RC-Beton ist Beton, dessen Gesteinskörnungen ganz oder teilweise aus aufbereitetem mineralischem Abbruchmaterial bestehen – normenkonform nach DIN EN 206 und DIN 1045-2, gütegesichert nach RAL-Gütezeichen 501. Was Bauherren und Fachplaner in Berlin 2026 wissen müssen.
RC-Beton (Recycling-Beton) ist Beton nach DIN EN 206, bei dem ein definierter Anteil der natürlichen Gesteinskörnungen durch rezyklierte Gesteinskörnungen (RC-Gesteinskörnungen) aus aufbereitetem Beton- und Mauerwerksbruch ersetzt wird. In Deutschland sind Zusammensetzung, Güte und Einsatzgrenzen in DIN 1045-2:2008 in Verbindung mit DIN EN 206 geregelt.
Der Rohstoff RC-Gesteinskörnung entsteht bei der kontrollierten Aufbereitung von mineralischem Abbruchmaterial: Betonabbruch, Ziegelmauerwerk und gemischter Bauschutt werden zerkleinert, gesiebt, von Fremdbestandteilen (Holz, Metall, Gips, Kunststoff) befreit und in definierte Korngruppen klassifiziert. Je nach Zusammensetzung ergeben sich die Qualitätstypen 1, 2 und 3, die unterschiedliche Einsatzfelder erlauben.
Für die Baupraxis sind RC-Baustoffe aus drei Gründen relevant: Ressourcenschonung (67 Millionen Tonnen mineralischer Bauabfall fallen jährlich in Deutschland an), Kostenvorteil (RC-Gesteinskörnung ist 25–40 % günstiger als Primärmaterial) und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen durch ESG-Richtlinien, öffentliche Ausschreibungen (BBSR-Kriterien) und kommunale Klimaschutzauflagen – in Berlin z.B. durch das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK 2030).
Die Verwendung von RC-Gesteinskörnungen in Beton ist in Deutschland durch ein mehrstufiges Normensystem geregelt. Entscheidend sind Typ und Reinheit der Rezyklate.
| Norm / Regelwerk | Inhalt | Relevanz für RC-Beton |
|---|---|---|
| DIN EN 206:2021-06 | Beton – Festlegung, Eigenschaften, Herstellung, Konformität | Europäische Basisnorm; definiert Anforderungen an Frisch- und Festbeton |
| DIN 1045-2:2008-08 | Nationale Anwendungsregeln zu DIN EN 206 | Legt Substitutionsgrenzen und Expositionsklassen-Zuordnung für RC-Gesteinskörnungen in DE fest |
| DIN EN 12620:2013-07 | Gesteinskörnungen für Beton | Technische Anforderungen an alle Gesteinskörnungen inkl. RC-Material (Wasseraufnahme, Kornform, Feinanteil) |
| DIN 4226-100:2002-02 | Rezyklierte Gesteinskörnungen (de facto Praxisnorm) | Definiert Typen 1–3 und Schadstoffgrenzwerte; in der Praxis weiterhin maßgeblich für Güteüberwachung |
| RAL-Gütezeichen 501 / 501/1 | Gütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V. | Freiwillige Güteüberwachung inkl. WPK + Fremdüberwachung – höchstes Qualitätssignal am Markt |
| LAGA M 20 / TR Boden | Anforderungen an Verwertung mineralischer Abfälle | Schadstoffgrenzwerte für RC-Material in Abhängigkeit vom Einbauort (Z0–Z2) |
| DAfStb-Heft 600 | Erläuterungen zu DIN EN 206 und DIN 1045 | Facherläuterungen zu RC-Gesteinskörnungen im Hochbau |
Die Qualitätsklassifikation entscheidet über die mögliche Verwendung im Beton. Entscheidend sind Herkunft, Reinheit und Wasseraufnahme des Rezyklats.
Mindestens 90 % Betonrezyklat (Beton + Mörtel). Max. 1 % Asphalt, max. 0,1 % Leichtteile (Holz). Wasseraufnahme ≤ 10 %. Höchste Reinheit und beste mechanische Eigenschaften. Einsatz in tragenden Betonen bis C30/37 möglich.
Tragbeton möglichMindestens 70 % Beton + Mauerwerk (Ziegel, Kalksandstein, Leichtbeton). Max. 1 % Asphalt, max. 1 % Leichtteile. Wasseraufnahme ≤ 15 %. Eingeschränkter Einsatz im Hochbau (bis C16/20, wenige Expositionsklassen), häufig im Tief- und Straßenbau.
EingeschränktMehr als 50 % Mauerwerk, unter 50 % Beton. Höherer Sulfatgehalt möglich. Nicht für tragenden Beton geeignet. Verwendung im Straßen-Unterbau, Verfüllung und Erdgrabenbau (Zuordnungswert Z1 nach LAGA M 20).
Tiefbau / Verfüllung| Prüfmerkmal | Typ 1 (Grenzwert) | Typ 2 (Grenzwert) | Prüfnorm |
|---|---|---|---|
| Betonrezyklat-Anteil | ≥ 90 % | ≥ 70 % | DIN 4226-100 |
| Wasseraufnahme (WA₂₄) | ≤ 10 % | ≤ 15 % | DIN EN 1097-6 |
| Sulfatgehalt (SO₃) | ≤ 0,8 % | ≤ 0,8 % | DIN EN 1744-1 |
| Chloridgehalt | ≤ 0,04 % | ≤ 0,04 % | DIN EN 1744-5 |
| Leichtteile (Holz, Papier) | ≤ 0,1 % | ≤ 1,0 % | DIN EN 1744-1 |
| Asphaltanteile | ≤ 1,0 % | ≤ 1,0 % | DIN 4226-100 |
| Rohdichte (Körner) | ≥ 2.000 kg/m³ | ≥ 1.800 kg/m³ | DIN EN 1097-6 |
Nur gütegesicherte RC-Gesteinskörnungen dürfen normkonform in tragenden Betonen verwendet werden. Das dreigliedrige System gibt Bauherren und Planern Sicherheit über Produktqualität und Rückverfolgbarkeit.
Vor der maschinellen Aufbereitung wird das Abbruchmaterial visuell und analytisch bewertet: Schadstoffscreening (Asbest, Teer, PAK, PCB), Bestimmung des Materialstroms nach Herkunft (Abrissobjekt, Baujahr, Nutzung). Belastetes Material wird separiert und der Sonderentsorgung zugeführt. Erst einwandfreies Material gelangt in den Aufbereitungsprozess.
Mehrstufige Zerkleinerung (Backen- und Prallbrecher), magnetische Eisenabscheidung, Windsichtung für Leichtteile, Nassklassierung oder Trockensichtung. Ergebnis: definierte Kornfraktionen (0/4, 2/8, 4/16, 8/32, 0/45 mm). Jede Charge wird los-weise dokumentiert – Herkunftsobjekt, Aufbereitungsdatum, Analyseergebnisse.
Vom Hersteller eigenverantwortlich durchgeführte laufende Selbstüberwachung gemäß DIN EN 13285 und DIN 4226-100: Probenahme alle 500 t oder je Charge, Prüfung auf Wasseraufnahme, Kornverteilung, Rohdichte und Sulfatgehalt. Alle Ergebnisse werden im Produktionskontrollbuch erfasst und mindestens 5 Jahre aufbewahrt. Die WPK ist Voraussetzung für die CE-Kennzeichnung nach DIN EN 12620.
Mindestens halbjährliche Überwachung durch eine von der Gütegemeinschaft zugelassene, DAkkS-akkreditierte Prüfstelle (z.B. MFPA Leipzig, MPA Berlin-Brandenburg, ZMK). Vollständiger Prüfumfang nach DIN 4226-100 inkl. Chlorid, PAK, Schwermetalle. Beanstandungen führen zu Produktionsstopp und Rücknahme der Gütezeichen-Nutzung.
Das RAL-Gütezeichen der Gütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V. kombiniert WPK und Fremdüberwachung und ist das anerkannte Qualitätssignal für gütegesicherte RC-Gesteinskörnungen in Deutschland. Für Bauherren wichtig: Lieferschein und Leistungserklärung (DoP) müssen das RAL-Zeichen und die Losidentifikationsnummer tragen. Nur so ist die Rückverfolgbarkeit zur Aufbereitungsanlage und zum Abrissobjekt gewährleistet.
DIN 1045-2 legt fest, in welchen Expositionsklassen RC-Gesteinskörnungen welchen Typs und in welchem Anteil eingesetzt werden dürfen. Nicht jeder Beton ist für RC-Zuschläge geeignet.
| Expositionsklasse | Beanspruchung | RC-Typ 1 (Grobkorn max.) | RC-Typ 2 (Grobkorn max.) |
|---|---|---|---|
| X0 | kein Korrosions- / Angriffsrisiko (trocken, innen) | 45 % | 45 % |
| XC1 | Carbonatisierung, trocken oder ständig nass | 35 % | 35 % |
| XC2 | Carbonatisierung, nass, selten trocken | 35 % | 35 % |
| XC3 / XC4 | Carbonatisierung, wechselnd feucht / zyklisch nass | 35 % | nicht zulässig |
| XF1 | Frostbeanspruchung ohne Taumittel | 25 % * | nicht zulässig |
| XF2, XF3, XF4 | Frost + Taumittel, hohe Beanspruchung | nicht zulässig | nicht zulässig |
| XS, XD | Chloride aus Meerwasser oder Tausalz | nicht zulässig | nicht zulässig |
| XA1–XA3 | Chemischer Angriff (Boden, Wasser, Industrie) | nicht zulässig | nicht zulässig |
* Bei XF1: Betonrezyklat muss Frostwiderstandsklasse F4 nach DIN EN 1367-1 erfüllen; w/z ≤ 0,50 einhalten.
Wie viel spart Ihr Projekt durch den Einsatz von RC-Gesteinskörnung gegenüber Primärmaterial? Stellen Sie Betonmenge, Substitutionsgrad und Betonklasse ein – Berechnung erfolgt live für Berlin 2026.
Berlin ist einer der aktivsten RC-Baustoff-Märkte Deutschlands. Die Kombination aus Berliner Abrissvolumen, kurzen Transportwegen und wachsender Nachfrage aus dem Hochbau treibt Qualität und Angebot.
| Material | Preis frei Baustelle Berlin (2026) | Vergleich / Hinweis |
|---|---|---|
| RC-Betongranulat Typ 1 (0/32 mm) | 15–22 €/t | Höchste Qualität; für tragenden Beton geeignet |
| RC-Mischgranulat Typ 2 (0/45 mm) | 10–16 €/t | Tief- und Straßenbau, Untergrundverbesserung |
| RC-Mauerwerksgranulat Typ 3 | 8–13 €/t | Verfüllung, Leitungsgraben (LAGA Z1.1) |
| Natursplitt 8/16 (Lausitz) | 24–32 €/t | Standardreferenz; Preis steigt durch Transportkosten |
| Naturkies 0/32 (Brandenburg) | 22–28 €/t | Zunehmend beschränkter Kiesabbau in BB |
| Entsorgung Bauschutt (Deponie) | 45–80 €/t | Stark variierend je nach Belastungsklasse |
| Aufbereitung zu RC-Granulat (vor Ort) | 8–18 €/t | Mobile Brecher-Dienstleistung auf der Abbruchstelle |
Berlin verzeichnet eines der höchsten Abrisswolumen Deutschlands. Allein im Zeitraum 2024–2028 werden nach Senatsschätzungen über 200 Großabrissmaßnahmen im Innenstadtbereich durchgeführt (u.a. Stadtentwicklungsgebiete Tegel, Tempelhof, Lichtenberg). Das daraus entstehende RC-Material wird überwiegend in Aufbereitungsanlagen in Marzahn-Hellersdorf, Tempelhof und Spandau verarbeitet und kurzstreckig wieder auf Berliner Baustellen eingesetzt – ideales Kreislaufwirtschaftsszenario mit minimalen Transportemissionen.
Das Land Berlin fordert in öffentlichen Bauvergaben zunehmend den Nachweis von Recyclinganteilen. Grundlage sind das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm BEK 2030, das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) und die Berliner Ausführungsvorschriften zur Vergabeverordnung. Seit 2024 wird für Hochbauprojekte mit öffentlicher Kofinanzierung (> 2 Mio. €) ein Ressourcenpass empfohlen, der RC-Anteile dokumentiert. Planer sollten RC-Beton bereits in der Leistungsbeschreibung (LV-Position) explizit ausschreiben.
Bei großen Abrissprojekten in Berlin (ab ca. 2.000 t Abbruchmaterial) ist die mobile Aufbereitung mit Prallbrecher und Siebanlage vor Ort wirtschaftlich. Kosten: 10–18 €/t; Transport entfällt vollständig. Das aufbereitete RC-Granulat kann direkt im laufenden Bauprojekt als Untergrundverbesserung, Planum oder Tragschicht verwendet werden. Voraussetzung: Schadstofffreiheit vorab durch Beprobung des Abrissmaterials (PAK, Schwermetalle) belegt.
Mehrere abgeschlossene Berliner Hochbauprojekte (u.a. Wohnungsbau Adlershof 2022, Schulneubau Marzahn 2023) haben RC-Beton mit Typ-1-Anteil von 30–35 % in Fundamenten und Kellerdecken eingesetzt. Ergebnis: Druckfestigkeit C25/30 zuverlässig erreicht, Mischungsrechnung leicht angepasst (Vorbefeuchtung 12 h), Kosteneinsparung im Schnitt 5–7 €/m³ Beton bei ca. 15 €/m³ Betonkosten-Anteil Zuschlagstoffe.
NEUWEST begleitet Ihr Projekt von der Materialauswahl über die normkonforme Ausschreibung bis zur Baustelle – in Berlin und Brandenburg.