Eine Holz-Beton-Verbunddecke ist ein Deckensystem, bei dem Holzträger und Betonplatte durch Verbundmittel kraftschlüssig verbunden werden — das Ergebnis: größere Spannweiten, hervorragender Schallschutz und deutlich weniger Eigengewicht als eine Vollbetondecke. Alles zu Aufbau, Normen, Kosten und Berliner Praxis.
Eine Holz-Beton-Verbunddecke (HBV) ist ein zusammengesetztes Deckentragwerk aus einem Holztragwerk (Vollholz-Balken, Brettschichtholz BSH, Brettstapel oder Brettsperrholz CLT) und einer dünnen bewehrten Betondruckplatte, die durch schubfeste Verbundmittel kraftschlüssig miteinander verbunden sind. Das Holz übernimmt vorwiegend die Zugkräfte, der Beton die Druckkräfte — ein klassisches Verbundprinzip wie beim Stahlverbundträger.
Durch diese Verbundwirkung erhöht sich die Biegesteifigkeit des Systems gegenüber unverbundenen Einzelschichten um den Faktor 3 bis 5. Das ermöglicht Spannweiten von 5 bis 10 Metern bei gleichzeitig deutlich geringerem Eigengewicht als eine Massivbetondecke gleicher Tragfähigkeit.
Im Berliner Markt hat HBV in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen — sowohl im Holzbauneubau (Geschosswohnungsbau, Aufstockungen) als auch bei der Altbausanierung bestehender Holzbalkendecken der Gründerzeit.
Dreieckige oder trapezförmige Ausklinkungen (Kerven) im Holzbalken werden mit Beton ausgefüllt. Günstigste Variante, hohe Schubsteifigkeit, aber aufwendige Herstellung. Typisch: Kerve 45° × 45 mm.
Hohe SteifigkeitSchräg eingedrehte Vollgewindeschrauben (z. B. SFS VB-48-7,5 oder Wurth ASSY®) oder HBS-Schrauben. Schnelle Montage, gut nachrüstbar, ETA-zugelassen. Beliebteste Variante bei Sanierungen.
SanierungsgeeignetEingefräste Stahlplatten (HBV-Shear Connector) oder aufgeschweißte Kopfbolzendbel als Verbundmittel. Sehr hohe Tragfähigkeit, geeignet für große Spannweiten > 8 m und hohe Nutzlasten.
Große SpannweitenDas Verbundprinzip kombiniert die Druckfestigkeit von Beton mit der Zugfestigkeit von Holz — beide Materialien an ihrem optimalen Einsatzort.
Schema: Beton oben (Druck, grau), Verbundmittel (Rot), BSH-Balken unten (Zug, braun). Spannweite 5–10 m möglich.
HBV-Decken liegen an der Schnittstelle mehrerer Eurocodes. Architekten und Tragwerksplaner müssen alle Regelwerke koordinieren.
| Norm | Anwendungsbereich | Relevanz für HBV |
|---|---|---|
| DIN EN 1995-1-1 (EC5) + NA | Bemessung Holzbauwerke | Anhang B: Bemessungsverfahren für Verbundträger Holz-Beton mit γ-Methode (Verbundwirkungsgrad) |
| DIN EN 1992-1-1 (EC2) + NA | Bemessung Stahlbetonbauteile | Druckplatte, Mindestbewehrung (0,15 %), Rissbreitenbeschränkung, Verbundmittel-Durchstanznachweis |
| DIN EN 1990 (EC0) | Grundlagen der Tragwerksplanung | Bemessungssituationen, Grenzzustände (ULS/SLS), Kombinationsbeiwerte ψ |
| DIN EN 1991-1-1 (EC1) | Einwirkungen auf Tragwerke | Nutzlasten Wohnen 2,0 kN/m², Büro 3,0 kN/m²; zus. Kriech- und Schwindansätze für HBV |
| DIN 4109 / DIN EN ISO 717 | Schallschutz im Hochbau | Anforderungen: L'n,w ≤ 53 dB (Trittschall), R'w ≥ 54 dB (Luftschall) für Wohnungstrenndecken |
| DIN 4102-4 / DIN EN 1995-1-2 | Brandschutz | Abbrandrate Vollholz 0,76 mm/min, BSH 0,67 mm/min; F30/F60/F90 durch Restquerschnitt + Brandschutzbekleidung |
| ETA (Europ. Technische Zulassung) | Verbundmittel | Pflicht für jeden Verbundmitteltyp: z. B. ETA-11/0190 (SFS VB), ETA-11/0086 (Würth ASSY). Ohne ETA keine Verwendung. |
| DIN 68800 / EN 335 | Holzschutz | Gebrauchsklasse GK1 (innen, trocken) bei sachgerechtem Einbau: kein chemischer Holzschutz erforderlich |
Ein nüchterner Vergleich der drei gängigsten Deckensysteme im Mehrfamilienhaus.
Stellen Sie Fläche, Nutzung, Spannweite und Systemtyp ein — der Rechner zeigt Richtwerte für Kosten, Eigengewicht und erreichbaren Schallschutz (Berliner Markt 2026).
Berlins Gründerzeitbestand umfasst rund 250.000 Wohnungen in Gebäuden von 1870–1918 — fast alle mit Holzbalkendecken. HBV ist die modernste Ertiichtigungsmethode.
Holzart, Querschnitt und Schaden der Altbalken bestimmen (Bausubstanz oft: Kiefernholz 80×240 mm, Achsabstand 80–100 cm). Feuchtemessung, Fäuleprüfung. Statischer Nachweis der Bestandsauflager für Verbunddeckenlast (+0,8–1,5 kN/m² durch Betonplatte).
Bestehender Fehlboden (Schotter, Schlackefüllung) und Einschubbretter werden entfernt. Gelegenheit zur Leitungsführung in der Hohlraumzone und zum Holzschutz-Sichtbefund. Keine Demontage des Dielenbodens nötig.
Schräg eingedrehte Vollgewindeschrauben (z. B. SFS VB-48-7.5×160) im Achsabstand 15–25 cm entlang der Balkenoberseite. Bei Kerven: Fräsen im Werk oder vor Ort mit Tauchskreissäge. ETA-Vorgaben für Einbauwinkel (45°–60°) einhalten.
Verlorene Schalung aus OSB/3-Platten (19 mm) zwischen den Balken, zusätzlich Randdiele. Bewehrungsmatte Q188 oder Ø8/150 quer & längs, Betondeckung min. 20 mm. Achtung: Balkenköpfe müssen für Wärme-/Feuchtetrennung an Auflagerbereich freigehalten werden.
Beton C20/25 (Konsistenz F3, w/z ≤ 0,55), Einbau in einem Zug, Rütteln zwischen den Balken. Wichtig: Beton während 7 Tagen feucht halten (Folie oder Nachbehandlungsmittel). Decke darf erst nach 28 Tagen voll belastet werden.
Schwimmender Estrich (mind. 45 mm) auf Trittschalldämmung (z. B. Mineralwolle 30 mm, s't ≤ 7 MN/m³) — erst dann wird DIN 4109 eingehalten. Alternativ: Trockenestrich mit Gipsfaserplatten auf Perlite-Schüttung.
Preise netto (ohne MwSt), Rohbau inkl. Schalung und Bewehrung, ohne Estrich und Bodenbelag. Stand: Q2 2026.
| Leistung / System | Preis netto je m² | Hinweise |
|---|---|---|
| HBV-Decke Neubau, Schrauben-Verbund BSH GL24h, Ø80×200 mm, Beton C20/25, 70 mm |
280–360 € | Inkl. Schalung, Bewehrung Q188; ohne Estrich |
| HBV-Decke Neubau, Kerven-Verbund BSH GL28h, Kerve 45/45 mm, Beton C25/30, 80 mm |
320–420 € | Höherer Lohnanteil; besser für Spannweiten > 7 m |
| HBV-Sanierung Altbaudecke (mit Bestand) Schraubenverbund auf vorh. Balken, OSB-Schalung, 65 mm Beton |
180–280 € | Ohne Demontage Bestand; Balkenzustand entscheidend |
| CLT/BSP + Betonverbunddecke BSP 140 mm + Beton 70 mm, Schraubenverbund |
380–520 € | Höhere Materialkosten; aber schnellste Montage (Elemente) |
| Schwimmender Estrich (zusätzlich) Zementestrich 45 mm + Trittschalldämmung 30 mm |
55–85 € | Für Schallschutz nach DIN 4109 erforderlich |
| Stahlbeton-Decke zum Vergleich Ortbeton 20 cm, C25/30, Ø10/200 zweilagig |
160–240 € | Günstiger, aber schwerer und höhere CO₂-Emissionen |
Von der Tragwerksplanung über die Altbausanierung bis zum schlüsselfertigen Holz-Hybrid-Neubau — NEUWEST realisiert anspruchsvolle Decken- und Hybridbauprojekte in Berlin.