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Video: Dachbegrünung anlegenvon Neuwest Bauleitern empfohlen
Dachbegrünung · Berlin

Dachbegrünung anlegen lassen in Berlin – extensive & intensive Gründächer vom Fachbetrieb

Eine Dachbegrünung ist technisch anspruchsvoller als sie optisch wirkt: Der mehrschichtige Aufbau aus wurzelfester Abdichtung, Drän-, Filter- und Substratschicht muss nach der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie (aktuelle Fassung 2018) systemgerecht geplant und ausgeführt werden – sonst drohen Wurzeldurchdringungen, Staunässe und Abrutsch der Substratschicht. Fehler in der Planungsphase sind nach dem Einbau kaum reversibel.

Entscheidend ist die statische Voruntersuchung: Eine Extensivbegrünung bringt im wassergesättigten Zustand je nach Substratdicke und Drainpaket typisch 80–150 kg/m² Gesamtlast auf das Tragwerk. Bei intensiver Begrünung mit Solitärgehölzen und Stauden können es 400–1.000 kg/m² sein – das erfordert immer einen statischen Nachweis. Ob ein bestehendes Dach nachgerüstet werden kann, hängt von der Reservetragfähigkeit der Dachkonstruktion ab.

Leistungsumfang

Was umfasst Dachbegrünung anlegen?

  • Tragfähigkeitsvoruntersuchung und Dokumentation der Dachkonstruktion (Holzbalken, Stahl, Beton)
  • Prüfung oder Erneuerung der Dachabdichtung – wurzelfest nach FLL-Prüfzeugnis oder mit separater Wurzelschutzfolie
  • Systemgerechte Verlegung von Drän- und Filterschicht inkl. Notüberlauf-Anschluss
  • Einbringen von FLL-geprüftem Substrat (Korngröße 2–16 mm, organischer Anteil < 15 Vol.-%)
  • Aufbringen der Vegetationsdecke: Sedum-Sprossenmatten, Kräuter-Staudenmischung oder Ansaat
  • Kanteneinfassung, Attikaanschluss (FLL: ≥ 10 cm Freihöhe über Substratoberkante) und Wartungsprotokoll

Von der Bestandsaufnahme (Dichtheitsprüfung, Gefällemessung, Lastnachweis) über den vollständigen Schichtaufbau bis zur Systemdokumentation deckt der Leistungsumfang alle Ausführungsschritte ab. Für Berliner Objekte kann auf Wunsch geprüft werden, ob eine Reduzierung der Niederschlagswassergebühr bei den Berliner Wasserbetrieben beantragt werden kann.

Systemaufbau Extensivbegrünung: Schicht für Schicht mit Schichtdicken – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Gründachpflicht Berlin: Rechtliche Pflichten und Gebühreneffekte

Seit der Berliner Gründachstrategie 2019 verankern zahlreiche Bebauungspläne die Dachbegrünung als Festsetzung nach §9 Abs. 1 Nr. 25a BauGB — bei Flach- und Pultdächern mit Neigung unter 15° ist sie in Neubaugebieten häufig verbindlich. Daneben kann §34 BauO Bln im Bestand über planungsrechtliche Ausgleichsmaßnahmen eine Begrünung mittelbar fordern.

Weitgehend unbekannt bleibt der Gebühreneffekt: Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) erheben Niederschlagswassergebühren nach versiegelter Fläche. Ein extensiv begrüntes Dach gilt nach der BWB-Gebührensatzung als teilversiegelte Fläche mit reduziertem Anrechnungsfaktor — bei 200 m² Dachfläche kann das die jährliche Abwassergebühr spürbar senken. Der Nachweis muss dem BWB einmalig schriftlich vorgelegt werden; viele Eigentümer versäumen diesen Antrag und zahlen dauerhaft zu viel.

Querschnitt: Extensiv-Gründach hält Regenwasser zurück, reduzierter Abfluss über Fallrohr in BWB-Kanal, daneben Nachweis-Antrag zur Gebührensenkung.
60–200 kg/m²Nassgewicht Extensivbegrünung (Substrat wassergesättigt)
40–60 %Niederschlagsrückhalt extensiv auf Jahresbasis (FLL-Referenz)
≥ 25 JahreFLL-Richtwert Mindest-Nutzungsdauer Dachabdichtung unter Begrünung
15 cmMindest-Anschlusshöhe Abdichtung über Oberkante Substrat (FLL + Flachdach-RL)

Statik: Nassgewichte, Soglasten und wann ein Tragwerksnachweis zwingend ist

Der maßgebende Lastwert ist das Nassgewicht, nicht das Trockengewicht — die Differenz beträgt regelmäßig Faktor 1,5 bis 2. Für Extensivbegrünung sind 0,6–2,0 kN/m² (ca. 60–200 kg/m²) anzusetzen, für Intensivbegrünung 2,0–14,0 kN/m². Hinzu kommen Verkehrslasten bei begehbaren Dächern (2,0 kN/m² nach DIN EN 1991-1-1/NA), Schneelasten sowie Windsogslasten, die gerade an Dachrändern und Attiken häufig die drückenaren Lasten übersteigen.

Ein formeller Standsicherheitsnachweis durch einen Tragwerksplaner ist immer dann erforderlich, wenn die Gesamtzuladung die ursprüngliche Bemessungsreserve des Deckentragwerks überschreitet. Bei Bestandsbauten fehlen Ursprungsstatiken häufig — dann ist eine bautechnische Voruntersuchung Pflicht, bevor Substrat bestellt wird. Auf Holzbalkendecken sind Lastgrenzen von 100 kg/m² (nass) oft nicht überschreitbar; das schließt Intensivbegrünung nahezu immer aus.

Interaktiv

Niederschlagswassergebühr Berlin: Jährliche Einsparung durch Extensivbegrünung

Begrünte Dächer gelten in Berlin als teilentsiegelt. Bei extensiver Begrünung (60–150 mm Substrat) beträgt der FLL-Planungsabflussbeiwert Ψ = 0,25 — 75 % der Fläche werden nicht mehr als angeschlossene Versiegelung gewertet. Grundlage: Berliner Niederschlagswassergebühr ca. 1,84 EUR/m²·Jahr (BWB-Tarif; bitte aktuellen Bescheid prüfen).

Freigestellter Flächenanteil (Ψ-Reduktion 75 %)
Richtkosten inkl. Arbeit

Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

Schematischer Aufbau

Schichtaufbau Extensivbegrünung — FLL-konformer Vollaufbau (von oben nach unten)

FLL-Vegetationsklassen im Direktvergleich: Substratdicke, Pflege und Kosten – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Wurzelfeste Abdichtung: FLL-Prüfverfahren 1 und 2 im Vergleich

Die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie unterscheidet zwei Prüfverfahren für die Durchwurzelungsfestigkeit: Prüfmethode 1 ist ein beschleunigter Screeningtest (Topfmethode, ca. 16 Monate, Weidenstecklinge als Prüfpflanzen) — er gilt als Nachweis der Kurzzeitbeständigkeit. Prüfmethode 2 ist ein Feldtest im Bepflanzungsbestand über mindestens 8 Jahre und liefert den vollgültigen Langzeitnachweis.

In der Praxis deklarieren nahezu alle Hersteller nach Prüfmethode 1. Bei Dächern mit aggressivem Bewuchs — Bambus, Weiden, Pappeln, Robinien — sollte der Planer explizit Prüfmethode 2 fordern oder eine Kupferfolienbahn (Cu-Band 0,1 mm, dauerhaft biozid wirksam) einplanen. Ohne gültigen FLL-Prüfnachweis erlischt die Herstellergewährleistung des Abdichtungssystems bei Wurzelschäden — ein häufig übersehener Vertragsdetail bei der Ausschreibung.

Querschnitt eines Gründach-Randes: aggressive Wurzeln werden von wurzelfester Abdichtungsbahn und Kupferfolienband abgelenkt, mit Substrat- und Drainageschichten.
Im Vergleich

Extensiv- vs. Intensivbegrünung: Entscheidungsmatrix

KriteriumExtensivbegrünungIntensivbegrünung
Substratdicke6–15 cm15 cm bis > 100 cm
Flächenlast (nass)60–200 kg/m²200–1.400 kg/m²
Pflegeaufwand / Jahr1–2 Begehungen4–12 Begehungen + Bewässerung
Begehbarkeitnicht vorgesehenbedingt bis vollständig
BepflanzungSedum, Moose, WildgräserStauden, Sträucher, Bäume
Tragwerksnachweisim Bestand oft verzichtbarfast immer erforderlich
Einbaukosten (inkl. Abdichtung)90–140 EUR/m²180–700+ EUR/m²

Entwässerungskonzept: Notüberläufe und Starkregendimensionierung

Die FLL-Richtlinie fordert zwingend Notüberläufe, die unabhängig vom Regelablauf funktionieren — bei Verstopfung des Drainageablaufs darf kein Einstau über die Abdichtungsebene hinaus möglich sein. Die Dimensionierung richtet sich nach DIN EN 12056-3 (Dachentwässerung Schwerkraft) kombiniert mit der regionalen Starkregenkennlinie aus dem KOSTRA-DWD-Datensatz; Berliner Bemessungsintensitäten für seltene Ereignisse (Wiederkehrzeit T ≥ 100 a) übertreffen die pauschalen DIN-Standardwerte erheblich.

Ein Retentionsdach mit geregeltem Drosselabfluss kann Kanalspitzenabflüsse um bis zu 80 % reduzieren und zählt in Berlin als anrechenbare Maßnahme im Bebauungsplan. Die Rückhalterate eines Extensivdachs liegt auf Jahresbasis bei 40–60 %; bei vollgesättigtem Substrat (z. B. nach mehrtägigem Regen) hält ein Gründach einen Starkregen kaum noch zurück — dieser Vorzustand muss bei der Berechnung berücksichtigt werden.

Lösungs-Finder

Begrünungstyp-Finder: Extensiv, Einfach-Intensiv oder Intensiv?

Welche Kombination aus Dachneigung, statischer Reserve und Nutzungsziel beschreibt Ihr Projekt?

Extensivbegrünung — Mindest-Substratdicke 60 mm (FLL-Richtlinie). Aufbaugewicht 60–150 kg/m² (nass). Bei Neigung > 5° ist eine Schubsicherung (Kiesstreifen ≥ 30 cm am Traufrand) nach FLL zwingend; ab 20° zusätzlich Netzverankerung oder Edelstahl-Hakenprofil erforderlich. FLL-Abflussbeiwert Ψ = 0,20–0,35. Pflegeintervall: 1–2 × pro Jahr (Ablaufkontrolle, Spontanvegetationsregulierung).
Einfach-Intensive Begrünung — Mindest-Substratdicke 150 mm (FLL). Aufbaugewicht 150–350 kg/m² (nass). FLL-konforme Dränschicht mit ≥ 40 mm Wasseraufnahmekapazität erforderlich. Bewässerungsanlage empfohlen — bei 150–250 mm Substrat ist Trockenstress in Berliner Hitzeperioden ohne Zusatzbewässerung wahrscheinlich. FLL-Ψ = 0,15–0,25. Pflegeintervall: 4–6 × pro Jahr.
Intensive Begrünung — Mindest-Substratdicke 250 mm (Stauden/Rasen) bis 800 mm (Solitärbäume, FLL-Richtwert). Statiknachweis nach DIN EN 1991-1-1 (Eigengewicht + Schnee + Nutzlast 5 kN/m² für begehbare Dachterrassen) ist vor Ausführung baugenehmigungspflichtig. Wurzelschutzbahn geprüft nach DIN EN 13948 obligatorisch. Pflegeaufwand: 8–24 Einsätze/Jahr je nach Bewuchs und Nutzungskonzept.
Extensivbegrünung mit Retentionselement — Substrat 80–120 mm + Wasserretentionsplatte oder Retentionsvlies (Rückhaltevolumen 30–80 l/m²). Erreichbarer Abflussbeiwert Ψ ≤ 0,15 (FLL) — relevant für Bebauungspläne mit Versickerungsauflage oder DGNB/BNB-Zertifizierung. Gedrosselter Ablauf nach DIN EN 12056-3 zwingend erforderlich. Pflegeintervall: 1–2 × pro Jahr, Zusatzkontrolle nach Starkregenereignis > 30 l/(m²·h).
Preise & Kosten

Was kostet Dachbegrünung anlegen?

Alle Preise netto, Berlin, inkl. Material und Einbau. Abdichtungsarbeiten nur wo explizit genannt. Preise stark abhängig von Dachgröße, Zugänglichkeit und Substratdicke.

LeistungPreis-Spanne (Richtwert)
Extensivbegrünung (Neubau, ohne Abdichtung)45–70 EUR/m²
Extensivbegrünung inkl. neuer durchwurzelungsfester Abdichtung90–140 EUR/m²
Extensivbegrünung inkl. Abdichtung + Wärmedämmung (PIR)130–210 EUR/m²
Intensivbegrünung begehbar (ohne Tragwerksnachweis)180–380 EUR/m²
Intensivbegrünung Dachgarten mit Gehölzen350–700+ EUR/m²
Retentionsdach-Aufpreis (Drossel + Speicherelement)20–45 EUR/m²
Standsicherheitsnachweis Tragwerksplaner800–3.500 EUR pauschal
Jahreswartung Extensivbegrünung0,50–1,50 EUR/m² / Jahr

Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.

Drainageelemente-Typen: Noppenbahn, Platte und Matte im Vergleich – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Brandschutzklasse BROOF(t4): Gründach als harte Bedachung

Gründächer erreichen ab einer Substratüberdeckung von mindestens 3 cm erdfeuchtem Substrat die Brandschutzklasse BROOF(t4) nach DIN EN 13501-5 und gelten damit als 'harte Bedachung' im Sinne der MBO §32 bzw. BauO Bln §32. Das eröffnet Erleichterungen bei Dachrandabständen zu Nachbargebäuden und beim Brandwandüberbau in innerstädtischen Berliner Lagen.

Die Einstufung gilt jedoch nur für den tatsächlich begrünten Flächenanteil; unbegrünte Kiesbereiche, Holzroste oder Terrassenplatten auf demselben Dach sind separat zu bewerten. Bei Aufbauten mit brennbarer Wärmedämmung (EPS statt PIR) muss der Systemhersteller die BROOF(t4)-Klassifizierung für den konkreten Aufbau schriftlich bestätigen — eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) überträgt sich nicht automatisch auf abweichende Aufbauvarianten.

Dachquerschnitt mit begrünter BROOF(t4)-Fläche neben Kiesbereich, Terrassenplatten und Dämmschicht aus EPS oder PIR
So gehen wir vor

Ablauf: Gründach anlegen von der Voruntersuchung bis zur Übergabe

1

Bestandsaufnahme und Voruntersuchung

Gefällemessung (Mindest 2 %), Ablauf- und Notüberlaufpositionen prüfen, Abdichtungszustand sondieren (Kernbohrung), Tragwerksreserven klären — vor jeder Planung zwingend.

2

Planung: FLL-Aufbau und Normenabgleich

Schichtfolge festlegen, Entwässerungsnachweis nach DIN EN 12056-3 + KOSTRA, Notüberlaufposition dimensionieren, Bebauungsplan-Festsetzungen und BWB-Retentionsnachweis prüfen.

3

Abdichtungsarbeiten

Rückbau alter Beläge und Substrat, neue durchwurzelungsfeste Abdichtung (FLL-geprüft), Anschlüsse an Aufkantungen mindestens 15 cm über Oberkante Substrat — Maß nach Substrateinbau kontrollieren.

4

Drainage und Schutzlagen einbauen

Drainageelement flächig verlegen, Filtervlies mit ≥ 30 cm Überlappung ÜBER der Drainage, Revisionsschächte auf allen Abläufen und Notüberläufen einbauen und freihalten.

5

Substrateinbau

FLL-geprüftes Extensivsubstrat einbringen, Schüttdicke exakt einhalten; bei Neigung > 5° Halteleisten oder Gabionen und Erosionsschutzvlies nach FLL-Vorgabe.

6

Bepflanzung oder Aussaat

Sedumsprossen (Nassaussaat) oder vorkultivierte Sedummatten verlegen, Fugen schließen, Erstbewässerung durchführen und dokumentieren; Anwuchsphase mind. 6–8 Wochen begleiten.

7

Abnahme, Dokumentation und Übergabe

Wasserstandstest der Abdichtung vor Substrateinbau (FLL-Empfehlung), Anschlusshöhen messen, Pflegeplan und Gewährleistungsfristen schriftlich übergeben — Grundlage für spätere Versicherungsansprüche.

Typische Einbaufehler und ihre Langzeitfolgen

Der häufigste Fehler ist das Vertauschen von Filtervlies und Drainageelement: Liegt das Vlies unter statt über der Drainage, wandern Substratfeinanteile in den Ablauf. Die Folge sind verstopfte Abläufe, Dauerstau auf der Abdichtung und Algen- bzw. Moosbewuchs an Aufkantungsanschlüssen — der Schaden zeigt sich erst nach 3–5 Jahren und erfordert dann den vollständigen Rückbau des Aufbaus.

Ebenso kritisch ist das Unterschreiten der Anschlusshöhe: FLL und Flachdachrichtlinie verlangen Abdichtungsanschlüsse von mindestens 15 cm über Oberkante Substrat — nicht über Rohdecke. Bei nachträglichem Substrataufbau bleibt dieser Abstand regelmäßig unterschritten, was kapillare Hinterfeuchtung auslöst. Drittes Fehlerbild: zu geringe Dachneigung (unter dem FLL-Mindestwert von 2 %) führt zu Dauerstau, anaeroben Faulprozessen im Substrat und beschleunigtem Abdichtungsverschleiß durch thermochemische Dauerbelastung.

Interaktiv

Substratdicke und ihre Wechselwirkungen: Rückhalt, Gewicht, Pflege

Die Substratdicke steuert gleichzeitig Wasserrückhalt, Nassgewicht und Pflegeaufwand — ziehen Sie den Regler und erleben Sie die Wechselwirkung direkt (FLL-Richtwerte, mineralisches Extensivsubstrat, Trockenrohdichte ca. 750 kg/m³, Wasserkapazität ca. 35–45 Vol.-%).

Substratdicke

Anschlusshöhe — der am häufigsten unterschrittene Maßwert

Prüfen Sie Abdichtungsanschlüsse an Aufkantungen, Lichtkuppeln und Dachrandprofilen nach Substrateinbau mit dem Zollstock — nicht nach Augenschein. Unterschreitungen unter 15 cm über OK Substrat sind der häufigste Mangel bei Gründach-Abnahmen und begründen ein Leistungsverweigerungsrecht.

BWB-Gebührenreduktion: Antrag nicht vergessen

Für die Niederschlagswassergebühr-Einstufung als teilversiegelte Fläche reicht ein kurzer schriftlicher Nachweis an die Berliner Wasserbetriebe (Bepflanzungsplan, Substratdicke, Dachfläche). Dieser Antrag ist kostenlos — wird er nicht gestellt, zahlt der Eigentümer dauerhaft den vollen Satz.

Neigung > 5°: Haltesysteme nach FLL zwingend

Ab 5° Dachneigung fordert die FLL-Richtlinie Halteprofile oder Gabionenstäbe, die das Substrat gegen Abrutschen sichern. Bis 15° genügen waagerechte Holz- oder Aluminiumleisten in Abstufungen; über 15° sind Spezialkonstruktionen und ein zusätzliches Erosionsschutzvlies erforderlich.

Windsicherung Gründach: Ballastbemessung versus mechanische Befestigung – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Biodiversitätsgründach: Strukturvielfalt als ökologischer Mehrwert

Ein Standard-Sedumgründach mit einer einzigen Substratlage erzeugt kaum ökologischen Mehrwert — Studien zeigen, dass Strukturvielfalt die Artenvielfalt überproportional steigert: Substratinseln unterschiedlicher Dicke (6 cm, 10 cm, 15 cm nebeneinander), eingelegte Kiesfelder, Findlinge und Totholzstücke schaffen Mikrohabitate für Wildbienen, Grab- und Laufkäfer sowie Spinnen. Berliner Umweltbehörden honorieren dies in Ausgleichsberechnungen mit höheren Biotopwertfaktoren.

Die Saatgutmischung sollte aus gebietseigenem Saatgut (Herkunftsgebiet 12 nach §40 BNatSchG) bestehen; kommerzielle Sedum-Sprossenmischungen erfüllen dieses Kriterium in der Regel nicht und werden in Grünordnungsplänen zunehmend abgelehnt. Für das Berliner Biotopflächenfaktor-Programm (BFF) erzielen strukturreiche Extensivdächer über Bebauungsplan-Festsetzungen und Grünordnungspläne höhere Anrechnungspunkte als monotone Sedumflächen — das kann Ausgleichsverpflichtungen aus dem Eingriff deutlich reduzieren.

Querschnitt eines Biodiversitätsgründachs mit Substrathügeln, Kieslinsen, Totholzstruktur und gebietseigenen Wildstauden im Vergleich zur monotonen Sedumfläche.
Technische Daten

Technische Kennwerte Extensivbegrünung — FLL-Referenzwerte

Substratkorngröße (Typ E)0–16 mm
Substratdicke Extensiv6–15 cm
Substratdicke Intensiv> 15 cm bis > 100 cm
Wasserkapazität (WK) Substrat≥ 30 Vol-% (FLL-Mindest)
Organikanteil Extensivsubstrat (Frischmasse)< 65 g/l (FLL)
Drainschicht Mindestdicke2,5 cm (FLL)
Drainschicht kf-Wert> 1 × 10⁻³ m/s
Filtervlies-TypFLL-konformes Filtervlies
Anschlusshöhe Abdichtung≥ 15 cm über OK Substrat (FLL + Flachdach-RL)
Brandschutz (≥ 3 cm erdfeuchtes Substrat)BROOF(t4) nach DIN EN 13501-5
Durchwurzelungsprüfung KurzzeitFLL-Methode 1 (Topfmethode, ca. 16 Monate)
Durchwurzelungsprüfung LangzeitFLL-Methode 2 (Feldtest, mind. 8 Jahre)
Mindestgefälle Dachfläche (FLL-Empfehlung)2 %

Langzeitpflege Extensivbegrünung: Was wirklich anfällt

Extensivgründächer sind nicht pflegefrei, sondern pflegeleicht — ein entscheidender Unterschied für den Wartungsvertrag. Die FLL empfiehlt 1–2 Begehungen jährlich: Abläufe und Notüberläufe von Substrat- und Pflanzenresten freihalten, Gehölzsämlinge konsequent entfernen (Birke, Ahorn, Robinie — bei Vernachlässigung durchwurzeln sie die Abdichtung innerhalb von 5–10 Jahren) und Substratdicke stichprobenartig prüfen.

Einbau-Ablauf: Qualitätskontrollpunkte von Untergrundprüfung bis Fertigstellungspflege – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Querschnitt-Vergleich einer Extensivbegrünung: frisches Substrat gegenüber abgebautem, dünnerem Substrat mit 20–30 % Höhenverlust durch Auswaschung.

Ein kritisch unterschätzter Langzeitfaktor ist der Substratabbau: Organikanteile und Feinkornanteile werden durch Auswaschung und biologischen Abbau über Jahrzehnte reduziert; die Substratdicke kann ohne Gegenwirkung um 20–30 % sinken. Eine Substratergänzung alle 15–20 Jahre ist fachgerecht und erhält die hydrologische Rückhalteleistung. Einige Berliner Wohnungsbaugesellschaften schreiben dies bereits in standardisierten Dachpflegeverträgen fest.

Kurz erklärt

Wichtige Begriffe rund um Dachbegrünung anlegen

Extensivbegrünung
Flachgründige Dachbegrünung (6–15 cm Substrat) mit selbsterhaltendem, trockentoleranten Bewuchs. Wartungsarm, aber nicht pflegefrei; jährliche Kontrolle der Abläufe und Gehölzentfernung erforderlich.
Intensivbegrünung
Tiefgründige Begrünung (> 15 cm, teils > 100 cm) mit breiter Pflanzenauswahl inkl. Sträucher und Bäume. Hohe Flächenlasten, regelmäßige Bewässerung und Pflege zwingend notwendig.
FLL-Dachbegrünungsrichtlinie
Technisches Regelwerk der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. — zentrale Planungs-, Ausführungs- und Pflegenorm für Dachbegrünungen in Deutschland.
BROOF(t4)
Europäische Brandschutzklasse für Bedachungen nach DIN EN 13501-5. Gründächer mit ≥ 3 cm erdfeuchtem Substrat gelten als 'harte Bedachung' im Sinne der Musterbauordnung.
Retentionsdach
Gründach mit gezielt gedrosseltem Ablauf und definiertem Wasserspeicher. Puffert Starkregenereignisse und reduziert Kanalspitzenabflüsse um bis zu 80 %; in Berlin als Ausgleichsmaßnahme anrechenbar.
Durchwurzelungsfeste Abdichtung
FLL-geprüfte Dachabdichtung, die Pflanzenwurzelwachstum dauerhaft standhält. Nachweis durch FLL-Methode 1 (Kurzzeit-Screening) oder Methode 2 (Langzeit-Feldtest 8 Jahre).
KOSTRA-DWD
Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung des Deutschen Wetterdienstes. Liefert die statistischen Bemessungsintensitäten für die Dachentwässerung nach DIN EN 12056-3.
Notüberlauf
Zweites, unabhängiges Entwässerungselement, das bei Verstopfung des Regelablaufs einen unkontrollierten Wassereinstau auf der Abdichtungsebene verhindert. Von der FLL zwingend gefordert.
Biotopflächenfaktor (BFF)
Berliner Planungsinstrument zur Bewertung und Bilanzierung ökologischer Ausgleichsmaßnahmen auf Grundstücken. Gründächer werden je nach Aufbauqualität und Strukturvielfalt unterschiedlich angerechnet.

Dachbegrünung anlegen Fragen & Antworten

Was ist der technische Unterschied zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung, und welche Variante lohnt sich wirtschaftlich?
Extensivbegrünung arbeitet mit 6–20 cm Substrat, vorwiegend Sedum und Moos, und kommt nach der Anwuchsphase mit wenigen Pflegegängen pro Jahr aus – Kosten fertig verlegt typisch 60–120 €/m² (inkl. Abdichtungsarbeiten je nach Bestand). Intensive Begrünung ab 20 cm Substrat ermöglicht Rasen, Stauden und Gehölze, erfordert aber ein Bewässerungs- und Drainagesystem und liegt bei 200–600 €/m² oder mehr. Wirtschaftlich lohnt die extensive Variante schon ab ca. 50 m², weil sie die Dachabdichtung vor UV und Temperaturwechsel schützt und deren Nutzungsdauer nachweislich verdoppelt.
Welche Mindest-Reservetragfähigkeit muss das Dach für eine Extensivbegrünung aufweisen?
Die maßgebende Last ist der wassergesättigte Zustand, nicht das Trockengewicht: FLL-Substrat für Extensivbegrünung hat eine Wasserkapazität von typisch 35–45 Vol.-%, woraus sich bei 10 cm Substratdicke zzgl. Drän- und Filterlagen etwa 100–130 kg/m² ergeben. Als Faustregel gilt: Die Dachkonstruktion sollte eine freie Nutzlastreserve von mindestens 1,5 kN/m² (≈ 150 kg/m²) aufweisen – mit Sicherheitsbeiwert nach DIN EN 1990. Bei historischen Dachstühlen oder Stahlleichtbau ist stets ein Tragwerksplaner einzubeziehen.
Was bedeutet 'wurzelfeste Abdichtung' nach FLL, und wie wird das nachgewiesen?
Die FLL unterscheidet zwei Kategorien: wurzelfest (kein Durchwuchs ohne mechanische Beschädigung) und wurzelfest inkl. Rhizomsperre (auch gegen horizontal wachsende Rhizome wie Bambus oder Schilf). Der Nachweis erfolgt über zwei Prüfverfahren: den FLL-Biotest (Bewuchs mit definierten Testpflanzen inkl. Rhizombildner über 24 Monate in der Klimakammer) und den FLL-Chemikalientest (Beständigkeit der Membran gegen Wurzelexsudate). Nur Membranen mit aktuellem FLL-Prüfzeugnis dürfen ohne separate Wurzelschutzfolie eingebaut werden – ein häufiger Fehler ist der Einsatz normaler Bitumenbahnen ohne diesen Nachweis.
Kann ein bestehendes Bitumendach direkt begrünt werden, oder muss die Abdichtung erneuert werden?
Das hängt von zwei Kriterien ab: (1) Dichtheit – ein undichtes Dach wird unter Substrat und Dauerfeuchte schlechter zugänglich und verschlechtert sich beschleunigt; eine Begrünung auf leckem Untergrund ist ein häufiger und teurer Planungsfehler. (2) FLL-Nachweis der Bestandsmembran – viele ältere Bitumenbahnen (APP, SBS) besitzen kein FLL-Prüfzeugnis. In diesem Fall muss entweder eine wurzelfeste Auflage eingebracht oder die Abdichtung erneuert werden. Oxidations-Bitumenbahnen (OxB) ohne Polymermodifikation sollten generell nicht als Begrünungsunterlage genutzt werden.
Wie verbessert eine Dachbegrünung den sommerlichen Wärmeschutz, und welchen Einfluss hat sie auf den U-Wert?
DIN 4108-2 erkennt die Kühlwirkung durch Verdunstung (Evapotranspiration) an: Ein begrüntes Dach kann die Dachoberflächentemperatur im Sommer um 30–40 K gegenüber einem unbegrünten Flachdach senken. Den U-Wert verbessert das Substrat allerdings nur moderat – 10 cm Extensivsubstrat (λ ≈ 0,25–0,40 W/mK) ergibt einen zusätzlichen Wärmedurchlasswiderstand von ca. 0,025–0,040 m²K/W, der bei einem bereits gut gedämmten Dach kaum ins Gewicht fällt. Der eigentliche thermische Gewinn liegt in der Dämpfung von Temperaturspitzen und der reduzierten solaren Lasteintragung, nicht im stationären Wärmeschutz.
Wie wirkt sich eine Dachbegrünung auf die Berliner Niederschlagswassergebühr aus?
Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) berechnen die Niederschlagswassergebühr nach der angeschlossenen versiegelten Fläche. Dachbegrünungen gelten als teilentsiegelte Flächen: Extensivbegrünungen werden je nach Substratdicke mit einem Abflussbeiwert von 0,3–0,5 statt 1,0 (Kies, Bitumen) angerechnet. Bei Dachflächen ab ca. 200 m² kann sich daraus eine jährliche Einsparung von mehreren Hundert Euro ergeben. Voraussetzung ist ein formeller Antrag bei den BWB mit Lageplan und Systemnachweis – dieser Nachweis lässt sich im Zuge der Ausführungsdokumentation erbringen.
Welche Substratanforderungen schreibt die FLL-Richtlinie vor, und warum ist Muttererde ungeeignet?
FLL-Substrat für Extensivbegrünung muss mineralisch dominiert sein: Korngröße 2–16 mm, organischer Anteil max. 15 Vol.-%, pH-Wert 6,0–8,5, Trockenrohdichte 700–1.200 kg/m³. Muttererde scheidet aus, weil sie zu schwer ist (Trockenrohdichte bis 1.600 kg/m³), zu hohe organische Anteile enthält die sich abbauen und Setzungen verursachen, und zu geringe Wasserdurchlässigkeit aufweist, was zu Staunässe und Wurzelfäule führt. Ein in der Praxis häufiger Fehler: feinkörnige Sande im Substratgemisch, die mit der Zeit in die Dränschicht einwandern und deren Ableitkapazität dauerhaft verringern.
Wie lange dauert die Anwuchsphase einer Extensivbegrünung, und ab wann ist Bewässerung entbehrlich?
Bei Sedum-Sprossenmatten (vorkultivierter Pflanzenbelag auf Trägervlies) beginnt die Verwurzelung ins Substrat innerhalb von 4–8 Wochen. Die kritische Phase ist das erste Vegetationsjahr: Bis zur vollständigen Durchwurzelung (6–12 Monate) muss bei Trockenperioden über zwei Wochen ohne nennenswerten Niederschlag gewässert werden – ca. 10–15 l/m² je Gabe. Anschließend ist eine gut etablierte Sedum-Begrünung in Berlin trockenheitsresistent und wartungsarm; empfehlenswert bleiben 1–2 Pflegegänge pro Jahr (Entfernung von Gehölzaufwuchs, Kontrolle der Entwässerungspunkte und Attikaanschlüsse).
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Dachbegrünung anlegen Referenzen & Beispiele

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Grundlage aller Planungs- und Ausführungsdetails sind die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie (2018), DIN 18531 (Dachabdichtung), DIN 4108-2 (sommerlicher Wärmeschutz) sowie bei intensiver Begrünung die statischen Bemessungsnormen DIN EN 1991-1-1 (Nutzlasten) und DIN EN 1991-1-3 (Schneelasten).

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