Fugensanierung ist die gezielte Instandsetzung schadhafter Mörtelfugen in Mauerwerk — durch mechanisches Ausfäsen und Neumverfugen oder durch Injektionsverpressung bei tiefer liegenden Hohlräumen und Rissen. Welche Methode wann nötig ist, welche DIN/EN-Normen gelten und was die Sanierung in Berlin 2026 kostet.
Fugensanierung im Mauerwerk bezeichnet die Instandsetzung schadhafter Mörtelfugen in Ziegel-, Klinker-, Naturstein- oder Betonmauerwerk. Die Fuge — typischerweise 8–15 mm breit — verbindet die einzelnen Steine nicht nur mechanisch, sondern dichtet das Mauerwerk auch gegen Schlagregen, Frost und kapillar aufsteigende Feuchte ab.
Wenn Mörtel durch Frost-Tau-Wechsel, Carbonatisierung, Sulfattreib oder biologischen Bewuchs ermürbt, reist die Verbundebene auf. Wasser dringt ein, gefriert und sprengt das Mauerwerk weiter auf — ein sich selbst verstärkender Prozess. In Berlin, wo Gebäude im Schnitt 30–50 Frost-Tau-Wechsel pro Winter erleben, sind Bestandsgebäude besonders gefährdet.
Je nach Schadenbild kommen zwei Verfahren zum Einsatz: Verfugen (mechanisches Ausfäsen + Neumverfugen mit geeignetem Mörtel) und Injektionsverpressung (Einpressen von flüssigem Injektionsgut in Hohlräume und Risse). Oft werden beide Methoden kombiniert.
Grundlage für Planung und Ausführung sind vor allem das WTA-Merkblatt 5-10 (Fugensanierung an Außenwänden aus Mauerwerk) und DIN EN 998-2 (Mörtel für Mauerwerk).
Eine Sichtkontrolle genügt für die erste Einschätzung. Diese drei Schadenstypen sind die häufigsten Auslöser einer Fugensanierung.
Fugen sind sichtbar ausgewaschen, der Mörtel krümelt heraus oder fehlt ganz bis auf mehrere Zentimeter Tiefe. Fingertest: Mortel lässt sich mit dem Fingernagel auskratzen → sofortiger Handlungsbedarf. Hohlstellen hinter der Fugenschale zeigt ein Klopftest (dumpfer Ton).
Sofortiger HandlungsbedarfHaar- und Setzungsrisse durchziehen Fuge und/oder Stein. Horizontale Risse im Lagerfugenbereich deuten auf Frost- oder Setzungsschäden hin. Vertikale Risse über mehrere Steinlagen können auf tragende Schäden hinweisen — hier ist vor der Fugensanierung ein Statiker einzuschalten. Risse < 0,2 mm: Tiefeninjektion; > 0,2 mm: Injektion + Verfugen.
Statiker prüfenMoose, Algen und Flechten siedeln bevorzugt in feuchten, offenen Fugen. Salzausblühungen (weiße Ausblühungen an der Oberfläche) signalisieren dauerhaften Feuchtigkeitseintritt. Effloreszenzen bestehen oft aus löslichen Sulfaten oder Carbonaten — vor der Neuverfugung müssen sie mit verdünnter Säurelösung oder mechanisch entfernt werden.
Reinigung vorabDie Wahl des Verfahrens hängt von Tiefe und Art des Schadens ab. Häufig werden beide Methoden kombiniert.
| Injektionsstoff | Viskosität / Verarbeitbarkeit | Typische Anwendung | Norm |
|---|---|---|---|
| Zementschlempe (CS) | niedrigviskos bis pastös | Größere Hohlräume, zweischaliges Mauerwerk, statische Ertüchtigung | DIN EN 1504-5, Typ CI |
| Polyurethan (PU), wasserreagierend | sehr niedrigviskos | Haarrisse ab 0,1 mm, Wasseraustritt abdichten (quellendes PU) | DIN EN 1504-5, Typ HI |
| Epoxidharz (EP) | niedrig- bis mittelviskos | Tragfähige Rissverpressung, kraftschlüssiger Verbund; trocken | DIN EN 1504-5, Typ SI |
| Acrylatgel | wasserdünn bis gelartig | Feinste Haarrisse (< 0,05 mm), boden- und wasserbauliche Abdichtung | DIN EN 1504-5, Typ HI |
| Trassmilch / NHL-Suspension | mittelviskos | Historisches Mauerwerk, denkmalgerechte Ergänzung von Kalksystemen | WTA-MB 5-10, NHL EN 459-1 |
Die Materialwahl ist entscheidend: Ein zu harter Mörtel im Altbau erzeugt Zwangsspannungen, die den Stein sprengen können. Faustregel: Mörtel immer weicher als der Stein.
| Norm / Richtlinie | Bezeichnung | Inhalt & Relevanz für Fugensanierung |
|---|---|---|
| DIN EN 998-2:2017 | Festmörtel für Mauerwerk | Klassifiziert Mörtelarten nach Druckfestigkeit: CS I (≤1,5 N/mm²) bis CS IV (>6 N/mm²). Für Altbau-Klinker: CS I–II, für Neubau: CS III–IV |
| WTA-Merkblatt 5-10:2008 | Fugensanierung Außenwände Mauerwerk | Wichtigste Planungsgrundlage in Deutschland; regelt Ausräumtiefe (mind. 2,5× Fugenbreite), Mörtelauswahl, Verfahren und Qualitätssicherung |
| DIN EN 459-1:2015 | Baukalk – Definitionen, Anforderungen | Klassifiziert natürliche hydraulische Kalke (NHL 2, NHL 3,5, NHL 5) — Pflichtmaterial bei Denkmalinstandsetzung |
| DIN 18349:2019 (VOB/C) | Mauerarbeiten | Allgemeine Technische Vertragsbedingungen; regelt Abrechnung, Qualitätsanforderungen und Gewährleistung bei Verfugearbeiten |
| DIN 18333:2019 (VOB/C) | Natursteinarbeiten | ATV für Natursteinmauerwerk; gilt zusätzlich zu DIN 18349 bei Sandstein, Granit, Kalkstein |
| DIN EN 1504-5:2013 | Produkte für Schutz & Instandsetzung (Injektion) | Klassifiziert Injektionsstoffe nach Typ (CI, HI, SI) — übertragbar auf Mauerwerksinjektionen; wird in WTA-Planungen referenziert |
| DIN 18540:2014 | Abdichten von Außenwandfugen im Hochbau | Für Bewegungsfugen/Dehnfugen an Fassaden; kommt ergänzend zum Einsatz, wenn Fugen zusätzlich abgedichtet werden müssen |
Wählen Sie Wandfläche, Mauerwerkstyp und Schädigungsgrad — die Kostenscha–tzung und das empfohlene Verfahren erscheinen sofort. Richtwerte für Berlin 2026, netto zzgl. MwSt.
Schädigungsgrad = Anteil schadhafter Fugenfläche an der Gesamtwandfläche. Gerüstkosten (ca. 15–25 €/m² bei mehrstöckigen Fassaden) sind nicht enthalten.
Von der Zustandsanalyse bis zur Qualitätskontrolle — dieser Ablauf gilt für Klinker- und Natursteinfassaden gleichermaßen.
Sichtprüfung, Klopftest (Hohlstellen), Feuchtemessung (CM-Methode), Mörtelentnahme zur Druckfestigkeitsprüfung. Ergebnis: Schadenskartierung auf Fassadenplan (m² je Schadenstyp), Grundlage für Leistungsverzeichnis und Angebot nach VOB/C DIN 18349.
Bei mehrstöckigen Gebäuden: Systemgerüst oder Hubbühne. In Berlin ist für Gehweggerüste eine Sondernutzungserlaubnis beim Bezirksamt nötig (Gebühr ca. 25–60 €/Woche). Schutznetze und Staubschutzfolien vor Beginn der Fräsarbeiten montieren.
Mit Winkelschleifer (Fugenfrässcheibe) oder Druckluftmeißel schadhafte Fugen auf mind. 2,5× Fugenbreite (bei 10 mm Fugenbreite: 25 mm), mindestens jedoch 20 mm tief ausräumen (WTA-Merkblatt 5-10). Bei engen Fugen (< 8 mm) Handmeißel verwenden. Steinkan ten nicht beschädigen.
Fugen mit Druckluft (5–8 bar) gründlich ausblasen. Bei Salzausblühungen: verdünnte Salsäure (max. 10 %, nur auf Klinker, nie auf Kalkstein/Sandstein) oder Sulfatreiniger, danach Neutralwäschen. Saugfähige Untergründe (Sandstein, poröse Klinker) vor dem Verfugen vornässen (keine stehenden Pfützen).
Kernbohrungen Ø 10–16 mm im Raster 20–50 cm setzen; Gummi- oder Stahlpacker einschrauben; Injektionspumpe (Handpumpe oder pneumatisch) anschließen und unter niedrigem Druck (0,1–1,0 bar) Injektionsgut einpressen, bis Material an Nächstbohrung austritt. Nach Geli erung Packer abziehen, Löcher mit Reparaturmörtel verschließen.
Mörtel in Lagen einbringen (max. 15 mm/Lage), verdichten und gegen die Steinfläche abziehen. Fugenoberfläche je nach Anforderung: bündig, eingezogen (Bett) oder Wulstfuge (nur Klinker). Sichtmörtel fürbt an — auf Pigmentzugabe und Mischkonstanz achten. Bei NHL-Mörteln: mindestens 28 Tage langsame Trocknung, kein direkte Sonneneinstrahlung.
NHL- und Trassmörtel mind. 7 Tage feucht nachbehandeln (Nebeln, Abdecken bei Sonne). Abnahme nach VOB/B: Klopftest auf Hohlstellen, Protokoll der ausgeführten Flächen und verwendeten Materialien (Chargennummern). Gewährleistung nach VOB: 4 Jahre, nach BGB: 5 Jahre.
Berlin hat einen der größten Altbaubestände Deutschlands. Gründerzeit-Klinker, Natursteinfassaden und ein hohes Maß an Denkmalschutz prägen den Markt.
| Leistungsposition | Preis netto | Preis inkl. 19 % MwSt. | Anmerkungen (Berlin 2026) |
|---|---|---|---|
| Fugenausräumen Klinker (Fräsen) | 8–14 €/m² | 9,50–16,70 €/m² | LV-Eigenleistung Subunternehmer; Normalformat, Drempel |
| Verfugen Klinker (inkl. Ausräumen) | 25–45 €/m² | 29,75–53,55 €/m² | NHL 3,5 oder Kalkzement CS II; Berliner Klinker-Altbau |
| Verfugen Naturstein (Sandstein/Kalkstein) | 40–70 €/m² | 47,60–83,30 €/m² | Manuell, unregelmäßige Fugengeometrie; NHL 2 |
| Injektionsverpressung (PU / CS) | 45–90 €/m² | 53,55–107,10 €/m² | Inkl. Bohren, Packer, Injektionsgut; je nach Tiefe |
| Kombinierte Sanierung (Injektion + Verfugen) | 80–150 €/m² | 95,20–178,50 €/m² | Stark ges. Mauerwerk; zweischalig; inkl. Gerüstanteil |
Ca. 40 % des Berliner Wohnbaubestands stammt aus der Gründerzeit (1870–1918). Die Fugen bestehen oft aus reinem Kalkmörtel, der ohne Zementzusatz härtet. Ersatz mit Zementmörtel (CS III/IV) würde die weicheren Klinker mechanisch einspannen und sprengen. Vorgeschrieben oder empfohlen: NHL 3,5 oder Trassmörtel MG IIa (max. CS II).
Berlin hat über 10.000 gelistete Denkmäler und 67 Erhaltungsgebiete (Milieuschutz). Für Fugensanierungen an denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Baugenehmigung oder zumindest Zustimmung der UDB erforderlich. Die Behörde legt Mörtelzusammensetzung, Fugengeometrie und Oberflächenbeschaffenheit fest. Falsche Mörtel können zu kostspieliger Nachbesserung verpflichten.
Berlin erlebt durchschnittlich 35–50 Frost-Tau-Wechsel pro Winter (DWD-Klimastatistik Berlin). Wasser, das in offene Fugen eindringt, gefriert und dehnt sich um ca. 9 % aus — der Eisdruck übersteigt die Zugfestigkeit von Mörteln um ein Vielfaches. Sanierung vor dem Herbst (optimale Zeitfenster: April–September) verhindert weitere Frostfolgeschäden.
Viergeschössiges Miethaus, Baujahr 1905, Klinkerfassade ~280 m². Schadensgrad mittels: ca. 45 % der Fugen ausgewaschen. Maßnahme: Vollverfugen mit NHL 3,5 (Trassanteil 10 %), gebrochene Fugengeometrie. Kosten inkl. Gerüst: ca. 18.000 € netto (≈ 64 €/m²). Ausführungsdauer: 12 Werktage. Koordination mit UDB Pankow: formlose Zustimmung in 3 Wochen.
Von der Baudiagnose über Schadenskartierung bis zur fachgerechten Ausführung — mit Erfahrung an Gründerzeit-, Klinker- und Natursteinfassaden in ganz Berlin.