Eine Vorhangfassade ist ein nichttragendes Außenwandsystem, das an der Primärkonstruktion eines Gebäudes hängt — ohne Decken- oder Dachlasten abzutragen. Wir erklären Systeme, Werkstoffe, Normen (DIN EN 13830), Berliner Marktpreise 2026 und worauf Bauherren & Planer achten müssen.
Eine Vorhangfassade (engl. Curtain Wall) ist ein nichttragendes, vorgehängtes Außenwandsystem, das ausschließlich Wind- und Eigenlasten auf die Primärkonstruktion — also Decken und Stützen — überträgt. Sie liegt vor der Tragstruktur und bildet die vollständige Gebäudehülle: thermisch, akustisch, wind- und wasserdicht in einem integrierten System. Maßgebliche Produktnorm ist DIN EN 13830.
Im Unterschied zur vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) nach DIN 68800‑2 ist die Vorhangfassade ein geschlossenes Gesamtsystem mit Profilen, Dichtungen, Verglasung und opaken Füllelementen. Beide Systeme teilen das Prinzip der Entkopplung von Tragwerk und Gebäudehülle — sie unterscheiden sich in Aufbau, Anwendungsbereich und Normierung.
Metallfassaden sind die dom inante Realisierungsform: über 80 % aller Vorhangfassaden in Deutschland nutzen Aluminiumprofile. Zink, Kupfer, Stahl und Cor-Ten-Stahl eröffnen darüber hinaus gestalterische und funktionale Spielräume für Industrie-, Gewerbe- und repräsentative Gebäude. Im Berliner Gewerbe- und Bürobau sind Aluminiumvorhangfassaden Standardlösung für Neubauten ab ca. 5 Stockwerken.
Die wirtschaftliche Bedeutung ist erheblich: Die Fassade macht in der Regel 20–40 % der Herstellungskosten eines Gebäudes aus. Fehler in Planung oder Ausführung — undichte Anschlüsse, falsche U-Werte, mangelhafter Wärmbrückenschutz — verursachen kostspielige Folgeschäden. Fachwissen zahlt sich hier unmittelbar aus.
Die Systemwahl bestimmt Bauzeit, Qualitätssicherung, Gestaltungsfreiheit und Kosten. Hier sind die gängigsten Konstruktionsprinzipien.
Feldweise Montage aus vertikalen Pfosten (Mullions) und horizontalen Riegeln (Transoms) direkt auf der Baustelle. Hochflexibel bei unregelmäßigen Grundrissen und Sondergeometrien. Verglasung und Füllelemente werden nach Rahmenmontage eingesetzt.
Stick SystemWerksgefertigte, meist geschosshohe Großtafeln inkl. Verglasung werden mit Kran eingehängt und mit speziellen Schiebeverbindungen (Interlock) verkuppelt. Ideal für Hochhäuser: kürzere Montagezeit, bessere Qualitätskontrolle, geringeres Witterungsrisiko.
UnitizedTiefgezogene Blechkassetten aus Aluminium, Stahl, Titanzink oder Kupfer werden auf einer Unterkonstruktion mit Hinterlüftungsspalt befestigt. Günstigstes Metallverkleidungssystem, voll opak, nach DIN 68800‑2. Weit verbreitet im Industrie- und Gewerbebau sowie bei Wohngebäuden.
VHF-SystemDoppelfassaden puffern thermisch und reduzieren Lärm. Lamellenfassaden integrieren beweglichen Sonnenschutz. BIPV-Fassaden erzeugen Solarstrom direkt im Fassadenelement. Gesamtpreis deutlich höher, dafür signifikante funktionale Mehrwerte.
Sonderbau| Werkstoff | Preis/m² inkl. Montage (netto) | Hinweis |
|---|---|---|
| Aluminium (eloxiert/pulverbeschichtet) | 110–200 €/m² | Häufigste Wahl; umfangreiches Farbspektrum (RAL) |
| Stahl (feuerverzinkt + Beschichtung) | 70–130 €/m² | Günstigste Option; höhere Wartungsintensität; EN 1090 |
| Titanzink (naturbelassen/vorbewittert) | 200–340 €/m² | Natürliche Patina; 80–100 Jahre Lebensdauer; DIN EN 988 |
| Kupfer (naturbelassen/voroxidiert) | 340–550 €/m² | Prestigeobjekte; Grünspan-Patina; 100+ Jahre |
| Cor-Ten-Stahl (Wetterfestbaustahl) | 160–270 €/m² | Selbstpassivierende Rostpatina; EN 10025‑5; kein Anstrich |
| Edelstahl (2B/gebürstet) | 250–450 €/m² | Repräsentativ; korrosionsfest; pflegeleicht |
Richtwerte Berlin 2026, netto. Abweichungen je nach Fläche, Profilierung, UK-System, Schichtdicke und Zugang. Preise exkl. Planung (Honorar ca. 8–15 % der Baukosten).
Jedes Metall bringt spezifische physikalische Eigenschaften, gestalterische Qualitäten und wirtschaftliche Profile mit. Die Wahl hängt von Nutzung, Standort, Denkmalschutz und Budget ab.
Vorhangfassaden müssen ein dichtes Normengefüge erfüllen — von der Windlastklasse bis zum Energiespar-Grenzwert. Übersicht der wichtigsten Regelwerke.
| Norm / Regelwerk | Thema | Anforderung / Grenzwert |
|---|---|---|
| DIN EN 13830 | Vorhangfassaden — Produktnorm | Klassifizierung, Prüfung, CE-Kennzeichnungspflicht |
| DIN EN 13116 | Windlast-Auslegung | Standortspezifisch; Berlin: Windzone 1–2 (DIN EN 1991‑1‑4) |
| DIN EN 12154 / 12155 | Schlagregenwiderstand | Klassen E0–E2250; Berliner Regelanforderung E450–E750 |
| DIN EN 12152 / 12153 | Luftdurchlässigkeit | Klassen A1–A4; Mindestanforderung A2 für geh. Gebäude |
| DIN EN 14019 | Stoßfestigkeit | Klassen 1–5; häufig Klasse 3 (Pendelkörperver.) gefordert |
| GEG 2024 (Gebäudeenergiegesetz) | Wärmeschutz | Uw ≤ 0,8 W/(m²·K) für transparente Flächen; Uw ≤ 1,0 W/(m²·K) ohne Verglasung |
| DIN EN ISO 10077‑2 | Uf-Wert Profile | Profilkürperwert Uf ≤ 1,0 W/(m²·K) ermöglicht GEG-Konformität |
| DIN EN 1090‑2 (EXC 2/3) | Stahlbau-Ausführung | Pflicht bei UK aus Stahl; CE-Kennzeichnung des Herstellers |
| DIN 4102 / EN 13501‑1 | Brandschutz | Fassadenbekleidung mind. B‑s1,d0 (schwer entflammbar); A2 empfohlen |
| Musterbauordnung (MBO) / BauO Bln | Landesrecht Berlin | Genehmigungspflicht ab Änderung des äßeren Erscheinungsbildes; Prüfung gem. § 66 BauO Bln |
Wählen Sie System, Werkstoff, Qualitätsstufe und Fläche — der Richtwert berechnet sich live auf Basis Berliner Marktpreise 2026 (netto, exkl. Planung).
Vorhangfassaden erfordern eine frühzeitige Einbindung von Fachplanern. Die typische Vorlaufzeit vom ersten Entwurf bis zur Abnahme beträgt 12–24 Monate.
Frühzeitige Systemwahl (PR/Elementfassade/Kassette), erste Kostenschätzung, Energie- und Schallschutzkonzept mit Fassadeningenieur. Festlegen von U-Wert-Zielen, Sonnenschutzkonzept (g-Wert) und Brandschutzanforderungen.
Windlastberechnung nach DIN EN 1991‑1‑4 und DIN EN 13116; Verankerungsnachweise (Ankerschienen, Dübel); Nachweise zu Luftdurchlässigkeit, Schlagregenwiderstand (DIN EN 12154) und Stoßfestigkeit (DIN EN 14019). Koordination mit Tragwerksplaner.
In Berlin: Änderungen der Außengestalt sind genehmigungspflichtig (§ 60 BauO Bln). Bei Denkmalschutz zusätzliche Genehmigung des Landesdenkmalamts (LDA Berlin). Vorbescheidsanfrage empfohlen für Projekte in Milieuschutzgebieten.
Leistungsverzeichnis nach VOB/A; Bieterauswahl unter spezialisierten Fassadenbauunternehmen. Prüfung der Systemzulassungen (CE-Kennzeichnung nach EN 13830), Referenzen und Liquidität. Bitte keine Systemwahl allein nach Materialpreis — Montagekompetenz ist entscheidend.
Detaillierte Werkplanung (Shop Drawings) durch Fassadenbauer; bei Elementfassaden Vorfertigung im Werk (4–10 Wochen). Just-in-time-Lieferung auf die Baustelle. Vorabprüfung durch Sonderfachmann (u. a. Zustimmung im Einzelfall bei Sonderkonstruktionen).
Montage durch zertifizierte Fachbetriebe; nach Fertigstellung: Dichtheitskontrolle (Spray-Test), Messung von Ucw und Sichtkontrolle aller Anschlüsse. Abnahmeprotokoll nach DIN EN 13830; Mängellistenabarbeitung und Abnahme durch Bauleiter und Bauherrn. Wartungsvertrag empfohlen (jährliche Sichtprüfung).
Berlin verbindet strenge Denkmalschutzauflagen mit ambitionierten Klimazielen und einem aktiven Genehmigungsverfahren — das hat direkte Auswirkungen auf Systemwahl und Planung.
Berlin verfügt über über 10.000 Einzeldenkmale sowie Ensembles wie den Stadtbezirk Mitte, Prenzlauer Berg oder Charlottenburg. Jede Veränderung der Fassade an einem gelisteten Denkmal erfordert die denkmalrechtliche Erlaubnis des Landesdenkmalamts (LDA Berlin) nach § 11 Denkmalschutzgesetz Berlin. Gängig an denkmalgeschützten Gebäuden sind Titanzink- und Kupferfassaden; Aluminium-Systeme werden meist nur hofseitig oder bei Neubauten in denkmalgeschützten Ensembles zugelassen.
In Berlins über 74 Milieuschutzgebieten (Sozialer Erhaltungsschutz nach § 172 BauGB) ist die Modernisierung der Fassade genehmigungspflichtig, wenn sie zur Mietpreiserhöhung beitragen könnte. Bauherren müssen nachweisen, dass die Fassadenmaßnahme dem Mindeststandard der Instandsetzung entspricht oder energie- und schallschutztechnisch zwingend notwendig ist — nicht jedoch einer außergewöhnlichen Modernisierung dient.
Berlin will bis 2045 klimaneutral werden. Fassadensanierungen, die den Wärmeschutz deutlich verbessern (Uw < 0,9 W/(m²·K)), werden über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit bis zu 15 % der Investitionskosten gefördert (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BAFA). Die Investitionsbank Berlin (IBB) ergänzt mit zinsverbilligten Darlehen. Voraussetzung ist ein Energieberater-Nachweis (iSFP oder Sanierungsfahrplan).
Neubau, 12 Stockwerke, 3.200 m² Fassadenfläche. Gewählt wurde eine Elementfassade aus Aluminium (Dreifach-ISO-Verglasung, Ug 0,5 W/(m²·K), Sonnenschutzverglasung g = 0,35) mit integriertem außenliegendem Raffstorekasten. Systempreis: 610 €/m² netto inkl. Montage. Bauzeit Fassade: 8 Wochen bei täglichem Einbau von 4–6 Elementen. Ucw = 0,73 W/(m²·K); BEG-Förderung: 11 % der Fähigkeitskosten.
Von der Systemwahl über die Normprüfung bis zur schlüsselfertigen Montage — NEUWEST ist Ihr Fassadenexperte in Berlin.