♻ Abbruch & Recycling

Selektiver Rückbau: Sortenreines Trennen für Recycling

Selektiver Rückbau ist das systematische, bauteilweise Demontieren von Gebäuden mit dem Ziel, Materialfraktionen sortenrein zu trennen und einer hochwertigen Wiederverwertung zuzuführen. Was das Verfahren kostet, wann es Pflicht ist und wie Sie in Berlin vorgehen.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist selektiver Rückbau?

Selektiver Rückbau (auch: kontrollierter Abbruch oder Dekonstruktion) ist das gezielte, bauteilweise Demontieren eines Gebäudes in einer festgelegten Reihenfolge — im Gegensatz zum konventionellen Abbruch (maschineller Komplettabriss), bei dem alles gemischt auf dem Bagger landet. Das Ziel: einzelne Materialfraktionen sortenrein zu erfassen, damit sie als sekundäre Rohstoffe hochwertig recycelt werden können.

Im deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG § 8) ist die fünfstufige Abfallhierarchie verbindlich: Vermeidung vor Wiederverwendung vor Recycling vor sonstiger Verwertung vor Beseitigung. Selektiver Rückbau ist das operative Instrument, um diese Hierarchie auf der Baustelle umzusetzen. Bauabfälle machen in Deutschland rund 54 % des gesamten Abfallaufkommens aus — selektives Trennen ist daher keine Kür, sondern strukturelle Pflicht.

In Berlin, wo Altbausanierungen (Gründerzeit, DDR-Plattenbau) und Nachverdichtungsprojekte dominieren, ist selektiver Rückbau besonders relevant: Er sichert die Verwertbarkeit wertvoller Fraktionen wie Altholz, Stahl, Glas und unbewehrten Betonbruch, schläßt Schadstoffe wie Asbest oder PAK gezielt aus dem Stoffkreislauf aus und vermeidet hohe Deponiekosten.

Selektiver Rückbau auf einen Blick

54 %
Anteil Bauabfälle am deutschen Gesamtabfallaufkommen (Destatis 2024)
>90 %
Recyclingquote erreichbar bei sortenreiner Trennung (RC-Beton, Stahl)
30–50 %
Mögliche Einsparung der Entsorgungskosten vs. gemischter Abfall
DIN 18459
Maßgebende Norm für Abbruch- und Rückbauarbeiten (VOB/C)

Selektiver vs. konventioneller Abbruch: Der entscheidende Unterschied

Selektiver Rückbau

Bauteilweise Demontage in definierter Reihenfolge (Schadstoffe zuerst, dann Ausbau, dann Rohbau)
Sortenreine Fraktionen: Beton, Ziegel, Stahl, Holz, Glas, Gips getrennt → hochwertige Verwertung
Schadstoffe separat: Asbest, PAK, PCB, Teer werden gezielt vorab entfernt und fachgerecht entsorgt
Geringere Entsorgungskosten für sortenreine Fraktionen (RC-Beton 2–8 €/t) statt teurer Mischcontainer
KrWG-konform und zunehmend behördlich gefordert bei genehmigungspflichtigen Abbrüchen

Konventioneller Abbruch

Maschineller Komplettabriss mit Bagger — alle Fraktionen vermischen sich im Abbruchhaufen
Gemischte Bauabfälle (AVV 170904) sind Deponiepflichtig oder nur minderwertig recycelbar
Schadstoffverschleppung: Asbest oder PAK im Mischbruch erhöhen die Entsorgungskosten massiv
Höhere Gesamtkosten bei stark schadstoffhaltigen Gebäuden durch kontaminierte Mischabfälle
Bei neueren Genehmigungsverfahren in Berlin zunehmend nicht mehr zulässig ohne Rückbaukonzept

Selektiver Rückbau: Schritt für Schritt

Der Rückbau folgt einer festen Reihenfolge — von der Schadstoffsanierung über den Innenausbau bis zum tragenden Rohbau. Jede Phase erzeugt klar definierte Fraktionen.

1

Rückbauuntersuchung & Schadstoffkataster

Vor jedem Abbruch steht die orientierende Untersuchung gemaß LAGA M 20 / VDI 6202. Probenahmen auf Asbest (TRGS 519), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), polychlorierte Biphenyle (PCB), Schwermetalle und Mineralfasern. Ergebnis: ein Schadstoffkataster mit Massenabschätzung und Entsorgungskonzept. Ohne diesen Schritt ist kein Abbruchantrag genehmigungsfähig.

2

Schadstoffsanierung (Phase 1 — Gefahrenbereiche)

Entfernung schadstoffhaltiger Bauteile durch zertifizierte Fachbetriebe (TRGS 519 für Asbest, ZUG-Bescheinigung). Asbesthaltiger Spritzputz, asbesthaltige Bodenbelagskleber (AKP), PAK-Teeranstriche und PCB-haltige Fugendichtmassen werden separat ver-packt, deklariert und als gefährlicher Abfall (AVV 17 06 01*, 17 01 06*) entsorgt. Erst dann darf der weitere Rückbau beginnen.

3

Selektiver Innenausbau (Phase 2)

Demontage in der Reihenfolge: Haustechnik (Leitungen, Heizkörper, Sanitär) → Einbaumöbel → Fenster & Türen → abgehängte Decken → Estrich → Wandverkleidungen → Trockenbau. Jede Fraktion landet in einem eigenen Container: Metall, Holz (A I–IV nach AltholzV), Glas, Gips, Mineralwolle. Wiederverwendbare Teile (Antiquitäten, Bausatzen) werden für Second-Hand-Plattformen erfasst.

4

Rohbau-Rückbau (Phase 3)

Abbruch von Dachdeckung, Dachstuhl (Altholz), Deckenkonstruktionen und Mauerwerk in sortenreinen Portionen. Stahlbeton: Beton und Bewehrungsstahl werden idealerweise getrennt (Brechanlage vor Ort oder Brecher-Dienstleister). Ziegelmauerwerk gelangt in einen RC-Ziegelcontainer, Stahlträger und Kupfer in den Metallschrott. Unbewehrter Betonbruch kann als RC-Beton-Granulat 0/45 mm direkt auf der Baustelle wiederverwendet werden (günstigster Entsorgungsweg).

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Dokumentation & Nachweisführung

Pflicht: Entsorgungsnachweise für gefährliche Abfälle gemäß NachwV (Nachweisverordnung), Lieferscheine für RC-Materialien, Abfallbilanz für das gesamte Projekt. In Berlin fordern die Behörden (Stadtentwicklungsamt, Umweltamt) zunehmend ein Rückbau- und Entsorgungskonzept als Bestandteil des Abbruchantrags nach § 61 BauOBln.

Materialfraktionen: Masse, Verwertungsweg & Recyclingquote

Ein typisches Berliner Gründerzeithaus (Bj. 1900–1940, Mauerwerks-Rohbau) besteht zu weit über 80 % aus recyclingfähigen Fraktionen — wenn sortenrein getrennt wird.

Typische Massenanteile beim Rückbau eines Gründerzeithauses (Berlin)

Mauerwerk / Beton
RC-Granulat
62 %
Altholz (A I–III)
Biomasse/Span
14 %
Stahl / Metall
Stahlschrott
9 %
Gips / Estrich
RE-Gips
6 %
Glas / Fenster
Altglas
4 %
Mineralwolle / Dämm.
Deponie/RMD
3 %
Schadstoffe / Sonstiges
Sonderabfall
2 %

Richtwerte für Gründerzeitbauten (Bj. ca. 1900–1940), Massivbauweise, ohne Keller. Abweichungen je nach Baujahr, Konstruktion und Sanierungsstand.

FraktionAVV-SchlüsselVerwertungswegRecyclingquote
Betonbruch (unbewehrt)17 01 01RC-Granulat 0/45 als Verfüll- und Tragschichtmaterial; als RC-Beton nach DIN EN 206/DIN 1045-2 (RC-Klassen)>95 %
Ziegelbruch17 01 02RC-Ziegelgranulat als Drainage-, Verfüll- und Unterbaumaterial; TerraCycle-Industrie90–95 %
Stahlbewehrung / Baustahl17 04 05Stahlschrotthandel → Elektrolichtbogenofen (EAF), 100 % recycelbar; Erlös im Berliner Markt 2026: ca. 180–220 €/t100 %
Altholz A I–III17 02 01Spanplattenwerk, Biomasseheizwerk (A III: nur mit bes. Genehmigung); nach AltholzV85–95 %
Altholz A IV (behandelt/kontaminiert)17 02 01 / 17 09 04*Thermische Verwertung in zugelassenen MVA; keine Spanplattennutzung— (energet.)
Gips / Gipskarton17 08 02RE-Gips-Aufbereitung; Zus. in Zementwerken; nicht mit Mineral-wolle mischen!80–90 %
Glas (Fenster, Flachglas)17 02 02Altglasaufbereitung; Flachglas-Recycling (St.-Gobain, AGC); klare Trennung von Verbundglas nötig70–80 %
Kupfer, Aluminium, NE-Metalle17 04 01 / 17 04 02NE-Metallschrotthandel; Erlös Kupfer 2026: ca. 5.000–6.500 €/t100 %
Mineralwolle (HBCD-frei)17 06 04RMD-Aufbereitungsanlage; HBCD-haltige Ware (bis EPS 2020er) als gef. Abfall (17 06 03*)ca. 50 %
Asbest / asbesthaltige Materialien17 06 01*Ausschließlich Deponie (Monodeponie Klasse IV); kein Recycling möglich0 %

Quellen: AVV (Abfallverzeichnis-Verordnung), AltholzV, DIN EN 206, Bericht Bundesumweltamt 2024.

Rechtliche Grundlagen & Normen

Selektiver Rückbau ist durch ein vielschichtiges Regelwerk aus Bundes- und Landesrecht, Normen und technischen Regelwerken geprägt. Die wichtigsten im Überblick.

RegelwerkRelevanz für selektiven Rückbau
KrWG §§ 7–14 (Kreislaufwirtschaftsgesetz)Fünfstufige Abfallhierarchie, Getrennthalte-Pflicht, Verpflichtung zur Verwertung statt Beseitigung; Pflicht zur sortenreinen Erfassung
DIN 18459 (VOB/C)ATV Abbruch- und Rückbauarbeiten; regelt Leistungsumfang, Abgrenzung, Nebenleistungen & Abrechnungsregeln für Abbruchverträge
TRGS 519Technische Regeln für Gefahrstoffe: Asbest — Abbruch, Sanierung, Instandhaltung; regelt Schutzmaßnahmen, Qualifikationen und Entsorgungsweg
AVV (Abfallverzeichnis-Verordnung)Europäische Abfallliste (EAK/AVV) mit Schlüsselnummern für alle Bauabfallfraktionen; Grundlage für Entsorgungsnachweis
NachwV (Nachweisverordnung)Dokumentationspflicht für gefährliche Abfälle (Begleitschein, Entsorgungsnachweis, Registerführung)
AltholzV (Altholzverordnung)Einstufung von Altholz in Güteklassen A I–IV; Anforderungen an Aufbereitung und Verwertung
DepV (Deponieverordnung)Annahmebedingungen für Bauabfälle auf Deponien (DK 0–III); Zuordnungswerte für Eluatwerte nach Anhang 3
GefStoffV (Gefahrstoffverordnung)Schutzpflichten beim Umgang mit gefährlichen Stoffen auf der Abbruchbaustelle (Asbest, PAK, Schwermetalle)
BauOBln § 61 (Berliner Bauordnung)Abbruchgenehmigungspflicht > 300 m² BGF; Rückbau- und Entsorgungskonzept als Bestandteil des Antrags gefordert
EU-Richtlinie 2008/98/EGEuropäische Abfallrahmenrichtlinie; Recyclingziel 70 % für Bau- und Abbruchabfälle bis 2020 (in DE erreicht); neue Ziele ab 2030 in Verhandlung
⚠ Berlin-spezifisch: Das Berliner Stadtentwicklungsamt (StadtUm) und die Untere Abfallbehörde (Umweltamt der Bezirke) verlangen bei abbruchgenehmigungspflichtigen Vorhaben (> 300 m² BGF) zunehmend ein detailliertes Rückbau- und Entsorgungskonzept mit Massenabschätzung, Schadstoffkataster und Nachweis der Verwertungswege. Wer diesen Nachweis nicht erbringt, riskiert Baustopp und Nachforderungen. NEUWEST erstellt dieses Konzept im Rahmen der Abbruchplanung.

Rückbaukosten-Rechner: Was kostet selektiver Rückbau?

Stellen Sie Gebäudegröße, Bauweise und Schadstoffbelastung ein — der Rechner schätzt Rückbau- und Entsorgungskosten auf Basis aktueller Berliner Marktpreise 2026.

Brutto-Grundfläche (BGF) 500 m²
Stockwerke 4
Bauweise
Schadstoffbelastung
Rückbautiefe
Geschätzte Abbruchmasse
700 t
Rückbaukosten (netto)
35.000 €
Entsorgungskosten (netto)
18.500 €
Erlöse Schrottmetall (Abzug)
− 3.200 €
Gesamtkosten netto (ca.)
50.300 €
Richtwerte für Berlin 2026. Exakte Kosten hängen von Baujahr, Lage, Kontaminationsgrad und Bebauungsdichte ab. Kein verbindliches Angebot — für eine belastbare Kalkulation kontaktieren Sie uns.

Rückbau- & Entsorgungspreise Berlin 2026

Aktuelle Richtwerte für Abbruch- und Entsorgungsleistungen im Berliner Markt. Alle Preise netto, zzgl. 19 % MwSt.

Leistung / FraktionEinheitPreis (netto, Berlin 2026)Hinweis
Selektiver Rückbau (Innenausbau, ohne Rohbau)m² BGF25–55 €Je nach Ausbaugrad und Schadstoffgehalt; hängt stark vom Trennungsaufwand ab
Rohbauabbruch (maschinell, selektiv)m³ BRI18–38 €Ziegelmauerwerk günstiger, Stahlbeton (Sprengen/Sägen) teurer
Schadstoffsanierung Asbest (gebundene Form)30–80 €Vinylboden, Dachplatten; schwach gebundener Spritzasbest: 80–200 €/m²
Schadstoffsanierung PAK-Kleber / Teeranstriche25–60 €Abhängig von Schichtdicke und Untergrundvorbereitung
Entsorgung RC-Betonbruch sortenreint2–8 €Einige Aufbereitungsanlagen nehmen kostenlos oder zahlen Gutschrift bei hoher Qualität
Entsorgung Ziegelbruch sortenreint5–12 €Qualität (Schadstofffreiheit) entscheidend für Annahmepreis
Entsorgung Gemischter Bauschutt (AVV 170904)t55–110 €Stark abhängig von Zusammensetzung; ggf. Deponienachweis erforderlich
Entsorgung Altholz A I–IIIt80–140 €A IV (kontaminiert): 180–300 €/t wegen MVA-Pflicht
Entsorgung asbesthaltige Abfälle (Big-Bag)t600–1.200 €Inklusive Verpackung, Deklaration, Transport zur Monodeponie; Mindestmengenabr.
Erlös Stahlschrott (Abzug)t−180 bis −220 €Marktpreis schwankend; Bewehrungsstahl sortenrein = bester Erlös
Erlös Kupfer (Abzug)t−5.000 bis −6.500 €Hohe Preisschwankung je LME-Kurs; lohnt Extrademontage von Leitungen
💡
Kostenvergleich: Gemischter Bauschutt kostet in Berlin 2026 oft 70–100 €/t Entsorgung. Sortenrein getrennter Betonbruch nur 2–8 €/t — der Mehraufwand beim Trennen amortisiert sich ab ca. 200 t schnell.
🚗
Containerlogistik: In Berlin sind Sondercontainerstellplatzerfordernisse (Baugenehmigung für öffentlichen Straßenraum) zu beachten; frühzeitig beim Bezirksamt beantragen (4–8 Wochen Vorlauf).
Berliner Entsorgungsanlagen: RC-Betonaufbereitung: z. B. BRB Recycling Malchow, FEZ Gradestr., Rethmann-Gruppe. Altholz: Pollrichstraße (ALBA). Schadstoffentsorgung: viadukt GmbH, Remondis Sonderabfall.
📈
Preistreiber 2026: Die Berliner Deponieknappheit (Deponie Doberitzer Heide fast voll) treibt Mischbauschutt-Entsorgungspreise. Sortenreine RC-Qualitäten sind gefragter denn je — teils gibt es Gutschriften für sauberen Betonbruch.

Schadstoffe im Altbau: Erkennen, Trennen, Entsorgen

Schadstoffe sind der kritischste Faktor beim selektiven Rückbau. Ihre korrekte Identifikation bestimmt Entsorgungsweg, Kosten und Arbeitsschutzmaßnahmen.

Asbest (TRGS 519) — Baujahr bis ca. 1993

Asbest war bis 1993 in Deutschland zugelassen und findet sich in Berliner Altbauten als Spritzasbest (Decken, Träger), Dach-Wellplatten (Eternit), Bodenfliesen-Kleber (AKP), Nachtspeicherheizungen und Dichtungen. Pflicht: Schadstoffkataster vor Abbruchantrag (Probenahme durch akkreditiertes Labor). Entfernung nur durch zertifizierten Fachbetrieb mit ZUG-Bescheinigung, Arbeitsbereich als Schwarz-Weiß-Anlage abgekapselt, Entsorgung als gefährlicher Abfall (AVV 17 06 01*) auf Monodeponie. Keine Eigenleistung zulässig.

PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) — Teer und Pech

PAK kommen in Berliner Altbauten vor allem in Teeranstrichen auf Beton und Stahl (Kellerwände, Stahlträger), in Holzteerung, Parkettkleber der 1950er–70er Jahre und in alten Dachabdichtungen (Bitumen/Teer-Gemisch) vor. Grenzwert für nicht gefährlichen Abfall: <100 mg/kg. Überschreitung → gefährlicher Abfall (AVV 17 03 01*). Entfernung mechanisch oder chemisch, Staubarme Arbeitsweise vorgeschrieben.

🔴

PCB (Polychlorierte Biphenyle) — Baujahr 1955–1989

PCB wurden als Weichmacher in Fugendichtmassen (typisch: Fassadenfugen bei DDR-Plattenbau, Schulbauten) eingesetzt. In Berlin sind viele Plattenbauten und Schulen aus den 1960er–80er Jahren betroffen. Grenzwert: >50 mg/kg → gefährlicher Abfall. PCB-haltige Fugenmasse muss vor maschinellem Abbruch manuell ausgekratzt werden; Untergrundkontamination durch Migration im Beton ist häufig (bis 10 cm tief messen).

🔫

KÜMF / Mineralfasern (HBCD in Dämmstoffen)

Alte Mineral- und Glaswolledämmung der 1950er–70er kann künstliche Mineralfasern (KMF) der alten Klassifikation enthalten, die als krebsverdächtig gelten (Messung: Fasergeometrie, WHO-Fasern). Separate Erfassung, Atemschutz P3 vorgeschrieben. Hinzu kommt: EPS-Dämmplatten (Styropor) mit HBCD-Flammschutzmittel (bis ca. 2016 verbaut) gelten als persistenter organischer Schadstoff (POP) → thermische Verwertung in spez. MVA zwingend, keine Deponierung.

FAQ: Selektiver Rückbau

Was ist selektiver Rückbau genau — und was unterscheidet ihn vom normalen Abbruch?
+
Selektiver Rückbau ist das bauteilweise, sortenreine Demontieren eines Gebäudes in einer festgelegten Reihenfolge: zuerst Schadstoffe, dann Ausbau, zuletzt Rohbau. Beim konventionellen Abbruch reißt der Bagger alles auf einmal herunter — alle Fraktionen vermischen sich. Gemischter Bauschutt ist schwer verwertbar und teuer zu entsorgen (55–110 €/t). Sortenrein getrennter Betonbruch kostet dagegen nur 2–8 €/t Entsorgung, Stahlschrott bringt sogar Erlöse. Selektiver Rückbau ist daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern meist auch wirtschaftlicher — sofern der Trennaufwand kalkuliert ist.
Wann ist selektiver Rückbau in Berlin gesetzlich Pflicht?
+
In Berlin besteht ab einer Brutto-Grundfläche von über 300 m² Abbruchgenehmigungspflicht nach § 61 BauOBln. Im Genehmigungsverfahren fordern die Bezirksbehörden zunehmend ein Rückbau- und Entsorgungskonzept mit Schadstoffkataster und Massenabschätzung. Grundsätzlich schreibt das KrWG (§ 9 Abs. 1) die Getrenntsammlung von Bau- und Abbruchabfällen bundesweit vor, sobald eine sortenreine Erfassung technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist. Für gefährliche Abfälle (Asbest, PAK) gilt das Mischungsverbot ohne Ausnahme.
Was kostet selektiver Rückbau pro Quadratmeter in Berlin?
+
Die Kosten variieren stark je nach Bauweise, Baujahr und Schadstoffgehalt. Als Orientierung für Berlin 2026 (netto): Innenausbau-Rückbau: 25–55 €/m² BGF, Rohbauabbruch maschinell (selektiv): 18–38 €/m³ BRI. Hinzu kommen Entsorgungskosten: sortenreine Fraktionen 2–12 €/t, gemischter Bauschutt 55–110 €/t, asbesthaltige Abfälle 600–1.200 €/t. Bei einem typischen Berliner Gründerzeithaus (500 m² BGF, geringe Schadstoffbelastung) entstehen Gesamtkosten von ca. 40.000–70.000 € netto. Unser Kostenrechner weiter oben gibt Richtwerte.
Wie erkenne ich, ob mein Gebäude Asbest enthält?
+
Asbest war in Deutschland bis 1993 legal und ist deshalb in Gebäuden bis zu diesem Baujahr potenziell vorhanden — unabhängig von Optik und Zustand. Typische Vorkommen: Spritzasbest an Decken/Trägern, Wellplatten (Eternit) am Dach, Bodenbelagskleber (AKP), Fugenmassen, Nachtspeicherheizungen, Dachpappe. Sichere Aussage gibt nur eine Probenahme durch ein akkreditiertes Labor (Rasterelektronenmikroskopie). Optisch ist Asbest nicht erkennbar. NEUWEST koordiniert Probenahme und Laborbegutachtung im Rahmen des Schadstoffkatasters.
Was passiert mit dem Bauschutt aus dem selektiven Rückbau — wird er wirklich recycelt?
+
Ja — bei sortenreiner Trennung und Schadstofffreiheit. Betonbruch (AVV 17 01 01) wird in Aufbereitungsanlagen (z. B. BRB Recycling Berlin) zu RC-Granulat 0/45 gebrochen und als Verfüllmaterial, Tragschicht oder — nach DIN EN 206 / DIN 1045-2 — als RC-Gesteinskörnung in Beton eingesetzt. Recyclingquote: >95 %. Stahl geht zu 100 % in den Elektrolichtbogenofen. Altholz A I–III wird zu Spanplatten oder Biomasse. Gemischter Bauschutt landet hingegen überwiegend im Deponieschacht — Recycling ist dann kaum möglich.
Wie lange dauert ein selektiver Rückbau im Vergleich zum konventionellen Abbruch?
+
Selektiver Rückbau dauert in der Regel 30–80 % länger als der maschinelle Komplettabbruch, weil Demontage, Sortierung und Zwischenlagerung Zeit kosten. Für ein Berliner Mehrfamilienhaus (500 m² BGF) sind typisch: Schadstoffsanierung 1–2 Wochen, selektiver Innenausbau 2–4 Wochen, Rohbauabbruch (auch maschinell nach Trennung) 1–2 Wochen. Gesamt: ca. 6–10 Wochen. Der konventionelle Abbruch wäre in 2–4 Wochen erledigt — spart aber Wochen und kostet Monate mehr im Entsorgungsmanagement, wenn Schadstoffe später entdeckt werden.
Brauche ich für einen Abbruch in Berlin eine Genehmigung?
+
Ab 300 m² Brutto-Grundfläche (BGF) ja — dann ist nach § 61 BauOBln ein Abbruchantrag beim zuständigen Bezirksamt (Stadtentwicklungsamt) erforderlich. Unterlagen: Lageplan, Bestandszeichnungen, Schadstoffkataster, Rückbau- und Entsorgungskonzept, statische Aussagen zur Sicherung der Nachbargebäude. Bei Denkmalschutz (§ 11 DSchG Berlin) zusätzlich Zustimmung des Landesdenkmalamtes. Unterhalb von 300 m² ist kein separater Abbruchantrag nötig, aber das KrWG und die Schadstoffpflichten (TRGS 519) gelten immer.
Kann RC-Beton aus selektivem Rückbau im Neubau wiederverwendet werden?
+
Ja, unter bestimmten Bedingungen. Seit der Revision der DIN EN 206 und DIN 1045-2 ist RC-Gesteinskörnung (aus geprüftem, schadstofffreiem Betonbruch) in bestimmten Betonklassen und Expositionsklassen zulässig. Die RC-Klassen RC-1 (bis 20 Vol.-% RC) und RC-2 (bis 45 Vol.-%) sind in Deutschland nutzbar. Voraussetzung: Kategorien-geprüfte Ausgangsstoffe (Lieferschein des Aufbereiters, Deklaration nach DIN EN 12620 / DIN 4226-100). In Berlin setzt die Senatsverwaltung auf Pilotprojekte mit RC-Beton (z. B. im Wohnungsneubau der Berliner Wohnungsbaugesellschaften).

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