Die Unterfangung ist die gezielte Verstärkung oder Verlängerung bestehender Fundamente, um Setzungen, Schiefstellungen oder Tragfähigkeitsverluste im Bestand sicher zu beheben — in Berlin mit seinen schwierigen Baugrundverhältnissen eine der häufigsten Spezialtiefbau-Aufgaben überhaupt.
Eine Unterfangung (auch: Nachgründung) ist eine bautechnische Maßnahme, bei der die Gründung eines bestehenden Bauwerks nachträglich vertieft, verbreitert oder durch neue tragende Elemente ergänzt wird — ohne das Gebäude abzureißen oder in seiner Nutzung wesentlich zu unterbrechen.
Auslöser sind meist Setzungsschäden, ein nachträglicher Kellerausbau, der Neubau unmittelbar angrenzender Bauten mit tieferer Gründung sowie eine Nutzungsänderung mit erhöhten Lastanforderungen. In Berlin kommen flach gegründete Gründerzeit-Gebäude auf Streifenfundamenten aus Ziegelmauerwerk noch weit verbreitet vor — häufig mit Gründungstiefen von nur 0,8–1,5 m unter GOK.
Die Maßnahme gehört zum Spezialtiefbau und erfordert eine geotechnische Standortuntersuchung (Baugrundgutachten nach DIN EN 1997-2) sowie eine statische Berechnung nach DIN 4123 und Eurocode 7 (EN 1997-1). Ohne qualifizierte Fachplanung und -ausführung ist eine Unterfangung ein nicht kalkulierbares Risiko.
Die Wahl des Verfahrens hängt von Gebäudetyp, Lastgröße, verfügbarem Platz, Grundwasserstand und Baugrundverhältnissen ab.
Klassisches Verfahren nach DIN 4123: Das Fundament wird in Abschnitten von max. 1,0–1,5 m Breite unterfangen. In jedem Abschnitt wird manuell ausgegraben, Stahlbeton eingefüllt, eingebrückt und der alte Fundamentfuß vorgepresst. Aufwändig, aber minimal invasiv und gut kontrollierbar.
DIN 4123 § 5Bohrpfähle (Durchmesser 300–880 mm) werden neben oder durch das Bestandsfundament abgeteuft und über einen Balken oder Rostkopf mit dem alten Fundament verbunden. Norm: EN 1536. Ideal bei tiefen Tragschichten (>5 m) oder hohen Lasten. In Berlin bei der Pfahlgründung in Sand/Kies bis 15 m üblich.
EN 1536Verrohrte, injizierte Pfähle mit Durchmesser 100–300 mm, die durch enge Kellerzugänge oder geneigt gebohrt werden können. Norm: EN 14199. Besonders geeignet, wenn kein Kranausleger oder Großgerät einsetzbar ist (Innenhöfe, Denkmal, enge Altstadt). Zugfest — ideal für Auftriebssicherung.
EN 14199Mittels Hochdruckdüse (300–500 bar) wird der Boden unter dem Fundament mit Zementsuspension gemischt und zu Soilsäulen (Ø 0,5–2,0 m) verfestigt. Norm: EN 12716. Kein Eingriff ins Fundament selbst; wirksam in Fein- und Mittelsand. Erreichbar auch unter Grundwasser. Einsatz als Sohle oder seitliche Abdichtung.
EN 12716Zement- oder Kunstharz-Suspensionen werden über Injektionslanzen unter Druck in den Baugrund eingebracht und verdichten oder verfestigen den Boden. Kein Pfahlabteufen nötig. Geeignet bei inhomogenem Lockergestein, Hohlräumen oder als Ergänzung zu anderen Verfahren. Norm: EN 12715.
EN 12715Stahlrohr- oder Betonfertigteilpfähle werden gerammt oder gedrückt (hydraulisches Andrücken gegen die Gebäudelast). Norm: EN 12699. Schnell, kostengünstig im Freien; in Innenbereichen nur mit Niederenergiegeräten. Erschütterungssensibel — Erschütterungsmessungen nach DIN 4150-2 erforderlich.
EN 12699| Verfahren | Typische Tiefe | Platzbedarf | Erschütterung | Berliner Marktpreis 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Abschnittsweise Unterfangung | bis 3 m | gering | keine | 800–1.500 €/m² |
| Bohrpfahl (EN 1536) | 5–25 m | mittel | gering | 200–450 €/lfm |
| Mikropfahl (EN 14199) | 3–20 m | sehr gering | keine | 140–280 €/lfm |
| Jet Grouting (EN 12716) | 1–15 m | gering | keine | 250–550 €/lfm |
| Baugrundinjektion (EN 12715) | 1–8 m | minimal | keine | 80–200 €/Injektionspunkt |
| Verdrängungspfahl gedrückt | bis 15 m | gering | mittel | 120–220 €/lfm |
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Die häufigsten Auslöser in Berlin — von der Gründerzeitvilla bis zum Gewerbegebäude.
In Berlin wurden über Jahrzehnte Grundwasserabsenkungen (für den S-Bahn-Bau, U-Bahn, Brunnenpumpung) vorgenommen. Holzpfahlgründungen trocknen aus und vermodern, Kiesschichten sacken nach. Rissbilder im Mauerwerk ab Rissbreite >0,2 mm sollten geotechnisch abgeklärt werden — aktive Setzungen brauchen sofortigen Handlungsbedarf.
Wenn unter einem Bestandsgebäude ein Keller, ein Technikgeschoss oder eine Tiefgarage nachträglich eingebaut werden soll, muss das Fundament auf die neue Gründungstiefe herabgeführt werden. In Berlin häufig bei gründerzeitlichen Vorder- und Seitenflügeln, die bisher nur auf 1,0 m Tiefe gegründet wurden.
DIN 4123 schreibt vor, dass beim Aushub neben einem bestehenden Gebäude dessen Fundament auf der Baugrubenseite gesichert sein muss, wenn der Aushub unter den Fundamentfuß reicht. In Berlin betrifft das hauptsächlich Innenstadtlagen, wo Neubauprojekte direkt an Altbauten grenzen. Die Unterfangung ist hier Auflage der Baugenehmigung.
Umbau eines Wohnhauses zum Gewerbeobjekt (Lager, Showroom, Produktion), Aufstockung um weitere Geschosse oder Einbau schwerer Maschinen: Wenn die neuen Einwirkungen (Normlasten nach EN 1991) die rechnerische Tragfähigkeit des Bestandsfundaments überschreiten, ist eine Fundamentverstärkung oder Unterfangung Pflicht.
Viele Berliner Altbauten (Baujahr vor 1920) haben unbekannte oder nicht dokumentierte Gründungen. Im Zuge einer Kernsanierung werden die Fundamente freigelegt, begutachtet und bei Bedarf vorsorglich erttüchtigt. Erkennungsmerkmale: Ziegelstreifenfundament ohne Bewehrung, Natursteinsubstruktionen oder Holzpfähle unter dem Grundwasserspiegel.
Unterfangungen fallen in die geotechnische Kategorie GK 2 bis GK 3 und sind durchgehend normiert. Ein Überblick der relevanten Regelwerke.
| Norm / Regelwerk | Titel (Kurzform) | Relevanz bei Unterfangung |
|---|---|---|
| DIN 4123:2013-04 | Ausschachtungen, Gründungen und Unterfangungen im Bereich best. Gebäude | Kernorm: Abschnittslängen, Sicherungsmaßnahmen, Ausführung konventioneller Unterfangung |
| DIN EN 1997-1 (EC 7) | Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik, Teil 1 | Bemessung und Nachweise für neue Gründungselemente; Grenzzustände GEO, STR, HYD |
| DIN EN 1997-2 | Erkundung und Untersuchung des Baugrundes | Mindestumfang Baugrundgutachten; Feldversuche (CPT, Rammsondierung), Laborproben |
| DIN 1054:2021-04 | Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau (Ergänzungsregeln zu EC 7) | Deutsche Anpassungen zu EC 7; Teilsicherheitsbeiwerte, Geotechnische Kategorie |
| DIN EN 1536:2015-09 | Ausführung besonderer geotechnischer Arbeiten – Bohrpfähle | Pfahlherstellung, Toleranzen, Integritätsprüfung (PIT, PDA) |
| DIN EN 14199:2015-06 | Mikropfähle | Herstellung, Bemessung und Prüfung von Mikropfählen D ≤ 300 mm |
| DIN EN 12716:2018-09 | Düsenstrahlverfahren (Jet Grouting) | Planung, Ausführung, Sicherheit und Prüfung von Soilcrete-Säulen |
| DIN 4150-2:1999-06 | Erschütterungen im Bauwesen – Teil 2: Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden | Erschütterungsüberwachung bei Ramm- und Bohrarbeiten in Bestandsnähe; KB-Werte |
| BauO Bln (2021) | Berliner Bauordnung | § 11 Standsicherheit: Standsicherheitsnachweis Pflicht; Geotechnischer Sachverständiger bei GK 3 |
Kosten variieren stark nach Verfahren, Baugrundverhältnissen, Tiefe, Zugänglichkeit und Bestandsqualität. Die folgenden Werte basieren auf Berliner Ausschreibungsergebnissen 2025/2026.
| Kostenposition | Einheit | Preisspanne Berlin 2026 | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Baugrundgutachten (Geotechnischer Bericht) | Pauschal | 2.500–9.000 € | Je nach Tiefe, Bohranzahl, Laboranalytik; GK 3 teurer |
| Statik / Bemessung Unterfangung | Pauschal | 1.500–6.000 € | HOAI LPH 3–5 Bauteilstatik; Fundamentprüfung extra |
| Abschnittweise Unterfangung (C25/30) | m² Unterfangungsfl. | 850–1.650 € | Inkl. Aushub, Schalung, Beton, Einpressen; ohne Baugrubensicherung |
| Mikropfahl (D = 150 mm, injiziert) | lfm Pfahl | 145–290 € | Ab Bohrplatz; Mindestauftrag ca. 10 Pfähle; Pfahlkopf extra |
| Bohrpfahl (D = 420 mm, Endlosschnecke) | lfm Pfahl | 210–460 € | Inklusive Bewehrung C30/37; ohne Pfahlrostanschluss |
| Jet Grouting (D = 700 mm Säule) | lfm Säule | 260–560 € | Einphasig; Zementverbrauch & Entsorgung inkl. |
| Baustelleneinrichtung Spezialtiefbau | Pauschal | 5.000–20.000 € | Abhängig von Geräteeinsatz, Zufahrt, Deponieaufwand |
| Erschütterungsmonitoring (6 Wochen) | Pauschal | 1.200–3.500 € | Kontinuierliche Aufzeichnung inkl. Auswertungsbericht |
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Von der Erstbegutachtung bis zur abgeschlossenen Unterfangung — ein typischer Projektablauf in Berlin.
Risskartierung, Setzungsmarkenmessung, Materialprüfung des Bestandsfundaments (Kernbohrung, Druckfestigkeit). Analyse vorhandener Bestandspläne (Gründungstiefe, Baujahr). Feststellung ob sofortiger Handlungsbedarf besteht.
Mindestens 2–3 Bohrungen bis 1,5× geplante Gründungstiefe, Sondierungen (CPT oder DPH), Laboranalyse (Kornverteilung, Konsistenz, organische Anteile). In Berlin besonders auf Höhlräume, Kriegsschutt, Torflinsen und Grundwasserstand achten.
Tragwerksplanung nach EC 7 und DIN 4123, Ausführungsplanung mit Abschnittsfolge, Verfahrenswahl. Antrag auf Baugenehmigung beim Berliner Bezirksamt (Bauaufsicht) mit Standsicherheitsnachweis, geotechnischem Bericht und Ausführungsplan.
Aufstellen von Setzungsmarken an Bestandsgebäude und ggf. Nachbarbebauung. Installation Erschütterungsmessgeräte (24/7 Logging). Einrichtung der Baustelle: Baustelleneinfahrt, Materiallagerfläche, Deponielogistik. Schriftliche Vorabbenachrichtigung der Nachbarn.
Aushub in Abschnitten gemäß DIN 4123: Abschnittlänge max. 1,0–1,5 m; max. 1/3 der Wandlänge gleichzeitig offen. Einbau Schalung, Betonieren C25/30 (Frühfestigkeit), Ausreifen min. 24 h, Einpressen des Fundamentfugenspalts mit Einpresszement. Tägliche Protokollierung mit Setzungsablesung.
Druckfestigkeitsprüfung (Wfurförmige Probeserien), Sichtprüfung Einpressfuge, Pfahl-Integritätstest (PIT) bei Pfahllösungen. Dokumentation gemäß Europäischer Technischer Bewertung; Abweichungsprotokoll bei Überschreitung Setzungstoleranz.
Vertikalabdichtung neues Fundament (WU-Beton oder KMB nach WTA 4-6), Hinterfüllung, Verdichtung. Abschlussbegehung mit Bauherrn und Planer. Übergabe Dokumentationsmappe (Prüfberichte, Betonprotokolle, Abschluss-Setzungsmessung). Monitoring noch 3–6 Monate nach Fertigstellung empfohlen.
NEUWEST führt Spezialtiefbauarbeiten und Unterfangungen in Berlin durch — mit eigenem Planungsteam, qualifizierten Geotechnikern und Berliner Markterfahrung.