💧 Außenanlagen & Tiefbau

Entwässerung & Versickerung im Außenbereich — Systeme, Normen & Kosten 2026

Entwässerung und Versickerung im Außenbereich ist die gezielte Ableitung und Einleitung von Niederschlagswasser von Dachflächen, Wegen und Stellplätzen in den Untergrund oder die Kanalisation — fachgerecht geplant nach DWA-A 138 und DIN EN 752, mit Berliner Marktpreisen 2026.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist Entwässerung & Versickerung im Außenbereich?

Entwässerung im Außenbereich bezeichnet die gezielte Erfassung und Ableitung von Niederschlagswasser, das auf versiegelten oder teilversiegelten Flächen wie Dächern, Wegen, Hofflächen und Stellplätzen anfällt. Versickerung ist dabei die kontrollierte Einleitung dieses Wassers in den bewachsenen Boden oder spezielle Anlagen, sodass es in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt wird.

Der Klimawandel verschiebt das Bild drastisch: Starkregenereignisse mit über 25 l/(m²·h) nehmen in Berlin seit 2010 signifikant zu, gleichzeitig sind viele Mischkanalisationen in Gründerzeit-Vierteln bereits an der Kapazitätsgrenze. Dezentrale Versickerung entlastet das Kanalnetz, schützt Keller vor Rückstau und spart langfristig Niederschlagswassergebühren ein — in Berlin bis zu 1,84 Euro je m² befestigter Fläche und Jahr.

Für Neubaugebiete und Bauvorhaben mit mehr als 800 m² versiegelter Fläche schreiben Berliner Behörden heute Versickerung oder Regenwassernutzung als Vorzugsvariante vor. Das Prinzip lautet: Niederschlagswasser dort verbleiben lassen, wo es fällt — oder so nah wie möglich.

Kenndaten Berlin 2026

~580
mm mittlerer Jahresniederschlag in Berlin (DWD-Klimareferenz)
0,9
Abflussbeiwert ψ bei Dachflächen — 90 % des Regens fließen ab
146
l/(s·ha) Berliner Bemessungsregen 5-jährl., 15 min (KOSTRA-DWD 2020)
1,84
€/m² Berliner Niederschlagswassergebühr je befestigter Fläche und Jahr
🎒
Kanalentlastung: Dezentrale Versickerung reduziert Spitzenabflüsse und damit das Rückstaurisiko im Mischkanal um bis zu 70 % (DWA)
💲
Gebühreneinsparung: Wer Niederschlagswasser vollständig versickert oder zurückhält, zahlt in Berlin keine Niederschlagswassergebühr — das sind bis zu 5.500 €/Jahr bei 3.000 m² Grundstück
🌿
Grundwasser-Anreicherung: Versickerung von sauberem Dach- und Flächenwasser erneuert das urbane Grundwasser — in Berlin mit sandigen Quartärsedimenten besonders effektiv
Haftungsrisiko: Fehlen Versickerungsanlagen bei Starkregen und es kommt zu Schäden beim Nachbarn, kann fehlende fachgerechte Planung zu Regressansprüchen führen

Welche DIN-Normen & Gesetze gelten?

Von der Grundstücksentwässerung bis zur Versickerungsanlage — diese Regelwerke sind verbindlich oder anerkannte Regeln der Technik.

Norm / GesetzStandInhalt & Relevanz
DIN 1986-1002016-12Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke; Bemessungsgrundlage für alle Dachabflüsse, Rinnen, Leitungen und Anschlusskanäle
DIN EN 12056-32000-01Schwerkraftentwässerung — Dachentwässerung; legt Berechnungsgrundlagen für Dachflächen, Regenrinnen und Fallrohre fest
DIN EN 7522017-07Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden; Planung, Bau und Betrieb öffentlicher und privater Außenentwässerung
DWA-A 1382005-04Planung, Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen für Niederschlagswasser; maßgebliches Regelwerk für Bemessung und Ausführung
DWA-A 1172013-12Bemessung von Regenrückhalteanlagen; gilt wenn Versickerung nicht möglich ist und Retention + gedrosselter Ablauf erforderlich wird
WHG § 37BundErlaubnisfreie Benutzung: Versickerung von unbelastetem Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück ohne wasserrechtliche Erlaubnis — unter definierten Voraussetzungen
Berliner Wassergesetz (BWG)aktuellErgänzende Berliner Anforderungen; Niederschlagswassereinleitungsverbot in Mischwasserkanal bei Neubau (ab definierter Flächengröße); Gebührenordnung BWB

Genehmigung: Wann ist eine wasserrechtliche Erlaubnis nötig?

Erlaubnisfrei (WHG § 37)

Sauberes Dachablaufwasser von normalen Dachflächen (keine Kupfer-, Zinkdächer ohne Retention)
Versickerung auf eigenem Grundstück ohne Beeinträchtigung von Nachbarn und Gewässern
Mindestabstand GW: ≥ 1,0 m zwischen Versickerungsanlage und höchstem Grundwasserstand
Kein Altlastenverdacht im Einzugsgebiet der Anlage

Erlaubnispflichtig

Wasser von Verkehrsflächen (Straßen, Parkplätze > 1.000 m²) — Kohlenwasserstoffbelastung möglich
Zink- und Kupferdächer ohne Vorbehandlung — Schwermetallauswaschung
Große Anlagen > 300 m² Einzugsfläche in Berlin (Bezirksamt prüft im Einzelfall)
Einleitung in Oberflächengewässer (Graben, See, Flüsschen) immer erlaubnispflichtig

6 Systeme im Vergleich: Was passt zu Ihrem Grundstück?

Die Wahl des richtigen Systems hängt von Bodenart, verfügbarer Fläche und hydraulischer Belastung ab — hier die wichtigsten Verfahren nach DWA-A 138.

01

Flächenversickerung

Direkte Versickerung über belebte Bodenzone auf Rasenflächen oder belebten Oberboden. Natürlichste Methode, hohe Filterleistung, gute Nährstoffrückhaltung. Setzt große, möglichst ebene Grünfläche voraus.

kf ≥ 5×10⁻³ m/s — optimal
02

Muldenversickerung

Flache, bewachsene Geländemulde (Tiefe 20–30 cm, Böschung 1:3 bis 1:5) mit oberirdischer Retentionswirkung. Robustes, wartungsarmes System — von DWA-A 138 bevorzugt empfohlen. Einfache optische Integration in Grünanlagen und Vorgärten.

kf ≥ 1×10⁻&sup5; m/s — gut
03

Mulden-Rigolen-System

Kombination aus oberirdischer Mulde (Retention) und unterirdischer Kies- oder Blockrigole (Versickerung). Optimal bei mittleren Böden: Mulde puffert Lastspitzen, Rigole versickert gedrosselt. Bevörzugtes System im Berliner Stadtgebiet.

kf ≥ 1×10⁻⁶ m/s — bedingt
04

Rigolenversickerung

Unterirdischer Kieskörper (Kiesrigole) oder Kunststoff-Blockspeicher (Aquacell, Rausikko) mit 90–95 % Porenvolumen. Platzsparend, geeignet bei beengten Grundstücken. Varianten: Rohrrigole DN 300–500, Blockspeicher, Kassettenrigole.

kf ≥ 1×10⁻⁶ m/s — bedingt
05

Schachtversickerung

Punktuelle Versickerung über Sohlschacht DN 1000–1500 mit Filterkies. Schnelle Ableitung von Spotmengen, bei sehr gut durchlässigen Sandböden. Nicht geeignet für Wasser mit Schmutzfrachtpotenzial; ohne Vorfilter nicht zulässig.

kf ≥ 5×10⁻&sup4; m/s — nur Sandböden
06

Zisterne + Notüberlauf

Unterirdischer Tank (5.000–20.000 l) sammelt Regenwasser zur Brauchwassernutzung (WC, Bewässerung). Notüberlauf führt Überschuss zu Versickerungsanlage oder gedrosselt zum Kanal. Ideal bei bindigen Böden, hohem Gartenbewässerungsbedarf.

Bodenart-unabhängig

Durchlässige Beläge: Versickerung direkt unter der Fläche

Wasserdurchlässige Beläge — Typen

🌿
Rasengitter / Ökopflaster: ψ 0,2–0,3 — ideal für Stellflächen, Feuerwehrzufahrten, Hofflächen (DIN 18035-5)
🔱
Verbundpflaster mit Rasenfuge: ψ 0,3–0,5 — häufigste Lösung bei Einfahrten und Terrassen
🔰
Porenpflaster / Drän-Asphalt: ψ 0,1–0,2 — höchste Versickerungsleistung, aber wartungsintensiver (Spülen)
💧
Kiesflächen & Splitt: ψ 0,2–0,4 — kostengünstig, aber nach BBodSchV nur über belebte Bodenzone

Abflussbeiwerte ψ nach DIN 1986-100

🔴
Dachflächen (Bitumen, Ziegel): ψ = 0,90 — fast vollständiger Abfluss
🔴
Asphalt, Beton dicht: ψ = 0,85–0,90
🟠
Verbundpflaster ohne Fuge: ψ = 0,60–0,70
🟢
Rasenfläche, eben: ψ = 0,10–0,20 — der beste natürliche Puffer

Versickerungs-Dimensionierer: Welche Anlage brauche ich?

Geben Sie Einzugsfläche, Oberfläche, Bodenart und Bemessungsregen ein — der Rechner ermittelt nach DWA-A 138 (vereinfacht) das erforderliche System und schätzt die Kosten für Berlin 2026.

Einzugsfläche Aein 200 m²
Oberflächentyp (→ Abflussbeiwert ψ)
Bodenart (→ Durchlässigkeit kf)
Bemessungsregen Berlin (KOSTRA 2020)
Bemessungsabfluss Q
2,6 l/s
Retentionsvolumen (15 min)
2,4 m³
Rigolenlänge (ca.)
16 m
Empfohlenes System
Mulden-Rigolen
Kostenabschätzung Berlin 2026
3.200 €
Hinweis: Bei kf = 1×10⁻&sup5; m/s (Lehmsand) empfiehlt DWA-A 138 das Mulden-Rigolen-System als robusteste Lösung.
Richtwerte nach DWA-A 138 (vereinfachtes Verfahren). Keine Planerersatz — für genehmigungsfähige Anlagen ist ein Perkolationstest und Fachplanung erforderlich. Preise inkl. Material + Einbau, ohne Tiefbaunebenkosten.

Von der Bodenanalyse zur fertigen Anlage

Vor jeder Versickerungsanlage steht eine Standortprüfung. Wer diesen Ablauf befolgt, plant sicher und vermeidet teure Nachbesserungen.

1

Bodenerkundung & Perkolationstest

Schurfgrube mind. 1,5 m tief anlegen, Bodentyp nach DIN EN ISO 14688 bestimmen, Grundwassertiefe feststellen. Perkolationstest (Sickerschluckversuch nach DWA-A 138, Anhang D) ergibt belastbaren kf-Wert. Kosten: 800–2.000 € für Fachuntersuchung. Auf Altlasten im Boden und Altstandorte prüfen!

2

Hydrologische Vorprüfung

Einzugsgebiet und befestigte Flächen kartieren, Abflussbeiwerte ψ nach DIN 1986-100 bestimmen, Bemessungsregen aus KOSTRA-DWD 2020 ablesen (Berlin: r(15,5) = 146 l/(s·ha)). Mindestabstand zum höchsten Grundwasserstand prüfen (≥ 1,0 m nach DWA-A 138, Abschnitt 3.3).

3

Systemauswahl & Bemessung

Auf Basis von kf, Flächenbedarf und Niederschlagsbelastung System wählen (Mulde, Rigole, Kombination). Dimensionierung nach dem vereinfachten Verfahren (DWA-A 138, Kapitel 5) oder dem allgemeinen Verfahren (iterative Volumen-Zeit-Kurve). Speichervolumen ≥ Q × tD − kf × As × tD.

4

Genehmigung einholen (falls nötig)

Für sauberes Dachablaufwasser auf eigenem Grundstück: nach WHG § 37 erlaubnisfrei — formlose Anzeige beim Bezirksamt genügt. Für Verkehrsflächen, Zinkdächer, Anlagen > 300 m² oder Einleitungen in Gewässer: wasserrechtliche Erlaubnis beim Bezirksamt beantragen (Berliner Wassergesetz, Abteilung Umwelt).

5

Ausführungsplanung & Ausschreibung

Lageplan (M 1:200), Längsprofil und Detailzeichnungen für Anschluss, Zulauf, Notüberlauf und Wartungsöffnungen. Leistungsverzeichnis nach STLB-Bau, Positionen: Erdbau, Filtervlies, Kiesschüttung, Rohre, Schächte, Bepflanzung. Einbau durch Tiefbaufachbetrieb.

6

Abnahme, Wartung & Betrieb

Druckprüfung der Anschlussleitungen nach DIN EN 1610, Sichtkontrolle Einlaufbauwerke, Dokumentation als Bestandsplan. Wartung 1×/Jahr: Einlauf reinigen, Schlammeimer leeren, Muldenbepflanzung pflegen, Versickerungsleistung kontrollieren (Sichtprobe nach Regen).

Kosten Entwässerung & Versickerung: Berliner Marktpreise 2026

Alle Preise inkl. Material und Einbau durch Berliner Tiefbaufachbetriebe (Bruttopreise, ca.-Werte, Stand Q2 2026).

Leistung / SystemEinheitPreisspanne Berlin 2026Hinweis
Muldenversickerung anlegen40–90 €Inkl. Oberbau, Filtervlies, Bepflanzung; ohne Erdabtransport
Kiesrigole DN 400 / 500m120–280 €Perforiertes Rohr in Kieskörper, Filtervlies, Schachtzugang
Blockrigole (Aquacell, Rausikko)200–450 €Kunststoffblock 95 % Porenanteil, deutlich platzsparender als Kies
Schachtversickerung DN 1000Stück2.500–6.000 €Inkl. Filterkies, Abdeckung; nur bei kf ≥ 5×10⁻&sup4; m/s
Zisterne 10.000 l unterirdischStück5.000–12.000 €Inkl. Einbau, Zulauf, Pumpe, Notüberlauf; ohne Erdaushub separat
Wasserdurchlässiges Pflaster45–120 €Rasengitter, Ökopflaster oder Porenpflaster inkl. durchlässigem Unterbau
Linienentwässerungsrinne inkl. Rigolem80–250 €ACO Drain, Hauraton o.ä. inkl. Kiesrigole und Anschluss
Perkolationstest (Fachbüro)Stück800–2.000 €Schurfgrube, Sickerschluckversuch, kf-Protokoll gem. DWA-A 138
Fachplanung Versickerungpauschal1.500–5.000 €Abhängig von Komplexität; HOAI LPH 1–5 (Entwurf + Ausschreibung)
📈
Amortisation Niederschlagsgebühr: In Berlin kostet jeder m² befestigter Fläche 1,84 €/Jahr. Eine 300 m²-Anlage spart damit 552 €/Jahr — eine 10.000-€-Versickerungsanlage amortisiert sich in ca. 18 Jahren rein über die Gebühreinsparung.
💸
Förderung & Zuschüsse: Berliner Förderprogramm „Regenwasser-Management“ (SenUMVK): bis zu 70 % Zuschuss für dezentrale Versickerungsanlagen bei Wohngebäuden — max. 10.000 € je Vorhaben (Antrag über IBB, Stand 2026, Programmkontinuität prüfen)
Kostenvergleich Kanalanschluss: Neu-Anschluss an Mischwasserkanal 3.000–8.000 € (Hausanschluss), plus laufende Niederschlagsgebühr. Versickerung ist bei guten Böden langfristig günstiger.
🔍
Preistreiber Berlin 2026: Gestiegene Material- und Lohnkosten (+12 % ggü. 2023). Blockrigolen aus Recycling-PP teurer als Neuprodukion. Fachkräftemangel erhöht Angebotslaufzeiten auf 4–8 Wochen — frühzeitig ausschreiben.

Entwässerung in Berlin: Was Sie wissen müssen

Berlins Untergrund, die Mischentwässerung älterer Stadtteile und das Regenwasser-Gebührenmodell der BWB stellen besondere Anforderungen.

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Trennkanalisation vs. Mischwasser: Wo liegt Ihr Grundstück?

Rund 30 % des Berliner Stadtgebiets (vor allem gründerzeit-geprägte Bezirke wie Mitte, Prenzlauer Berg, Neukölln-Alt) haben Mischwasserkanalisation: Regen- und Schmutzwasser fließen in ein Rohr. Bei Starkregen läuft es über — mit Geruch und Ökologieproblemen. In Neubaugebieten (Adlershof, Marienfelde, Tegel-Quartier) ist Trennkanalisation Pflicht: Regenwasser muss dort zwingend versickert oder getrennt bewäirtschaftet werden. BWB-Netzplan beim Bezirksamt einsehen.

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Berliner Untergrund: Quartiärsand — top für Versickerung

Berlin liegt auf glazialen Quartiärsanden und -kiesen, die im Mittel kf-Werte von 10⁻³–10⁻&sup5; m/s aufweisen — ideale Versickerungsvoraussetzungen. Ausnahmen: Seetonlinsen (Berliner Urstromtal), Torfschichten und Auffüllungen in Altstädten (Mitte, Spandau). In Wasserschutzgebietszone II/III (Teile Zehlendorf, Grunewald) gelten zusätzliche Auflagen. Grundwasserkarte: FIS-Broker Senatsverwaltung online abrufbar.

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Niederschlagswassergebühr reduzieren: So geht’s in Berlin

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) erheben 1,84 €/m² befestigter Fläche/Jahr als Niederschlagswassergebühr. Wer Flächen entsiegelt, auf Rasengitter oder Gründach umrüstet oder eine nachweisliche Versickerungsanlage betreibt, kann den Gebührenbescheid dauerhaft reduzieren. Voraussetzung: schriftlicher Nachweis gegenüber BWB (Skizze, Flächenaufmaß, ggf. Abnahmeprotokoll). Antrag genügt, kein Genehmigungsverfahren für reine Gebührenreduzierung.

Starkregenvorsorge Berlin: Risikokarte & Pflichten

Nach mehreren Starkregenereignissen (2017 Neukölln, 2021 gesamt Berlin) hat die Senatsverwaltung eine Starkregengefahrenkarte veröffentlicht (berlin.de/starkregen). Grundstücke in roten Zonen tragen hohes Kellerüberflutungsrisiko. Hier empfiehlt NEUWEST: Rückstausicherung in Hausanschlussleitungen (Rückstauklappe, Hebeanlage nach DIN EN 12056-4) kombinieren mit Oberflächenentwässerung. Neubauten in Risikogebieten werden zunehmend mit Auflage zur Regenwasserrückhaltung genehmigt.

FAQ: Entwässerung & Versickerung im Außenbereich

Was ist der Unterschied zwischen Entwässerung und Versickerung?
+
Entwässerung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen zur Ableitung von Niederschlagswasser von befestigten Flächen: Rinnen, Rohrleitungen, Kanäle. Versickerung ist ein Teilpfad der Entwässerung, bei dem Wasser bewusst in den Boden geleitet wird statt in die Kanalisation. DWA-A 138 definiert Versickerung als „gezielte Einleitung von Niederschlagswasser in den Untergrund zur Grundwasseranreicherung und Kanalentlastung". In der Praxis werden beide Wege kombiniert: Dachfläche → Regenrinne → Fallrohr → Versickerungsmulde.
Welche DIN-Normen gelten für die Grundstücksentwässerung im Außenbereich?
+
Die wichtigsten Regelwerke sind: DIN 1986-100 (Entwässerungsanlagen Gebäude & Grundstücke, Stand 2016) als zentrale Bemessungsnorm für private Anlagen; DIN EN 752 (2017) für Systeme außerhalb von Gebäuden; DIN EN 12056-3 für Dachentwässerung; und das DWA-Merkblatt A 138 als anerkannte Regel der Technik für Versickerungsanlagen. WHG § 37 regelt die wasserrechtliche Zulässigkeit erlaubnisfrei. In Berlin ergänzt das Berliner Wassergesetz (BWG) die Bundesvorgaben.
Brauche ich eine Genehmigung für eine Versickerungsanlage?
+
In den meisten Fällen nein. Wer sauberes Dachablaufwasser (kein Zink, kein Kupfer ohne Retention) auf dem eigenen Grundstück versickert und dabei einen Mindestabstand von 1,0 m zum höchsten Grundwasserstand einhält, handelt nach WHG § 37 erlaubnisfrei. Eine formlose Anzeige beim Bezirksamt (Abteilung Umwelt) genügt. Erlaubnispflichtig sind: Versickerung von Parkplatz- oder Verkehrsflächenwasser, große Anlagen > 300 m² Einzugsfläche in Berlin, Einleitung in Gewässer und Anlagen in Wasserschutzzonen I/II.
Was kostet eine Versickerungsanlage (Mulde, Rigole, Zisterne) in Berlin?
+
Als Richtwerte für Berlin 2026 (inkl. Material & Einbau): Muldenversickerung 40–90 €/m²; Kiesrigole 120–280 €/m; Blockrigole (Kunststoff) 200–450 €/m³; Schachtversickerung 2.500–6.000 € pro Schacht; Zisterne 10.000 l 5.000–12.000 € komplett. Hinzu kommen Perkolationstest (800–2.000 €) und ggf. Fachplanung. Der Berliner Fördertopf (SenUMVK) übernimmt bei Wohngebäuden bis zu 70 % der Kosten, max. 10.000 €.
Welche Versickerungsanlage ist für mein Grundstück geeignet?
+
Das hängt vor allem vom Durchlässigkeitsbeiwert kf des Bodens ab:
kf ≥ 10⁻³ m/s (Kies/Grobsand): Flächen- oder Muldenversickerung, sehr großzügig dimensionierbar
kf ≥ 10⁻&sup5; m/s (Feinsand/Lehmsand): Mulden-Rigolen-System empfohlen (DWA-A 138)
kf ≥ 10⁻⁶ m/s (Lehm): Rigolenversickerung möglich, aber große Dimensionen nötig — Zisterne + Notüberlauf wirtschaftlicher
kf < 10⁻⁶ m/s (Ton): Keine Versickerung möglich — Regenwassertank mit gedrosseltem Ablauf oder Dachbegrünung als Retention
Ein Perkolationstest gibt Sicherheit über den tatsächlichen kf-Wert.
Kann ich durch Versickerung die Niederschlagswassergebühr in Berlin sparen?
+
Ja, vollständig. Die Berliner Wasserbetriebe erheben 1,84 €/m² befestigter Fläche und Jahr. Wer Flächen entsiegelt oder eine nachweisbare Versickerungsanlage betreibt, kann diese beim BWB schriftlich abmelden und spart die Gebühr dauerhaft ein. Beispiel: 500 m² Grundstück, 300 m² befestigt = 552 €/Jahr Gebühreneinsparung nach vollständiger Versickerung. Für die Anerkennung genügen Flächenaufmaß und eine einfache Skizze — kein wasserrechtliches Verfahren.
Wie wird eine Versickerungsanlage nach DWA-A 138 dimensioniert?
+
DWA-A 138 kennt zwei Verfahren: Vereinfachtes Verfahren (für Anlagen bis 800 m² Einzugsfläche): Abfluss Q = ψ × rD × A / 10.000 [l/s], Retentionsvolumen V = Q × tD × 60 / 1.000 [m³], Versickerungsfläche As = Q / (kf × 1.000) [m²]. Allgemeines Verfahren: iterative Berechnung mit verschiedenen Dauerstufen tD, um das kritische Maximum des Speichervolumens zu finden. Unser Rechner weiter oben verwendet das vereinfachte Verfahren als Erstabschätzung.
Was muss ich bei Kupfer- oder Zinkdächern beim Versickern beachten?
+
Ablaufwasser von Kupfer- und Zinkdächern enthält erhöhte Schwermetallkonzentrationen und darf nicht direkt versickert werden. Ohne Vorbehandlung ist nach WHG eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich — und in der Regel auch nicht genehmigungsfähig. Lösung: Zwischenschalten eines bepflanzten Substratfilters (Pflanzenklärbeet) oder Ablauf in die Kanalisation. Für Neuplanungen empfiehlt sich der Verzicht auf Kupfer/Zink an Stellen, von denen Wasser abfließt — Alternativen sind eloxiertes Aluminium oder beschichtete Bleche. Bestehende Dächer: Edelstahlabscheider (Zinkabscheiderate > 80 %) möglich.

Entwässerung & Versickerung in Berlin planen lassen?

Von der Perkolationsprüfung bis zur schlussfertigen Versickerungsanlage — NEUWEST plant, koordiniert und baut Ihre Außenentwässerung fachgerecht nach DWA-A 138 in Berlin und Umgebung.

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