🌳 Holzbau & Konstruktion

Holzrahmenbau & Holztafelbau: Technik, Normen & Vorteile 2026

Holzrahmenbau und Holztafelbau sind die dominierenden Leichtbauverfahren im modernen Wohnungsbau — schnell, energieeffizient und klimafreundlich. Was Bauherren und Fachplaner in Berlin 2026 wissen müssen: Aufbau, Normen, Kosten und Praxisvergleich.

15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist Holzrahmenbau und Holztafelbau?

Holzrahmenbau (auch Holzständerbau oder „Platform Frame Construction“) ist ein Leichtbauverfahren, bei dem ein tragendes Raster aus senkrechten Holzständern (i. d. R. 60 cm Achsmaß) mit Ober- und Unterrahmen zu einem starren Scheibenverbund zusammengefügt wird. Die Außenseitig aufgebrachte Beplankung — meist OSB-Platten oder Holzfaserplatten — übernimmt die Aussteifung gegen horizontale Lasten (Wind, Erdbeben).

Beim Holztafelbau werden diese Wandelemente als komplett vorgefertigte Tafeln — inklusive Dämmung, Installationsebene und Fensterdübeln — im Werk produziert und auf der Baustelle nur noch montiert. Der Unterschied ist damit vor allem einer des Vorfertigungsgrads: Holzrahmenbau = Baustelle, Holztafelbau = Werk + Montage.

Beide Verfahren erleben in Deutschland einen starken Aufschwung: Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 rund 19 % aller neu errichteten Wohngebäude in Holzbauweise erstellt — Tendenz steigend, getrieben durch GEG-2024-Anforderungen, CO₂-Reduktionsziele und den Fachkräftemangel im Maurerhandwerk.

Holzbau 2026 — Kennzahlen

19 %
Anteil Holzbau an neuen Wohngebäuden in Deutschland (2025)
4–6
Werktage Rohbau-Montage für ein EFH im Holztafelbau
−50 %
CO₂-Ausstoß vs. Stahlbetonbau (Herstellungsphase, Richtwert)
0,13
W/(m²·K) U-Wert — erreichbar bei 20 cm Einbläsdämmung (HRB)

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick

Kurze Bauzeit

Ein Einfamilienhaus im Holztafelbau steht im Rohbau in 4–6 Werktagen. Im Holzrahmenbau (Baustellen-Montage) dauert es 2–4 Wochen — beides deutlich schneller als Mauerwerk.

Zeitvorteil
🌿

Klimaschutz & CO₂

Holz speichert langfristig Kohlenstoff. 1 m³ Fichten-KVH bindet ca. 0,8 t CO₂. Kombiniert mit kurzer Herstellungsenergie ergibt sich eine klar positive Ökobilanz gegenüber Beton/Stahl.

Nachhaltigkeit
🏠

Schlanke Wände — mehr Nutzfläche

Ein HRB-Außenwandaufbau mit 20 cm Dämmung (U ≤ 0,17 W/(m²·K)) bleibt oft schlanker als eine vergleichbare Massivwand. Gewinn: mehrere Quadratmeter Nutzfläche pro Etage.

Flächeneffizienz
🏠

Präzise Vorfertigung

Holztafelbauteile werden im Werk auf ±1 mm genau gefäst und gebohrt. Installationskanäle und Fensterrahmungen sind bereits eingebaut — Monta­ge­fehler auf der Baustelle drastisch reduziert.

Qualität
🔌

Trockenbau — sofort nutzbar

Keine Bau­feuchte wie beim Nassputz. Innenausbau kann unmittelbar nach der Montage beginnen. Schimmelrisiko durch Restfeuchte im Bauteil präktisch ausgeschlossen, wenn Holzfeuchte ≤ 18 % bei Einbau (DIN 68800).

Wohnklima
📈

Gute Wirtschaftlichkeit

Materialkosten liegen in ähnlichem Rahmen wie Mauerwerk, der Zeitvorteil spart aber erhebliche Baulohnkosten und Finanzierungskosten. Berliner Preise (2026): 1.800–2.600 €/m² (HRB) vs. 2.200–3.400 €/m² (HTB).

Kosten

Aufbau & Konstruktionsprinzipien im Detail

Vom Ständerwerk bis zur Installationsebene — so ist eine Holzrahmen- oder Holztafelwand aufgebaut.

Holzrahmenbau (HRB) — Wandaufbau

1
Innenverkleidung — Gipskarton 12,5 mm (REI-Beitrag), alternativ Gipsfaser oder Holzwerkstoff
2
Installationsebene — 50 mm Querlatung mit Leerrohren/Elektro, entkoppelt Dampfbremse von Durchdringungen
3
Dampfbremse / Luftdichtheitsschicht — Pro Clima DB+ o.ä., n<0,6 h⁻¹ nach DIN EN ISO 9972 (Blower-Door)
4
Ständerwerk — KVH SI 60×140 mm bis 60×200 mm, Achsabstand 62,5 cm, gefüllt mit Mineralwolle WLG 035 oder Einbläsdämmung
5
OSB-Beplankung — OSB/3 15 mm außen (Aussteifung, winddicht), alternativ Holzfaserplatte diffusionsoffen
6
Hinterbelüftung + Außenverkleidung — 30 mm Lattung, Putz auf Schiene oder Holz-/Faserzementfassade

Holztafelbau (HTB) — Fertigungsschritte

1
Planung & CNC-Abbund — CAD/CAM-gesteuerte Sägen und Fräsen mit ±1 mm Genauigkeit; Fensteröffnungen, Installationskanäle und Dübel sind integriert
2
Werkseitige Montage — Rahmen, Beplankung und Dämmung (i. d. R. Einbläsen im Werk) werden vollständig zusammengebaut
3
Transport & Logistik — Max. Tafelbreite ca. 3,0 m (Tieflader), Länge bis 13,5 m. Kran erforderlich, Lieferfenster muss koordiniert werden
4
Baustellenmontage — Tafeln werden per Kran gesetzt und verschraubt; Anschlussdichtungen (EPDM, Kompribänder) herstellen
5
Rohbauabschluss — EFH-Rohbau fertig in 4–6 Werktagen; MFH (6 WE) in 2–3 Wochen, Blower-Door-Test direkt danach möglich
6
Verbindungsmittel — Ringschrauben-Nägel nach DIN EN 14592, Winkels (Simpson, Rotho Blaas) oder Vollgewindeschrauben nach ETA-Zulassung

Technische Besonderheiten & Planungshinweise

🔒
Luftdichtheit ist kritisch: Die Dampfbremse muss lückenlos verlegt und an Anschlüssen (Fenster, Decke, Fußpunkt) verklebt sein. Blower-Door-Test (DIN EN ISO 9972) nach Rohbau vor Ausbau zwingend empfohlen — n50 ≤ 1,0 h&sup7;¹ für GEG-Nachweis, 0,6 für KfW 40.
🔥
Brandschutz: Nach DIN EN 1995-1-2 (Eurocode 5 Teil 1-2) werden Holzbauteile mit dem Abbrandmodell berechnet (Fichtenholz: 0,7 mm/min). GK 4 (MFH bis 7 m) in Berlin: Holzstätze benötigen R 60, realisierbar mit Beplankung oder Kapselung.
🎶
Schallschutz: Leichtbau überträgt Schall anders als Massivbau. Für Mehrfamilienhäuser gilt DIN 4109-1. Zweischalige Wand­kon­stru­ktionen mit entkoppelten Schalen (Gummistreifen, Federschienen) erreichen Rw ≥ 55 dB.
💧
Holzschutz (DIN 68800): Konstruktiver Holzschutz hat Vorrang (Gebrauchsklasse GK 0 innen, GK 2 außen ohne Erdkontakt). Chemischer Schutz nur bei unvermeidlichem Erdkontakt (GK 3/4). Holzfeuchte bei Einbau ≤ 18 %.
Feuchtetransport (Gläser-Verfahren): Der Schichtaufbau muss diffusionstechnisch korrekt geplant sein — sd-Wert der Dampfbremse innen > sd-Wert aller äußeren Schichten. Fehlplanung führt zu Taupunktunterschreitung und Schimmel im Gefäch.
📈
Statik: Bemessung nach DIN EN 1995-1-1 (EC5). Für Gebäude bis GK 3 ausreichend. Höhere Gebäude (Berlin Stadthaus: bis 7 Geschosse in Holzbau baurechtlich möglich, § 35 BauOBln) benötigen Sondernachweise zur Aussteifung.

Relevante DIN/EN-Normen im Holzrahmenbau

Der Holzbau ist eines der am stärksten normierten Bauverfahren. Hier die wesentlichen Regelwerke für Planung und Ausführung.

Norm / RegelwerkAnwendungsbereichRelevanz für HRB/HTB
DIN EN 1995-1-1 (EC5) Bemessung und Konstruktion von Holzbauten — Allgemeines Tragwerksplanung Ständer, Balken, Anschlüsse; Grundlage aller statischen Nachweise
DIN EN 1995-1-2 Holzbau — Brandschutz (Abbrandmodell) Nachweis der Tragsicherheit im Brandfall; Restquerschnittsverfahren für KVH-Ständer
DIN 68800-1/-2/-3 Holzschutz (Allgemeines, vorbeugende Maßnahmen, Bekämpfungsmaßnahmen) Gebrauchsklassen GK 0–4; konstruktiver Holzschutz hat Vorrang vor chemischem
DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen Anforderungen an OSB/3- und OSB/4-Platten für Aussteifungsscheiben
DIN EN 14081-1 Schnittholz für tragende Zwecke — Sortierung Festigkeitsklassen C 16/C 24/C 30; KVH SI = C 24 nach DIN 4074
DIN 4108-2/-7 Wärmeschutz und Energie-Einsparung — Mindestwärmeschutz / Klimabedingter Feuchteschutz U-Wert-Anforderungen, Taupunktnachweis, Gläser-Diagramm für Wandaufbauten
DIN 4109-1/-2 Schallschutz im Hochbau Anforderungen Luft-/Trittschall in MFH; leichtbautypische zweischalige Lösungen
DIN EN ISO 9972 Messung der Luftdurchlässigkeit (Blower-Door) Pflichtnachweis für GEG § 26; n50 ≤ 1,0/0,6 h&sup7;¹ je nach Anlagentechnik
GEG 2024 (Gebäudeenergiegesetz) Energetische Anforderungen an Neubau & Sanierung 65 % EE-Anteil Heizenergie; Jahresprimärenergiebedarf, U-Wert-Grenzwerte
📋
ETA-Zulassungen: Verbindungsmittel (Vollgewindeschrauben, Nagelplatten) benötigen eine Europäische Technische Bewertung (ETA) — kein CE-Zeichen allein nicht ausreichend. Gängige ETAs: Rothoblaas VGS (ETA-11/0030), SFS intec (ETA-12/0288)
Berliner Bauordnung (BauOBln): Gebäudeklasse 4 (h ≤ 13 m Oberkante Fußboden) benötigt F 90-Bauteile für tragende Teile. Holzbau in GK 4: Kapselung K 260 nach DIN EN 13501-2 oder Nachweis nach EC5 Teil 1-2 möglich.

Baukostenschätzer: Was kostet Ihr Holzbauprojekt in Berlin?

Stellen Sie Wohnfläche, Bauweise und Ausstattung ein — der Gesamtkostenrahmen berechnet sich live (Berliner Richtwerte 2026).

Wohnfläche 150 m²
Bauweise
Ausstattung
Geschosse
Keller
Rohbau­kosten (ca.)
225.000 €
Gesamt­baukosten inkl. Ausbau (ca.)
330.000 €
Kosten je m² Wohnfläche
2.200 €/m²
Berliner Richtwerte 2026 ohne Grundstück, Erschließung, Planung (≈ 12–18 %), Nebenkosten. Rohbau = ca. 40–45 % der Gesamtkosten. Individuelle Angebote können deutlich abweichen.

Holzrahmenbau vs. Holztafelbau vs. Massivbau

Welche Bauweise passt zu Ihrem Projekt? Fachplaner und Bauherren finden hier die entscheidenden Unterschiede auf einen Blick.

🪓 Holzrahmenbau (HRB)
VorfertigungGering — Baustelle
Rohbauzeit EFH2–4 Wochen
Kosten/m² (Berlin)1.800–2.600 €
U-Wert Außenwand0,13–0,20 W/(m²K)
PlanungsflexibilitätHoch
Schallschutz MFHMit Aufwand erreichbar
SpeicherkapazitätGering (Leichtbau)
Bau­feuchteKeine (Trockenbau)
GebäudeklassenGK 1–4 (5 Sonder)
🪟 Holztafelbau (HTB)
VorfertigungHoch — Werk+CNC
Rohbauzeit EFH4–6 Werktage
Kosten/m² (Berlin)2.200–3.400 €
U-Wert Außenwand0,10–0,18 W/(m²K)
PlanungsflexibilitätMittel (CAD-abh.)
Schallschutz MFHMit Aufwand erreichbar
SpeicherkapazitätGering (Leichtbau)
Bau­feuchteKeine (Trockenbau)
GebäudeklassenGK 1–4 (5 Sonder)
🏛 Massivbau (Beton/KS)
VorfertigungKeine bis mittel
Rohbauzeit EFH8–16 Wochen
Kosten/m² (Berlin)2.400–3.800 €
U-Wert Außenwand0,15–0,28 W/(m²K)
PlanungsflexibilitätSehr hoch
Schallschutz MFHSehr gut (Masse)
SpeicherkapazitätSehr hoch
Bau­feuchteHoch (Trocknungszeit)
GebäudeklassenAlle GK

Wann welche Bauweise?

Holzrahmenbau ideal für …

EFH/DOPH mit begrenztem Budget und Wunsch nach eigener Mitarbeit (Ausbauhaus). Sanierungen und Aufstockungen (geringes Eigengewicht). Projekte in ländlichen Gebieten ohne nächsten HTB-Hersteller. Pläne die sich noch im Bauprozess ändern.

Holztafelbau ideal für …

Projekte mit engem Zeitplan (Fertigstellung vor Winter). MFH und Reihenhauszeilen mit Typenplanung. Bauherren die maximale Präzision und werksseitige Qualitätskontrolle wünschen. Serielles Bauen und Modulbau (Berlin: IBB-Förderung für seriellen Wohnungsbau).

Massivbau ideal für …

Gebäude > GK 4 ohne Sondernachweise. Projekte mit hohen Schallschutzanforderungen (z. B. Lage an stark befahrenen Berliner Straßen). Wenn große thermische Trägheit gewünscht ist (sommerlicher Wärmeschutz ohne aktive Kühlung). Nutzungen mit hohen Feuchtlasten.

Was kostet Holzrahmenbau & Holztafelbau in Berlin?

Reale Berliner Kostenrichtwerte 2026 — aufgeteilt nach Gewerken und Bauweise.

KostenpositionHolzrahmenbau (HRB)Holztafelbau (HTB)Hinweis
Rohbau gesamt (KG 300) 720–1.050 €/m² 900–1.350 €/m² Bez. Wohnfläche; inkl. Fundament, Holzkonstruktion, Beplankung, Dämmung
Holzkonstruktion (Ständer, KVH, BSH) 180–260 €/m² 280–420 €/m² HTB: höherer Anteil durch CNC-Abbund und Werkskosten
Dämmung Außenwand 55–90 €/m² 45–75 €/m² HTB: Einbläsen im Werk günstiger als Baustellen-Einbau
Fassade (Holzschalung, Putz, Faser­zement) 80–180 €/m² Fassadenfläche 80–180 €/m² Fassadenfläche Identisch je Variante; Putz auf WDVS günstiger als Holzschalung
Fenster & Außentüren (KG 334) 180–320 €/m² Wohnfl. 160–280 €/m² Wohnfl. HTB: Rahmeneinbau werksseitig spart Baustellen­lohn
Ausbau gesamt (KG 400+) 1.100–1.600 €/m² 1.100–1.600 €/m² HLS, Elektro, Estrich, Böden, Trockenbau — identisch unabhängig von Bauweise
Gesamtbaukosten (KG 300–400) 1.820–2.650 €/m² 2.000–2.950 €/m² Ohne Grundstück, Erschließung (KG 100/200) und Planung (KG 700, ca. 12–18 %)
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Berliner Grundstückspreise 2026: 400–900 €/m² (Außenbezirke Marzahn, Spândau), 1.200–2.200 €/m² (Pankow, Treptow), 2.500 + €/m² (Mitte, Prenzlauer Berg). Grundstück oft 25–40 % der Gesamtinvestition.
💰
KfW-Förderung 2026: KfW 297/298 (EH 40/EH 40 Plus): Kredit bis 150.000 € je WE, Tilgungszuschuss 12,5–20 %. Holzbau erfüllt EH 40 mit 20 cm Dämmung und kontrollierter Lüftung problemlos.
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Berliner Wohnungsbauförderung: IBB-Darlehen für Mietwohnungsneubau (bis 2.400 €/m² Förderobergrenze). Serieller Holzbau kann bei Typenplanung Gördelär­Konditionen nutzen.
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Kostenvergleich Baulöhne Berlin: Zimmerer: 58–78 €/h; Maurer: 52–68 €/h. Die kürzere Rohbauzeit im Holzbau kompensiert häufig den höheren Materialeinsatz bei KVH/BSH.

Nachhaltigkeit: Warum Holzbau dem Klima nützt

Holz ist der einzige nachwachsende Baustoff mit positiver Klimabilanz. Zahlen, Fakten und Berliner Praxisbeispiele.

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CO₂-Speicherung: Jeder Kubikmeter zählt

1 m³ Fichtenholz (KVH) speichert rund 0,80 t CO₂ langfristig im Bauteil. Ein typisches EFH im Holzrahmenbau bindet im Tragwerk ca. 25–40 t CO₂ — das entspricht dem Jahresausstoß von 3–4 PKW. Quelle: Holzbau Deutschland, Berechnung nach EN 16449.

Graue Energie: Holz gewinnt klar

Die Herstellung von 1 t KVH verbraucht ca. 350–500 kWh Primärenergie (PE); 1 t Stahlbeton benötigt hingegen ca. 1.800–2.400 kWh PE. Im Lebenszyklusvergleich (gem. DIN EN 15978) schneidet Holzbau beim Global Warming Potential (GWP) um 40–65 % besser ab als Betonbau.

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Rückbaubarkeit & Cradle-to-Cradle

Holzbaukonstruktionen können am Lebensende rückgebaut und material­gerecht getrennt werden. KVH und BSH lassen sich thermisch verwerten (Heizwert ca. 4,4 kWh/kg) oder — zunehmend — für Neubauten wiederverwenden. Berliner Pilotprojekte (z. B. Holzmarkt-Quartier) zeigen die Machbarkeit.

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Berlin: Holzbau als Stadtpolitik

Der Berliner Senat hat im Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 den Holzbau explizit als Werkzeug zur klimaneutralen Stadtentwicklung verankert. Die IBB fördert seriellen Holzbau-MFH mit Sonderkonditionen. Projekte wie der Holzblock in Weissensee oder der Woodie in Adlershof zeigen: mehrgeschossiger Holzbau funktioniert in Berlin. Bis 2030 plant der Senat 20–25 % Holzbauanteil bei geförderten Neubauten.

BaustoffGWP (kg CO₂/m² NRF)Primärenergie (kWh/m²)Quelle / Methode
Holzrahmenbau−80 bis −20200–350ÖKOBAUDAT, DIN EN 15978, Modul A1–A5
Holztafelbau−60 bis −10240–380ÖKOBAUDAT; leicht höher wg. Transportweg Werk
Stahlbetonbau+180 bis +2801.200–1.800ÖKOBAUDAT, Modul A1–A5
Kalksandstein + WDVS+120 bis +220800–1.300ÖKOBAUDAT, Modul A1–A5

FAQ: Holzrahmenbau & Holztafelbau

Was ist der Unterschied zwischen Holzrahmenbau und Holztafelbau?
+
Holzrahmenbau (HRB) bezeichnet die Konstruktionsmethode: ein tragendes Raster aus Holzständern (60 cm Achsabstand), das auf der Baustelle aufgerichtet, gedämmt und beplankt wird. Holztafelbau (HTB) beschreibt einen höheren Vorfertigungsgrad: Identische Wandkonstruktionen werden im Werk als fertige Tafeln hergestellt und auf der Baustelle nur noch per Kran gesetzt. Der Holzrahmenbau ist die Konstruktionsbasis; der Holztafelbau ist Holzrahmenbau mit Werksfertigung. Kurz: Gleiche Statik, unterschiedliche Fertigungstiefe.
Ist Holzrahmenbau beim Brand wirklich sicher?
+
Ja — mit der richtigen Konstruktion. Massivholz verbrennt mit einer definierten Abbrandrate von 0,7 mm/min (Fichte, DIN EN 1995-1-2) — deutlich langsamer als Stahl, der ab 500 °C seine Tragfähigkeit verliert. Ein HRB-Bauteil R 60 (60 Minuten Feuerwiderstand) wird durch Kapselung mit Gipsfaserplatten oder durch entsprechendes Übermaß im Querschnitt erreicht. Für MFH (GK 4) in Berlin ist R 60 für tragende Teile vorgeschrieben — mit 2 Lagen Gipsfaserplatte (2×18 mm) problemlos erfüllt. Im GK 3 (EFH/DOPH) reicht F 30 — häufig bereits durch die Beplankung allein erfüllt.
Wie viel kostet ein Holzrahmenbau-Haus in Berlin 2026?
+
Die Gesamtbaukosten (ohne Grundstück, Erschließung und Planung) liegen in Berlin 2026 bei 1.800–2.600 €/m² Wohnfläche für den Holzrahmenbau. Der Holztafelbau ist durch Planungs- und Werkskosten etwas teurer: 2.200–3.400 €/m². Zum Vergleich: Massivbau kostet in Berlin aktuell 2.400–3.800 €/m². Nutzen Sie unseren Kostenrechner oben für eine erste Indikation Ihres Projekts.
Wie lange dauert der Bau eines Holzrahmenhauses?
+
Im Holzrahmenbau (Baustellen-Errichtung) steht der Rohbau eines EFH in 2–4 Wochen, danach kann sofort mit dem Innenausbau begonnen werden. Im Holztafelbau (Werksfertigung) dauert die eigentliche Baustellen-Montage nur 4–6 Werktage für ein EFH — allerdings kommt eine Vorproduktionszeit im Werk von 4–10 Wochen hinzu. Insgesamt von Baubeginn bis Einzug: HRB ca. 6–10 Monate, HTB ca. 4–8 Monate (schneller bei einfachen Grundrissen).
Welche DIN-Normen gelten für Holzrahmenbau?
+
Die wichtigsten Normen sind: DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5) für die Tragwerksplanung, DIN EN 1995-1-2 für den Brandschutz, DIN 68800 für den Holzschutz (Gebrauchsklassen), DIN 4108-2/-7 für den Wärme- und Feuchteschutz, DIN 4109-1/-2 für den Schallschutz sowie DIN EN ISO 9972 für den Blower-Door-Test. Dazu kommen Produktnormen für verwendete Materialien (OSB nach DIN EN 13986, Schnittholz nach DIN EN 14081). Eine vollständige Normenliste stellt Ihr Tragwerksplaner zusammen.
Ist Holzrahmenbau schimmelgefährdet?
+
Bei fachgerechter Ausführung nein. Schimmel entsteht durch Feuchte — also durch Baufeuchte, Taupunktunterschreitung oder Undichtigkeiten. Im Holzrahmenbau wird mit Trockenbau gearbeitet (keine Feuchteeintrag durch Beton/Mörtel). Die Dampfbremse (innen) und der diffusionsoffene Aufbau nach außen sorgen für kontrollierten Feuchtetransport nach DIN 4108-7. Voraussetzungen: Holzfeuchte bei Einbau ≤ 18 % (nach DIN 68800), korrekte Dampfbremse ohne Durchdringungen, und ein Blower-Door-Test nach Rohbau.
Kann man in Berlin auch mehrstöckige Gebäude in Holzbauweise bauen?
+
Ja. Die Berliner Bauordnung (BauOBln) lässt Holzbau bis Gebäudeklasse 4 (h ≤ 13 m) mit angepassten Brandschutzlösungen zu. GK 5 (Höhenbauten) ist als Sonderbau möglich, erfordert aber Einzelnachweise. In Berlin entstehen aktuell mehrere Holzbau-MFH mit 5–7 Geschossen (z. B. im Quartier Weissensee und in Adlershof). Der Schallschutz zwischen Wohneinheiten erfordert bei Leichtbau allerdings zweischalige Konstruktionen mit entkoppelten Schalen und ggf. Zusatzmasse (GK-Platten).
Welche Baustoffe werden im Holzrahmenbau für die Ständer verwendet?
+
Standardmäßig werden KVH SI (Konstruktionsvollholz, sichtbar) der Festigkeitsklasse C 24 nach DIN EN 338 verwendet — Querschnitte typisch 60×140 mm bis 60×200 mm. Alternativ: BSH (Brettschichtholz) für größere Spannweiten und repräsentative Sichtflächen, sowie Furnierschichtholz (LVL) für Sturzträger und hoch belastete Bereiche. KVH muss nach DIN 4074-1 (visuell) oder DIN EN 14081 (maschinell) auf Festigkeit sortiert sein; Feuchtegehalt bei Lieferung ≤ 20 %, für Ausbau ≤ 18 %.

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