MBO unterscheidet GK 1–5; höhere GK = strengere Anforderungen. Berlins LBO (BauO Bln) gilt verbindlich
Systemhersteller: Knauf, Rigips (Saint-Gobain), Fermacell (James Hardie), Siniat — jeder Hersteller hat geprüfte Systemaufbauten mit definierten Lagen und Profilen

F30, F60, F90: Was die Klassen bedeuten & wann sie gelten

Die F-Klasse definiert, wie viele Minuten eine Wand im Normbrand (ISO 834-Einheitstemperaturkurve) standhält und raumabschließend bleibt.

F30

Feuerhemmend — 30 Minuten

Typisch in Einfamilienhäusern (GK 1–2), Wohnungstrennwänden, Kellerflurwänden. Einfacher Aufbau: meist 1-lagige Beplankung mit Typ-F-Gipskarton. Entspricht europ. Klasse EI 30.

GK 1–3
F60

Feuerbeständig — 60 Minuten

Häufig in Gewerbebauten, Hotels, Schulen (GK 4), Flure in Krankenhäusern. Erfordert in der Regel 2-lagige Beplankung oder spezielle Gipsfaserplatten à 15 mm. Europ. Klasse EI 60.

GK 4
F90

Feuerbeständig — 90 Minuten

Pflicht für Treppenhäuser, Hochhäuser (GK 5), Krankenhaus-Bereiche, Tiefgaragenabschlüsse. Mindestens 2-lagige Gipsfaserplatten oder 3-lagige Gipskarton-Systeme. Europ. Klasse EI 90.

GK 5
KlasseEurop. EntsprechungGebäudeklasse (MBO)Typische Anwendung BerlinMin. Wanddicke (System)
F30-AEI 30GK 1–3Wohnungstrennwand, Kellerab 75 mm
F60-AEI 60GK 3–4Büroflure, Schulen, Hotelsab 100 mm
F90-AEI 90GK 4–5Treppenhaus, Hochhaus, Krankenhausab 125 mm
F120 / F180EI 120 / EI 180SonderbautenTunnel, Nuklearanlagen, Schutzräumeab 200 mm

Klasse A, B und weitere Zusätze

Das „A“ nach der F-Klasse (z. B. F90-A) bedeutet: nicht brennbar (Baustoffklasse A1/A2) nach DIN EN 13501-1. Gipsplatten sind grundsätzlich A2, Metallprofile A1. Ein reines F90-System ohne Zusatz wäre brennbar — das ist in Deutschland für tragende oder abschließende Bauteile selten zulässig. W (z. B. EI30 W) zeigt zusätzlich den Schutz vor Flammen auf der Kaltseite an. Im deutschen Sprachgebrauch wird „F90“ meist als Kurzform für F90-A verwendet.

Schichtaufbau von Trockenbau-Brandschutzwänden

Der Wandaufbau ist normiert und systemgebunden — jede Abweichung vom Zulassungsaufbau hebt die F-Klassifizierung auf.

Trockenständerwerk (Metallprofil)

UW-Profil (U-Wandprofil): Boden- und Deckenanschluss, gelochte Metallschiene; Weichschaumstreifen zur Schallminderung und Entkopplung
CW-Profil (C-Ständerprofil): Stützständer im Achsraster 400 mm (F30) bis 250 mm (F90); Höhe bis ca. 8 m bei verstärkten Profilen
Profilbreite: 50, 75, 100, 125 mm — richtet sich nach Wandhöhe, Biegebelastung und gewünschtem Hohlraum für Installationen
Brandschutz: Profilverstärkungen (Doppelung, Brandschutz-CW) bei F90 empfohlen; Stahlprofil bleibt auch bei hohen Temperaturen raumabschließend wenn Beplankung intakt

Beplankung (Brandschutzplatten)

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Gipskarton Typ F (GKF) nach DIN EN 520: Kern mit Glasfaserarmierung; verzögert Durchbrennen; typisch 12,5 mm / 15 mm, beidseitig kartonniert
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Gipsfaser-/Fermacell-Platten: Homogener Kern (Gips + Zellulose), keine Kartonkaschierung; höhere Rohdichte (~1,15 g/cm³), robuster; Dicken 10–18 mm
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Lagenanzahl F30–F90: F30 = 1-lagig GKF; F60 = 1×18 mm Gipsfaser oder 2×12,5 mm GKF; F90 = 2×15 mm Gipsfaser oder 3×12,5 mm GKF
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Fugen und Stöße: Versetzt anordnen (mind. 200 mm Versatz je Lage), Fugen spachteln und bewehren; bei F90 Brandschutzspachtel oder -kleber zwingend

Anschlussfugen, Durchführungen & Installationen

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Anschlussfugen an Rohbaukonstruktion

Umlaufende Fugen (Boden, Decke, Wand) müssen mit Brandschutz-Mineralwolledichtung und/oder Intumeszenz-Dichtband geschlossen werden. Ein unkontrollierter Fugenbrand hebt die F-Klassifizierung auf. Empfehlung: Knauf Brandschutz-Fugendichtband oder Hilti CP 620 Brandschutzkleber.

Elektro- und Sanitärleitungen

Jede Leitungsdurchführung durch die Brandschutzwand erfordert eine zugelassene Abschottung (z. B. Manschy-Block, Hilti Firestop-Manschette, 3M-Abschottungssystem). Die Abschottung muss die gleiche F-Klasse wie die Wand haben. Gilt für Strom-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungsleitungen.

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Türen und Tore — T30/T90

Einbauten in Brandschutzwände (Türen, Klappen) müssen die entsprechende Feuerschutztür-Klassifizierung (T30/T90, europ. EI2 30-C / EI2 90-C) tragen. Die Zargen müssen aus dem zugelassenen System stammen oder mit Intumeszenzstreifen abgedichtet werden. Anforderung: selbstschließend (DIN 18095).

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Lüftungskanäle und Brandschutzklappen

Lüftungskanäle durch F90-Wände erfordern Brandschutzklappen (BSK) nach EN 15650, die im Brandfall automatisch schließen. Alternativ: Kanalabschnitte in Feuerbeständigkeitsklasse. Die Einbauanleitung des Klappenlieferanten ist verbindlich.

Wandaufbau-Konfigurator: F30 bis F90 im Vergleich

Wählen Sie die gewünschte Feuerwiderstandsklasse — der Schichtaufbau, die Spezifikationen und die Kostenschätzung aktualisieren sich live.

F30-A
F60-A
F90-A
GKF 12,5 mm
CW 75 @ 400 mm
(Hohlraum)
GKF 12,5 mm
Feuerwiderstandsklasse
F30-A  / EI 30
Gesamtdicke (ca.)
100 mm
Beplankung
1× GKF 12,5 mm je Seite
Ständerprofil
CW 75, Achsabstand 400 mm
Gewicht (ca.)
ca. 25 kg/m²
Schallschutz (Rw)
ca. 43 dB (ohne Dämmung)
Kosten Berlin 2026 (inkl. MwSt.)
55–80 €/m²
Typische Systemzulassung
Knauf W112, Rigips RF 30
Normative Grundlage
DIN EN 13501-2, DIN 4102-4
GKF 12,5
GKF 12,5
CW 100 @ 400 mm
+ MW-Dämmung
GKF 12,5
GKF 12,5
Feuerwiderstandsklasse
F60-A  / EI 60
Gesamtdicke (ca.)
150 mm
Beplankung
2× GKF 12,5 mm je Seite (versetzt)
Ständerprofil
CW 100, Achsabstand 400 mm
Gewicht (ca.)
ca. 40 kg/m²
Schallschutz (Rw)
ca. 52 dB (mit 60 mm MW)
Kosten Berlin 2026 (inkl. MwSt.)
90–130 €/m²
Typische Systemzulassung
Knauf W115, Fermacell F60
Normative Grundlage
DIN EN 13501-2, DIN 4102-4
GF 15
GF 15
CW 125 @ 250 mm
+ MW-Dämmung 80 mm
GF 15
GF 15
Feuerwiderstandsklasse
F90-A  / EI 90
Gesamtdicke (ca.)
185 mm
Beplankung
2× Gipsfaser 15 mm je Seite (versetzt)
Ständerprofil
CW 125, Achsabstand 250 mm
Gewicht (ca.)
ca. 58 kg/m²
Schallschutz (Rw)
ca. 57 dB (mit 80 mm MW)
Kosten Berlin 2026 (inkl. MwSt.)
140–220 €/m²
Typische Systemzulassung
Knauf W116, Rigips RF 90
Normative Grundlage
DIN EN 13501-2, DIN 4102-4, MBO § 29

Relevante DIN/EN-Normen & Bauordnungsrecht

Brandschutz ist gesetzlich reguliert. Diese Normen und Vorschriften sind für Trockenbau-Brandschutzwände in Berlin verbindlich.

Norm / VorschriftInhaltRelevanz für Brandschutzwand
DIN EN 13501-2Klassifizierung Brandverhalten — FeuerwiderstandF-Klassifizierung EI 30–EI 90
DIN EN 1364-1Prüfung des Feuerwiderstands nicht tragender WändePrüfnorm für Trockenbausysteme
DIN 4102-4Brandverhalten (alte nationale Norm, noch referenziert)F30-/F90-Aufbautabellen, Bestandsbauten
DIN EN 520Gipskartonplatten — Definitionen und AnforderungenTyp F = Feuerschutz; Grundlage für GKF-Platten
MBO §§ 26–32Musterbauordnung — Anforderungen an BauteileDefinition feuerbeständig/feuerhemmend
BauO Bln (Berlin)Berliner Bauordnung — LandesrechtVerbindlich für alle Berliner Bauprojekte
DIN 18095-1Feuerschutztüren — Begriffe, AnforderungenT30/T90-Türen in Brandschutzwände
EN 15650Brandschutzklappen für LüftungsanlagenKlappeneinbau in F90-Wände zwingend

Abweichungen und Bestandsschutz in Berlin

📝
Bestandsbauten: Bei Umbauten in Berliner Altbauten gilt häufig Bestandsschutz. Sobald jedoch über 50 % des Gebäudes umgebaut werden, sind aktuelle Brandschutzanforderungen zu erfüllen. Brandschutzkonzept durch zugelassenen Sachverständigen erforderlich.
📋
Baugenehmigung: Ab F60 oder bei Sonderbauten (Schulen, Krankenhäuser, Versammlungsstätten) ist ein Brandschutznachweiserstatter (§ 66a BauO Bln) Pflicht. Der Nachweis muss vor Baubeginn vorliegen.
Systemtreue: Eigenmächtige Abweichungen vom Systemaufbau (andere Plattendicke, anderer Kleber, Sonderprofil) nullifizieren die Zulassung. Nur zugelassene Aufbauten eines Systemherstellers dokumentieren und einhalten.
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Abnahme: Brandschutzwände werden bei der Bauabnahme durch den Prüfsachverständigen oder die Bauaufsichtsbehörde kontrolliert. Fotodokumentation aller Schichten und Anschlüsse vor dem Schließen empfehlen wir dringend.

Kosten für Trockenbau-Brandschutzwände in Berlin

Reale Berliner Marktpreise 2026 inklusive Material und Montage — basierend auf NEUWEST-Projekterfahrungen und Ausschreibungswerten.

Leistung / WandtypPreisspanne Berlin 2026
(inkl. 19 % MwSt.)
Hinweise
F30-A, CW 75, 1-lagig GKF55–80 €/m²Einfachste Brandschutzwand; Wohnungsbau, Keller
F60-A, CW 100, 2-lagig GKF90–130 €/m²Gewerbeflure, Hotels; inkl. Mineralwolledämmung 40 mm
F90-A, CW 125, 2-lagig Gipsfaser140–220 €/m²Treppenhäuser, GK 5; inkl. Mineralwolle 80 mm, Brandschutzfugen
T30-Stahltür in Brandschutzwand600–1.200 € je TürInkl. Zarge, Einbau, Dichtbänder; selbstschließend nach DIN 18095
T90-Stahltür in F90-Wand1.400–2.800 € je TürVerglasung T90 möglich (+Aufpreis); für Treppenhäuser
Leitungsabschottung (Rohrdurchführung)80–250 € je AbschottungJe nach RohrØ, Medium (Wasser/Strom/Gas) und Klasse
Brandschutzsachverständiger1.500–6.000 € je ProjektBei Sonderbauten und GK 5 Pflicht (§ 66a BauO Bln)
📈
Preisentwicklung 2026: Gipsplattenpreise haben sich nach dem Hoch 2022–23 stabilisiert. Materialpreise liegen ca. 15–20 % über Vorkrisenniveau; Arbeitskosten Berlin gestiegen auf 56–72 €/h für Trockenbauer (Tariflohn + Ü-Kosten).
🔧
Materialanteil: Bei F30 ca. 35–40 % Materialkosten; bei F90 steigt der Materialanteil auf 50–55 %. Gipsfaserplatten 15 mm kosten ca. 12–16 €/m² (netto, Berlin 2026).
🚫
Kostenfallen: Vergessene Abschottungen (100–400 €/Stück Nachtragsposition), fehlende Sachverständigenbeauftragung, nachträgliche F-Klassen-Aufwertung (+20–40 % Mehrkosten) — frühzeitige Planung spart erheblich.
💰
Förderung: Im Rahmen von Energieeffizienz-Sanierungen (BEG, KfW) können Brandschutzmaßnahmen als Nebenleistung förderfähig sein. Eigenständige Brandschutzförderung gibt es in Berlin nicht; Abschreibung nach § 7 EStG möglich.

Von der Planung bis zur Abnahme: Brandschutzwand richtig umsetzen

Ein strukturierter Ablauf vermeidet Nacharbeiten, Kostennachträge und Baugenehmigungsprobleme.

1

Brandschutzkonzept / -nachweis erstellen lassen

Für alle Sonderbauten und GK 5 in Berlin ist ein Brandschutznachweiserstatter (zugelassen nach BauO Bln) Pflicht. Für GK 1–4 empfehlen wir mindestens eine fachkundige Beratung. Das Konzept legt fest, welche Wände welche F-Klasse benötigen — und verhindert teure Planungsänderungen im Rohbau.

2

Systemaufbau des Herstellers auswählen

Knauf, Rigips, Fermacell und Siniat bieten geprüfte Systemaufbauten mit gültiger abZ oder ETA. Die Systemwahl hängt von der geforderten F-Klasse, den Schallschutzanforderungen, dem Raumklima (Feuchträume: Typ H-Platten!) und den Montagekapazitäten ab. Mischsysteme verschiedener Hersteller sind nicht zulässig.

3

Installationskoordination vor Wandmontage

Alle Leitungsdurchführungen (Elektro, Sanitär, Lüftung, IT) müssen vor dem Schließen der Wand geplant und abgestimmt sein. Abschottungstypen je Leitungsart festlegen, Hersteller der Abschottungssysteme bestimmen, Einbauhinweise beschaffen — dann erst Beplankung schließen.

4

Montage gemäß Systemzulassung

Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers verbindlich einhalten: Plattenversatz, Schraubenabstand (max. 250 mm in der Fläche), Fugenverspachtelung mit Brandschutzspachtel bei F90, Anschlussfugen mit zugelassenem Dichtband. Dokumentation mit Fotos je Lage — besonders an Anschlüssen und Abschottungen — ist für spätere Abnahmen unerlässlich.

5

Abnahme & Dokumentation

Bei der Bauabnahme kontrolliert der Prüfsachverständige oder die Bauaufsicht die korrekte Ausführung. Folgende Unterlagen bereithalten: Systemzulassung (abZ/ETA) des Herstellers, Lieferscheine der Platten und Profile (Chargennachweis), Fotodokumentation der Schichten, Zulassungen der Abschottungen. Für F90-Wände in GK 5 ist dies keine Formalität — Mängel führen zur Nachbesserungspflicht.

Häufige Fehler bei Brandschutzwänden — und wie man sie vermeidet

Falsche Plattenwahl

Standard-GK-Platten statt GKF (Typ F). Die Verwechslung ist auf der Baustelle häufig — beide sehen ähnlich aus. GKF hat roten Karton oder rote Beschriftung als Erkennungsmerkmal.

Fehler Nr. 1

Vergessene Abschottungen

Elektriker bohren nachträglich Löcher für Kabel — ohne Brandschutzabschottung. Jede Öffnung in einer F-Wand muss mit zugelassenem System verschlossen werden. Koordination vor Wandbau ist Pflicht.

Fehler Nr. 2

Offene Anschlussfugen

Schattenfuge am Boden oder Decke ohne Brandschutzband. Eine optisch saubere Fuge ohne Brandschutz ist technisch wertlos. Intumeszenz-Dichtband (quillt bei Hitze auf) ist Systembestandteil.

Fehler Nr. 3

FAQ: Trockenbau-Brandschutzwände

Was bedeutet F30, F60, F90 bei einer Brandschutzwand?
+
Die Zahl gibt die Feuerwiderstandsdauer in Minuten an, die die Wand im Normbrand nach ISO 834 (Einheitstemperaturkurve) standhält, ohne dass Feuer oder heiße Gase auf die gegenüberliegende Seite dringen. F30 = 30 Minuten, F60 = 60 Minuten, F90 = 90 Minuten. Das nachgestellte „A" (F90-A) bedeutet zusätzlich, dass alle Bauteile nicht brennbar sind (Baustoffklasse A1/A2 nach DIN EN 13501-1). Die europäische Entsprechung lautet EI 30 / EI 60 / EI 90 (E = Raumabschluss, I = Wärmedämmung unter Brandbedingungen).
Wann brauche ich eine F90-Wand — und wann reicht F30?
+
Die Anforderung ergibt sich aus der Gebäudeklasse (GK) nach Musterbauordnung bzw. Berliner BauO und dem Nutzungstyp. Faustregel: F30 für Wohnungstrennwände in GK 1–3, Kellerflure; F60 für Büro- und Gewerbebauten GK 4, Hotels; F90 für Treppenhäuser, Hochhäuser, Krankenhäuser (GK 5), Tiefgaragenabschlüsse und notwendige Flure in Sondernutzungen. Im Zweifelsfall entscheidet das Brandschutzkonzept eines zugelassenen Sachverständigen.
Was kostet eine Trockenbau-Brandschutzwand in Berlin 2026?
+
Die Kosten hängen stark von der F-Klasse und dem Aufbau ab. Richtwerte Berlin 2026 inkl. Material und Montage: F30 ca. 55–80 €/m², F60 ca. 90–130 €/m², F90 ca. 140–220 €/m². Hinzu kommen Abschottungen für Leitungsdurchführungen (80–250 €/Stück) und Feuerschutztüren (T30: 600–1.200 €, T90: 1.400–2.800 €). Brandschutzsachverständige kosten 1.500–6.000 € je Projekt. Diese Preise basieren auf Berliner Ausschreibungswerten 2026.
Darf ich eine Brandschutzwand mit beliebigen Gipsplatten bauen?
+
Nein. Eine Brandschutzwand muss als System nach einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) oder europäischen technischen Bewertung (ETA) ausgeführt werden. Das bedeutet: Profile, Platten, Kleber, Spachtel, Dichtbänder und Abschottungen müssen exakt den Vorgaben des Systemherstellers (Knauf, Rigips, Fermacell etc.) entsprechen. Eigenmächtige Abweichungen — auch nur bei einer Zutat — heben die F-Klassifizierung auf und können zu Haftungsproblemen führen.
Wie dick ist eine F90-Brandschutzwand aus Trockenbau?
+
Ein typisches F90-A-Trockenbausystem mit Gipsfaserplatten 2×15 mm je Seite und CW 125-Profil hat eine Gesamtdicke von ca. 185 mm. Ohne Hohlraumdämmung und mit schlankeren CW 100-Profilen kann die Dicke auf ca. 150 mm reduziert werden (je nach zugelassenem Aufbau). Zum Vergleich: Ein gemauerte F90-Wand aus Kalksandstein müsste mindestens 175 mm (11,5er Stein) aufweisen — ist also kaum dünner, aber erheblich schwerer.
Muss eine Brandschutzwand schalldämmend sein?
+
Nicht zwingend, aber in der Praxis kombinieren die meisten Aufbauten Brandschutz und Schallschutz. Ein F90-System mit CW 125 und 80 mm Mineralwolle im Ständerraum erreicht einen Schalldämmwert von ca. Rw 57 dB. Für Wohnungstrennwände nach DIN 4109 ist mindestens Rw 53 dB erforderlich — das lässt sich mit einem angepassten F30/F60-System problemlos kombinieren. Wichtig: Schall- und Brandschutzanforderungen getrennt planen und dann ein System wählen, das beides erfüllt.
Was ist bei Leitungsdurchführungen durch Brandschutzwände zu beachten?
+
Jede Öffnung in einer Brandschutzwand für Leitungen (Strom, Wasser, Gas, Lüftung, IT) muss mit einer zugelassenen Abschottung verschlossen werden, die mindestens die gleiche F-Klasse wie die Wand aufweist. Gängige Systeme: Brandschutzmanschetten (für Kunststoffrohre — quellen bei Hitze auf), Brandschutzstopfen/-blöcke (für Kabeltrassen), Brandschutzkissen. Hersteller: Hilti Firestop, 3M Firestop, Roxtec, Müller Dichtungstechnik. Die Abschottung muss Teil der Baudokumentation sein.
Kann eine Trockenbau-Brandschutzwand nachträglich auf eine höhere F-Klasse aufgerüstet werden?
+
Eine nachträgliche Aufrüstung ist technisch möglich, indem zusätzliche Beplankungslagen aufgeschraubt werden — z. B. F30 → F60 durch Hinzufügen einer zweiten GKF-Lage. Dabei müssen die Stößversätze, Schraubenabstände und Fugenverspachtelung dem Zielsystem entsprechen. In der Praxis ist dies aber aufwändig und nur wirtschaftlich, wenn der Grundrahmen (Profil, Anschlüsse) für die höhere Klasse geeignet ist. Eine Begutachtung durch den Trockenbauexperten ist vor Aufrüstungsmaßnahmen Pflicht.

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