📄 Digitales Bauen & Planung

BIM (Building Information Modeling) — Pflicht & Praxis 2026

Building Information Modeling ist die digitale Arbeitsmethode, bei der alle Baudaten eines Projekts — Geometrie, Kosten, Termine, Betrieb — in einem gemeinsamen Modell vernetzt werden. Was in Deutschland 2026 Pflicht ist, was BIM kostet und wie Berliner Bauherren davon profitieren.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist BIM? Die Methode kurz erklärt

Building Information Modeling (BIM) ist eine kooperative Arbeitsmethode, bei der alle relevanten Baudaten — Geometrie, Materialien, Kosten, Termine und Betriebsinformationen — in einem digitalen Gebäudemodell zusammengeführt, verknüpft und über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks gepflegt werden. BIM ist keine Software, sondern ein Prozessansatz, der alle Projektbeteiligten — Bauherren, Architekten, Ingenieure und ausführende Firmen — auf einer gemeinsamen Datenbasis vernetzt.

Im Kern ersetzt BIM die fragmentierte Planung mit isolierten 2D-Plänen durch ein intelligentes 3D-Modell, das gleichzeitig als Datenbehälter für Kosten (5D), Termine (4D), Nachhaltigkeit (6D) und Gebäudebetrieb (7D) dient. Kollisionserkennung, automatische Mengenermittlung und integrierte Qualitätssicherung sind direkte Folgen dieser Vernetzung.

Der wirtschaftliche Nutzen ist messbar: Studien der McKinsey Global Infrastructure Initiative zeigen, dass BIM-Projekte im Durchschnitt 15–20 % weniger Kostenüberschreitungen und 7–10 % kürzere Bauzeiten aufweisen als konventionell geplante Projekte. Für öffentliche Auftraggebern in Deutschland ist BIM seit 2020 bei Bundesbauten Pflicht.

BIM 2026 auf einen Blick

15–20 %
Weniger Kostenüberschreitungen bei BIM-Projekten (McKinsey)
2020
BIM-Pflicht für Bundesbaumaßnahmen eingeführt (stufenweise)
ISO 19650
Internationaler Hauptstandard für BIM-Prozesse (seit 2018)
3D → 8D
BIM-Dimensionen von Geometrie bis Sicherheitsmanagement

Kleines BIM vs. Großes BIM vs. Open BIM

Kleines BIM

📊
Inselbetrieb: BIM wird nur innerhalb eines Planungsbüros eingesetzt, ohne Datenaustausch mit anderen Projektbeteiligten
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Proprietäre Formate: Intern werden z. B. Revit- oder ArchiCAD-Modelle genutzt, extern läuft Kommunikation per PDF/DWG
Einstieg: Niedrige Hürde für kleine Büros und Einsteiger — interner Effizienzgewinn ohne volle Prozesstransformation
Grenze: Kollisionsprüfung über Disziplinen hinweg kaum möglich, volle Potenziale bleiben ungenutzt

Großes BIM & Open BIM

📈
Integrierter Datenaustausch: Alle Projektbeteiligten (Architekt, TGA, Tragwerk, Bauunternehmer) arbeiten am gemeinsamen Modell
🔗
Open BIM / IFC: Nutzung offener, herstellerneutraler Standards (IFC nach ISO 16739, BCF, CDE) — keine Software-Abhängigkeit
Pflichtstandard: Für alle öffentlichen Bundesbaumaßnahmen und zunehmend für Landesbauten sowie Infrastrukturprojekte vorgeschrieben
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CDE (Common Data Environment): Gemeinsame Datenumgebung als zentrale Datendrehscheibe für alle Projektbeteiligten

BIM-Pflicht 2026: Was öffentliche Auftraggeber verlangen

Deutschland rollte die BIM-Pflicht stufenweise ein. 2026 ist BIM bei Bundesbaumaßnahmen und Infrastrukturprojekten die Regel, Bundesländer ziehen nach.

Auftraggeber / RechtsgrundlageStatus 2026Erläuterung
Bundesbaumaßnahmen (BMWSB)
Stufenplan Digitales Planen und Bauen
Pflicht Seit 2020 verpflichtend für Neubau- und große Sanierungsvorhaben des Bundes — BIM-Anforderungen im Leistungsbild verankert
Bundesfernstraßen / Autobahn GmbH
Stufenplan Digitale Vernetzung Infrastruktur
Pflicht Alle Neu- und Ausbaumaßnahmen ab Planfeststellungsverfahren inkl. IFC-Übergabe; BIM-Anforderungsdokument ab Leistungsphase 2 obligatorisch
Deutsche Bahn (Großprojekte) Pflicht BIM-Mindestanforderungen in DB-Ausschreibungen seit 2021, 2026 vollständig auf Open BIM / IFC umgestellt
Landesbauten (Bayern, NRW, Baden-W.) Weitgehend Pflicht Mehrere Bundesländer haben eigene BIM-Erlasse; Berlin hat BIM-Standard für Hochbaumaßnahmen ab 10 Mio. € Baukosten eingeführt
Vergabeverordnung (VgV) / EU-Richtlinie 2014/24/EU Empfehlung Art. 22 Abs. 4 erlaubt öffentlichen Auftraggebern, BIM für elektronische Datenverwaltung zu fordern — keine EU-weite Pflicht, aber Empfehlung
Private Auftraggeber Freiwillig Keine gesetzliche Pflicht; Investoren, Projektentwickler und Industrie setzen BIM zunehmend freiwillig ein — besonders bei Projekten ab 5 Mio. €
📝
AIK / AIA-Dokument: Jede BIM-Pflicht-Ausschreibung enthält ein Auftraggeber-Informations-Anforderungs-Dokument (AIA), das Level of Information Need (LOIN), Modellstruktur und CDE-Vorgaben definiert
📋
BIM-Abwicklungsplan (BAP): Bieter müssen einen BAP vorlegen, der beschreibt, wie BIM-Anforderungen im Projekt umgesetzt werden — wird Teil des Vertrags
HOAI-Integration: BIM-spezifische Leistungen (Modellkoordination, CDE-Pflege) sind als Besondere Leistungen in der HOAI 2021 honorarfähig — gesonderte Vereinbarung notwendig
📈
Markttrend: Laut Bitkom-Studie 2025 nutzen bereits 62 % der deutschen Architektur- und Ingenieurbüros BIM-Software; bei Büros >50 MA sind es über 85 %

BIM-Dimensionen: Von 3D bis 8D

Das BIM-Modell ist mehr als ein 3D-Gebäude. Jede Dimension ergänzt eine weitere Informationsebene — von der Terminplanung bis zum Sicherheitsmanagement.

3D Geometrie & Geometrie 4D + Zeit / Bauphasen 5D + Kosten & Mengen 6D + Nachhaltigkeit 7D + FM / Betrieb 8D + Sicherheit
3D – Geometrie
4D – Zeit
5D – Kosten
6D – Nachhaltigkeit
7D – FM / Betrieb
8D – Sicherheit

Klicken Sie auf eine Dimension für Details.

3D

Geometrie & Visualisierung

Dreidimensionales Gebäudemodell mit intelligenten Bauteilen (Wände, Decken, Stützen, Fenster). Automatische Grundrisse, Schnitte und Ansichten aus einem Modell. Kollisionserkennung zwischen Gewerken.

Basisebene
4D

Zeit & Bauablauf

Verknüpfung der Bauteile mit dem Terminplan. Bauablaufsimulation als animiertes Video: Welche Gewerke arbeiten wann wo? Kritische Pfade und Ressourcenkonflikte werden früh sichtbar.

Terminplanung
5D

Kosten & Mengenermittlung

Automatische Mengenermittlung aus dem Modell. Änderungen im Modell aktualisieren die Kalkulation sofort. Reduziert manuelle Massenberechnungen erheblich — Kostentransparenz in Echtzeit.

Kalkulation
6D

Nachhaltigkeit & Ökobilanz

Energiesimulation, CO₂-Bilanz, Lebenszykluskostenanalyse (LCCA) direkt am Modell. Grundlage für DGNB-, BNB- und EU-Taxonomie-Nachweise. Besonders relevant für öffentliche Bundesbauten.

Nachhaltigkeit
7D

Facility Management & Betrieb

Das Modell wird als digitaler Zwilling im Betrieb genutzt: Wartungspläne, Gewährleistungsfristen, Ausstattungsdaten. Grundlage für CAFM-Systeme und Smart-Building-Integration.

Betrieb
8D

Sicherheit & Arbeitsschutz

Arbeitssicherheitsplanung direkt im Modell: Absturzsicherung, Baustellenlogistik, Evakuierungspläne. SiGeKo-relevante Informationen werden als Modellattribute hinterlegt und aktualisiert.

Sicherheit

BIM-Normen 2026: ISO 19650, VDI 2552 & Co.

Die internationale und nationale Normungslandschaft ist in den letzten Jahren gewachsen. Diese Normen sind in deutschen BIM-Projekten maßgeblich.

Norm / StandardTitel / ScopeBedeutung für die Praxis
DIN EN ISO 19650-1 Organisation und Digitalisierung von Informationen über Bauwerke — Konzepte und Grundsätze Definiert Kernkonzepte: Informationsmodell, Common Data Environment (CDE), Level of Information Need (LOIN) — Pflichtlektüre für BIM-Projekte
DIN EN ISO 19650-2 Lieferung von Informationen über den Lebenszyklus von Vermögenswerten Regelt den BIM-Prozess in der Planungs- und Bauphase: AIA, BAP, Lieferprozesse, Benennungskonventionen
DIN EN ISO 19650-3 Bewirtschaftungsphase von Vermögenswerten BIM im Betrieb (7D-BIM): Informationsanforderungen für Facility Management und Asset Management
VDI 2552 Blatt 1–11 Building Information Modeling — deutsche BIM-Normenreihe Deutsche Ergänzungsreihe zur ISO 19650: definiert BIM-Rollen (BIM-Manager, -Koordinator, -Autor), Datenqualität, Mengenermittlung (Blatt 8) und Kostendaten (Blatt 8.1)
DIN EN ISO 16739-1 Industry Foundation Classes (IFC) für BIM Definiert das offene IFC-Austauschformat. IFC 4.3 (2022) ist aktuell; IFC 5.0 in Entwicklung. Pflichtformat für Open-BIM-Projekte im öffentlichen Bereich
DIN SPEC 91391 Common Data Environment (CDE) Deutsche Spezifikation für projektbezogene Datenumgebungen: Statuscodes, Ordnerstruktur, Zugriffskontrolle — Basis für BIM-Server-Auswahl
LOIN / buildingSMART Level of Information Need (ehem. LOD) Ersetzt den veralteten LOD-Begriff (Level of Detail). LOIN definiert geometrische und alphanumerische Informationstiefe je Planungsphase und Gewerk. In ISO 19650-2 verankert.
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buildingSMART International: Die Non-Profit-Organisation treibt Open-BIM-Standards voran. Deutsches Pendant: buildingSMART Deutschland e. V. — Mitglieder erhalten frühzeitig Zugang zu Normenentwürfen
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Stufenplan BMWSB: Der Stufenplan Digitales Planen und Bauen des Bundesministeriums definiert konkrete Anforderungen an BIM-Leistungen für Bundesbaumaßnahmen — kostenlos downloadbar
📊
BNB & DGNB mit BIM: Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) und DGNB verlangen bei der Zertifizierung zunehmend modellbasierte Nachweise — BIM reduziert den Aufwand für Energie- und Ökobilanzen erheblich
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BCF-Format: BIM Collaboration Format (ISO 21597) ist der offene Standard für Aufgaben- und Kommentarmanagement zwischen verschiedenen BIM-Anwendungen — unverzichtbar für modellübergreifende Kollisionsprüfung

BIM-Einführungskosten & ROI-Rechner

Stellen Sie Projektvolumen, Bürogröße und BIM-Reifegrad ein — der Rechner zeigt Einführungskosten, Einsparungspotenzial und Amortisation live (Richtwerte für den deutschen Markt 2026).

Projektvolumen (Bausumme) 5 Mio. €
Bürogröße / Projektteam
BIM-Reifegrad
Anzahl Projekte/Jahr 4
Einführungskosten (einmalig, inkl. Schulung & Software)
35.000 €
Laufende Kosten/Jahr (Lizenzen, CDE, Weiterbildung)
8.000 €
Einsparungspotenzial/Jahr (weniger Fehler, Mengenautom.)
45.000 €
Amortisation der Einführungsinvestition
0,9 Jahre
Richtwerte für den deutschen Markt 2026. Einsparungen basieren auf durchschnittlichen BIM-Effizienzgewinnen (McKinsey, Dodge Data 2024): 10 % weniger Planungsfehler, 30 % schnellere Mengenermittlung, 8 % reduzierte Nachtragskosten. Individuelle Ergebnisse abhängig von Projektart und Qualifikation des Teams.

BIM-Software 2026: Marktpreise & Einsatzgebiete

Der Markt für BIM-Authoring- und Koordinationssoftware ist fragmentiert. Diese Übersicht zeigt gängige Lösungen mit Berliner Marktpreisen 2026.

SoftwareHaupteinsatzLizenzkosten/Jahr (2026)Hinweis
Autodesk Revit Hochbau, Architektur, TGA, Tragwerk 3.800–4.800 € Marktführer in Deutschland; Autodesk Construction Cloud als CDE; nur Cloud-Abo, keine Perpetual-Lizenz
Nemetschek ArchiCAD 28 Architektur, Wohnungsbau, integrierte TGA 4.200–5.500 € Stark in Europa, besonders bei Architekturbüros; Open BIM von Haus aus; Teamwork-Modul für Kooperation
Nemetschek Allplan 2026 Ingenieurbau, Hochbau, Fertigteil 3.500–4.500 € Starke Ingenieurbau-Werkzeuge; Bimplus als CDE; gute IFC-Kompatibilität; in D/AT/CH verbreitet
Trimble Tekla Structures Stahl- und Betonbau, Tragwerksplanung 6.500–9.500 € Industriestandard für Stahlbau-Detailplanung und Fertigteilindustrie; sehr hoher Detailgrad (LOD 400+)
Autodesk Navisworks BIM-Koordination, Kollisionsprüfung 2.200–3.200 € Zusammenführung von Modellen unterschiedlicher Software zur Kollisionsprüfung; 4D-Bauablauf-Simulation
Solibri (Nemetschek) Modellprüfung, Qualitätssicherung, Mengen 2.800–4.000 € Regelbasierte Modellvalidierung (IFC); Mengenermittlung; BCF-Kommunikation; gefordert bei HOAI-Prüfungen
Vectorworks Architect Architektur, Innenarchitektur 2.400–3.200 € Günstigere Alternative zu Revit/ArchiCAD; gute 2D/3D-Hybridkennzeichnung; IFC-Export

BIM schrittweise einführen — der bewährte Weg

1

Bestandsaufnahme & BIM-Zieldefinition (1–2 Monate)

Welche Projekte, welche Disziplinen, welche Softwarelandschaft ist vorhanden? BIM-Beauftragter bestimmen, Pilotprojekt auswählen, AIA/BAP-Vorlage des Auftraggebers lesen. Keine Fehlinvestition durch blinde Software-Erstanschaffung.

2

Software-Auswahl & Pilotschulung (2–4 Monate)

Softwareauswahl anhand Pilotprojekt-Anforderungen — nicht anhand von Marketing. BIM-Manager und 2–3 BIM-Autoren schulen (je ca. 3–5 Tage). Berliner Schulungsanbieter: BAUAKADEMIE Berlin, TU Berlin Weiterbildung, herstellereigene Academies.

3

Pilotprojekt mit BIM (parallel zur klassischen Planung)

Kleines BIM zunächst intern anwenden. Erfahrungen dokumentieren, Vorlagemodelle (Templates) und Benennungskonventionen entwickeln. Zeitaufwand im Pilotprojekt ist höher als normal — das ist eingeplant und ok.

4

CDE einführen & externe Koordination (ab Projekt 2–3)

Common Data Environment (z. B. BIMcollab, Autodesk ACC, Bimplus, Dalux) einrichten. Externe Projektbeteiligte einbeziehen. BCF-basierter Kommunikationsworkflow etablieren. Erste modellbasierte Mengenauswertungen nutzen.

5

Open BIM & Rollout (ab Jahr 2–3)

IFC-Austausch mit allen Fachplanern testen, Kollisionsprüfung in Solibri/Navisworks etablieren, 5D-Kostenverknüpfung schrittweise einführen. BIM im Ausführungsvertrag verankern und an ausführende Firmen übergeben.

BIM in Berlin 2026: Projekte, Pflicht & Anlaufstellen

Berlin gehört zu den aktivsten BIM-Standorten Deutschlands — mit öffentlichen Pilotprojekten, einem wachsenden Fachkräfteangebot und spezifischen Anforderungen der Berliner Bauaufsicht.

🏛

Berliner BIM-Erlass: Pflicht ab 10 Mio. € Bausumme

Der Berliner Senat (SenStadt) hat BIM als Standard für öffentliche Hochbaumaßnahmen des Landes Berlin ab einer Bausumme von 10 Mio. € eingeführt. Das Berliner Landesamt für Gebäudemanagement (BLB) fordert in Ausschreibungen AIA-Dokumente und IFC-Modellabgaben. Kleinere Projekte können freiwillig mit BIM-Anforderungen ausgestattet werden.

🚀

Referenzprojekte: BER, Staatsoper, Humboldt-Forum

Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) war eines der ersten deutschen Großprojekte mit intensiver BIM-Nutzung — retrospektiv wurden viele Lessons Learned gezogen. Die Staatsoper Unter den Linden und das Humboldt Forum (Stadtschloss) nutzten BIM für Bestands-Digitalisierung und Umbauplanung. Das neue Landeskriminalamt Berlin (Bausumme ~200 Mio. €) wurde vollständig als Open-BIM-Projekt ausgeschrieben.

🎓

Ausbildung & Weiterbildung in Berlin

Berlin bietet ein breites Ausbildungsangebot: TU Berlin (M.Sc. Architektur mit BIM-Spezialisierung), Beuth Hochschule für Technik Berlin (Weiterbildungszertifikat BIM), BAUAKADEMIE Berlin (VDI-anerkannte BIM-Manager-Kurse, 5–10 Tage, ca. 2.500–4.500 €). BIM-Manager verdienen in Berlin laut Stepstone 2026 zwischen 72.000 und 96.000 € brutto/Jahr.

📈

Berliner Baumarkt: BIM-Nachfrage steigt

Laut Auswertung von Berliner Stellenportalen (April 2026) stieg die Anzahl der BIM-spezifischen Ausschreibungen in Berlin/Brandenburg im Vergleich zu 2024 um 34 %. Besonders betroffen: Wohnungsbaugesellschaften wie Gewobag, degewo und Vonovia schreiben zunehmend BIM-Anforderungen bei Neubauprojekten aus — noch keine Pflicht, aber wachsender Marktdruck. Büros ohne BIM-Kompetenz erhalten z. T. keine Einladung mehr.

🔧

Förderung: Digitalbonus für KMU

Berliner KMU im Bau- und Planungsbereich können BIM-Einführungskosten über Bundesförderprogramme (KfW, BAFA Digitalisierungsberatung) und das Berliner Innovationsprogramm IBB anteilig fördern lassen. Die IBB fördert Digitalisierungsprojekte mit bis zu 50 % der anrechenbaren Kosten, max. 100.000 €. Voraussetzung: BIM-Vorhaben muss über interne Einzelprojekte hinausgehen (Prozessimplementierung).

FAQ: BIM 2026

Was ist BIM und wozu wird es beim Bauen eingesetzt?
+
BIM (Building Information Modeling) ist eine digitale Arbeitsmethode, bei der alle Informationen eines Bauwerks — Geometrie, Materialien, Kosten, Termine und Betriebsdaten — in einem gemeinsamen digitalen Modell vernetzt werden. Statt isolierter 2D-Pläne entsteht ein “intelligentes Gebäude” am Computer, das von Planer, Bauunternehmer und später dem Gebäudebetreiber genutzt wird. BIM wird eingesetzt, um Planungsfehler früher zu erkennen, Kosten automatisch zu ermitteln, Bauabläufe zu simulieren und den späteren Gebäudebetrieb digital abzubilden.
Ist BIM in Deutschland 2026 gesetzlich vorgeschrieben?
+
Für öffentliche Auftraggeber gilt BIM seit 2020 stufenweise als Pflicht: Bundesbaumaßnahmen, Autobahn GmbH-Projekte und Deutsche Bahn setzen BIM verpflichtend ein. Berlin hat BIM für Landesbaumaßnahmen ab 10 Mio. € Bausumme verpflichtend eingeführt. Für private Auftraggeber und kleine Projekte gibt es keine gesetzliche Pflicht — hier ist BIM freiwillig, wird aber zunehmend als Qualitätsmerkmal von Investoren und großen Wohnungsbaugesellschaften gefordert.
Was kostet die BIM-Einführung für ein Architekturbüro?
+
Die Kosten variieren stark nach Bürogröße: Ein kleines Büro (<10 Mitarbeiter) rechnet mit 25.000–50.000 € einmalig (Software, Schulung, Prozessberatung) plus ca. 8.000–12.000 €/Jahr laufend. Mittelgroße Büros (10–30 MA) investieren 70.000–120.000 € einmalig. Die Einführungskosten amortisieren sich bei konsequenter Nutzung laut Marktdaten innerhalb von 1–3 Jahren durch weniger Planungsfehler, schnellere Mengenermittlung und reduzierte Nachträge.
Was bedeuten die BIM-Dimensionen 3D, 4D, 5D, 6D, 7D und 8D?
+
Jede Dimension erweitert das BIM-Modell um eine Informationsebene: 3D = geometrisches 3D-Gebäudemodell (Basis aller weiteren Dimensionen). 4D = Modell + Terminplan (Bauablaufsimulation). 5D = Modell + Kosten (automatische Mengenermittlung und Kalkulation). 6D = Modell + Nachhaltigkeitsdaten (Energiesimulation, CO₂-Bilanz, DGNB/BNB). 7D = Modell + Betriebsdaten (Wartung, Facility Management, digitaler Zwilling). 8D = Modell + Sicherheitsplanung (Arbeitssicherheit, SiGeKo, Evakuierung).
Welche BIM-Software wird am häufigsten in Deutschland eingesetzt?
+
Der Marktführer im Hochbau ist Autodesk Revit (ca. 3.800–4.800 €/Jahr), gefolgt von Nemetschek ArchiCAD (4.200–5.500 €) und Allplan (3.500–4.500 €). Für Stahlbau und Fertigteile dominiert Trimble Tekla. Für modellübergreifende Koordination und Kollisionsprüfung werden Navisworks und Solibri eingesetzt. Wichtig: Die Softwareauswahl sollte sich nach den Anforderungen des Auftraggebers (AIA) und den beteiligten Fachplanern richten, nicht nach Marketingversprechen.
Was ist der Unterschied zwischen IFC und einem nativen BIM-Modell?
+
Ein natives Modell liegt im proprietären Format der BIM-Software vor (z. B. .rvt für Revit, .pln für ArchiCAD). Es enthält alle Informationen, ist aber nur mit dieser spezifischen Software vollständig nutzbar. IFC (Industry Foundation Classes, ISO 16739) ist ein offenes, herstellerneutrales Austauschformat, mit dem Modelle zwischen verschiedenen Softwarelösungen ausgetauscht werden können — ohne Softwareabhängigkeit. Open BIM basiert auf IFC und ist Voraussetzung für alle öffentlichen BIM-Projekte in Deutschland. Der IFC-Export geht in der Praxis mit gewissen Informationsverlusten einher — daher ist der BAP (BIM-Abwicklungsplan) wichtig, der genau regelt, welche Informationen in welchem Format geliefert werden müssen.
Lohnt sich BIM auch für kleinere Projekte und mittelständische Bauunternehmen?
+
Ja, wenn richtig eingesetzt. Für Projekte unter 1 Mio. € Bausumme ist der BIM-Aufwand oft nicht wirtschaftlich — hier gilt: Kleines BIM intern für Visualisierung und Mengenermittlung nutzen, ohne vollständige CDE-Integration. Für Baufirmen (ausführend) ist BIM besonders wertvoll für: automatische Mengenermittlung aus dem Modell, Bauablaufsimulation (4D), Aufmaß-Abgleich und Mängelmanagement per Tablet auf der Baustelle. Die Einstiegsbarriere ist gesunken — Apps wie Dalux, BIMx oder PlanGrid ermöglichen Baustellen-BIM ohne teure Autorenlizenzen.
Welche Normen sind für BIM in Deutschland maßgeblich?
+
Die wichtigsten Normen sind: DIN EN ISO 19650 (Teile 1–3): Internationaler Hauptstandard für Informationsmanagement im BIM, regelt Prozesse, Rollen und CDE-Anforderungen. VDI 2552 (Blatt 1–11): Deutsche Ergänzungsreihe mit spezifischen Anforderungen zu Rollen, Mengenermittlung und Kostendaten. DIN EN ISO 16739 (IFC): Standard für das offene Austauschformat. DIN SPEC 91391: Common Data Environment. Für öffentliche Bundesbauten ist zudem der Stufenplan Digitales Planen und Bauen des BMWSB maßgeblich — er konkretisiert Anforderungen auf Basis dieser Normen.

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