🌧 Fassadenschutz & Bauphysik

Schlagregenschutz: Fassadenklassen, Normen & Bauphysik

Schlagregenschutz ist die Widerstandsfähigkeit einer Außenwand gegen windgetriebenes Niederschlagswasser — und eine der wichtigsten Anforderungen an jede Fassade. Welche Beanspruchungsgruppe für Berlin gilt, welche Normen entscheiden und welche Systeme wirklich schützen.

14 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist Schlagregenschutz?

Schlagregenschutz bezeichnet die Fähigkeit einer Außenwandkonstruktion, windgetriebenen Regen — sogenannten Schlagregen — zuverlässig abzuweisen, ohne dass Feuchtigkeit in die Wandstruktur eindringt oder gar ins Gebäudeinnere gelangt. Im Unterschied zu senkrechtem Regen trifft Schlagregen die Fassade unter einem flachen Winkel mit erheblichem Winddruck und kann selbst in kleinste Risse, Poren oder undichte Anschlussfugen eindringen.

Unzureichender Schlagregenschutz ist eine der häufigsten Ursachen für Feuchteschäden an Gebäuden: Frostabplatzungen, Ausblühungen, Schimmel im Mauerwerk, Putzabfall und Armierungskorrosion im WDVS sind typische Folgeschäden. Laut Statistik der deutschen Schadensbewertung entfallen über 40 % aller Feuchteschäden an der Außenwand auf Schlagregen-Beanspruchung.

Die Anforderungen an den Schlagregenschutz hängen vom Standort (Niederschlagsmenge, Windgeschwindigkeit), der Gebäudehöhe, der Fassadenorientierung und dem verwendeten Wandsystem ab. Die maßgebenden Normen sind DIN 4108-3 (Klimabedingter Feuchteschutz) sowie das WTA-Merkblatt 6-1 für die genaue Berechnung der Schlagregen-Beanspruchung.

Schlagregenschutz auf einen Blick

3
Beanspruchungsgruppen nach DIN 4108-3 (I = geschützt bis III = stark)
II
Schlagregenbeanspruchungsgruppe für Berlin (Windzone 2, Binnenland)
>40%
Aller Feuchteschäden an Außenwänden durch Schlagregen verursacht
580mm
Mittlerer Jahresniederschlag Berlin (DWD-Klimareferenz 1991–2020)

Wie Schlagregen in die Fassade eindringt

Schlagregen wirkt über vier physikalische Mechanismen auf die Außenwand. Das Verständnis dieser Prozesse ist Voraussetzung für die richtige Systemwahl.

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Kapillartransport

Poröse Baustoffe (Ziegel, Kalkputz, Beton) saugen Wasser durch Kapillarkräfte aktiv in ihr Porengefüge. Je feiner das Porensystem, desto höher steigt Wasser kapillar. Der Wasseraufnahmekoeffizient w [kg/(m²·h⁰˙⁵)] beschreibt diese Eigenschaft — entscheidend für Putze und Anstriche.

Kennwert: w-Wert
02

Druckdifferenz & Windstau

Wind erzeugt an Luvflächen Überdruck, an Leeflächen Unterdruck. Dieser Druckgradient „presst“ Regenwasser selbst durch winzige Risse und Poren. An Gebäudeecken und Fensterstürzen konzentriert sich die Beanspruchung erheblich — typische Schwachstellen im Bestand.

Kennwert: Windstaukennzahl
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Diffusion & Kondensation

Feuchtigkeit diffundiert als Wasserdampf durch Wandquerschnitte. Bei falscher Schichtfolge kann Tauwasser im Wandinneren kondensieren (Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3). Der sₓ-Wert (wasserdampfäquivalente Luftschichtdicke) jeder Schicht bestimmt, wo der Taupunkt liegt.

Kennwert: sd-Wert
04

Frostsprengung

Eingedrungenes Wasser dehnt sich beim Gefrieren um ca. 9 % aus und sprengt Poren und Fugen auf. Besonders kritisch: Steinzeug, Klinker und Beton mit hoher Wasseraufnahme. In Berlin treten statistisch 60–80 Frosttage pro Jahr auf — feuchtes Mauerwerk ist dauerhaft gefährdet.

Klimazone: Berlin
05

Ausblühungen & Salztransport

Eingedrungenes Wasser löst lösliche Salze aus dem Mauerwerk (Sulfate, Nitrate, Carbonate) und transportiert sie zur Oberfläche. Beim Verdunsten kristallisieren die Salze aus und zerstören die Putzoberfläche von innen. Sichtbares Zeichen: weiße Schleier oder schuppende Anstriche.

Schadensbild: Effloreszenz
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Materialkenngrößen im Überblick

w-Wert: < 0,1 = sehr hydrophob; 0,1–0,5 = gering saugend; > 2,0 = stark saugend.
sₓ-Wert: < 0,14 m = diffusionsoffen; 0,14–1,5 m = bremsend; > 1500 m = diffusionsdicht.
Außenputze sollten: w < 0,5 und sₓ < 2 m (WTA 2-2).

Norm: WTA 2-2, DIN EN ISO 15148

Besondere Schwachstellen an der Fassade

🔸
Fensterbankeinbindung: Häufigste Fehlstelle. Fehlendes oder gerissenes Dichtband zwischen Fensterbank und Putz lässt Schlagregen direkt in den Wandquerschnitt einlaufen. Norm: DIN 18008-2, RAL-Montage-Leitfaden.
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Anschlussfugen Fenster/Tür: Die Dreiebenen-Abdichtung (innen luftdicht, Mitte schlagregensicher, außen diffusionsoffen) nach DIN 4108-7 ist im Altbau selten korrekt ausgeführt.
🔸
Sockel- & Geländeübergang: Spritzwasser aus dem Bodenbereich beansprucht den Sockel mit hoher Intensität. Abdichtung nach DIN 18533 bis mind. 30 cm über Oberkante Gelände erforderlich.
🔸
Gebäudeecken & Attiken: Wind erzeugt an Ecken Sogkräfte bis 1,5-fach des Staudrucks. Putzrisse an Ecken sind häufige Eintrittspforten; Armierungsgewebe und Eckschienen sind Pflicht.

Maßgebende Normen für den Schlagregenschutz

Schlagregenschutz ist in mehreren DIN- und EN-Normen geregelt. Für Planer, Bauherren und ausführende Betriebe gelten unterschiedliche Referenznormen je nach Gewerk.

Norm / MerkblattTitel (Kurzform)Relevanz
DIN 4108-3:2018-10 Wärmeschutz & Energie-Einsparung – Klimabedingter Feuchteschutz Kernregel: definiert Schlagregenbeanspruchungsgruppen I–III, Mindestwanddicken und Putzdicken. Pflichtwerk für Neubau & Sanierung.
WTA-Merkblatt 6-1-01/D Leitfaden für hygrothermische Simulationsberechnungen Detailliertes Berechnungsverfahren zur Ermittlung der gebäudespezifischen Schlagregen-Beanspruchung (Windzone, Höhe, Orientierung). Ergänzt DIN 4108-3.
DIN EN 1027:2016 Fenster & Türen – Schlagregendichtheit – Prüfverfahren Beschreibt das Prüfverfahren (statisch, Impuls) zur Feststellung der Schlagregendichtheit von Fenstern, Türen und Vorhangfassaden.
DIN EN 12208:2000 Fenster & Türen – Schlagregendichtheit – Klassifizierung Klassifiziert Fenster/Türen in Klassen 1A–E9W nach Prüfdruck und Prüfart. Berliner Außenfenster: mind. Klasse 4A empfohlen, exponierte Lagen Klasse E.
DIN EN 12865:2001 Außenwandbekleidungen – Schlagregenwiderstand Prüft Vormauerwerk, hinterlüftete Fassadenplatten und Außenputzsysteme unter pulsierendem Schlagregen. Maßstab für Produktzulassungen.
DIN 18533:2017-07 Abdichtung von erdberührten Bauteilen Regelt Sockel- und Kellerabdichtung – unmittelbar relevant für Schlagregenschutz im Spritzwasserbereich (mind. 30 cm über GOK).
DIN 4108-7:2011-01 Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen & Prüfung Dreiebenenabdichtung an Fenstern und Türen: außen schlagregensicher, innen luftdicht. Fehler hier sind häufig Ursache von Schlagregenschäden.
WTA-Merkblatt 2-2-91/D Sanierputzsysteme Anforderungen an Putze für schlagregenbeanspruchte feuchte Wände: w < 0,5 kg/(m²·h⁰˙⁵), sd < 2 m. Gilt bei Altbausanierung in Berlin häufig.
Fensterklasse für Berlin: DIN EN 12208 empfiehlt für Berliner Mehrfamilienhäuser (WZ 2, Gruppe II) mind. Klasse 4A (300 Pa statisch). Für Hochhäuser oder exponierte Westlagen: Klasse E2 (600 Pa).
Normhierarchie: DIN 4108-3 ist Bautechnische Baubestimmung (Teil der LBO Berlin) — sie ist verbindlich. WTA-Merkblätter sind anerkannte Regeln der Technik, aber keine Gesetze – sie können jedoch zum Nachweis herangezogen werden.

Schlagregenbeanspruchungsgruppen I, II und III

DIN 4108-3 teilt das Bundesgebiet in drei Schlagregenbeanspruchungsgruppen ein und verknüpft diese mit verbindlichen Mindestanforderungen an die Wandkonstruktion.

GruppeJahresschlagregenWindzoneTypische Lagen in DeutschlandMindestanforderung Wand
Gruppe I – Geschützt < 100 l/m²a WZ 1 Süddeutschland (Alpenvorland Lee), Inneralpine Täler, windgeschützte Innenlagen Einschalig: ≥ 240 mm Mauerwerk + 15 mm Außenputz
Gruppe II – Normal 100–200 l/m²a WZ 2 Berlin, Brandenburg, Sachsen, Thüringen, große Teile Bayerns und BW Einschalig: ≥ 300 mm Mauerwerk + hydrophober Putz (≥ 20 mm) oder WDVS/VHF
Gruppe III – Stark > 200 l/m²a WZ 3/4 Nordsee-/Ostsee-Küste, Mittelgebirge (> 400 m ü. NN), Westfalen, Südwestdeutschland Zweischaliges Mauerwerk oder hinterlüftete Bekleidung (VHF) oder zwei Dichtungsebenen

Berlin im Detail: Gruppe II – aber mit Ausnahmen

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Standard: Schlagregenbeanspruchungsgruppe II

Berlin liegt in Windzone 2 nach DIN EN 1991-1-4. Der mittlere Jahresschlagregen beträgt je nach Stadtlage 90–160 l/(m²·a). Damit fällt Berlin klar in Gruppe II. Einschalige Außenwände mit 300 mm KS- oder Ziegelmauerwerk und hydrophobem Außenputz (20 mm, Gruppe P II nach DIN 18550) erfüllen die Mindestanforderung.

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Ausnahme: Exponierte Lagen – effektiv Gruppe III

Gebäude in Freilagen (z. B. westlicher Stadtrand Spandau, Reinickendorf), stark erhöhte Positionen (> 40 m) oder Westfassaden von Hochhäusern können eine effektive Schlagregenbelastung von 200–350 l/(m²·a) erreichen. Hier ist nach WTA-Merkblatt 6-1 eine Einzelfallberechnung erforderlich — und eine Konstruktion nach Gruppe III sinnvoll.

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Altbau: Normentreue Ausführung prüfen

Berliner Gründerzeit- und Plattenbau-Fassaden wurden vor Einführung der DIN 4108 errichtet. Dünne Außenputzlagen (< 15 mm), fehlendes Fugenmörtel-Sperrmaß oder gerissene Anschlüsse entsprechen heute nicht mehr dem Stand der Technik. Eine Zustandsanalyse nach WTA-Merkblatt 6-5 (Bestandsaufnahme) ist vor jeder Sanierung zu empfehlen.

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Berechnungsbeispiel nach WTA 6-1 (Berlin, MFH, 4. OG West)

Basis-Schlagregen WZ 2: 85 l/(m²·a) × Geländefaktor 1,3 (Stadtrandlage) × Höhenfaktor 1,6 (15 m Wandhöhe) × Orientierungsfaktor 1,5 (West) = 265 l/(m²·a) → Effektiv Gruppe III. Empfehlung: WDVS mit Silikonharzputz (w < 0,2) oder VHF.

Fassadensysteme und ihr Schlagregenschutz

Die Wahl des Fassadensystems entscheidet maßgeblich über den erreichten Schutzgrad. Jedes System hat spezifische Stärken, Grenzen und Voraussetzungen.

Einschalige Putzfassade

Geeignet für: Gruppe I + II, Innenstadtlagen, Altbau-Sanierung mit denkmalgeschützten Fassaden
System: Tragwerk + Unterputz + Oberputz (mind. 20 mm gesamt). Wichtig: Putz der Gruppe P II (hydrophob) nach DIN 18550
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Grenze: Bei Gruppe III oder Wanddicke < 300 mm nicht ausreichend. Putzrisse (Schwindung, Gebäudebewegung) öffnen sofort Eintrittspforten für Schlagregen
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Berlin-Hinweis: Viele Gründerzeitbauten haben nur 11–15 mm Außenputz. Bei Feuchtigkeitsschäden muss der Putz vollflächig erneuert werden
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Kennwert Putz: Silikat- oder Silikonharzputz: w ≤ 0,2 — optimal für Gruppe II

WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem)

Geeignet für: Gruppe I, II und (mit Silikonharzputz) bedingt Gruppe III. Sehr verbreitet in Berlin beim energetischen Sanieren
System: EPS/MW-Platte + Klebemörtel + Armierungsschicht + Schlussbeschichtung. Deckputz mit w < 0,2 kg/(m²·h⁰˙⁵) und sd < 2 m erforderlich (ETAG 004, EAD 040083)
Vorteil: Wärmedämmung und Schlagregenschutz in einem System. Armierungsgewebe verhindert Rissbildung in der Schlussbeschichtung
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Grenze: Bei direkter Beaufschlagung mit Wasserhochdruckreiniger oder mechanischen Stößen anfällig. An Sockeln bis 30 cm über GOK: XPS + Dichtschlämme statt EPS
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Norm: Ausführung nach Merkblatt des WDVS-Verbandes / allg. bauaufsichtlicher Zulassung (abZ oder ETA)

VHF – Vorgehängte hinterlüftete Fassade

Geeignet für: Alle Gruppen I–III. Einziges System, das Gruppe III bauphysikalisch sicher und dauerhaft abdeckt
System: Tragewand + Unterkonstruktion + Hinterlüftungsebene (20–40 mm) + Bekleidungsplatten (Faserzement, Keramik, Naturstein, Aluminium). Norm: DIN 18516
Bauphysikalischer Vorteil: Eingedrungene Feuchtigkeit trocknet über die Hinterlüftungsebene aus. Kein Tauwasserrisiko, kein Frostproblem in der Bekleidung
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Nachteil: Hoher Preis (180–350 €/m²), komplexe Detailplanung (Sockel, Öffnungen, Fensteranschlüsse). In denkmalgeschützten Lagen oft nicht genehmigungsfähig
📌
Norm: DIN 18516-1 (Außenwandbekleidungen, hinterlüftet), Europäische Technische Bewertungen der Platten

Verklinkerte Fassade (zweischalig)

Geeignet für: Alle Gruppen, besonders Gruppe III. Traditionell hohes Schlagregenschutzniveau durch die Trennebene im zweischaligen Aufbau
System: Tragschale + Luftschicht/Dämmung + Klinkerschale (115 mm). Die Luftschicht nimmt eingedrungenes Wasser auf und führt es kontrolliert durch Entwässerungsöffnungen ab
Dauerhaftigkeit: Klinker ist praktisch wartungsfrei. Lebensdauer > 80 Jahre bei korrekter Ausführung der Ankerkonstruktion und Fugen (Norm: DIN EN 1996)
🔴
Nachteil: Hoher Preis und Platzbedarf. In Berlin bei Neubau relativ selten — häufiger bei Industrie-/Gewerbebau und im Wiederaufbau nach Normen des sozialen Wohnungsbaus
📌
Norm: DIN EN 1996-2 (Mauerwerk), DIN 20000-401 (Mauerziegel), MBO § 26 (nichtbrennbar in GK 4/5)

Schlagregen-Beanspruchungsrechner

Ermitteln Sie die Schlagregenbeanspruchungsgruppe für Ihr Gebäude — nach vereinfachtem WTA 6-1-Verfahren. Stellen Sie Standort, Gebäudehöhe und Fassadenorientierung ein.

Windzone (Deutschland)
Geländekategorie (Rauigkeit)
Wandhöhe über Gelände 12 m
Fassadenorientierung (Hauptwindrichtung W in Berlin)
Errechnete Schlagregenbelastung
176 l/(m²·a)
Schlagregenbeanspruchungsgruppe (DIN 4108-3)
Gruppe II
Mindestanforderung Fassade
300 mm Mauerwerk + hydrophober Putz oder WDVS
Empfohlenes System
WDVS (Silikonharzputz w<0,2) oder Putzfassade Gruppe P II
Vereinfachte Berechnung nach WTA 6-1. Für Baugenehmigungsunterlagen ist eine standortbezogene Einzelfallberechnung durch einen Planer erforderlich.

Kosten für Schlagregenschutz-Maßnahmen

Aktuelle Richtpreise für Berliner Neubau und Sanierung 2026 — ohne Gerüst, ohne MwSt., nach Leistungsverzeichnis.

MaßnahmePreis (Berlin 2026)Hinweis / Eignungsgruppe
Hydrophobierung / Imprägnierung 15–28 €/m² Gruppe I–II; Haltbarkeit 5–8 Jahre; Untergrund muss rissfrei und trocken sein. Kein Ersatz für Putzreparatur.
Diffusionsoffener Fassadenanstrich (2-lagig) 25–50 €/m² Gruppe I–II; inkl. Untergrundvorbereitung. Silikat > Acryl bei Schlagregenbeanspruchung.
Außenputz erneuern (2-lagig, hydrophob) 70–130 €/m² Gruppe II; inkl. Unterputz, Armierung an Ecken, Oberputz Gruppe P II. Gerüst separat: 14–22 €/m²/Monat.
Putzreparatur (Teil, < 30 % Fläche) 90–160 €/m² Gruppe II; höherer Stundenaufwand bei kleinen Flächen; Farbabweichung wahrscheinlich.
WDVS nachrüsten (EPS 14 cm, Silikonharzputz) 145–230 €/m² Gruppe II–III; inkl. Dübelverankerung, Armierung, Deckputz. Energieeinsparung als Nebeneffekt.
VHF mit Faserzementplatten 195–310 €/m² Gruppe I–III; inkl. Aluminiumunterkonstruktion, Hinterlüftung, Befestigung. 30–40 Jahre Haltbarkeit.
VHF mit Keramik-/Natursteinplatten 290–580 €/m² Gruppe I–III; Repräsentativ, langlebig. Naturstein ggf. wasserabweisende Imprägnierung nötig.
Fensterbankabdichtung nacharbeiten 55–130 €/Stk Einzelmaßnahme mit großem Hebel: Oft Hauptursache für Schäden im darunter liegenden Bereich. Immer bei Putzreparatur mitabdichten.
Fassadengerüst (separat) 14–22 €/m²/Mon. Mindeststandzeit 4 Wochen. Bei Vollsanierung auf alle Gewerke abstimmen (Putz + Fenster + Abdichtung in einem Gerüststand spart Kosten).
💡
Gerüst-Synergien nutzen: Fassadensanierung + Fensteraustausch + Anschlussabdichtung in einem Gerüststand durchführen. Die Einsparung beim Gerüst beträgt oft 2.000–8.000 € bei einem MFH.
💡
Fördermöglichkeiten 2026: WDVS und VHF als Teil einer Gebäudesanierung auf mind. EH 70 können über BEG EM (BAFA, 15–20 % Investitionszuschuss) gefördert werden. Schlagregenschutz allein ist nicht förderfähig.
💡
Preistreib­er Berlin: Berliner Handwerkerlöhne lagen 2025/26 ca. 12–18 % über Bundesdurchschnitt. Material (EPS, Mörtel) hat sich seit 2023 stabilisiert, liegt aber noch 20 % über 2020.
💡
Wirtschaftlichkeitsvergleich: WDVS (180 €/m² gesamt) vs. Putz + Anstrich (120 €/m² gesamt): WDVS amortisiert sich in Berlin bei Heizöl/Gas durch Energieeinsparung in ca. 10–14 Jahren — und bietet dauerhaft besseren Schlagregenschutz.

FAQ: Schlagregenschutz an Fassaden

Was ist Schlagregenschutz und warum ist er wichtig?
+
Schlagregenschutz ist die Widerstandsfähigkeit einer Außenwandkonstruktion gegen windgetriebenen Regen. Anders als senkrechter Regen trifft Schlagregen die Fassade mit erheblichem Winddruck an und kann durch Kapillarkräfte, Druckdifferenzen und Risse tief ins Mauerwerk eindringen. Folgen sind Frostschäden, Salzausblühungen, Schimmel, Putzabfall und — im schlimmsten Fall — Feuchtigkeit im Innenraum. Mehr als 40 % aller Feuchteschäden an Außenwänden sind auf Schlagregen zurückzuführen. Guter Schlagregenschutz erhöht die Lebensdauer der Fassade erheblich und spart teure Folgesanierungen.
In welcher Schlagregenbeanspruchungsgruppe liegt Berlin?
+
Berlin liegt in Windzone 2 und fällt damit überwiegend in Schlagregenbeanspruchungsgruppe II nach DIN 4108-3. Das bedeutet: einschalige Außenwände müssen mindestens 300 mm Mauerwerk mit hydrophobem Außenputz oder ein WDVS bzw. VHF haben. Ausnahme: Gebäude in Freilagen, Hochhäuser oder stark exponierte Westfassaden können nach der Einzelfallberechnung (WTA-Merkblatt 6-1) effektiv Gruppe III erreichen — dann ist eine hinterlüftete Fassade oder ein WDVS mit Silikonharzdeckschicht (w < 0,2) erforderlich.
Welche Fassade bietet den besten Schutz gegen Schlagregen?
+
Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) nach DIN 18516 bietet bauphysikalisch den zuverlässigsten Schlagregenschutz — für alle Beanspruchungsgruppen I–III. Die Hinterlüftungsebene (20–40 mm) sorgt dafür, dass eingedrungene Feuchtigkeit austrocknen kann, ohne in die Tragkonstruktion zu gelangen. Für Gruppe I und II ist ein WDVS mit Silikonharzputz (w < 0,2) oder ein hochwertiger Außenputz (Gruppe P II) eine wirtschaftliche Alternative. Eine einfache Hydrophobierung reicht nur für unproblematische Lagen der Gruppe I.
Was kostet eine Fassadensanierung wegen Schlagregenschäden in Berlin 2026?
+
Die Kosten hängen stark vom Schadensbild und dem gewählten System ab. Richtwerte für Berlin 2026 (ohne Gerüst, ohne MwSt.): Außenputz komplett erneuern: 70–130 €/m². WDVS nachrüsten: 145–230 €/m². VHF mit Faserzement: 195–310 €/m². Hydrophobierung allein: 15–28 €/m² (nur bei intaktem Untergrund). Gerüst kommt mit 14–22 €/m² pro Monat hinzu. Für ein typisches Berliner MFH mit 400 m² Fassadenfläche liegen die Gesamtkosten einer WDVS-Sanierung inklusive Gerüst bei ca. 70.000–110.000 €.
Wann muss eine Fassade wegen Schlagregen saniert werden?
+
Handlungsbedarf besteht bei folgenden Zeichen: Sichtbare Putzrisse (besonders an Fensterecken, Gebäudeecken, Stürzen), Feuchtflecken nach Regen die länger als 48 Stunden sichtbar bleiben, Salzausblühungen (weiße Schleier, schuppende Anstriche), Abplatzungen besonders im unteren Fassadenbereich, Schimmelflecken an Innenlaibungen von Fenstern oder an Innenwänden angrenzend an Außenwände. Eine professionelle Schadensanalyse (Thermografie + Feuchtmessung) nach WTA-Merkblatt 6-5 liefert Klarheit über Umfang und Ursache.
Was ist der Unterschied zwischen Hydrophobierung und Fassadenanstrich?
+
Eine Hydrophobierung (Imprägnierung) dringt in den Untergrund ein und macht ihn wasserabweisend, ohne die Poren zu verschließen — der Bauteil bleibt diffusionsoffen. Sie ist nicht sichtbar und hält 5–8 Jahre. Ein Fassadenanstrich bildet eine Schutzschicht auf dem Untergrund, ist pigmentiert und verändert das Aussehen. Hochwertige Silikat- oder Silikonharzanstriche sind ebenfalls diffusionsoffen (sd < 2 m) und haben einen wasserabweisenden Effekt (Lotuseffekt). Der Anstrich ist effektiver bei makroskopisch intaktem Untergrund; bei porösem oder gerissenem Putz ist zunächst eine Instandsetzung nötig.
Welche Normen gelten für den Schlagregenschutz bei Neubauten in Berlin?
+
Verbindlich (Bauordnungsrecht / Technische Baubestimmungen Berlin): DIN 4108-3:2018-10 (Klimabedingter Feuchteschutz, Schlagregenbeanspruchungsgruppen) sowie DIN 4108-7 (Luftdichtheit, Dreiebenenabdichtung an Öffnungen). Ergänzend als anerkannte Regeln der Technik: WTA-Merkblatt 6-1 (Berechnung Schlagregen), DIN EN 1027 / 12208 (Fenster-Schlagregendichtheit), DIN EN 12865 (Fassadenplatten), DIN 18533 (Sockelabdichtung). Bei WDVS gilt zusätzlich die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder Europäische Technische Bewertung (ETA) des jeweiligen Systemherstellers.
Welche Fensterklasse (DIN EN 12208) brauche ich für Berlin?
+
Für Wohngebäude in Berlin bis ca. 20 m Höhe (Windzone 2, Gruppe II) empfiehlt sich mind. Klasse 4A nach DIN EN 12208 (statischer Prüfdruck 300 Pa). Für Hochhäuser (> 22 m), stark exponierte Westlagen oder Gebäude in Windzone 3 sollte Klasse E2 bis E4 (600 Pa) angesetzt werden. Die geforderte Klasse ist im Rahmenplan / Baubeschreibung zu definieren und muss durch CE-gekennzeichnete Fenster mit entsprechender Leistungserklärung nachgewiesen werden. Bei der Sanierung im Bestand sollte zumindest Klasse 3A nicht unterschritten werden.

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