■ Fassade & Gebäudehülle

Vorhangfassaden & Metallfassaden im Detail

Eine Vorhangfassade ist ein nichttragendes Außenwandsystem, das an der Primärkonstruktion eines Gebäudes hängt — ohne Decken- oder Dachlasten abzutragen. Wir erklären Systeme, Werkstoffe, Normen (DIN EN 13830), Berliner Marktpreise 2026 und worauf Bauherren & Planer achten müssen.

18 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Fassaden-Experten

Was ist eine Vorhangfassade?

Eine Vorhangfassade (engl. Curtain Wall) ist ein nichttragendes, vorgehängtes Außenwandsystem, das ausschließlich Wind- und Eigenlasten auf die Primärkonstruktion — also Decken und Stützen — überträgt. Sie liegt vor der Tragstruktur und bildet die vollständige Gebäudehülle: thermisch, akustisch, wind- und wasserdicht in einem integrierten System. Maßgebliche Produktnorm ist DIN EN 13830.

Im Unterschied zur vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) nach DIN 68800‑2 ist die Vorhangfassade ein geschlossenes Gesamtsystem mit Profilen, Dichtungen, Verglasung und opaken Füllelementen. Beide Systeme teilen das Prinzip der Entkopplung von Tragwerk und Gebäudehülle — sie unterscheiden sich in Aufbau, Anwendungsbereich und Normierung.

Metallfassaden sind die dom inante Realisierungsform: über 80 % aller Vorhangfassaden in Deutschland nutzen Aluminiumprofile. Zink, Kupfer, Stahl und Cor-Ten-Stahl eröffnen darüber hinaus gestalterische und funktionale Spielräume für Industrie-, Gewerbe- und repräsentative Gebäude. Im Berliner Gewerbe- und Bürobau sind Aluminiumvorhangfassaden Standardlösung für Neubauten ab ca. 5 Stockwerken.

Die wirtschaftliche Bedeutung ist erheblich: Die Fassade macht in der Regel 20–40 % der Herstellungskosten eines Gebäudes aus. Fehler in Planung oder Ausführung — undichte Anschlüsse, falsche U-Werte, mangelhafter Wärmbrückenschutz — verursachen kostspielige Folgeschäden. Fachwissen zahlt sich hier unmittelbar aus.

Vorhangfassade auf einen Blick

EN 13830
Maßgebliche Produktnorm für Vorhangfassaden (Klassifizierung & Prüfung)
Uw 0,8
Maximaler Wärmedurchgangskoeffizient gem. GEG 2024 [W/(m²·K)]
> 80 %
Marktanteil Aluminium-Vorhangfassaden in Deutschland
40–60 J.
Typische Lebensdauer einer Aluminium-Vorhangfassade

Die vier wichtigsten Systeme im Überblick

Die Systemwahl bestimmt Bauzeit, Qualitätssicherung, Gestaltungsfreiheit und Kosten. Hier sind die gängigsten Konstruktionsprinzipien.

01

Pfosten-Riegel-Fassade

Feldweise Montage aus vertikalen Pfosten (Mullions) und horizontalen Riegeln (Transoms) direkt auf der Baustelle. Hochflexibel bei unregelmäßigen Grundrissen und Sondergeometrien. Verglasung und Füllelemente werden nach Rahmenmontage eingesetzt.

Stick System
02

Elementfassade (Unitized)

Werksgefertigte, meist geschosshohe Großtafeln inkl. Verglasung werden mit Kran eingehängt und mit speziellen Schiebeverbindungen (Interlock) verkuppelt. Ideal für Hochhäuser: kürzere Montagezeit, bessere Qualitätskontrolle, geringeres Witterungsrisiko.

Unitized
03

Kassetten- & Schuppenfassade

Tiefgezogene Blechkassetten aus Aluminium, Stahl, Titanzink oder Kupfer werden auf einer Unterkonstruktion mit Hinterlüftungsspalt befestigt. Günstigstes Metallverkleidungssystem, voll opak, nach DIN 68800‑2. Weit verbreitet im Industrie- und Gewerbebau sowie bei Wohngebäuden.

VHF-System
04

Sondersysteme

Doppelfassaden puffern thermisch und reduzieren Lärm. Lamellenfassaden integrieren beweglichen Sonnenschutz. BIPV-Fassaden erzeugen Solarstrom direkt im Fassadenelement. Gesamtpreis deutlich höher, dafür signifikante funktionale Mehrwerte.

Sonderbau

Pfosten-Riegel vs. Elementfassade — der direkte Vergleich

Pfosten-Riegel-Fassade

Flexibilität: Ideal für komplexe Geometrien, Sondergrößen und Baulcks-Anpassungen auf der Baustelle
Kosten: Systemregeläßig günstiger in der Anschaffung; geringere Werkstattkosten
Bauzeit: Größerer Montageaufwand auf der Baustelle; längere Offenzeit der Rohkonstruktion
Qualität: Witterungsabhängige Montage; mehr Varianz in der Ausführungsqualität
💰
Berlin 2026: 320–500 €/m² inkl. Verglasung (netto)

Elementfassade (Unitized)

Qualität: Werksfertigung unter kontrollierten Bedingungen; gleichmäßigere Dichtheit und Wärmbrückenwerte
Bauzeit: Sehr schnelle Fassadenmontage (ein Element pro Krangefäß); parallele Innenausbauarbeiten möglich
Hochhaus: Bewährtes System ab ca. 8 Stockwerken; weniger Absturzrisiko auf der Baustelle
Logistik: Große Elemente erfordern Just-in-time-Lieferung und ausreichend Lagerfläche; aufwändige Transportlogistik
💰
Berlin 2026: 480–750 €/m² inkl. Verglasung (netto)

Berliner Marktpreise 2026 — Kassettenfassaden nach Werkstoff

WerkstoffPreis/m² inkl. Montage (netto)Hinweis
Aluminium (eloxiert/pulverbeschichtet)110–200 €/m²Häufigste Wahl; umfangreiches Farbspektrum (RAL)
Stahl (feuerverzinkt + Beschichtung)70–130 €/m²Günstigste Option; höhere Wartungsintensität; EN 1090
Titanzink (naturbelassen/vorbewittert)200–340 €/m²Natürliche Patina; 80–100 Jahre Lebensdauer; DIN EN 988
Kupfer (naturbelassen/voroxidiert)340–550 €/m²Prestigeobjekte; Grünspan-Patina; 100+ Jahre
Cor-Ten-Stahl (Wetterfestbaustahl)160–270 €/m²Selbstpassivierende Rostpatina; EN 10025‑5; kein Anstrich
Edelstahl (2B/gebürstet)250–450 €/m²Repräsentativ; korrosionsfest; pflegeleicht

Richtwerte Berlin 2026, netto. Abweichungen je nach Fläche, Profilierung, UK-System, Schichtdicke und Zugang. Preise exkl. Planung (Honorar ca. 8–15 % der Baukosten).

Metallfassaden: Werkstoffe im Detail

Jedes Metall bringt spezifische physikalische Eigenschaften, gestalterische Qualitäten und wirtschaftliche Profile mit. Die Wahl hängt von Nutzung, Standort, Denkmalschutz und Budget ab.

Aluminium

Dichte: 2,7 g/cm³ — extrem leicht, ideale Eigenlasten
Oberfläche: Eloxal (Anodisierung) oder Pulverbeschichtung (RAL, PVDF-Lack); wartungsarm
Norm: DIN EN 573 (Legierungen), DIN EN 755 (Strangpressprofile)
Lebensdauer: 40–60 Jahre; recyclingfähig zu 97 %
Besonderheit: Sehr gute Strangpressbarkeit → komplexe Hohlkammerprofile für Pfosten-Riegel möglich

Titanzink

Dichte: 7,2 g/cm³; Schichtdicke typisch 0,7–1,0 mm
Oberfläche: Natürliche blau-graue Patina (Zinkoxid/Zinkkarbonat); keine Beschichtung nötig
Norm: DIN EN 988 (Bänder und Bleche aus Zink)
Lebensdauer: 80–100+ Jahre bei regelrechtem Aufbau
Besonderheit: Empfindlich gegen Kondensation auf der Rückseite → Hinterlüftungsspalt ≥ 20 mm zwingend

Kupfer

Dichte: 8,9 g/cm³; Schichtdicke typisch 0,6–0,8 mm
Oberfläche: Rötlich-gold → Rotbraun → Bräunlich → Grünspan; langjährige Patinierung
Norm: DIN EN 1172 (Bänder und Bleche für Bauzwecke)
Lebensdauer: 100+ Jahre; kulturelles Erbe-Material
Achtung: Ablaufwasser färbt angrenzende Baustoffe (Kupfersalze); Bimetallkorrosion mit Aluminium möglich

Cor-Ten-Stahl

Dichte: 7,85 g/cm³; Bleche typisch 3–8 mm Dicke
Oberfläche: Wetterfestbaustahl bildet selbstpassivierende Rostschicht — kein Anstrich nötig nach Stabilisierung (2–3 Jahre)
Norm: EN 10025‑5 (Wetterfeste Bauhstähle); Sorten S355J2W, S355J0WP
Lebensdauer: 50+ Jahre; Abläufe in Patinierungsphase orange-rot einfärben
Achtung: Wasseransammlung in Hohlformen vermeiden; kein direkter Erdkontakt; Abstandshalter zu Beton

Stahl (feuerverzinkt + Beschichtung)

Feuerverzinkung nach DIN EN ISO 1461: Schichtdicke mind. 45–85 µm je nach Stahldicke; schützt die Stahloberfläche durch opfernde Zinkkorrosion
📄
EN 1090-2 (EXC 2/3): Alle tragenden Stahlbauteile in der Unterkonstruktion müssen die Ausführungsklasse nach EN 1090 erfüllen — einschließlich Schweißnachweis (WPS/WPQR)
🌟
Zweischichtaufbau: Duplex-System (Verzinkung + organische Beschichtung) erhöht die Lebensdauer überproportional auf 30–50 Jahre ohne Nacharbeit — synergistischer Effekt
🔄
Wartung: Jährliche Sichtkontrolle; Lackverletzungen zeitnah ausbessern. Im Berliner Stadtklima (SO⊂2;-Belastung durch Verkehr) Korrosionsklasse C3 (DIN EN ISO 12944) einhalten

Technische Normen & GEG-Anforderungen

Vorhangfassaden müssen ein dichtes Normengefüge erfüllen — von der Windlastklasse bis zum Energiespar-Grenzwert. Übersicht der wichtigsten Regelwerke.

Norm / RegelwerkThemaAnforderung / Grenzwert
DIN EN 13830Vorhangfassaden — ProduktnormKlassifizierung, Prüfung, CE-Kennzeichnungspflicht
DIN EN 13116Windlast-AuslegungStandortspezifisch; Berlin: Windzone 1–2 (DIN EN 1991‑1‑4)
DIN EN 12154 / 12155SchlagregenwiderstandKlassen E0–E2250; Berliner Regelanforderung E450–E750
DIN EN 12152 / 12153LuftdurchlässigkeitKlassen A1–A4; Mindestanforderung A2 für geh. Gebäude
DIN EN 14019StoßfestigkeitKlassen 1–5; häufig Klasse 3 (Pendelkörperver.) gefordert
GEG 2024 (Gebäudeenergiegesetz)WärmeschutzUw ≤ 0,8 W/(m²·K) für transparente Flächen; Uw ≤ 1,0 W/(m²·K) ohne Verglasung
DIN EN ISO 10077‑2Uf-Wert ProfileProfilkürperwert Uf ≤ 1,0 W/(m²·K) ermöglicht GEG-Konformität
DIN EN 1090‑2 (EXC 2/3)Stahlbau-AusführungPflicht bei UK aus Stahl; CE-Kennzeichnung des Herstellers
DIN 4102 / EN 13501‑1BrandschutzFassadenbekleidung mind. B‑s1,d0 (schwer entflammbar); A2 empfohlen
Musterbauordnung (MBO) / BauO BlnLandesrecht BerlinGenehmigungspflicht ab Änderung des äßeren Erscheinungsbildes; Prüfung gem. § 66 BauO Bln
🌡
Thermische Trägheit: Der U-Wert der Vorhangfassade (Ucw) ergibt sich aus den Flächenanteilen Verglasung (Ug), Randverbund (ψ) und Profil (Uf). Typisch: Ucw 0,7–1,2 W/(m²·K) für Dreifach-ISO-Glas.
📈
Wärmbrücken: Thermisch getrennte Profile (PA-Einlagen) sind Pflicht für GEG-Konformität. Typischer Trennstegsatz: 26–38 mm Einlagentiefe. Ohne Trennung: Uf ≈ 4,0 W/(m²·K) — völlig unzulässig.
🔦
Schallschutz: Schwere Verglasungen (VSG/ESG-H) verbessern Rw auf 38–52 dB. Für Berliner Hauptstrassen-Lagen oft schalltechnischer Nachweis nach DIN 4109‑1 erforderlich.
🔥
Brandschutzfassade: Ab Gebäudeklasse 4 (GK4, > 7 m Brüstungshöhe) müssen Fassadenbekleidungen A2-s1,d0 nach EN 13501-1 erfüllen — Holz und brennbare EPS-Systeme scheiden dann aus.

Kostenschätzer: Was kostet Ihre Metallfassade?

Wählen Sie System, Werkstoff, Qualitätsstufe und Fläche — der Richtwert berechnet sich live auf Basis Berliner Marktpreise 2026 (netto, exkl. Planung).

Fassadenfläche 800 m²
Fassadensystem
Werkstoff
Qualitätsstufe
Richtwert inkl. Montage
380 €/m²
Gesamtkosten netto (ca.)
304.000 €
davon Material (ca. 62 %)
188.480 €
davon Montage & UK (ca. 38 %)
115.520 €
Richtwerte Berlin 2026, netto. Für Pfosten-Riegel und Elementfassade inkl. Dreifach-Verglasung (Ug 0,5). Exkl. Statik, Planung, Genehmigung (≈ 8–15 % Aufschlag). Tatsächliche Kosten können je nach Baustellenzugang, Sondergeometrien und Subunternehmermärkten abweichen.

Planung & Ablauf: Von der Idee zur fertig montierten Fassade

Vorhangfassaden erfordern eine frühzeitige Einbindung von Fachplanern. Die typische Vorlaufzeit vom ersten Entwurf bis zur Abnahme beträgt 12–24 Monate.

1

Vorentwurf & Fachplanereinbindung

Frühzeitige Systemwahl (PR/Elementfassade/Kassette), erste Kostenschätzung, Energie- und Schallschutzkonzept mit Fassadeningenieur. Festlegen von U-Wert-Zielen, Sonnenschutzkonzept (g-Wert) und Brandschutzanforderungen.

2

Statik & Normprüfung

Windlastberechnung nach DIN EN 1991‑1‑4 und DIN EN 13116; Verankerungsnachweise (Ankerschienen, Dübel); Nachweise zu Luftdurchlässigkeit, Schlagregenwiderstand (DIN EN 12154) und Stoßfestigkeit (DIN EN 14019). Koordination mit Tragwerksplaner.

3

Baugenehmigung (Bauantrag / Kenntnisgabeverfahren)

In Berlin: Änderungen der Außengestalt sind genehmigungspflichtig (§ 60 BauO Bln). Bei Denkmalschutz zusätzliche Genehmigung des Landesdenkmalamts (LDA Berlin). Vorbescheidsanfrage empfohlen für Projekte in Milieuschutzgebieten.

4

Ausschreibung & Vergabe

Leistungsverzeichnis nach VOB/A; Bieterauswahl unter spezialisierten Fassadenbauunternehmen. Prüfung der Systemzulassungen (CE-Kennzeichnung nach EN 13830), Referenzen und Liquidität. Bitte keine Systemwahl allein nach Materialpreis — Montagekompetenz ist entscheidend.

5

Werkplanung & Vorfertigung

Detaillierte Werkplanung (Shop Drawings) durch Fassadenbauer; bei Elementfassaden Vorfertigung im Werk (4–10 Wochen). Just-in-time-Lieferung auf die Baustelle. Vorabprüfung durch Sonderfachmann (u. a. Zustimmung im Einzelfall bei Sonderkonstruktionen).

6

Montage, Prüfung & Abnahme

Montage durch zertifizierte Fachbetriebe; nach Fertigstellung: Dichtheitskontrolle (Spray-Test), Messung von Ucw und Sichtkontrolle aller Anschlüsse. Abnahmeprotokoll nach DIN EN 13830; Mängellistenabarbeitung und Abnahme durch Bauleiter und Bauherrn. Wartungsvertrag empfohlen (jährliche Sichtprüfung).

Vorhangfassaden in Berlin: Was Sie wissen müssen

Berlin verbindet strenge Denkmalschutzauflagen mit ambitionierten Klimazielen und einem aktiven Genehmigungsverfahren — das hat direkte Auswirkungen auf Systemwahl und Planung.

🏛

Denkmalschutz: Mehr als 10.000 Einzeldenkmale in Berlin

Berlin verfügt über über 10.000 Einzeldenkmale sowie Ensembles wie den Stadtbezirk Mitte, Prenzlauer Berg oder Charlottenburg. Jede Veränderung der Fassade an einem gelisteten Denkmal erfordert die denkmalrechtliche Erlaubnis des Landesdenkmalamts (LDA Berlin) nach § 11 Denkmalschutzgesetz Berlin. Gängig an denkmalgeschützten Gebäuden sind Titanzink- und Kupferfassaden; Aluminium-Systeme werden meist nur hofseitig oder bei Neubauten in denkmalgeschützten Ensembles zugelassen.

🏙

Milieuschutzgebiete: 74+ Gebiete mit Auflagen für Fassadenveränderungen

In Berlins über 74 Milieuschutzgebieten (Sozialer Erhaltungsschutz nach § 172 BauGB) ist die Modernisierung der Fassade genehmigungspflichtig, wenn sie zur Mietpreiserhöhung beitragen könnte. Bauherren müssen nachweisen, dass die Fassadenmaßnahme dem Mindeststandard der Instandsetzung entspricht oder energie- und schallschutztechnisch zwingend notwendig ist — nicht jedoch einer außergewöhnlichen Modernisierung dient.

Berliner Klimaschutzprogramm & Förderung

Berlin will bis 2045 klimaneutral werden. Fassadensanierungen, die den Wärmeschutz deutlich verbessern (Uw < 0,9 W/(m²·K)), werden über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit bis zu 15 % der Investitionskosten gefördert (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BAFA). Die Investitionsbank Berlin (IBB) ergänzt mit zinsverbilligten Darlehen. Voraussetzung ist ein Energieberater-Nachweis (iSFP oder Sanierungsfahrplan).

🏠

Praxisbeispiel: Bürogebäude Berlin-Mitte, Elementfassade Aluminium

Neubau, 12 Stockwerke, 3.200 m² Fassadenfläche. Gewählt wurde eine Elementfassade aus Aluminium (Dreifach-ISO-Verglasung, Ug 0,5 W/(m²·K), Sonnenschutzverglasung g = 0,35) mit integriertem außenliegendem Raffstorekasten. Systempreis: 610 €/m² netto inkl. Montage. Bauzeit Fassade: 8 Wochen bei täglichem Einbau von 4–6 Elementen. Ucw = 0,73 W/(m²·K); BEG-Förderung: 11 % der Fähigkeitskosten.

FAQ: Vorhangfassaden & Metallfassaden

Was ist eine Vorhangfassade und wie unterscheidet sie sich von einer normalen Außenwand?
+
Eine Vorhangfassade ist ein nichttragendes Außenwandsystem: Sie hängt an der Primärkonstruktion des Gebäudes (Decken, Stützen) und trägt nur ihr Eigengewicht sowie Windlasten ab — keine Decken- oder Dachlasten. Eine konventionelle Außenwand dagegen ist selbst tragend oder ständig belastet. Der Vorteil der Vorhangfassade: freie Fassadengestaltung unabhängig vom Tragsystem, schnelle Montage und einfacher Austausch einzelner Elemente.
Welche Norm regelt Vorhangfassaden in Deutschland?
+
Die zentrale Produktnorm ist DIN EN 13830 „Vorhangfassaden — Produktnorm“. Sie definiert Klassifizierungsmerkmale, Prüfmethoden und CE-Kennzeichnungspflichten. Ergänzend gelten DIN EN 13116 (Windlast), DIN EN 12154/12155 (Schlagregenwiderstand), DIN EN 12152/12153 (Luftdurchlässigkeit) und DIN EN 14019 (Stoßfestigkeit). Wärmeschutz wird über GEG 2024 und DIN EN ISO 10077‑2 geregelt.
Was kostet eine Metallfassade oder Vorhangfassade pro m² in Berlin 2026?
+
Die Kosten variieren stark nach System und Werkstoff. Als Richtwerte für Berlin 2026 (netto, inkl. Montage, exkl. Planung):

Pfosten-Riegel (Alu, inkl. Verglasung): 320–500 €/m²
Elementfassade (Alu, inkl. Verglasung): 480–750 €/m²
Kassette Aluminium: 110–200 €/m²
Kassette Titanzink: 200–340 €/m²
Kassette Kupfer: 340–550 €/m²
Kassette Cor-Ten: 160–270 €/m²

Nutzen Sie unseren interaktiven Kostenschätzer oben für Ihre spezifische Kombination.
Welcher U-Wert muss eine Vorhangfassade nach GEG 2024 erreichen?
+
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) schreibt für transparente Flächen im Neubau einen Maximalwert von Uw ≤ 0,8 W/(m²·K) vor. Dies wird in der Praxis durch Dreifach-Verglasung (Ug 0,5–0,6) und thermisch getrennte Aluminiumprofile (Uf ≤ 1,0) erreicht. Der kombinierte Wert der gesamten Fassadenfläche (Ucw) muss nachgewiesen werden. Einfach- oder Doppelverglasung ist im Neubau nicht mehr zulässig.
Wie lange hält eine Aluminiumfassade und wann muss man sie ersetzen?
+
Gut ausgeführte Aluminiumvorhangfassaden mit regelmäßiger Wartung halten 40–60 Jahre. Die Dichtungen (EPDM-Profile) müssen alle 15–25 Jahre erneuert werden. Die Verglasung kann unabhängig vom Rahmen ausgetauscht werden (Glasbruch, neue Anforderungen). Ein vollständiger Austausch wird häufig nach 30–40 Jahren wirtschaftlich — dann oft als Chance für energetische Modernisierung. Kassettenfassaden aus Titanzink halten 80–100 Jahre, aus Kupfer über 100 Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen Pfosten-Riegel-Fassade und Elementfassade?
+
Bei der Pfosten-Riegel-Fassade (Stick System) werden einzelne Profile auf der Baustelle zusammengesetzt und dann erst verglast. Das erlaubt hohe Flexibilität, ist aber witterungsabhängig und montageintensiver.

Bei der Elementfassade (Unitized System) werden komplette, werksfertige Fassadenelemente (meist 1 Stockwerk hoch) per Kran eingehängt und miteinander verbunden. Vorteil: kürzere Montagezeit, höhere Qualitätssicherung, geeignet für Hochhäuser — aber höhere Kosten (ca. 20–40 % Aufschlag) und größerer Planungsvorlauf.
Brauche ich für eine neue Metallfassade in Berlin eine Baugenehmigung?
+
In der Regel ja. Jede Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes eines Gebäudes in Berlin ist nach § 60 Abs. 1 BauO Bln genehmigungspflichtig — also auch der Austausch oder die Neumontage einer Fassadenverkleidung. Ausnahmen gelten nur für „instandsetzungsgleiche Erneuerungen“ ohne Änderung des Erscheinungsbildes. Bei Denkmalschutz gilt zusätzlich die denkmalrechtliche Erlaubnis des LDA Berlin. Für Vorhaben in Milieuschutzgebieten ist eine Zustimmung des zuständigen Bezirksamts erforderlich.
Welches Metall eignet sich am besten für eine Fassade im Berliner Stadtklima?
+
Berlin liegt in Korrosionsklasse C3 (mittlere Korrosivität) nach DIN EN ISO 12944, bedingt durch SO⊂2;-Emissionen aus Verkehr und Heizung sowie Feuchte. Aluminium (eloxiert oder pulverbeschichtet) ist die robusteste und wartungsarmste Wahl. Titanzink bildet im Berliner Klima eine stabile Patina, die die Lebensdauer auf 80–100 Jahre bringt — ideal für hochwertige und repräsentative Projekte. Kupfer ist langlebig, aber teuer. Stahl erfordert konsequente Beschichtungspflege. Cor-Ten muss während der 2–3-jährigen Patinierungsphase bewusst eingeplant werden (Rostablauf).
Kann man eine Vorhangfassade nachträglich an einem Bestandsgebäude anbringen?
+
Ja — und es lohnt sich oft. Eine nachträgliche Vorhangfassade oder vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) kann über das Bestandsmauerwerk gehängt werden — ohne vollständigen Abbruch. Gleichzeitig wird dämmung außen eingebaut, was Wärmbrücken minimiert und Schimmelrisiken senkt. Voraussetzung: Statik und Verankerungspunkte in der Bestandsfassade müssen geprüft werden. Die BEG-Förderung (BAFA) deckt bis zu 15 % der Investitionskosten bei deutlicher U-Wert-Verbesserung. NEUWEST berät Sie zur optimalen Lösung für Ihr Berliner Gebäude.

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