Fenstersturz & Türsturz einbauen lassen — Fachbetrieb Berlin
Ein Sturz überbrückt Maueröffnungen und leitet Lasten aus Decken und Obergeschossen beidseitig in das Auflagermauerwerk ab. Die Dimensionierung richtet sich nach Stützweite, Auflast und Wandquerschnitt — beim Umbau bestehender Wände kommen Lastpfad-Analyse und temporäre Hilfsstützen hinzu, damit das Mauerwerk während der Öffnungsarbeiten gesichert bleibt.
Entscheidend für Standsicherheit und energetische Qualität sind Auflagertiefe, Einbaulage der Bewehrung und Wärmebrückenminimierung. Fertigsturztypen aus Stahlbeton, bewehrtem Mauerwerk oder Dämmkern-Verbundsystem unterscheiden sich erheblich in Tragfähigkeit, Wärmedämmwert und Einbauaufwand.
Was umfasst Sturz einbauen?
- Lastpfad-Analyse: Wandquerschnitt, Auflastermittlung, Deckenlage, Klassifizierung tragende vs. nicht-tragende Wand
- Sturzbemessung: Öffnungsmaß, Auflagertiefe nach EC6, Sturzauswahl (Fertigsturz SBS / U-Schale / Stahlsturz)
- Temporäre Lastabfangung: Lehrgerüst oder Hilfsstützen beidseitig der geplanten Öffnung
- Mauerwerk öffnen, Auflagerflächen plan herrichten, Sturz einsetzen und ausrichten
- Auflager satt vermörteln, Drempelmauerwerk über Flachsturz herstellen
- Lehrgerüst nach Mörtelfestigkeit entfernen, Anschlüsse schließen, Oberfläche herstellen
Bei tragenden Wänden im Bestand ist die statische Klärung vor Beginn der Arbeiten erforderlich. Wir stimmen Sturztyp, Einbaudetail und Arbeitsabfolge mit den Gegebenheiten vor Ort ab.

Lastklassen L1 bis L6: Was die Sturz-Kennzeichnung nach DIN EN 845-2 bedeutet
DIN EN 845-2 teilt vorgefertigte Mauerwerkstürze in sechs Lastklassen ein — L1 (1,5 kN/m) bis L6 (30 kN/m) Bemessungsauflast. Die Klassenkennung muss dauerhaft in das Bauteil eingeprägt sein; fehlt sie, ist der Sturz nicht für den Einbau zugelassen. Planungsrelevant: Die Lasteinstufung bezieht sich auf die charakteristische Gleichstreckenlast am Auflager — nicht auf die Gesamtlast der darüberliegenden Konstruktion.
Ein häufiger Planungsfehler ist die Klassenauswahl allein nach der Deckenauflast, ohne Wandeigengewicht, Deckenauflager-Exzentrizität und Biegebeanspruchung aus Deckeneinspannung einzubeziehen. Für Öffnungen über 2,0 m in tragenden Wänden mit Geschossdecke ist ein rechnerischer Einzelnachweis (kein Katalogwert) fachlich geboten. Die Gewölbewirkung (Corbelling-Effekt) des Mauerwerks darf die Auflast rechnerisch reduzieren — aber nur, wenn die freie Wandhöhe über dem Sturz mindestens der lichten Spannweite entspricht (h/l ≥ 1,0).
Berliner Altbauten vor 1940 besitzen häufig Stampfbeton- oder Ziegelflachsturz-Konstruktionen ohne normenkonforme Kennzeichnung. Beim Austausch gilt: Der rechnerische Nachweis des Bestands ist maßgebend, nicht eine aus aktuellen Katalogen abgelesene Lastklasse. Bestandsmaterialkennwerte müssen im Zweifelsfall durch Bohrkernentnahme oder Schmidt-Hammer-Prüfung ermittelt werden.

Sturz-Typen: Fertigteil, Ortbeton, Stahl und U-Stein
Fertigteil-Sturz (Betonfertigteil)
Vorgefertigter Stahlbetonsturz nach DIN EN 845-2; Lastklasse L1–L6 dauerhaft eingeprägt. Schnell einbaubar, kein Lehrgerüst, definierte statische Werte. Standardspannweiten 1,0–3,5 m, Sondermaße bis 6,0 m lieferbar. Konventionelle Typen ohne Kerndämmung sind thermische Schwachstellen (Psi-Wert 0,04–0,10 W/(m·K)).
Ortbeton-Sturz (Stahlbeton in situ)
Flexibel in Breite, Höhe und Bewehrungsführung; geeignet für Sonderquerschnitte und enge Bestandssituationen. Betongüte mind. C20/25 (innen), C25/30 (außen). Erhöhter Aufwand durch Lehrschalung und Aushärtezeit; Schubnachweis nach DIN EN 1992-1-1 bei schmalen Querschnitten obligatorisch.
Stahlsturz (IPE- oder HEA-Profil)
Standardlösung bei großen Spannweiten über 3,5 m und bei sanierungsbedingten Platzzwängen. Eigengewicht berechenbar nach EC3. Ohne Brandschutzummantelung keine Feuerwiderstandsklasse; Wärmebrücke erheblich. Einbetonierung oder Verkleidung mit Kalziumsilikat-/Vermiculit-Platten nach DIN EN 13381 erforderlich.
U-Stein-Sturz (verlorene Schalung)
Schalungsstein aus Leichtbeton oder Ziegel bildet die verlorene Schalung; Bewehrung und Beton werden eingebracht. Optisch wandbündig, wärmebrückenärmer als Betonfertigteil. Normativ nachweisbar bis ca. 2,0 m Stützweite; darüber ist eine Eigenstatik zwingend erforderlich.
Ortbeton-Sturz: Betongüte, Betondeckung und Schubnachweis nach EC2
DIN EN 1992-1-1 (Eurocode 2) schreibt je nach Expositionsklasse die nominelle Betondeckung c_nom = c_min + Δc_dev vor. Innen (XC1): c_min = 15 mm + Vorhaltemaß 10 mm = c_nom 25 mm. Außen oder freibewittert (XC3/XC4): c_min = 25 mm + 10 mm = c_nom 35 mm. Unterschreitung führt zu beschleunigter Bewehrungskorrosion; gleichzeitig ist die Betondeckung der direkte Einflussparameter auf die Feuerwiderstandsdauer.
Der Schubnachweis (VEd ≤ VRd,c) ist bei kurzen, hoch belasteten Stürzen ohne Querkraftbewehrung maßgebend. Unterschreitet die Stegbreite b_w 120 mm, ordnet DIN EN 1992-1-1 konstruktiv Bügelbewehrung an — unabhängig davon, ob der rechnerische Nachweis ohne Bewehrung geführt werden könnte. Der Biege- und Schubnachweis sind gemeinsam zu führen; separate Betrachtung der Einzelnachweise ist ein typischer Fehler bei Vordimensionierungen aus Katalogen.
Frischbeton mit w/z-Wert ≤ 0,55 (XC3) einbauen; Verdichten mit Innenrüttler — bei engen Bügelabständen Rütteldurchmesser max. 35 mm wählen. Nachbehandlung mind. 3 Tage bei Außentemperatur über +5 °C; unter +5 °C Frostschutzmaßnahmen nach DIN EN 13670 erforderlich.
Sturz-Längenrechner: Bestellmaß und Kostenschätzung
Eingabe: lichte Öffnungsbreite in m. Der Rechner addiert je Seite 150 mm Mindestauflager (Standardwert für Mauerwerk ≤ 240 mm Wanddicke nach Hersteller-ETA gemäß DIN EN 845-2) und schätzt Material- plus Montagekosten für einen Stahlbeton-Fertigsturz (Standardquerschnitt). Bei Wanddicken > 240 mm Auflager auf 200 mm erhöhen und Bestelllänge entsprechend manuell korrigieren.
Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.
Sturz einbauen: Ablauf Schritt für Schritt
Bestandsaufnahme und Statikplanung
Wandquerschnitt, Lastpfad und Deckenauflager prüfen; Statiknachweis oder Katalogwahl nach DIN EN 845-2 festlegen. Bei tragenden Wänden im Bestand: Standsicherheitsnachweis vor Baubeginn nach DIN 4123 sicherstellen.
Abfangkonstruktion aufstellen
Beidseitig der geplanten Öffnung Stahlstempel oder Schwerlastböcke unter die Deckenunterkante setzen — vor Beginn des Mauerwerksabbruchs. Stempelabstand max. 1,0 m vom Öffnungsrand; Druckverteilungsbalken (Stahl, kein Holz bei hohen Auflasten) auf Deckenuntersicht.
Öffnung abschnittsweise herstellen
Mauerwerk nie in voller Öffnungsbreite gleichzeitig entfernen. Wandbereiche über der späteren Sturz-Auflagerfläche lot- und waagerecht herstellen; Auflagerfläche auf Druckfestigkeit und Ebenheit prüfen.
Auflager vorbereiten und Sturz versetzen
Auflagerfläche mind. 150 mm je Seite (DIN EN 845-2); bei Porenbeton- oder Leichtziegel-Mauerwerk Auflagerpressung gegen zulässige Druckspannung (Hersteller-Zulassung) nachweisen. Fertigteil planeben und lotrecht einsetzen; Zulage mit Mörtelausgleichsschicht der Mörtelklasse M5 oder höher.
Sturz ausrichten und Ortbeton einbringen
Lage, Höhe und Ebenheit nach DIN 18202 Tabelle 2 kontrollieren (Grenzabweichung ±12 mm bei L ≤ 3 m). Bei Ortbeton: Bewehrung verlegen, Betondeckung sichern, Beton einbringen und verdichten; Aushärtezeit einhalten.
Abfangung entfernen und Anschlüsse schließen
Abstützkonstruktion erst nach Erreichen von mind. 70 % der Nennfestigkeit zurückbauen (Ortbeton bei +20 °C: mind. 14 Tage). Anschlussfugen mit quellfähigem Vergussmörtel verfüllen; Wärmedämmstreifen nach Energiekonzept einlegen.

Häufige Fehler beim Sturz einbauen — Ursachen und wie man sie vermeidet
Fehler 1: Zu schwache Abfangkonstruktion. In der Praxis werden häufig Holzbohlen als Druckverteilungsbalken eingesetzt. Holz überträgt quer zur Faser maximal 2,5 N/mm² Druckspannung; bei dichtem Ziegelmauerwerk und mehrgeschossiger Auflast wird dieser Wert regelmäßig überschritten. Korrekt: Stahlprofil-Druckbalken (z.B. IPE 100) oder zertifizierte Schwerlastböcke, Stempelabstand ≤ 1,0 m.
Fehler 2: Zu kurze Auflagertiefe. Die Norm fordert 150 mm je Seite; in der Praxis werden oft 100 mm eingebaut, weil die Wandsituation knapp ist. Folge: Die Auflagerpressung übersteigt die Druckfestigkeit des Mauerwerks, Risse im Sturz-Endbereich entstehen nach wenigen Jahren. Bei Porenbetonmauerwerk ist die zulässige Lagerfugenpressung nach DIN EN 771-4 besonders kritisch — hier kann die Pressung schon bei L3-Stürzen der limitierende Nachweis sein.
Fehler 3: Kein Schwindausgleich. Zementmörtel schwindet nach dem Erhärten; entsteht eine offene Anschlussfuge zwischen Sturz und aufgehendem Mauerwerk, dringt Feuchtigkeit ein und löst Bewehrungskorrosion aus. Richtig: Quellfähigen Vergussmörtel (DIN EN 998-2) für alle Anschlussverfugungen verwenden — besonders wichtig bei außenwandnahen Einbausituationen.

Fertigteil, Ortbeton, Stahl: Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Fertigteil-Sturz | Ortbeton-Sturz | Stahl-Profil |
|---|---|---|---|
| Spannweite (Standard) | 1,0–3,5 m | individuell | ab 2,5 m ideal |
| Statischer Nachweis | Katalog L1–L6 | Einzelnachweis EC2 | Einzelnachweis EC3 |
| Wärmebrücke | mittel (KW-Typ gering) | mittel | hoch (ohne Ummant.) |
| Brandschutz ab R30 | konstruktiv erfüllt | konstruktiv erfüllt | Verkleidung nötig |
| Einbaugeschwindigkeit | hoch | niedrig (Aushärte) | mittel |
| Sondermaße / Anpassung | begrenzt | frei | frei |
| Bestandstauglichkeit | gut | sehr gut | sehr gut |
Sturz einbauen im Bestandsgebäude: Abfangen, Statiknachweis und die richtige Reihenfolge
Im Bestandsbau ist die Abfangkonstruktion die sicherheitskritischste Phase. Normgrundlage ist DIN 4123 ('Ausschachtungen, Gründungen und Unterfangungen im Bereich bestehender Gebäude'); sie regelt Schutzabstände, Vorgehensweise und die Pflicht zum Standsicherheitsnachweis der Abfangung. Jede Abfangkonstruktion muss vor dem Eingriff statisch nachgewiesen sein — ein informeller Handwerkerüberschlag ist keine ausreichende Grundlage.
Besonderheit tragender Innenwände in mehrgeschossigen Gebäuden: Der Lastpfad verläuft vertikal über mehrere Geschosse. Vor Öffnung muss die Last auf alle darüberliegenden Geschosse über Stempelketten umgeleitet werden — jede Etage erhält eigene Stempel, die Druckkraft wird über die Deckenplatten weitergeleitet. Bei fünf Geschossen bedeutet das fünf unabhängige Abstützebenen; das wird im Bestandsbau regelmäßig unterschätzt.
Der Bestandsstatiknachweis ist immer ein Ist-Nachweis: Materialkennwerte sind aus Baujahr-Normen (z.B. DIN 1053-1 für Mauerwerk vor Einführung EC6) oder aus Bestandsmessungen (Bohrkernprüfung, Druckfestigkeitsprüfung) abzuleiten. Neubau-Katalogwerte ohne Bestandsprüfung zu übernehmen ist ein typischer Fehler, der die Tragsicherheit des gesamten Eingriffs gefährdet.
Sturz-Typ-Finder: Werkstoff und System wählen
Welche Situation beschreibt Ihr Bauvorhaben am besten?
Technische Kennwerte: Fertigteil-Sturz nach DIN EN 845-2
| Kennwert | Wert / Anforderung |
|---|---|
| Lastklassen (Bemessungsauflast) | L1=1,5 / L2=3,0 / L3=5,0 / L4=9,0 / L5=18,0 / L6=30,0 kN/m |
| Mindest-Auflagertiefe | 150 mm je Seite |
| Betongüte Fertigteil | mind. C25/30 |
| Betondeckung innen (XC1) | c_nom = 25 mm (c_min 15 + Δc_dev 10) |
| Betondeckung außen (XC3) | c_nom = 35 mm (c_min 25 + Δc_dev 10) |
| Lagerfuge Mörtel | Mörtelgruppe M5 oder höher nach DIN EN 998-2 |
| Kennzeichnungspflicht | Lastklasse, Hersteller, Länge — dauerhaft eingeprägt |
| Nachweisformat | Katalog-Bemessungstabelle oder Einzelnachweis EC2 |

Was kostet ein Sturz einbauen? Materialklassen, Einbau und Statik-Honorar im Überblick
Die Kosten hängen von drei Faktoren ab: Stützweite, Lastklasse und ob Neubau oder Bestand. Ein einfacher Fertigteil-Sturz L3 mit 1,5 m Stützweite kostet als Material ca. 40–80 EUR; der Einbau im Neubau ca. 150–300 EUR gesamt. Im Bestandsbau kommen Abfangkonstruktion, Mauerwerksöffnung und Risikoaufschlag hinzu — Gesamtkosten 500–900 EUR für dieselbe Öffnung sind realistisch.
Große Spannweiten über 3,0 m oder Stahl-Stützträger kosten überproportional mehr: IPE-Profil inkl. Feuerschutzverkleidung und Einbau 800–2.500 EUR je Öffnung. Der Statiker ist kein optionaler Posten: Bei Eingriffen in tragende Bestandswände ist ein baubehördlich anerkannter Standsicherheitsnachweis erforderlich; das Statiker-Honorar beträgt je Einzelnachweis ca. 300–600 EUR.
Unterschätzte Nebenkosten: Bauschutt-Entsorgung (ca. 50–120 EUR/t Mauerwerksabbruch), Stempel- und Gerüstmiete, Entkernungsarbeiten und Oberflächenwiederherstellung (Putz, Anstrich) sind in Einheitspreisen für den Sturz-Einbau nicht enthalten. Realistische Gesamtbudgetierung: Faktor 1,3–1,5 auf den reinen Einbaupreis.

Was kostet Sturz einbauen?
Richtwerte Berlin inkl. Material und Einbau; ohne Statik-Honorar, Entsorgung und Oberflächenwiederherstellung.
| Leistung | Preis-Spanne (Richtwert) |
|---|---|
| Teilleistung | Kosten (Richtwert) |
| Fertigteil-Sturz L2/L3, 1,0–1,5 m Stützweite (Neubau) | 150–350 EUR/Stück |
| Fertigteil-Sturz L4/L5, 2,0–3,0 m Stützweite (Neubau) | 350–750 EUR/Stück |
| Ortbeton-Sturz inkl. Schalung und Bewehrung, bis 3,0 m | 450–950 EUR/Stück |
| Sturz einbauen im Bestand inkl. Abfangkonstruktion | 600–1.500 EUR/Stück |
| Stahl-Profil-Sturz (IPE/HEA), 3,0–6,0 m inkl. Einbau | 900–2.800 EUR/Stück |
| Statik-Honorar Einzelnachweis Bestand | 300–600 EUR/Nachweis |
| Mauerwerksöffnung herstellen (Kernbohrung/Trennsäge) | 150–400 EUR |
| Bauschutt-Entsorgung Mauerwerksabbruch | 50–120 EUR/t |
Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.
Toleranzen beim Sturz einbauen: Was DIN 18202 fordert und warum es die Folgegewerke betrifft
DIN 18202 ('Toleranzen im Hochbau') regelt die zulässigen Maßabweichungen eingebauter Stürze. Nach Tabelle 2 gelten für die Lagegenauigkeit: bis 3 m Messabstand ±12 mm, bis 6 m ±16 mm. Für Ebenheitstoleranzen der Sturz-Unterseite (Laibungsfläche) gilt Tabelle 3: bei 0,1 m Messabstand ≤ 4 mm, bei 1 m Abstand ≤ 10 mm. Diese Werte sind Richtwerte; abweichende Anforderungen sind vertraglich nach VOB/B zu vereinbaren.
Warum betrifft das Folgegewerke? Ein schief eingebauter Sturz zwingt den Fensterbauer zu Futterholz-Ausgleich, den Putzer zu Schichtdicken über 20 mm (ab da Armierungsgewebe nach DIN EN 998-1 Pflicht) und den Fliesenleger zu Gefälleausgleich. Jede Überschreitung der Richtwerte nach DIN 18202 begründet einen Sachmangel nach VOB/B — auch wenn die Konstruktion statisch einwandfrei ist. Folgegewerk-Mehrkosten können dem Verursacher in Rechnung gestellt werden.
Praxistipp: Bei Fertigteilen ist die Herstelltoleranz (typisch ±3 mm auf Länge) von der Einbau-Toleranz zu trennen. Zur Dokumentation der DIN-18202-Konformität sind Einbaupläne mit Ist-Maßen und Fotos beim Versetzen empfehlenswert — insbesondere wenn Folgegewerke unmittelbar anschließen und keine Nachjustierung mehr möglich ist.
Abfangung niemals weglassen — auch bei vermeintlich kleinen Öffnungen
Öffnungen unter 1,0 m in vermeintlich nichttragenden Wänden können Aussteifungsfunktionen übernehmen. Ohne statische Klärung und Abfangung besteht akute Einsturzgefahr. DIN 4123 gilt ab dem ersten Eingriff ins Tragwerk — Größe der Öffnung ist kein Entscheidungskriterium.
Wärmedämmstreifen am Sturz: Psi-Wert bis 0,08 W/(m·K) einsparen
Konventionelle Fertigteilstürze haben ohne Kerndämmung einen linearen Wärmedurchgangskoeffizienten psi von 0,04–0,10 W/(m·K). Dämmstürze oder aufgebrachte Aufsatzdämmung (EPS oder Mineralwolle, mind. 40 mm) senken diesen Wert deutlich — bei KfW-geförderten Sanierungen oft Pflicht für das Gesamtgebäude-Energiekonzept.
Genehmigungspflicht in Berlin: Eingriffe in tragende Wände
In Berlin sind Eingriffe in tragende und aussteifende Wände baugenehmigungspflichtig — auch bei reinen Innenumbauten ohne Fassadenänderung. Ein scheinbar kleiner Fenstereinbau wird zum genehmigungspflichtigen Vorhaben, sobald das betroffene Mauerwerk eine Tragfunktion hat. Vor Baubeginn: Baurechts-Einordnung mit dem zuständigen Bezirksamt klären.

Brandschutz am Sturz: Feuerwiderstandsklassen R30 bis R90 und Betondeckung unter Brandlast
Tragende Stürze müssen je nach Gebäudeklasse (GK 1–5 nach Musterbauordnung / BauO Bln) eine Mindest-Feuerwiderstandsdauer erfüllen: GK 1–2 → R30, GK 3 → R60, GK 4–5 → R90. Der Zusatz 'A' (nicht brennbar) ist bei Stahlbeton und Fertigbetonstürzen nach DIN EN 845-2 konstruktiv erfüllt. Maßgebende Norm für die Bemessung ist DIN EN 1992-1-2 (Eurocode 2, Brandschutz-Bemessung).
Die Feuerwiderstandsdauer hängt direkt von Betondeckung und Querschnittsgröße ab. DIN EN 1992-1-2 definiert als Schlüsselparameter den Achsabstand a (Abstand Bewehrungsmittelpunkt zur Bauteiloberfläche): Für Balken gilt, dass mit zunehmendem Brandwiderstand größere Achsabstände und Mindestquerschnittsbreiten einzuhalten sind — Unterschreitung gefährdet die Tragfähigkeit unter Brandlast, auch wenn der Korrosionsschutz noch ausreichend ist.
Stahl-Profilstürze (IPE/HEA) haben ohne Schutzmaßnahme keine Feuerwiderstandsklasse. Optionen: Einbetonierung mit mind. 25 mm Betonumhüllung (ergibt konstruktiv R30), Verkleidung mit Kalziumsilikat- oder Vermiculit-Platten nach DIN EN 13381, oder intumeszierende Beschichtung. Das gewählte Schutzsystem ist im Brandschutznachweis zu dokumentieren und durch den Brandschutzplaner freizugeben.

Projektphasen Sturz einbauen: Typische Zeitabläufe
- Planung und Statiknachweis1–2 Wochen
- Baugenehmigung (bei trag. Wand)2–8 Wochen
- Materiallieferung Fertigteil1–3 Tage (Lager) / 2–4 Wochen (Sondermaß)
- Abfangkonstruktion aufstellen0,5–1 Tag
- Öffnung herstellen und Sturz versetzen1–2 Tage
- Ortbeton aushärten (nur Ortbeton)14–21 Tage
- Abfangung entfernen und Anschlüsse schließen0,5 Tag
- Anschlussarbeiten Putz / Fenster1–4 Tage
Schallschutz am Sturz: Flanken-Schallübertragung über die Auflagerfuge — ein oft übersehener Planungsfaktor
Der Sturz ist schalltechnisch eine Schallbrücke: Körperschall leitet sich über die starre Mörtelfuge in das angrenzende Mauerwerk und von dort in Decken- und Wandbauteile weiter. Dieser Weg ist die sogenannte Flankenübertragung (Pfad Ff nach DIN EN ISO 12354-1). Bei hochwertigen Anforderungen — etwa Wohnen nach DIN 4109-1, erhöhter Schallschutz — kann die Flanken-Schalldämmung den Gesamt-Rw des Wandaufbaus um 3–8 dB verschlechtern.


Als Gegenmaßnahme werden entkoppelte Auflagerfugen eingesetzt: elastische Lagerstreifen (z.B. Sylomer, Korkstreifen, mind. 5 mm Stärke) unter dem Sturz-Auflager unterbrechen den Körperschallpfad. Wichtige Einschränkung: Die dynamische Steifigkeit des Lagerstreifens muss zur statischen Auflastgröße passen — ein zu weiches Lager erzeugt unzulässige Verformungen. Statiker und Schallschutzplaner müssen die Lagersteifigkeit gemeinsam freigeben.
Besonderheit Reihen- und Doppelhäuser: Flankenpfade über gemeinsame Haustrennwand-Stürze sind besonders kritisch. Gemäß DIN 4109 sind Stürze in Trennwänden so auszuführen, dass keine durchgehende Betonverbindung zwischen beiden Wohneinheiten entsteht — entweder separate Stürze je Wandseite oder eine Fuge mit dauerhaftem Schallschutzstreifen. Fehlt diese Trennung, ist nachträgliche Abhilfe kaum möglich.
Wichtige Begriffe rund um Sturz einbauen
Lastklasse L1–L6 (DIN EN 845-2)
Betondeckung c_nom
Corbelling-Effekt (Gewölbewirkung)
Flankenübertragung (Schalltechnik)
DIN 4123
Auflagerpressung
Psi-Wert (ψ)
Ein Sturz ist nicht das Ende einer Öffnung, sondern der Anfang eines Lastpfades. Wer Lastklasse, Auflagertiefe und Abfangkonstruktion nicht gemeinsam plant, repariert später — und teurer.
Planungsgrundsatz bei Bestandsöffnungen










