🌳 Holzbau & Nachhaltigkeit

Brettsperrholz (CLT): Mehrgeschossiger Holzbau — Technik, Normen & Kosten 2026

Brettsperrholz (CLT) ist der Taktgeber der modernen Holzbaurevolution. Als industriell vorgefertigtes Massivholz-Plattensystem ermöglicht es Gebäude bis zu 20 Geschosse — mit deutlich kürzerer Bauzeit, besserer CO₂-Bilanz und steigender Akzeptanz bei Berliner Behörden.

14 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Juni 2026
Von NEUWEST Bau-Experten

Was ist Brettsperrholz (CLT)?

Brettsperrholz (BSP) — international als Cross-Laminated Timber (CLT) bekannt — ist ein flächiges Massivholz-Bauelement aus mindestens drei kreuzweise aufeinandergeklebten Brettlagen. Die alternierende 90°-Ausrichtung jeder Schicht verleiht der Platte in beiden Achsen hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit — vergleichbar mit Stahlbeton, jedoch bei einem Bruchteil des Gewichts.

CLT wird seit den frühen 1990er Jahren in Österreich und der Schweiz industriell gefertigt und hat sich im vergangenen Jahrzehnt weltweit als Kernelement des mehrgeschossigen Holzbaus etabliert. In Deutschland werden laut Stat. Bundesamt rund 20 % aller neuen Mehrfamilienhäuser (ab 4 Geschosse) bereits in Holzbauweise oder als Holz-Hybrid errichtet — Tendenz steigend.

Für Architekten und Bauträger bietet CLT entscheidende Vorteile: präzise Vorfertigung im Werk (Toleranz ±1 mm), kurze Montagezeiten auf der Baustelle (Rohbau häufig in Wochen statt Monaten), ausgezeichneter sommerlicher Wärmeschutz und eine nachweislich positive CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus.

Die europäische Produktnorm EN 16351 (aktuelle Fassung 2021) regelt Anforderungen, Prüfverfahren und Leistungsmerkmale. Die Bemessung erfolgt nach DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5) mit dem deutschen Nationalen Anhang.

CLT auf einen Blick

bis 20
Geschosse realisierbar (Sonderbau), GK5 bis 5 OG regelkonform
~500 kg/m³
Gewicht CLT (vs. 2.400 kg/m³ Stahlbeton → 80 % leichter)
≈1,0 t
CO₂ pro m³ CLT dauerhaft gebunden (zusätzlich Substitutionseffekt)
EN 16351
Europäische Produktnorm (2021) – Basis für Bauantrag & ETA
3–7

Schichten

Typischer CLT-Plattenaufbau: mindestens 3, bei tragenden Decken häufig 5 oder 7 Lagen, alternierend in Längs- und Querrichtung.

EN 16351
60–500

mm Plattendicke

Standardplatten beginnen bei 60 mm (nichttragend) und reichen bis 500 mm bei hochbelasteten Decken in mehrgeschossigen Bauten.

Fichte / Tanne
±1 mm

Masstoleranzen

CNC-gestützte Vorfertigung ermöglicht höchste Präzision — Durchbrüche, Installationskanäle und Verbindungen werden werkseitig gefräst.

Vorfertigung

Aufbau & Herstellung: Wie CLT entsteht

Von der Fichte im Süddeutschen Wald bis zur präzise gefertigten Wandtafel auf der Berliner Baustelle — sechs Produktionsschritte.

Schematischer Aufbau einer 5-lagigen CLT-Platte (z.B. 160 mm)

Lage 1 — Längsrichtung (32 mm)
Lage 2 — Querrichtung (28 mm)
Lage 3 — Längsrichtung (40 mm) — Tragschicht
Lage 4 — Querrichtung (28 mm)
Lage 5 — Längsrichtung (32 mm)
Längsrichtung (0°)
Querrichtung (90°)
1

Holzeinschnitt & Trocknung

Einschnitthölzer (meist Fichte/Tanne, Festigkeitsklasse C24 nach EN 338) werden auf max. 12 % Holzfeuchte technisch getrocknet. Normgerecht gemäß EN 14081 für Schnittholz erforderlich.

2

Keilzinkung & Lamellierung

Bretter werden längsseitig keilzinkengestoßen (EN 15497) und zu Lamellen in der gewünschten Schichtbreite (typisch 80–150 mm) aufgeteilt. Etwaige Fehlstellen (Astlöcher, Risse) werden ausgekappt.

3

Verklebung (FL / MUF / PUR)

Die Lagen werden flächig verleimt. Gebräuchliche Klebstoffe: Melaminharnstoff-Formaldehydharz (MUF) nach EN 301 und Polyurethan (PUR) — letzterer für höhere Feuchtebeanspruchungen (NKL 2). Druckzeiten je nach Klebstoff 30–90 min.

4

CNC-Bearbeitung

Nach dem Aushärten werden Platten per 5-Achs-CNC-Fräse bearbeitet: Fenster- und Türöffnungen, Installationskanäle, Verbindungsmittelbohrungen und Plattenformate. Toleranz: ±1 mm. Die digitale Planung (BIM/Holzbau-CAD) wird direkt in Maschinencode übersetzt.

5

Qualitätskontrolle & Kennzeichnung

Jede Platte wird werkseigenig geprüft (WPK gemäß EN 16351, Überwachungsklasse 3). Kennzeichnung mit Hersteller-ETANummer, Holzart, Festigkeitsklasse, Klebstoffgruppe und Schichtaufbau.

6

Lieferung & Montage Just-in-Time

CLT-Elemente werden foliert (Folie bis zur Rückseite der Abdichtung verbleiben!) per LKW auf die Berliner Baustelle geliefert und per Kran montiert. Rohbau für ein 6-stoßiges Wohnhaus: typisch 4–8 Wochen (vs. 4–6 Monate Massivbau).

Normen, Zulassungen & Bauordnungsrecht

CLT-Bauten in Deutschland müssen ein dicht gewobenes Regelwerk erfüllen. Hier die maßgeblichen Normen auf einen Blick.

Norm / RegelwerkBezeichnungRelevanz für CLT
EN 16351:2021 Brettsperrholz — Anforderungen Produktnorm; definiert Holzart, Schichtaufbau, Klebstoff, Prüfverfahren, Kennzeichnung. Grundlage jeder ETA
DIN EN 1995-1-1 (EC5) Eurocode 5: Holzbau Statische Bemessung von Tragwerken aus Holz; mit nationalem Anhang DIN EN 1995-1-1/NA
DIN EN 1995-1-2 Eurocode 5: Holzbau im Brandfall Bemessung bei Brandeinwirkung; Abbrandraten β₀ = 0,65–0,80 mm/min (Fichte); Nachweis REI 30/60/90
EN 13501-1 / -2 Klassifizierung Brandverhalten Baustoff-Klassen (A1–F); CLT-Rohware = Klasse D; mit Beplankung bis B erreichbar
DIN 4109 / EN ISO 10140 Schallschutz im Hochbau CLT-Decken benötigen entkoppelte Auflager, schwimmenden Estrich & abgehängte Unterdecke für MFH-Mindestanforderungen (R'w ≥ 54 dB)
DIN 68800 / EN 350 Holzschutz CLT in Nutzungsklasse (NKL) 1 oder 2; kein chemischer Holzschutz nötig wenn Konstruktiv-Schutz gesichert (NKL≤2, Gebrauchsklasse GK0)
MBO / BauO Bln §§26–32 Bauordnung & Gebäudeklassen GK1–GK5: Holz als Baustoff grundsätzlich bis GK5 zulässig; Kompensationsmaßnahmen möglich; über GK5 Abweichungsverfahren oder Baugenehmigung als Sonderbau
ETA (Europ. Techn. Bewertung) Produktspezifische Zulassung Z.B. ETA-06/0138 (KLH), ETA-13/0641 (Binderholz), ETA-14/0349 (Mayr-Melnhof). Enthält spezifische Bemessungswerte

Gebäudeklassen & Berliner Bauordnung

🏠
GK1–GK3: Freistehende Gebäude bis 7 m FBH (letzte Etage). Holz als Tragwerk vollständig zulässig, kaum Einschränkungen. Typisch: EFH, KG, kleines MFH.
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GK4 (bis 13 m FBH): Auflager, Wand- und Deckenbauteile müssen F30 (REI30) erfüllen. CLT mit Kapselschutz (Gipskarton) regelkonform — häufigste Klasse für 4–5-stöckige Berliner Wohnanlagen.
🏢
GK5 (bis 22 m FBH): Tragende Bauteile mind. F60, Treppenhäuser F90. CLT als Hybridlösung (Treppenhaus Beton/Mauerwerk, Decken/Wände CLT) ist gängige Praxis. Abweichungen möglich.
Über GK5 (Hochhaus >22 m): Sonderbauvorschriften, individuelles Abweichungsverfahren bei der zuständigen Baubehörde Berlin. Referenzbauten international bis 85 m (Brock Commons, Vancouver). In DE wachsende Anzahl.

CLT-Planungsrechner: Holzbedarf, CO₂ & Kosten

Geben Sie Grundfläche, Geschosszahl und Bauweise ein — der Rechner schätzt CLT-Bedarf, CO₂-Bindung, Gewichtseinsparung und Materialkosten (Berliner Marktpreise 2026).

Grundfläche je Geschoss 400 m²
Geschossanzahl
Bauweise
Materialpreis CLT 1.050 €/m³
CLT-Bedarf (Richtwert)
480 m³
CO₂ dauerhaft gebunden
456 t CO₂
Gewichtseinsparung vs. Stahlbeton
912 t
Materialkosten CLT (netto)
504.000 €
Richtwerte für Planung und Vergleich; keine Angebotsbasis. CLT-Bedarf variiert je nach Wandstärken, Deckensystem und Verbindungsdetails. Preise: Berliner Markt 06/2026. Montagezuschläge (200–400 €/m³) nicht enthalten.

CLT vs. Stahlbeton: Die wichtigsten Unterschiede

Kein Baustoff ist universell überlegen — aber CLT hat für den mehrgeschossigen Wohnungsbau klare Argumente.

Brettsperrholz (CLT)

Gewicht: ~500 kg/m³ → leichteres Fundament, weniger Tiefgründung, ideal für Aufstockungen
Bauzeit: Rohbau 30–50 % schneller durch Vorfertigung und Trockenbau-Innenausbau
CO₂-Bilanz: Positiv über Lebenszyklus; Holz speichert Kohlenstoff dauerhaft (ca. 1 t/m³)
Raumklima: Feuchteregulierung, angen. Haptik, nachweislich positiv für Wohlbefinden (biophiles Design)
Rückbaubarkeit: Schraubenverbindungen lösbar; Material am Ende des Lebenszyklus wiederverwertbar
Schallschutz: Erfordert entkoppelte Auflager + schwimmenden Estrich (Planungsaufwand erhöht)
Kosten: Materialkosten CLT höher als Beton, aber Zeiteinsparung und weniger Fundament gleichen aus

Stahlbeton / Massivbau

Schalllüngerung: Schwere Bauteile schallträge; trittschallarm ohne Sonderkonstruktionen
Wärmespeicherung: Hohe Speichermasse positiv für sommerlichen Wärmeschutz ohne aktive Kühlung
Feuchtebeständigkeit: Unbegrenzt feuchteresistent; kein Holzschutzkonzept erforderlich
Handwerker: Breite Verfügbarkeit von Betonfachkräften in Berlin; etablierte Lernkurve
CO₂-Intensität: Zement-Herstellung verursacht ca. 800–900 kg CO₂ pro Tonne; hoher Grauöko-Fussabdruck
Gewicht: 2.400 kg/m³ erfordert massivere Fundamente; Aufstockungen kaum möglich
Bauzeit: Wartezeiten durch Aushärten, Schalen, Witterungsabhängigkeit höher
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Hybridbauweise als Best Practice: Die Kombination CLT-Decken/-Wände + Stahlbeton-Treppenhaus & Aufzüge ist heute in Berlin Standard bei 4–6-stöckigen MFH. Damit entfällt der Größteil des Brandschutz-Mehraufwands.
🔍
Lebenszykluskosten: Studien (u.a. ift Rosenheim, Fraunhofer IBP) zeigen: CLT-Gebäude über 50 Jahre sind trotz höherer Erstkosten ähnlich wirtschaftlich wie Massivbau — kürzere Bauzeit & Zinsen entscheiden.
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GEG 2024 & Klimaziele: Das Gebäudeenergiegesetz bewertet Holz positiv in der Primartärenergierechnung. CLT-Bauten können den QP-Wert und den Anteil erneuerbarer Energien verbessern.
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Verbindungstechnik: CLT wird überwiegend mit selbstbohrenden Würth ASSY- oder SFS-Schrauben verbunden. Stahl-Einlass-Konsolen (z.B. Rothoblaas) ermöglichen kraftschlüssige Knoten ohne sichtbare Elemente.

Brandschutz im CLT-Mehrgeschossbau

Holz brennt — das stimmt. Aber kontrolliert und berechenbar: CLT versagt bei Brand deutlich langsamer als Stahl und ermöglicht Zündschutz bis REI 90.

🔥

Abbrandmodell nach DIN EN 1995-1-2: 0,65 mm/min

Die Norm definiert für Fichte/Tanne eine Einheitsabbrandrate β₀ = 0,65 mm/min (unter Standardbrandbedingungen). In 30 Minuten verbrennen ca. 19 mm Holz. Der verbleibende Restquerschnitt trägt wei­ter Last. Bei Beplankung (Gipskarton) verzögert sich der Abbrandbeginn der Tragschicht erheblich.

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Kapselschutz: 12,5–25 mm GKF = F30 bis F90

Eine Lage Gipskarton-Feuerschutzplatte (GKF, 12,5 mm) auf der Unterseite einer CLT-Decke erhöht den Feuerwiderstand auf REI30. Zwei Lagen GKF (25 mm) ermöglichen REI60; Systemlösungen mit Mineralwolle und zusätzlicher Beplankung erreichen REI90. Normgrundlage: EN 13501-2, Bemessung nach DIN EN 1995-1-2 Anhang C.

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Verkohlungsschicht als natürlicher Schutz

Holz bildet an der Brandseite eine isolierende Verkohlungsschicht, die den Sauerstoffzutritt zum unverbrannten Holz drastisch reduziert. Stahl hingegen verliert bei 500 °C ca. 50 % seiner Tragfähigkeit — CLT versagt im Brand deshalb häufig langsamer als unbeschichteter Stahl. Dies ist normativ durch DIN EN 1995-1-2 abgebildet und von Brandsachverständigen anerkannt.

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Sichtholz im GK4/GK5 — Abweichungsverfahren

Wer in GK4/GK5-Gebäuden Sichtholz an Decken und Wänden behält (kein Kapselschutz), muss eine brandschutz­technische Abweichung mit Kompensationsmaßnahmen beantragen. Typische Kompensation: Sprinkleranlage gemäß DIN 14489 (VdS CEA 4001), geschützte Fluchwege, automatische Brandmeldeanlage. In Berlin zunehmend genehmigt.

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Flachdach & Fassade: Besondere Anforderungen

Flachdächer aus CLT benötigen eine vollflächige Bitumen- oder PVC-Abdichtung (DIN 18531) und können keine Holzfassade ohne Rauchabschluss in GK4/GK5 tragen. Hinterlüftete Holzfassaden sind in GK4 bis 7 m OK mit konstruktiven Brandschutzmaßnahmen (z.B. Mineralwolledämmung) möglich. Berliner Baubehörden verlangen häufig ein Brandschutzkonzept des Sachverständigen bereits zur Baugenehmigung.

CLT-Preise & Baukosten Berlin 2026

Reale Marktpreise für Planungs- und Vergabeprozesse — Richtwerte, keine Angebote.

Leistung / BauteilPreisspanne (netto)Anmerkung
CLT-Platte ab Werk (Standard, Fichte C24) 750–1.100 €/m³ Abhängig von Schichtaufbau, Dicke, Zuschnitt; große Abnehmer besser
CLT-Platte, technische Sonderqualität (sichtbar, GKL0) 1.100–1.500 €/m³ Sichtoberfläche, GKL0 (keine Fehlstellen), Sonderabmessungen
Montage (Rohbau CLT inkl. Verbindungsmittel) 200–400 €/m³ Je nach Gebäudekomplexität, Kranhöhe, Anzahl Gewerke
Schlüsselfertig MFH Holzbau (4–6 OG, Berlin) 2.800–3.600 €/m² WF Komplett inkl. TGA, Aufzüge, Außenanlage; vs. Massivbau 2.400–3.200 €/m²
Aufstockung bestehender Gebäude (CLT auf Bestandsbau) 1.500–2.500 €/m² WF Größter Kostenvorteil von CLT: Gewicht erlaubt Aufstockung ohne Fundament­ertüchtigung
Brandschutz-Beplankung (GKF, 2-lagig, inkl. Montage) 40–90 €/m² Systemlösung Knauff/Rigips/Saint-Gobain; Preis je nach Systemzulassung
Planungskosten (LPH 1–9 Holzbauspezialist) +8–12 % auf Bausumme Holzbau-erfahrener Architekt/Ingenieur zwingend; Berliner Büros mit CLT-Portfolio verfügbar
📉
Preistrend: CLT-Preise sind seit dem Hochpunkt 2021/22 um ca. 20–25 % gesunken. Kapazitäten europäischer Werke (Binderholz, KLH, Mayr-Melnhof, Schilliger) sind gewachsen → Markt entspannt.
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Kosten-Treiber: Brandschutzkonzept, Schallschutz-Detailplanung, entkoppelte Auflager und Estrichaufbauten sind die größten Kostenstellen neben dem CLT-Material selbst.
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Förderung: KfW 297/298 (klimafreundlicher Neubau) und KfW 55 EE sind kombinierbar mit Holzbau. Berliner Wohnraumförderprogramm (IBB) – Holzbau nicht explizit begrenzt.
🇫🇮
Wichtigste CLT-Lieferanten für Berlin: Binderholz (AT/DE), KLH (AT), Mayr-Melnhof (AT), Hasslacher Norica (AT), Stora Enso (FI/SE), Schilliger (CH) — alle liefern deutschlandweit.

CLT-Holzbau in Berlin: Stand 2026

Berlins Bauverwaltung fördert aktiv den Holzbau. Was Sie lokal beachten müssen — von Senats­programmen bis Denkmalschutz.

🏙

Berliner Holzbauoffensive: Senatsleitlinien Holzbau

Der Berliner Senat hat 2022 Leitlinien für den Holzbau verabschiedet und fördert seitdem die Anwendung nachwachsender Rohstoffe im öffentlichen und geförderten Wohnungsbau. Die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften (u.a. HOWOGE, Gesobau, degewo) haben Nachhaltigkeitsziele, die CLT-Bauten begünstigen. Lichterfelde Süd und Adlershof sind Berliner Quartiere mit dokumentierten Holzbau-Pilotprojekten.

📌

Berliner Bauordnung §§ 26–32 BauO Bln: GK5-Abweichungen

Die BauO Berlin folgt der Musterbauordnung 2019. Für GK5-Holzbauten über 13 m FBH ist ein Abweichungsverfahren nach § 67 BauO Bln erforderlich. In Berlin wurden solche Abweichungen in den letzten Jahren verstärkt bewilligt, insbesondere bei: vollständiger Sprinklerung gemäß DIN 14489, zweiten Rettungsweg außerhalb des Holztragwerks (Beton-Kern) und Brandschutzkonzept eines zugelassenen Sachverständigen. Kontakt: Senatstadtentwicklung SenStadt, Referat IV B.

🏛

Denkmalschutz & Milieuschutz: Vorsicht bei Bestand

In Berlins historischen Gründerzeitquartieren (Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Charlottenburg) sind Auf- und Anbauten aus CLT oft mit dem zuständigen Denkmalamt abzustimmen. Sichtbare Holzfassaden können Milieuschutzverordnungen verstoßen. Empfehlung: Frühzeitige Vorprüfung beim Bezirksamt, vorzugsweise vor Beauftragung der Werkplanung. NEUWEST begleitet diese Gespräche regelmäßig.

📈

Marktentwicklung: Holzbau in Berlin wächst

Der Anteil genehmigter Wohnbauten mit Holztragwerk ist in Berlin zwischen 2020 und 2025 von unter 3 % auf über 9 % gestiegen (SenStadt-Daten). Insbesondere Aufstockungen auf Nachkriegsbauten (Plattenbauten, Zeilenbau) werden verstärkt als CLT-Projekte umgesetzt. Typische Aufstockung: 1–3 Holzgeschosse auf bestehendem 5-geschossigem Wohnhaus, keine Fundamenterweiterung, Bauzeit für Aufstockung 6–12 Wochen.

FAQ: Brettsperrholz & Mehrgeschoss-Holzbau

Was ist Brettsperrholz (CLT) und wie unterscheidet es sich von Brettschichtholz (BSH)?
+
Brettsperrholz (CLT/BSP) ist ein flächiges Plattenelement aus mindestens 3 kreuzweise (90° alternierend) verleimten Brettlagen — vergleichbar mit Sperrholz, aber aus Vollholz-Brettern. Es trägt Lasten in zwei Achsen (zweiachsig) und wird als Wand- und Deckenplatte eingesetzt. Brettschichtholz (BSH/Glulam) dagegen besteht aus gleichgerichteten Lamellen und ist ein Linienbauteil (Balken, Stütze), das nur in Längsrichtung trägt. Beide Produkte ergänzen sich im mehrgeschossigen Holzbau.
Wie viele Geschosse sind mit CLT in Deutschland ohne Sondergenehmigung möglich?
+
Nach MBO/BauO (Gebäudeklasse 5, bis 13 m Fussbodenoberkante letztes OG) sind CLT-Bauten vollständig regelkonform — das entspricht in der Regel 5 Vollgeschosse plus mögliches Dachgeschoss. Wird die GK5-Grenze überschritten (Hochhaus > 22 m), ist ein individuelles Abweichungsverfahren nach § 67 BauO nötig. In der Praxis wurden in Deutschland bereits CLT-Gebäude mit 7–14 Geschossen mit Sonderbaugenehmigung realisiert. International: bis 18–20 Geschosse (Mjøstårnet, Norwegen).
Was kostet ein CLT-Bau im Vergleich zu einem Massivbau?
+
CLT-Neubau (schlüsselfertig, MFH 4–6 OG, Berlin 2026) kostet rund 2.800–3.600 €/m² Wohnfläche — gegenüber 2.400–3.200 €/m² bei Massivbau. Der Mehrpreis von ca. 10–15 % für Material wird teilweise durch schnellere Bauzeit (weniger Kreditzinsen, frühere Mieteinnahmen), günstigeres Fundament (Gewicht) und geringere Witterungsrisiken auf der Baustelle kompensiert. Bei Aufstockungen ist CLT häufig die einzige wirtschaftliche Lösung, da keine Fundament-Ertüchtigung nötig ist.
Ist Holzbau brandgefährlicher als Massivbau?
+
Nein — korrekt geplanter CLT-Bau ist nicht brandgefährlicher als Massivbau. Holz brennt kalkulierbar: Die Abbrandrate von 0,65 mm/min (DIN EN 1995-1-2) erlaubt genaue Bemessung des Restquerschnitts. Gipskarton-Beplankung (GKF) schützt die Tragschicht und ermöglicht REI 60 und REI 90 (entspricht F60/F90 nach alter Nomenklatur). Ein Sprinklersystem erhöht die Sicherheit zusätzlich erheblich. Stahl versagt bei Brandtemperaturen >400 °C ohne Schutz deutlich schneller als verkohlendes Holz.
Welche Normen muss ich bei einem CLT-Bauprojekt in Berlin kennen?
+
Die wichtigsten Normen sind: EN 16351 (CLT-Produktnorm), DIN EN 1995-1-1 / NA (Eurocode 5, statische Bemessung), DIN EN 1995-1-2 (Brandschutz), EN 13501-1/-2 (Brandklassifizierung), DIN 4109 (Schallschutz), DIN 68800 (Holzschutz) und die BauO Berlin (§§ 26–32 für Gebäudeklassen, § 67 für Abweichungen). Für Sichtholz in GK4/GK5 sowie Gebäude über 22 m ist ein Brandschutzgutachten eines staatlich anerkannten Sachverständigen erforderlich.
Wie schneidet CLT beim Schallschutz ab?
+
CLT-Decken allein erfüllen die Schallschutzanforderungen für Mehrfamilienhäuser (R'w ≥ 54 dB Luftschall, L'nw ≤ 53 dB Trittschall nach DIN 4109) nicht ohne Ergänzungsmaßnahmen. Erforderlich sind typischerweise: entkoppelte Deckenauflager (elastische Lager), schwimmender Estrich (mind. 50 kg/m² flächenbezogene Masse) und abgehängte Unterdecke mit Mineralwollfdämmung. Mit diesen Maßnahmen werden Schallschutzstufe 2 und höher sicher erreicht. Die Planung sollte ein Akustiker begleiten.
Wie hoch ist die CO₂-Einsparung bei einem CLT-Gebäude?
+
Ein Kubikmeter CLT bindet dauerhaft rund 0,9–1,0 t CO₂ (enthaltener Kohlenstoff des Holzes). Zusätzlich entsteht ein Substitutionseffekt: Jeder m³ CLT ersetzt CO₂-intensive Baustoffe (Beton, Stahl), was rechnerisch weitere 0,5–1,5 t CO₂ pro m³ einspart. Ein typisches 6-stöckiges Wohnhaus mit 500 m³ CLT speichert damit etwa 450–700 t CO₂ dauerhaft. Die Gesamtbilanz hängt von der Herkunft des Holzes (FSC/PEFC-zertifiziert), dem Transportweg und der Aufbereitung ab.
Kann ich ein bestehendes Berliner Mehrfamilienhaus mit CLT aufstocken?
+
Ja — und CLT ist dafür besonders geeignet. Das geringe Gewicht (ca. 1/5 von Stahlbeton) ermöglicht in vielen Fällen 1–3 Zusatzgeschosse auf einem Bestandsgebäude ohne Fundament-Ertüchtigung. Vorher ist ein Statikgutachten des Bestandsgebäudes zwingend erforderlich (Tragfähigkeit Keller/Bodenplatte, Wände, Verbindungen). In Berlin sind Aufstockungen bauordnungsrechtlich möglich; häufig wird ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren (§ 63 BauO Bln) angewendet. NEUWEST hat bereits mehrere Aufstockungs­projekte in Berlin begleitet — sprechen Sie uns an.
Was passiert mit einem CLT-Gebäude am Ende seines Lebenszyklus?
+
CLT ist rückbaubar und wiederverwertbar. Schraubenverbindungen (selbstbohrende Holzschrauben) lassen sich mechanisch lösen; Platten können in zweiter Verwendung (z.B. als Wandelemente oder Furnieruntergrund) genutzt werden. Am Ende steht thermische Verwertung (Ersatz von Heizöl, CO₂-neutral da Biogener Kohlenstoff). Im Gegensatz zu Beton (Downcycling zu Schotter) ist Holz auf allen Verwertungsstufen hochwertig. Konzept: „Urban Timber Mining“ — Holzgebäude als Materiallager für künftige Generationen.

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