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Gerüstbau: Arbeitsgerüst, Schutzgerüst & Fassadengerüst — Normen, Kosten & Berlin 2026

Ein Gerüst ist weit mehr als eine Hilfs­konstruktion: Es ist eine sicherheits­kritische, norm­gebundene Tragstruktur. Welche Typen es gibt, was DIN EN 12811 vorschreibt, was Gerüstbau in Berlin 2026 kostet — und wie Sie Fehler vermeiden.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist ein Gerüst? — Definition, Funktion & Rechtspflicht

Ein Gerüst ist eine temporäre Tragkonstruktion aus Stahl, Aluminium oder Holz, die Arbeitern sicheren Zugang zu Fassaden, Decken und schwer erreichbaren Bereichen verschafft und gleichzeitig Personen sowie Sachwerte vor herabfallenden Gegenständen schützt. Die Errichtung, Verwendung und Demontage sind in Deutschland durch eine Vielzahl von Normen, Unfallverhütungsvorschriften und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) geregelt.

Gerüste zählen nach § 4 BetrSichV zu den überwachungsbedürftigen Arbeitsmitteln. Das bedeutet: Auf- und Abbau dürfen nur von fachkundigen Gerüstbauern (Montage­pass nach DGUV Regelwerk) durchgeführt werden. Der Gerüstersteller muss eine Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) mitliefern, der Bauherr eine schriftliche Freigabe durch den Gerüstbauer einholen, bevor das Gerüst erstmals begangen wird.

In der Praxis unterscheidet man drei Hauptkategorien: das Arbeitsgerüst als Arbeitsplattform unter Nutzlast, das Schutzgerüst als passive Sicherungskonstruktion und das Fassadengerüst als typisiertes Systemgerüst für Hochbau-Fassadenarbeiten. In der Praxis übernimmt ein Fassadengerüst häufig beide Funktionen gleichzeitig.

Gerüstbau 2026 — Kenndaten

DIN EN
12811
Zentrale europäische Norm für Arbeitsgerüste — Bemessung, Belastung, Schutzeinrichtungen
6 LK
Lastklassen 1–6 nach DIN EN 12811 (0,75 kN/m² bis 6,0 kN/m² Nutzlast)
3–7 €
Typischer Mietpreis je m² Fassadenfläche und Monat in Berlin 2026
72 h
Typische Vorlaufzeit für Sondernutzungsantrag Gehweg in Berlin (Mitte/Pankow kürzer)

Arbeitsgerüst, Schutzgerüst & Fassadengerüst — Unterschiede & Einsatz

Jeder Gerüsttyp hat andere Bemessungsgrundlagen, Lastklassen und Verwendungsszenarien. Die Wahl des richtigen Typs beeinflusst direkt die Standsicherheit, die Kosten und den Genehmigungsprozess.

01

Arbeitsgerüst

Plattformgerüst mit definierter Nutzlast (Lastklasse 1–6 nach DIN EN 12811). Dient als Arbeitsplatz für Maurer, Putzer, Maler, Dachdecker und Installateure. Gerüstbeläge mindestens 0,60 m breit (LK 1–3) bzw. 0,90 m (LK 4–6). Gehländer (Holm, Mittelholm, Fußleiste) nach TRBS 2121 zwingend.

DIN EN 12811 Lastklasse 1–6
02

Schutzgerüst

Fang-, Dach- oder Schutzdachgerüst ohne primäre Arbeitsplatz-Funktion. Ziel: Personen und Sachwerte vor herabfallenden Gegenständen und abstürzenden Arbeitern schützen. Fangnetz oder Schutzbrett-Ebene nach DIN EN 13374 (Klasse B/C) obligatorisch. In Berlin bei Arbeiten über öffentlichen Gehwegen oder Spielflächen in der Regel Pflicht.

DIN EN 13374 Passiver Schutz
03

Fassadengerüst

Typisiertes Systemgerüst aus vorgefertigten Bauteilen nach DIN EN 12810. Kombiniert Arbeitsgerüst- und Schutzgerüst-Funktion. Standardbreite 0,73 m oder 1,09 m (Typenprüfung durch Hersteller). Dominierende Bauform in Deutschland: Rahmengerüst (z. B. PERI UP, Layher Allround, HÜNNEBECK Modex). Höchste Flächenleistung bei geringem Rüst­aufwand.

DIN EN 12810 Systemgerüst

Weitere Gerüstformen in der Praxis

Raumgerüst (Innen)

Einsatz: Deckenarbeiten, Stuckatur, Malerarbeiten in Hallen, Kirchen, Industrie­gebäuden
Norm: DIN EN 12811-1, Raumgerüstlösungen nach Herstellerprüfstatik
💡
Kosten Berlin: ca. 5–10 €/m² Deckenfläche pro Monat inkl. Auf-/Abbau
Besonderheit: Bodenbeschaffenheit (Tragfähigkeit) muss vor Aufbau geprüft werden

Konsolgerüst & Hängegerüst

Konsolgerüst: An Wand oder Decke verankert, ohne Bodenkontakt — ideal bei beengten Verhältnissen (Abständen unter 50 cm zum Gebäude)
Hängegerüst: Von Dachkonstruktion oder Kran abgehängt; Einsatz bei Brücken, Hallen, Stahlbauten
💡
Sonderstatik: Immer individuelle Berechnung und Prüfung durch Prüfingenieur erforderlich
Kosten: Deutlich höher als Standard-Fassadengerüst; Richtwert ≥ 12 €/m²/Monat

DIN EN 12811, TRBS 2121 & Co. — Das Normenwerk im Überblick

Gerüste unterliegen einem dichten Regelwerk aus europäischen Normen, nationalen technischen Regeln und Unfallverhütungsvorschriften. Für Architekten, Planer und Bauherren ist das Zusammenspiel entscheidend.

RegelwerkTitel / InhaltRelevanz
DIN EN 12811-1:2004 Temporäre Konstruktionen — Arbeitsgerüste, Teil 1: Leistungsanforderungen und allgemeiner Entwurf Lastklassen 1–6, Beläge, Gehländer, Zugang, Bemessung — Basisnorm für alle Arbeitsgerüste
DIN EN 12810-1/-2:2004 Fassadengerüste aus vorgefertigten Bauteilen; Teil 1: Produktspezifikation, Teil 2: Besondere Bemessungsverfahren Typenprüfung, Verwendungsanleitungen, zulässige Konfigurationen für Systemgerüste
DIN EN 13374:2018 Temporäre Randsicherungssysteme; Klassen A, B, C Gerüstgehländer und Absturzsicherungen; Klasse C = Fangnet/Fanggitter für flache Dächer
TRBS 2121 Teil 1 (2020) Technische Regeln für Betriebssicherheit — Gerüste Konkretisiert BetrSichV: Montagepass, Freigabe, Prüfung nach Sturm, Dokumentation
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten (ehem. BGV C22) — Unfallverhütungsvorschrift Sicherheitspflichten Auftraggeber & Auftragnehmer; Absturzsicherung ab 1 m Höhe zwingend
DGUV Regel 101-011 Gerüstbauregeln (ehem. BGR 166) Praxisleitfaden für Gerüstbauunternehmen, Mindestqualifikation Monteure
BetrSichV § 4, § 14 Betriebssicherheitsverordnung: Arbeitsmittel, Prüfpflichten Gerüst = Arbeitsmittel; wiederkehrende Prüfung vor jeder Nutzung, nach Sturmschadon, nach Umbau
ArbSchG § 3, § 5 Arbeitsschutzgesetz: Gefährdungsbeurteilung Arbeitgeber muss schriftliche Gefährdungsbeurteilung für Gerüstarbeiten erstellen
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Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV): Muss der Gerüstbauer bei jedem Gerüst bereitstellen. Enthält zulässige Felder, Lasten, Ankerpunkte und Besonderheiten. Ohne AuV darf das Gerüst nicht betreten werden.
Freigabe (grüner Zettel): Vor der ersten Nutzung und nach jedem Umbau muss der Gerüstbauer das Gerüst schriftlich freigeben. Das Freigabedokument (oft grüner Aushang am Gerüst) ist Pflicht — fehlt es, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor.
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Lastklassen kompakt: LK 1 = 0,75 kN/m² (Inspektion), LK 2 = 1,5 kN/m² (Maler), LK 3 = 2,0 kN/m² (Putz), LK 4 = 3,0 kN/m² (Mauerwerk), LK 5 = 4,5 kN/m², LK 6 = 6,0 kN/m² (Klinker, Fassaden­platten). Für die meisten Fassadenarbeiten genügt LK 3.
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Montagepass: Gerüstbauarbeiten dürfen nur von Personen mit nachgewiesener Qualifikation durchgeführt werden (Gerüstbauer-Montagepass nach DGUV Regel 101-011). Eigenbauten durch ungelernte Helfer sind grundsätzlich unzulässig und haftungsrechtlich riskant.

Gerüstaufbau: Planung, Montage & Freigabe

Vom ersten Kontakt mit dem Gerüstbauer bis zur Montageabnahme durchläuft ein Bauprojekt in Berlin typischerweise diese sieben Phasen.

1

Bedarfsermittlung & Gerüstplan

Festlegung von Gerüsttyp, Lastklasse, Schutzklasse und Standzeit. Beim Fassadengerüst: Aufmaß der Fassadenfläche (Höhe × Breite), Prüfung der Ankerräster nach DIN EN 12811 (max. 4,0 m horizontal, 4,0 m vertikal). Bei komplizierten Gebäudeprofilen oder Höhe >24 m: statischer Sondernachweis durch Bauingenieur.

2

Sondernutzungsantrag (Berlin)

Sobald das Gerüst öffentliche Verkehrsfläche (Gehweg, Fahrbahn) beansprucht, ist eine Sondernutzungserlaubnis beim zuständigen Berliner Bezirksamt erforderlich — in der Regel beim Straßen- und Grünflächenamt (SGA). Vorlaufzeit: min. 2–4 Wochen, in stark frequentierten Lagen (Mitte, Charlottenburg) länger. Gebühr: ca. 0,50–2,50 € je m² beanspruchter Gehwegfläche pro Woche.

3

Anlieferung & Vorabkontrolle

Der Gerüstbauer liefert typgeprüfte Systemgerüstteile (Rahmen, Riegel, Diagonalen, Beläge, Spindeln, Verankerungstechnik). Sichtprüfung auf Verformungen, Risse, Korrosion. Beläge müssen rutschfest sein (Mindest­belastung 1,5 kN/m² nach DIN EN 12811 Tabelle 3). Schrottteile sind auszusondern.

4

Aufbau durch qualifizierte Monteure

Montage von unten nach oben: Stellrahmen, Unterlagebretter, Fußspindeln, dann Lage für Lage Rahmen, Riegel, Diagonalen, Beläge. Verankerung in die Fassade nach Ankerplan (typisch: alle 4,0 × 4,0 m). Gehländer (Holm 1,0 m, Mittelholm 0,5 m) und Fußleiste (0,15 m) zwingend. Schutznetze oder Schutzdach nach Schutzklasse 2 (innen) oder Klasse 3 (außen bei Passant­gefährdung).

5

Prüfung & Freigabe

Der Gerüstbauer prüft das fertige Gerüst auf Vollständigkeit, sichere Verankerung und Standsicherheit. Anschließend schriftliche Freigabebescheinigung nach TRBS 2121 — erst danach darf das Gerüst von Dritten betreten werden. Der grüne Freigabe-Aushang muss gut sichtbar am Gerüst hängen.

6

Nutzungsphase & wiederkehrende Prüfungen

Während der Standzeit muss das Gerüst vor jeder Schicht (täglich) auf augenscheinliche Mängel geprüft werden — durch den Nutzer. Nach Sturm (Windstärke ≥ 6 Bft), starkem Schneefall, Erderschütterung oder längerer Nutzungsunterbrechung: erneute formelle Prüfung durch den Gerüstbauer. Umbauarbeiten müssen erneut freigegeben werden.

7

Rückbau & Flächenrückgabe

Abbau von oben nach unten. Vor Rückbau: Sondernutzungsgenehmigung prüfen (Rückgabe-Frist). Fassade auf Ankerschaden kontrollieren, Dübellöcher verschließen. Geh­weg auf Beschädigungen prüfen — der Gerüstbauer haftet für verursachte Pflasterschäden.

Gerüstkostenrechner Berlin 2026

Stellen Sie Fassadenfläche, Gerüsttyp und Standzeit ein — die Richtwert-Kosten für Berlin berechnen sich live. Alle Preise netto, ohne MwSt.

Gerüsttyp
Fläche 200 m²
Standzeit 8 Wochen
Lastklasse
Mietkosten (Standzeit)
1.440 €
Auf- & Abbau (einmalig)
1.800 €
Gesamtkosten netto (ca.)
3.240 €
Kosten je m² Fläche
16,20 €

Richtwerte für Berlin 2026, netto ohne MwSt. Enthält nicht: Sonder­nutzungs­gebühren (ca. 0,50–2,50 €/m²/Woche), Beleuchtung, Schutznetz-Aufpreis, Sonderstatik. Individuelle Angebote können abweichen.

Gerüstkosten in Berlin 2026 — Preistabelle & Einflussfaktoren

Die folgende Tabelle basiert auf Marktbeobachtungen in Berlin (Angebote lokaler Gerüstbauer, Ausschreibungsergebnisse, Stand Juni 2026). Alle Preise netto.

LeistungEinheitPreisspanne BerlinHinweis
Fassadengerüst Miete €/m² Fassade/Monat 3,00–6,00 Standardfall Innenstadtlage; mind. 4 Wochen
Auf- & Abbau Fassadengerüst €/m² Fassade (einmalig) 7,00–14,00 Steigt bei schwieriger Zugänglichkeit & höheren Gebäuden
Schutzgerüst / Fanggerüst €/m² Fassade/Monat 5,00–10,00 Aufpreis für Schutzdach über Gehweg: +2–4 €/m²
Raumgerüst (Innenmontage) €/m² Deckenfläche/Monat 5,00–10,00 Inkl. Auf-/Abbau; Mindestauftrag oft 50 m²
Konsolgerüst / Hängegerüst €/m² lfd. Meter/Monat 12,00–22,00 Individuelle Statik erforderlich; Aufpreis
Sondernutzungsgebühr Berlin €/m² Gehweg/Woche 0,50–2,50 Je Bezirk unterschiedlich; Mitte am teuersten
Beleuchtung/Absperrung Pauschal/Monat 80–250 Pflicht bei Einengung von Verkehrsflächen (StVO)
Gesamtprojekt typisches Berliner MFH (4 Etagen, 400 m² Fassade, 12 Wochen) Gesamt netto 8.000–18.000 Inkl. Auf-/Abbau, Miete, Sondernutzung; ohne Sonderstatik
📈
Preistreiber 2026: Gestiegene Stahlpreise (±15 % vs. 2023), Fachkräftemangel im Gerüstbau und höhere Sonder­nutzungs­gebühren Berlins treiben Kosten. Größere Aufträge (>1.000 m² Fläche) erreichen Mengen­rabatt von 10–20 %.
📊
Standzeit optimieren: Der größte Kostenblock ist oft der Mietzins, nicht der Auf-/Abbau. Kurze, gut geplante Bauabschnitte können die Gesamtkosten um 30–40 % senken. Faustregel: 4 Wochen Miete ≈ Auf-/Abbaupreis.
📝
Ausschreibungstipp: Mindestens 3 Angebote einholen; Leistungs­verzeichnis (LV) nach VOB/B formulieren. Positionen klar definieren: Gerüsttyp, Lastklasse, Schutzklasse, Standzeit, Sondernutzung, Verankerungsplan, Freigabe­bescheinigung inklusive.
Versteckte Kosten: Höhenzuschlag ab 20 m (±15 %), Wochenend-Montage-Aufschlag (±30 %), Nachtarbeit für LärmschutzVO-bedingte Arbeitsfenster in Wohn­gebieten (±50 %). Im Angebot explizit abfragen.

Gerüstbau in Berlin: Genehmigungen, Bezirke & Besonderheiten

Berlin hat ein dezentrales Bezirkssystem, denkmalgeschützte Altbauquartiere und enge Geh­wege — das macht Genehmigungen und Planung anspruchsvoller als in anderen Städten.

🏛

Sondernutzungserlaubnis: Zuständigkeit je Bezirk

In Berlin stellt jeder der 12 Bezirke seine eigene Sondernutzungserlaubnis (SNA) aus. Zuständige Behörde ist das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) des jeweiligen Bezirks. Antragsformulare, Gebührensätze und Bearbeitungszeiten variieren stark: Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf sind am langsamsten (4–6 Wochen), Pankow und Treptow-Köpenick deutlich schneller (1–2 Wochen). Immer: Lageplan, Gerüstskizze, Absperr- und Beleuchtungsplan einreichen.

🏰

Denkmalschutz & Milieuschutz

Berlin hat rund 10.000 Einzeldenkmale und über 70 Milieuschutzgebiete (z. B. Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg). An denkmalgeschützten Fassaden ist vor Gerüstmontage eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis beim Landesdenkmalamt (LDA Berlin) einzuholen. Verankerungspunkte müssen ggf. mit reversiblen Klebeanker-Systemen ausgeführt werden — Preisaufschlag ca. 20–40 % gegenüber Standard-Drehmomentankern.

🚒

Enge Gehwege & Haltverbotszonen

In Berliner Gründerzeit-Vierteln sind Gehwege oft nur 1,50–2,00 m breit. Die StVO verlangt eine Mindestgehwegbreite von 1,20 m für die Passage. Ist das mit dem Gerüst nicht einzuhalten, muss eine gesicherte Umleitungsführung eingerichtet werden. Für die Anlieferung und den Auf-/Abbau sind in der Regel temporäre Haltverbotszonen über die zuständige Straßenverkehrsbehörde einzurichten (Vorlauf: min. 3 Werktage, Kosten: 30–80 € je Schild/Tag).

🔋

Lärmschutz & Nachtruhe

Die Berliner Lärm­schutz­verordnung (BImSchV) und das Berliner Immissions­schutzgesetz (LImSchG Bln) begrenzen Baulärm in Wohn­gebieten auf 55 dB(A) von 22:00–06:00 Uhr. Metallische Gerüstmontagen überschreiten diese Grenze deutlich. In Inn­enstadt­lagen und bei Wohngebäuden: Aufbau deshalb ausnahmslos tagsüber. Bei Termindruck (Fassadenarbeiten kurz vor Winter­einbruch): Ausnahme­genehmigung beim Bezirk beantragen — selten erteilt, aufwendig.

Praxisbeispiel: Gründerzeit-MFH Prenzlauer Berg

5-geschössiges Miethaus, Fassadenfläche 520 m², Putz- und Anstrich­arbeiten, 14 Wochen Standzeit. Gerüst: Fassadengerüst LK 3, Schutzklasse 2, Röhren­netz über Gehweg. Gesamtkosten netto ca. 14.200 € (Miete 6.240 € + Auf/Abbau 6.760 € + Sondernutzung Pankow 8 Wochen 1.200 €). SNA-Bearbeitungszeit: 12 Werktage. Denkmalschutz: keine Genehmigungspflicht (kein Einzeldenkmal, kein Milieuschutzgebiet).

FAQ: Gerüstbau — Arbeits-, Schutz- & Fassadengerüst

Was kostet ein Gerüst in Berlin 2026?
+
Die Gesamtkosten setzen sich aus Mietpreis (ca. 3–6 €/m² Fassadenfläche pro Monat), Auf- und Abbau (ca. 7–14 €/m² einmalig) sowie ggf. Sondernutzungsgebühren (ca. 0,50–2,50 €/m² Gehweg/Woche) zusammen. Für ein typisches Berliner Miethaus mit 400 m² Fassadenfläche und 12 Wochen Standzeit ergeben sich Gesamtkosten von rund 8.000–18.000 € netto. Nutzen Sie unseren Rechner weiter oben für Ihren konkreten Fall.
Wer darf ein Gerüst auf- und abbauen?
+
Nur fachkundige Personen mit nachgewiesener Qualifikation (Gerüstbauer-Montagepass nach DGUV Regel 101-011). Eigenbauten durch ungelernte Handwerker oder Eigentümer sind grundsätzlich unzulässig und heben den Versicherungsschutz auf. Das gilt auch für das Betreten vor der schriftlichen Freigabe durch den Gerüstersteller. Im Schadensfall haftet der Auftraggeber bei Beauftragung nicht zugelassener Firmen mit.
Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsgerüst und Schutzgerüst?
+
Ein Arbeitsgerüst (DIN EN 12811) dient als Arbeitsplatz und ist auf definierte Nutzlasten (Lastklassen 1–6) ausgelegt. Es muss Beläge, Gehländer und sicheren Zugang bieten. Ein Schutzgerüst (DIN EN 13374) dient dagegen primär dem passiven Schutz von Personen und Sachen vor herabfallenden Teilen — es trägt keine Nutzlast, nur die Eigenlast der Schutzeinrichtungen. In der Praxis erfüllt ein Fassadengerüst meist beide Funktionen gleichzeitig.
Brauche ich in Berlin eine Genehmigung für ein Gerüst?
+
Ja, sobald das Gerüst öffentliche Verkehrsfläche (Gehweg, Fahrbahn, Radweg) beansprucht, ist eine Sondernutzungserlaubnis (SNA) beim zuständigen Bezirksamt (Straßen- und Grünflächenamt) erforderlich. Die Gebühr variiert je Bezirk (ca. 0,50–2,50 €/m²/Woche). Steht das Gerüst ausschließlich auf dem Privatgrundstück (z. B. im Hinterhof), entfällt die SNA — es gilt aber weiterhin das Bauordnungsrecht.
Welche Lastklasse brauche ich für Putz- oder Malerarbeiten?
+
Für Malerarbeiten reicht in der Regel Lastklasse 2 (1,5 kN/m²). Für Putzarbeiten sollte mindestens Lastklasse 3 (2,0 kN/m²) gewählt werden, da schwere Putzsäcke, Mischgeräte und Material gleichzeitig auf dem Belag stehen. Für Klinker- oder Natursteinarbeiten ist Lastklasse 4 bis 5 notwendig. Im Zweifelsfall immer eine Klasse höher wählen — der Mehrpreis ist gering, das Sicherheitsplus erheblich.
Wie lange dauert der Auf- und Abbau eines Fassadengerüsts?
+
Als Faustregel gilt: 1 Gerüstbautrupp (3 Mann) montiert ca. 150–250 m² Fassadenfläche pro Tag. Ein Gebäude mit 400 m² Fassadenfläche benötigt also typischerweise 2–3 Arbeitstage für den Aufbau, ebenso für den Abbau. Bei komplexen Gebäudegeometrien, Erker, Balkone oder schwieriger Anfahrt verlängert sich die Zeit entsprechend. In Berlin-Innenstadt wird der Zeitplan häufig durch Parkierungsengpässe und Anlieferbedingungen verzögert.
Was passiert, wenn das Gerüst länger stehen muss als geplant?
+
Die Standzeit lässt sich in der Regel problemlos verlängern — der Gerüstbauer stellt die zusätzliche Miete in Rechnung. Wichtig: Die Sondernutzungserlaubnis muss ebenfalls verlängert werden, sonst drohen Bußgelder (bis zu 500 €/Tag in manchen Berliner Bezirken). Im Mietvertrag für das Gerüst sollte die Verfahrensweise bei Verlängerungen (Frist, Kosten) vorab schriftlich geregelt sein. Tipp: Standzeiten lieber 2–3 Wochen großzügiger kalkulieren als der Plan vorgibt.
Muss das Gerüst nach einem Sturm geprüft werden?
+
Ja, zwingend. Nach Sturmereignissen ab Windstärke 6 Bft (entspricht ca. 50 km/h Windgeschwindigkeit), nach starkem Schneefall, nach Erderschütterung oder nach längerer Nichtbenutzung ist laut TRBS 2121 Teil 1 eine formelle Prüfung durch den Gerüstbauer Pflicht. Das Gerüst darf erst nach erneuter schriftlicher Freigabe wieder betreten werden. Die tägliche Sichtprüfung durch den Nutzer ersetzt diese formelle Prüfung nicht.
Was ist eine Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) und warum ist sie wichtig?
+
Die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) ist das zentrale Dokument jedes Gerüsts. Sie muss vom Gerüstbauer für jede Gerüstkonfiguration erstellt werden und enthält: zulässige Gerüstfelder und Höhen, max. Lasten je Lastklasse, Ankerräster und Ankerlast, erlaubte Geänderungen und verbotene Modifikationen. Ohne AuV darf das Gerüst nicht betreten werden. Als Bauherr oder Bauleiter haben Sie das Recht, die AuV vor Freigabe einzufordern — bestehen Sie darauf, das ist keine Formalie, sondern Haftungsschutz.

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