Ein Sturz ist ein horizontales Bauteil, das Lasten über Wanddurchbrüchen — Fenster, Türen, Tore — aufnimmt und sicher in das flankierende Mauerwerk ableitet. Welcher Sturztyp für welche Öffnung passt, was DIN EN 845-2 fordert und was Einbau in Berlin 2026 kostet: der vollständige Fachratgeber.
Ein Sturz (auch: Überlager) ist ein tragfähiges, horizontales Bauteil, das über einer Wanddurchbrechung — Fensteröffnung, Tür, Tor oder Durchbruch — eingebaut wird. Seine Aufgabe: die aus dem Mauerwerk und aus den Decken wirkenden vertikalen Lasten aufzunehmen und beidseitig als Auflagerkräfte in das flankierende Mauerwerk abzuleiten.
Ohne einen richtig dimensionierten Sturz würde das Mauerwerk oberhalb einer Öffnung nachgeben, reißen oder kollabieren. In tragenden Wänden ist der Sturz deshalb sicherheitsrelevantes Bauteil und unterliegt der Norm DIN EN 845-2 bzw. dem Eurocode 6 (EC 6).
In Berliner Altbauten — Gründerzeitbauten, Nachkriegsbauten, DDR-Plattenbau — findet man alle Sturztypen: gemauerte Ziegelsturzbögen, einbetonierte Stahlträger aus der Vorkriegszeit und moderne Betonfertigteile. Bei Umbau oder Durchbruch ist die Bestandssituation stets zu prüfen.
Die lichte Weite (die tatsächliche Öffnungsbreite) und die Auflast (Deckensystem, Geschössanzahl, Dach) bestimmen, welcher Sturztyp in welcher Abmessung nötig ist. Faustregel: Spannweiten über 3 m oder mehrere Geschösse über der Öffnung erfordern immer einen statischen Einzelnachweis.
Jeder Sturztyp hat spezifische Stärken, Einsatzbereiche und Kostenpunkte. Der richtige Typ entscheidet sich an Spannweite, Auflast und Wandsystem.
Vorgefertigtes Stahlbetonelement mit rechteckigem Querschnitt. Standard für Fenster- und Türöffnungen bis ca. 2,5 m Spannweite. Breiten entsprechen den üblichen Wandstärken (11,5 / 17,5 / 24 / 30 / 36,5 cm), Höhen von 7,1 bis 24 cm. Einfach einzubauen, günstig, normgerecht nach DIN EN 845-2.
bis 2,5 m SpannweiteL-förmiger Betonfertigsturz, der eine integrierte Tasche für den Rollladenkasten bietet und wärmedämmende Elemente aufnehmen kann. Spart separate Rollladenaufsatzkastenlösungen. Breiten 24–36,5 cm, Längen bis 3,5 m. In Mehrfamilienhaus-Neubauten Berlins heute der Standardsturz.
mit RollladentascheTraditionelle, gemauerte Lösung: Ziegel werden im Bogenschluss (Segmentbogen, Spitzbogen) oder als Rollschicht über einer Hilfskonstruktion vermauert. Nur für kleine Spannweiten < 1,2 m und geringe Auflasten (Innenwand ohne Decke darüber) geeignet. In Berliner Gründerzeitbauten häufig — bei Sanierung sorgfältig prüfen.
historisch / SanierungOben offener, vorgefertigter Schalungsstein aus Beton oder Poroton, der auf der Baustelle mit Bewehrungsstäben und Ortbeton ausbetoniert wird. Eignet sich für Spannweiten bis ca. 5 m und große Wandstärken. Die Schalung verbleibt im Bauwerk („verlorene Schalung“). Statischer Nachweis nach EC 2 erforderlich.
bis 5 mIndividuell geschalten und betonierter Sturz mit Bewehrungsplan nach EC 2. Für große Spannweiten (> 4 m), besonders schwere Auflasten oder unreguläre Geometrien. Höchste Tragfähigkeit und größte gestalterische Freiheit, aber auch höchste Kosten durch Schalung, Bewehrungsarbeit und Betonage. Statikernachweis zwingend.
ab 3–4 m / schwere LastBewehrter Sturz aus Porenbeton, kompatibel zu Ytong- oder Multipor-Wandsystemen. Bietet hohen Wärmeschutz (kein Wärmebrücken-Risiko), geringes Gewicht und einfache Bearbeitbarkeit. Spannweiten bis ca. 2,25 m; Höhen 17,5 und 24 cm. Einzel- oder Doppelsturz möglich. Hersteller: Ytong, H+H, Hebel.
Wärmedämmsystem| Sturztyp | Spannweite | Auflast | Einbauaufwand | Wärmeschutz | Kostenrahmen |
|---|---|---|---|---|---|
| Fertigsturz (Flach) | bis 2,5 m | leicht–mittel | ★ einfach | mittel | ★ günstig |
| L-Sturz | bis 3,5 m | mittel | ★★ einfach | gut (Dämmkern) | ★★ mittel |
| Ziegelsturz | < 1,2 m | sehr gering | ★★★ aufwendig | gut | ★★★ hoch (Lohn) |
| U-Schale (Ortbeton) | bis 5 m | mittel–schwer | ★★ mittel | variabel | ★★ mittel |
| Stahlbetonsturz (Ort) | bis 6 m+ | sehr schwer | ★★★★ aufwendig | gering (Wärmebr.) | ★★★★ hoch |
| Porenbetonsturz | bis 2,25 m | leicht–mittel | ★ einfach | sehr gut | ★★ mittel |
Stürze in tragenden Wänden sind normativ geregelt. Bauherren und Planer müssen die einschlägigen Vorgaben kennen, um rechtssicher und statisch korrekt zu bauen.
| Norm / Regelwerk | Inhalt | Relevanz für Stürze |
|---|---|---|
| DIN EN 845-2:2013+A1:2016 + Nationaler Anhang (NA) |
Ergänzungsbauteile für Mauerwerk — Teil 2: Stürze | Produktnorm für Fertigstürze: Klassenbildung, Mindest-Auflagerlänge, Tragfähigkeitserklärung (Biegetragfähigkeit in kNm) |
| DIN EN 1996-1-1 (EC 6) + DIN EN 1996-1-1/NA |
Bemessung von Mauerwerksbauten — allgemeine Regeln | Nachweis des Mauerwerkskörpers um die Öffnung herum; Lastverteilungswinkel, Auflagerdruckspannungen |
| DIN EN 1992-1-1 (EC 2) + DIN EN 1992-1-1/NA |
Bemessung von Stahlbetontragwerken | Nachweis für Ortbetonsturz und U-Schale: Biege- und Querkrafttragfähigkeit, Bewehrungsplanung, Mindestbewehrung |
| DIN EN 1990 (EC 0) | Grundlagen der Tragwerksplanung | Lastkombinationen, Teilsicherheitsbeiwerte γG = 1,35 / γQ = 1,5 |
| DIN EN 1991-1-1 (EC 1) | Einwirkungen auf Tragwerke — Eigenlasten, Nutzlasten | Charakteristische Lastansätze: Decken (Wohnbau 2,0 kN/m² Nutzlast + Eigengewicht) |
| M-MBO / LBauO Berlin | Landesbauordnung Berlin + Technische Baubestimmungen | Bautechnischer Nachweis bei Umbau oder Durchbruch; Nachweispflicht gegenüber der Bauaufsicht |
Die Auflagerlänge — der Teil des Sturzes, der beidseitig auf dem Mauerwerk aufliegt — ist das häufigst unterschätzte Maß. Zu kurze Auflagerlängen führen zu überhöhtem Auflagerdruck, Rissbildung und im schlimmsten Fall zu partiellem Mauerwerksversagen.
| Lichte Weite lw | Mindest-Auflagerlänge je Seite | Praxisempfehlung |
|---|---|---|
| bis 1,50 m | ≥ 100 mm | 150 mm empfohlen (Steinraster) |
| 1,51 m bis 3,00 m | ≥ 150 mm | 200 mm empfohlen |
| über 3,00 m | ≥ 200 mm | 250 mm empfohlen, Statiker prüfen lassen |
| alle Spannweiten (Sonderfall Leichtmauerwerk) | ≥ 200 mm | Porenbeton, Leichthochlochziegel |
Geben Sie lichte Weite, Wandstärke und Auflast ein — der Assistent zeigt Ihnen Sturztyp-Empfehlung, Mindest-Auflagerlänge und Kostenrahmen für Berlin 2026 (indikative Richtwerte, kein Ersatz für statischen Nachweis).
Der korrekte Einbau eines Fertigsturzes ist handwerklich gut beherrschbar — vorausgesetzt, Planung, Abstützung und Auflagerfläche stimmen.
Vor dem Durchbruch: tragende Wand oder nicht? In tragenden Wänden ist ein statischer Nachweis durch den Tragwerksplaner Pflicht (LBauO Berlin). Sturztyp, -abmessung und Auflagerlänge bestimmen. Bei Bestandsbau zusätzlich Bestandsmörtel und Wandzustand prüfen. Ggf. Baugenehmigung beantragen.
Decke oder Wand über dem geplanten Durchbruch mit Stahlstützen und Doppelträgern abfangen — mindestens zwei Felder über die Öffnung hinaus. Die Abstützung muss die Lasten sicher in die Decke darüber oder den Boden darunter leiten. Keine Abkürzungen: Einsturzgefahr bei unzureichend abgefangenen tragenden Wänden.
Zunächst Sturzschlitze beidseitig sägen/stemmen (Auflagertiefe beachten!), dann schrittweise den Wanddurchbruch öffnen. Nicht den gesamten Querschnitt auf einmal herausschlagen — auch bei abgestützter Wand abschnittsweise vorgehen. Strom- und Wasserleitungen im Bestand orten (Leitungssucher verwenden).
Auflagerfläche eben, tragfähig und sauber herstellen. Gebrochene oder mindertragfähige Steine durch Vergussmörtel oder Ausgleichsschicht (M10-Mauerwerksmörtel) ausgleichen. Auflagerlänge nach Norm einhalten — Maß nachmessen, nicht schätzen. Druckfestigkeitsklasse des Auflagermauerwerks dem Sturzhersteller-Datenblatt entnehmen.
Fertigsturz mit Hebezeug oder im Team einlegen — Achtung: Gewicht (24er Betonfertigsturz, 2,0 m: ca. 90–110 kg). Sturz in Maurermörtel M10 betten, Lage (Oberkante, Flucht) prüfen. Bei L-Stürzen auf korrekte Einbaurichtung achten (Rollladentasche außen). Temporäre Unterstützung (Lehrgerüst unter dem Sturz) während der Mörtelabbindezeit.
Fugen schließen, Sturzauflager vollflächig vermauern (keine Hohlräume). Mörtel mindestens 48 Stunden bei normalen Bedingungen abbinden lassen, bevor Abstützung entfernt wird. Bei Ortbetonsturz oder U-Schale: Ausschalungsfristen nach EC 2 (i. d. R. 7–14 Tage) einhalten. Anschluss wärmedämmend ausführen.
Zusätzliche Zentimeter im Durchbruch „sparen“ und die Norm-Auflagerlänge unterschreiten — führt zu konzentriertem Druckversagen am Auflager. Häufig in Eigenregie bei Bestandsdurchbrüchen. Immer nachmessen und dokumentieren.
Tragende Wand ohne ausreichendes Lehrgerüst geöffnet. Das Restmauerwerk über der Öffnung kann in sich zusammensacken, bevor der Sturz eingebaut ist. Besonders gefährlich in mehrgeschossigen Bauten.
Fertigsturz Typ 1 mit 7-cm-Höhe für 2,5-m-Toröffnung mit Stahlbetondecke darüber. Der Sturz ist rechnerisch unterdimensioniert und verbiegt sich im Laufe der Zeit; Schäden am angrenzenden Mauerwerk entstehen.
Betonfertigsturz schließt bündig mit der Außenkante der Wand ab — keine Dämmebene unterbrochen. Am Sturzkopf entsteht eine linienförmige Wärmebrücke, die zu Tauwasser, Schimmelpilz und Heizenergieverlust führt. Lösung: L-Sturz mit Dämmkern oder nachträgliche Kopfdämmung.
Aktuelle Richtwerte für den Berliner Markt, inkl. MwSt. Preise abhängig von Baustelle, Zugänglichkeit und Lohnregion.
| Produkt (24er Wand) | Länge | Materialpreis Berlin 2026 | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Fertigsturz Beton (Flach, h = 12 cm) | 1,0 m | 18–32 € | gängigste Variante; Baustoffhandel Berlin |
| Fertigsturz Beton (Flach, h = 12 cm) | 2,0 m | 38–60 € | Typisch für Terrassentür / Garagentor |
| Fertigsturz Beton (Flach, h = 17,5 cm) | 2,5 m | 65–95 € | Höhere Lastklasse; große Fenster |
| L-Sturz mit Rolladentasche | 1,5 m | 60–100 € | inkl. Dämmkern |
| L-Sturz mit Rolladentasche | 2,0 m | 85–140 € | Standardmaß Mehrfamilienhaus |
| Porenbetonsturz (Ytong) | 1,25 m | 35–65 € | Für Ytong-Wandsysteme |
| U-Schale (Schalungsstein, ohne Beton/Bew.) | pro Laufmeter | 12–22 €/lfm | zzgl. Bewehrung + Beton C25/30 |
| Leistung | Richtwert gesamt (Material + Lohn) | Hinweise |
|---|---|---|
| Fertigsturz 1,0 m einbauen (unkompliziert, EG) | 160–280 € | Ohne Wanddurchbruch; nur Sturzeinbau in vorhandenen Schlitz |
| Fertigsturz 2,0 m einbauen (EG, Wohnbau) | 280–480 € | Inkl. Mörtelbettung, Auflager vorbereiten |
| L-Sturz 2,0 m einbauen | 320–560 € | Schwerere Handhabung; Rolladenmontage separat |
| Wanddurchbruch (tragende Wand, Stb-Abstützung) | +400–1.200 € | Je nach Wandstärke, Geschoss und Abstützaufwand |
| U-Schale 3,0 m (inkl. Bew., Beton, Schalung) | 550–1.100 € | Statiker-Honorar zzgl. ca. 500–1.500 € |
| Stahlbetonsturz Ortbeton 4,0 m (inkl. alles) | 900–2.200 € | Individuelle Bemessung; Aufwand stark variabel |
| Tragwerksplaner-Honorar (Einzelnachweis Sturz) | 400–1.500 € | Je nach Komplexität; bei Umbau in Berlin marktüblich |
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