Der Rohbau ist das tragende Grundgerüst eines Gebäudes — von den ersten Erdarbeiten bis zum fertigen Dachstuhl. Hier erfähren Bauherren und Fachleute, welche Phasen es gibt, welche DIN-Normen gelten und was der Rohbau in Berlin 2026 kostet.
Der Rohbau umfasst alle Bauleistungen vom ersten Spatenstich bis zur geschlossenen Gebäudehülle einschließlich Dachstuhl.
Der Rohbau ist das tragende Grundgerüst eines Gebäudes. Er umfasst alle Baumaßnahmen vom ersten Spatenstich über Fundamente, Keller, aufgehende Wände und Geschossdecken bis hin zum fertig errichteten Dachstuhl. Erst wenn der Rohbau steht, beginnen alle nachfolgenden Ausbaugewerke — von Dacheindeckung und Fenstern bis zu Heizung und Innenputz.
Für Bauherren ist der Rohbau die kostenintensivste und technisch anspruchsvollste Phase: Fehler in Fundament oder Betonkonstruktion lassen sich später kaum oder nur zu enormen Kosten korrigieren. Für Architekten und Bauingenieure bildet der Rohbau das statische Rückgrat, das alle Lasten aufnimmt und sicher in den Baugrund ableitet — geregelt durch mehr als 20 DIN- und EN-Normen (Eurocodes).
In Berlin dauert ein typischer Rohbau — abhängig von Gebäudegröße, Bauweise und Witterung — 16 bis 36 Wochen. Die Kosten liegen je nach Bauweise und Ausstattungsgrad bei 700 bis 1.400 € pro m² Wohnfläche (netto, Berliner Marktpreise 2026).
Fundamente, Wände, Stützen und Decken nehmen alle Lasten auf (Eigenlast, Nutzlast, Schnee, Wind) und leiten sie in den Baugrund ab.
DIN EN 1990–1996Bodenplatte und Kellerwandabdichtung (Weiße oder Schwarze Wanne) schützen dauerhaft gegen Boden- und Sickerwasser — sprich: gegen Feuchte von unten.
DIN 18195Der Dachstuhl schließt den Rohbau ab. Er überträgt Dachlasten auf die Auflager (Ringbalken/Pfetten) und bildet die Grundlage für Dacheindeckung und Ausbau.
DIN EN 1995 EC 5Jede Phase des Rohbaus baut auf der vorherigen auf — Fehler in frühen Phasen propagieren nach oben und sind teuer zu korrigieren.
Der Bagger trägt Oberboden ab und schürft auf Gründungstiefe (mind. 80 cm unter Geländeoberkante, frostfrei). Bei tiefen Kellern oder schwierigen Bodenschichten wird eine Baugrubensicherung erforderlich: in Berlin häufig der klassische Berliner Verbau (H-Träger + Holzbohlen) oder eine Spündwand. Ausgehobenes Material wird auf Wiedereinbautauglichkeit geprüft; überschüssiger Boden wird abgefahren.
DIN 18300 · DIN 4124 Woche 1–2Auf dem verdichteten Planum wird eine Sauberkeitsschicht aus Magerbäton (C8/10, 5–10 cm) oder Rollierung (Kies 0/56 mm, 10–15 cm) eingebaut. Sie schützt die Bodenplattenbewehrung vor Verschmutzung und schafft eine ebene Arbeitsoberfläche. Gleichzeitig werden alle Grundleitungen für Abwasser, Regenwasser und ggf. Erdwärme verlegt — diese sind später nicht mehr zugänglich. Die Perimeterdämmung (XPS) am Kellerfuß wird vorbereitet.
DIN EN 13242 · DIN 4095 Woche 2–3Die Bodenplatte ist das Rückgrat jedes modernen Rohbaus. Für Ein- und Mehrfamilienhäuser ohne Keller wird eine bewehrte Stahlbetonplatte in Dicken von 20–30 cm betoniert. Beton mindestens C25/30, Expositionsklasse XC2 (korrosionsauslösend, durchfeuchtet), Bewehrung BSt 500 B nach DIN 488. Bei höherem Grundwasserstand (in Berlin ab ca. 2–3 m u. GOK möglich) wird die Bodenplatte als WU-Beton (wasserundurchlässig, w/z ≤ 0,50 nach DIN EN 206) ausgebildet — die sogenannte Weiße Wanne. Streifenfundamente kommen bei Mauerwerksbauten ohne Keller zum Einsatz (Breite 60–80 cm, Tiefe ≥ 80 cm unter GOK).
DIN EN 1992 EC2 · DIN EN 206 · DIN 488 Woche 2–4Kelleraußenwände werden als Stahlbetonwände (25–30 cm) oder in Kombination aus WU-Beton und Schwarzer Wanne (Bitumenabdichtung nach DIN 18195-4) ausgeführt. In Berlin ist die Weiße Wanne (Integral-Abdichtung aus WU-Beton) weit verbreitet, da der Berliner Sand relativ durchlässig ist — die Schwarze Wanne erfordert z. T. aufwändigere Schutzsysteme. Innentrennwände im Keller folgen je nach Statik als Stahlbeton oder Mauerwerk. Der Kellerfußboden wird mit Perimeterdämmung (XPS λ ≤ 0,035 W/mK) versehen.
DIN EN 1992 · DIN 18195-4 · DIN EN 206 Woche 3–6Die Stahlbetondecke über dem Keller (Kellerdecke = EG-Rohdecke) wird als Ortbetondecke oder Filigrandecke (Halbfertigteil mit Ortsbetonergänzung) ausgeführt. Typische Deckenstärke im EFH: 18–24 cm, im MFH bis 28 cm je nach Spannweite und Belastung. Die Decke wirkt als horizontale Aussteifungsscheibe und überträgt Lasten gleichmäßig auf die tragenden Wände. Leerrohre für Elektro und Heizung werden vor dem Betonieren eingelegt. Nach dem Einbau beginnt die Nachbehandlung des Betons (7 Tage feuchten nach DIN EN 13670) — ein häufig vernachlässigter aber kritischer Schritt für die Endfestigkeit.
DIN EN 1992 · DIN EN 13670 Woche 5–8Das aufgehende Mauerwerk bildet die Außen- und tragenden Innenwände. In Deutschland dominieren vier Systeme: Poroton-Ziegel (Hochlochziegel T9/T11, λ ≤ 0,09 W/mK, 36,5–49 cm), Porenbeton (PP2-400 bis PP4-500), Kalksandstein (KS 20/2,0 für besten Schallschutz, Rw > 55 dB) und Stahlbeton (für Skelettbau). Tür- und Fensterbankstürze werden aus Stahlbeton oder Fertigteil eingesetzt. Alle Mauerwerksbänder werden nach DIN EN 1996-1-1 (Eurocode 6) auf Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit nachgewiesen.
DIN EN 1996 EC6 · DIN 18330 Woche 6–10Für jedes weitere Stockwerk wiederholen sich die Schritte: Decke einschalen → bewehren → betonieren → nachbehandeln → Mauerwerk aufmauern. Im Mehrfamilienhaus kommen häufig Fertigdecken (Filigran- oder Spannbeton-Hohldielen) zum Einsatz, um Schalzeiten zu reduzieren. Im Einfamilienhaus wird oft Ortbeton bevorzugt, da die Deckengrundrisse unregulärer sind. Treppenhäuser werden parallel mit Treppenläufen aus Stahlbeton oder Fertigteilen eingebaut. Die Rohbau-Trägfähigkeit wird stufenweise bis zur Endlast aufgebaut — der Statiker gibt den Freigabeplan vor.
DIN EN 1992 · DIN EN 13670 Woche 9–14Der Ringanker (oder Ringbalken) ist ein umlaufendes horizontales Stahlbetonband in Deckenhöhe des obersten Geschosses. Er verbindet alle tragenden Wände ringförmig miteinander, verteilt Horizontalkräfte (Wind, Erdbeben) und sichert das Mauerwerk gegen Aufklaffen. Nach DIN EN 1996-1-1 Pflicht für alle Mauerwerksbauten über einer Lage. Das Giebelmauerwerk (Dreiecksform des Giebels) wird anschließend auf den Ringbalken gemauert. Es nimmt keine übertragene Last auf und kann daher leichter ausgeführt werden.
DIN EN 1996 · DIN EN 1992 Woche 13–16Der Dachstuhl aus Nadelholz C24 oder Brettschichtholz GL24h nach DIN EN 14080 bildet den Abschluss des Rohbaus. Sparren, Pfetten und First werden nach DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5) auf Schnee- und Windlasten (Berlin: Schneelastzone 1, Windzone 2) bemessen. Windverbanddiagonalen sichern die Dachscheibe gegen horizontale Kräfte. Das traditionelle Richtfest — gefeiert wenn der erste Sparren steht — markiert den Abschluss des Rohbaus: Ein Richtkranz wird aufgestellt, der Polier spricht den Richtspruch. In Berlin ist diese Tradition lebendig und wird auch bei MFH-Projekten gepflegt.
DIN EN 1995 EC5 · DIN EN 14080 Woche 14–20Stellen Sie Wohnfläche, Geschosse, Bauweise und Keller ein — Kosten, Bauzeit und Betonmenge berechnen sich live (Richtwerte Berlin 2026, netto zzgl. 19 % MwSt).
Der Rohbau ist eines der am dichtesten geregelten Baugebiete. Diese Normen müssen Planer und Ausführende kennen.
| Norm | Bereich | Bedeutung im Rohbau |
|---|---|---|
| DIN EN 1992-1-1 (EC 2) | Stahlbeton | Bemessung aller Stahlbetonteile: Bodenplatte, Decken, Stützen, Wände — Grundlage jeder Rohbaustatik |
| DIN EN 1996-1-1 (EC 6) | Mauerwerk | Nachweis Mauerwerk-Außen- und Innenwände; Ringanker, Öffnungsbemessung, Knicknachweise |
| DIN EN 1995-1-1 (EC 5) | Holzbau | Bemessung Dachstuhl, Pfetten, Sparren, Holzrahmenkonstruktionen; Schnee- und Windlastbemessung |
| DIN EN 206:2017 | Beton | Expositionsklassen (XC0–XA3), Mindest-w/z-Wert, Mindestzementgehalt, Frisch- und Festbetonprüfung |
| DIN EN 13670:2011 | Betonausführung | Qualitätssicherung beim Betonieren: Schalungsplanung, Bewehrungseinbau, Verdichtung, Nachbehandlung 7 d |
| DIN 488:2009 | Betonstahl | Bewehrungsstahl BSt 500 B/S: Festigkeit fyk = 500 N/mm², Dehnvermögen ≥ 5 %, Rillengeometrie |
| DIN 18195-4:2017 | Abdichtung | Außenwandabdichtung unter Gelände (Schwarze Wanne): Bitumenabdichtung, Schutzsysteme, Prüfung |
| DIN 4124:2012 | Baugruben | Böschungswinkel (Sand: max. 45°), Verbaukonstruktionen, Sicherheitsabstände, Randbedingungen |
| DIN 18300 / 18331 (VOB/C) | Abrechnung | ATV Erdarbeiten / Beton- und Stahlbetonarbeiten: Leistungsbeschreibung, Einheitenermittlung, Abrechnung |
Die Wahl der Rohbau-Konstruktion hat langfristige Auswirkungen auf Kosten, Schallschutz, Wärmeschutz und Flexibilität.
Berlin hat spezifische Bodenbedingungen, eine eigene Bauordnung und eine stark gestiegene Rohbaukosten-Situation — das müssen Bauherren wissen.
Der Berliner Untergrund besteht überwiegend aus diluvialem Sand und Kies (Spreetal) mit relativ hoher Tragfähigkeit. Das Grundwasser liegt in weiten Teilen Berlins 2–5 m unter GOK, in der Spree-Aue und in Spandau auch höher. In Bereichen mit Moorböden (Grunewald, Teile Sp.-Neukölln, Heiligensee) sind Spezialtiefbauverfahren nötig (Pfähle, Raftfundamente). Ein Bodengutachten nach DIN EN 1997-2 ist in Berlin daher keine Option, sondern Pflicht — der Bürgermendelssöhne-Bohrlochatlas der SenStadtUm gibt erste Anhaltspunkte, ersetzt aber keine projektspezifische Untersuchung.
Die Berliner Bauordnung 2021 regelt u. a. Abstandsflächen (0,4 H für Gebäude bis 16 m Höhe in Innenbereich), Standsicherheitsnachweise (Tragwerksplanung Klasse 3 mit Prüfinger ab 3 Geschossen), Schallschutz (DIN 4109) und Energieanforderungen (GEG 2024, KfW-Förderung EH40/EH55). Ab 4 Vollgeschossen ist ein Prüfstatiker (SV f. Tragwerksplanung) Pflicht. Baugenehmigungen werden beim Berliner Bezirksamt (Stadtentwicklungsamt / Baugenehmigungsbehörde) beantragt — Bearbeitungszeit 3–12 Monate je Bezirk.
Berliner Rohbaukosten haben sich in den Jahren 2020–2024 um 35–50 % erhöht; seit 2025 stabilisieren sie sich leicht durch abgekühlte Nachfrage. Nachfolgend Berliner Marktpreise 2026 (netto, inkl. Lohn und Material, Berliner Aufschlag ggü. Bundesdurchschnitt ca. +10–15 %):
| Gewerk | Preisspanne | Einheit |
|---|---|---|
| Bodenaushub (Löffelbagger) | 28–48 € | pro m³ |
| Sauberkeitsschicht / Rollierung | 20–32 € | pro m² |
| Bodenplatte Stahlbeton C25/30 | 155–220 € | pro m² |
| Kelleraußenwand Stahlbeton (25 cm) | 390–530 € | pro m² |
| Mauerwerk Außenwand Poroton 36,5 cm | 195–285 € | pro m² |
| Stahlbetondecke (Ortbeton, 20 cm) | 115–175 € | pro m² |
| Dachstuhl Nadelholz C24 | 88–150 € | pro m² GF |
| Berliner Verbau (H-Träger + Bohlen) | 280–480 € | pro lfm |
Bei beengten innerstadtischen Grundstücken — besonders in Neukölln, Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg — ist der klassische Berliner Verbau (auch: Berliner Bauweise) gängig: H-Stahlträger werden im Rasterabstand (1–2 m) in den Boden gerammt, zwischen die Gurte werden horizontale Holzbohlen eingeschoben, während der Aushub fortschreitet. Vorteil: Keine Schwere Erschütterung durch Rammen, rückbaubar. Bei höherem Grundwasserstand oder angrenzendem Fundament werden Spundwandverbau oder Bohrpfahlwand eingesetzt (höherer Aufwand: +30–60 % Mehrkosten).
Von der Baugrube bis zum Richtfest — NEUWEST realisiert Roh- und Massivbauten in Berlin mit eigenem Fachpersonal und 20+ Jahren Erfahrung.