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Schimmelsanierung durch Beschichtung

Schimmel überstreichen in Berlin — Fachbetrieb für dauerhafte Schimmelsanierung

Schimmelüberstreichung wirkt nur dauerhaft, wenn die Ursache — Kondensat an Wärmebrücken, Bauteilfeuchte oder unzureichende Lüftung — vor der Beschichtung kontrolliert oder beseitigt wird. Eine Schimmelschutzfarbe auf unbehandeltem Untergrund verlängert allenfalls das Intervall bis zum nächsten Befall.

Entscheidend ist die Einordnung nach Befallsstärke: Flächen unter 0,5 m² ohne Materialschaden an nicht porösem Untergrund gelten nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes (UBA) als leicht sanierbar und sind fachgerecht überstreichbar. Größere Flächen, durchfeuchtete Wandquerschnitte oder toxigene Arten wie Stachybotrys chartarum erfordern ein erweitertes Sanierungskonzept mit Materialrückbau.

Leistungsumfang

Was umfasst Schimmel überstreichen?

  • Feuchtemessung und Ursachenanalyse (kapazitives Hygrometer, Thermografie)
  • Trockene mechanische Schimmelentfernung und biozide Vorbehandlung (PT-2)
  • Untergrundprüfung auf Tragfähigkeit und kapillare Saugfähigkeit
  • Applikation einer PT-7-zugelassenen Schimmelschutzgrundierung
  • Deckbeschichtung mit zertifizierter Schimmelschutzfarbe nach EN ISO 846
  • Dokumentation, Lüftungsprotokoll und schriftliche Nutzungsempfehlung

Schimmelschutzfarben werden nach der EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012 als Produkttyp PT-7 klassifiziert und müssen ECHA-zugelassen sein — nicht jede Dispersionsfarbe mit Silberionen oder IPBC-Zusatz erfüllt diese Anforderung. Ein Fachbetrieb wählt das Beschichtungssystem nach Untergrundart, Raumnutzung und Befallsklasse und dokumentiert die eingesetzten Mittel zulassungskonform.

Schimmelarten nach Gefährdungsklassen (UBA-Leitfaden) – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Befallstiefe und Eskalation: Wann Überstreichen reicht — wann nicht

Schimmelpilze wachsen in verschiedenen Tiefen: Oberflächlicher Befall (Myzel nur in Farb- und Putzschicht, Eindringtiefe < 2 mm) lässt sich durch sachgerechte Vorbehandlung und schimmelfeindliche Beschichtung dauerhaft beheben. Sobald Hyphen tiefer in den Putzträger eingewachsen sind oder der Untergrund kapillar durchfeuchtet ist, versagt das Überstreichen strukturell — das Myzel überlebt unter dem neuen Film.

Das Umweltbundesamt empfiehlt ab einer sichtbar befallenen Fläche von 0,5 m² den Einsatz eines Fachbetriebs — nicht primär wegen der Fläche, sondern weil tiefere Durchdringung ohne zerstörende Beprobung (Skalpell, Stichbohrung) kaum sicher beurteilbar ist. Schwarzer Fleck an der Oberfläche ist kein verlässliches Tiefenmaß: Penicillium und Aspergillus-Arten pigmentieren intensiv, Cladosporium dagegen bei erheblicher Durchdringung kaum sichtbar.

Wand-Querschnitt zeigt Schimmel-Oberflächenfleck und tiefere Durchdringung ins Putz und Mauerwerk, mit Skalpell- und Stichbohrungs-Beprobung.
0,5 m²UBA-Schwelle: ab hier Fachbetrieb erforderlich
fRsi ≥ 0,70Mindest-Temperaturfaktor DIN 4108-2 (Wohnklima)
pH < 9Grenzwert: natürlicher Milieuschutz des Untergrunds entfällt
sd < 0,5 mZielwert diffusionsoffene Schimmelschutzfarbe (Außenwand)

Biozid-Zulassung PT7: was Schimmelschutzfarben rechtlich dürfen

Die EU-Biozidverordnung (BPR 528/2012) unterscheidet Produktart 6 (PT6) — Konservierungsmittel zum Schutz des Farbeimers im Lager — von Produktart 7 (PT7), die den getrockneten Beschichtungsfilm gegen Schimmel- und Algenbewuchs schützt. Für Schimmelschutzfarben, die an der Wand wirken sollen, ist ausschließlich die PT7-Zulassung der enthaltenen Biozide maßgeblich; ein reiner PT6-Wirkstoff im Produkt darf nicht mit 'schimmelhemmender Oberflächenwirkung' beworben werden.

Der Verarbeiter sollte das Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 3) und — falls angegeben — die EU-Biozid-Zulassungsnummer des Wirkstoffs prüfen. PT7-Zulassungen sind im öffentlichen ECHA-Verzeichnis (R4BP 3) einsehbar. Produkte ohne ECHA-konforme Biozidkennzeichnung bei gesundheitsrelevanter Schimmelbelastung zu verwenden, begründet ein Gewährleistungs- und Haftungsrisiko.

Lösungs-Finder

Feuchtigkeitsursache bestimmen — Ist Überstreichen geeignet?

Wie ist die Schimmelursache einzustufen?

Eingeschränkt geeignet. Diffusionsoffene Anti-Schimmel-Beschichtungen können das sichtbare Wachstum vorübergehend unterbinden, beseitigen jedoch nicht die thermische Ursache. Entscheidungskriterium: Temperaturfaktor fRsi ≥ 0,70 an der Wandinnenfläche (DIN EN ISO 13788). Liegt fRsi darunter — erkennbar durch Thermografie-Begehung bei ≥ 15 K Innen-Außen-Differenz — ist eine Wärmebrückensanierung Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Überstreichen dann nur als begleitende, nicht als alleinstehende Maßnahme.
Nicht geeignet. Diffusionsdichte Schimmelschutzanstriche stauen kapillar aufsteigende Feuchte und erzeugen Blasenbildung und Ausblühungen; Schimmelrezidiv innerhalb von 3–12 Monaten ist typisch. Normkonforme Abdichtung nach DIN 18533 (erdberührte Bauteile) oder horizontale Sperrlage ist zwingend erforderlich, bevor eine schützende Beschichtung sinnvoll aufgebracht werden kann.
Nicht geeignet. Bei aktivem Feuchteeintrag werden hydrophobe Filmbildner und biozide Wirkstoffe (IPBC, OIT nach BPR 528/2012) durch Auswaschen inaktiviert — Wirkdauer unter Nässestress typisch unter 6 Monate. Leckage vollständig abdichten, Bauteil auf Ausgleichsfeuchte trocknen lassen (kapillare Wasseraufnahme w unter Herstellergrenzwert), erst dann Beschichtungssystem wählen.
Diagnose zuerst — kein Überstreichen ohne Ursachenklärung. Ohne Feuchtetyp-Ermittlung besteht das Risiko, eine kapillare oder Leckage-Feuchte als Kondensationsproblem fehlzuklassifizieren und damit eine wirkungslose Maßnahme einzuleiten. Empfohlenes Vorgehen: kombiniertes Monitoring (Raumluftfeuchte + Wandoberflächentemperatur per Datenlogger über mindestens 4 Wochen), Thermografie-Begehung im Winter, ggf. Materialfeuchtemessung per CM-Messung oder kalibriertem Widerstandsmessverfahren.
So gehen wir vor

Fachgerechte Ausführungsreihenfolge

1

Ursachendiagnose

Feuchtegehalt des Untergrunds messen (CM-Methode), Wärmebrücken per Thermographie ausschließen, Lüftungsverhalten klären. Ohne Ursachenbehebung kein nachhaltiges Ergebnis — Beschichtung immer letztes Glied der Kette.

2

Beprobung und Tiefenprüfung

Befallstiefe mit Skalpell freilegen. Bei Durchdringung > 2 mm oder feuchtem Substrat (CM > 4 % bei Zementputz, > 2 % bei Gipsputz): Substrat-Abtrag statt Überstreichen.

3

Mechanische Vorreinigung

Loses Myzel und mürbe Farbschichten trocken abbürsten, Feinstaub absaugen. Kontaminiertes Material als Sonderabfall entsorgen. PSA: FFP2-Maske, Schutzbrille, Nitrilhandschuhe.

4

Biozidvorbehandlung (PT2, chlorfrei)

Schimmelentferner mit PT2-zugelassenem Wirkstoff (z. B. Benzalkoniumchlorid) unverdünnt auftragen, Einwirkzeit exakt nach TDS einhalten (meist 30–60 Min.) — nicht abspülen, aktive Wirkstoffe sollen im Substrat verbleiben.

5

Grundierung

Schimmelfeindliche Tiefengrundierung (sd-Wert prüfen!) aufbringen, vollständig trocknen lassen. Bindet losen Untergrund und stellt Haftung für den Decklack sicher.

6

Schimmelschutzanstrich

Mindestens 2 Lagen schimmelfeindliche Innenfarbe mit PT7-Biozid. Schichtdicke nach technischem Merkblatt; zweite Lage erst nach vollständiger Trocknung der ersten.

7

Dokumentation und Kontrolle

Chargennummern, Produktnamen, Fläche, Schichtdicken und Verbrauch protokollieren. Basis für Gewährleistungsnachweis und spätere MVOC-Erfolgskontrolle (frühestens 4 Wochen nach Abschluss).

Schichtaufbau: Professionelle Schimmelschutz-Beschichtung – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Chlorfreie Vorbehandlung: Wirkstoffklassen und ihre praktischen Unterschiede

Natriumhypochlorit (NaOCl) ist für die professionelle Innenanwendung problematisch: Chlorgasbildung bei Kontakt mit sauren Untergründen, Materialangriff auf Kalk- und Gipsputze, keine gesicherte Tiefenwirkung bei > 1 mm Befallstiefe. Chlorfreie Wirkstoffklassen bieten je nach Untergrund und Befallsgrad bessere Verträglichkeit und gleichwertige oder überlegene Wirktiefe.

Benzalkoniumchlorid (BKC) und andere quartäre Ammoniumverbindungen (qAV) gelten als professioneller Standard: breites Wirkspektrum, gute Verträglichkeit mit mineralischen Untergründen, kein Chlorgas. Wasserstoffperoxid (H₂O₂, 3–10 %) oxidiert Myzelsstrukturen und zerfällt rückstandsfrei zu Wasser und Sauerstoff — Nachteil: auf stark saugendem Untergrund schnelle Zersetzung vor Tiefenwirkung. IPBC (Iodpropinylbutylcarbamat) ist hingegen ausschließlich für den getrockneten Beschichtungsfilm (PT7) zugelassen, nicht als feuchte Vorbehandlung.

Vergleichsquerschnitt dreier chlorfreier Vorbehandlungen im Mauerwerk: qAV dringt tief ein, H₂O₂ zersetzt oberflaechennah, IPBC nur als Trockenfilm.
Im Überblick

Wirkstoffklassen für Schimmelvorbehandlung und -schutzfilm

Benzalkoniumchlorid (BKC / qAV)

PT7-zugelassen, breit wirksam gegen Schimmelpilze und Bakterien. Gut verträglich mit mineralischen Untergründen, keine Chlorgasbildung, geringe Korrosivität. Industriestandard in professionellen Schimmelentfernern.

Wasserstoffperoxid (H₂O₂, 3–10 %)

Oxidativ, zerfällt rückstandsfrei zu H₂O und O₂. Geeignet für oberflächliche Vorbehandlung auf glatten Untergründen. Auf porösem Substrat: rasche Zersetzung vor Tiefenwirkung — Konzentration und Einwirkzeit kritisch.

Natriumhypochlorit (NaOCl)

Hohe Soforthemmung, preisgünstig. Nachteile: Chlorgasbildung bei Säurekontakt, Putz- und Farbangriff, kein dauerhafter Filmschutz nach Auftragen. Für professionelle Innenanwendung nur mit erheblichen Sicherheitsauflagen.

IPBC (Iodpropinylbutylcarbamat)

Spezifisch fungizid, ausschließlich PT7-zugelassen (trockener Beschichtungsfilm). Nicht als feuchte Vorbehandlung einsetzbar — Wirkort ist der fertige Schutzfilm der Schimmelschutzfarbe.

Silberionen (Ag⁺, oligodynamisch)

Breit antimikrobiell in sehr niedrigen Konzentrationen; in Spezialgrundierungen eingesetzt. Bei hoher Dauerfeuchtigkeit begrenzte Wirkungsdauer. Kein Ersatz für klassische PT7-Biozide bei aktivem Flächenbefall.

sd-Wert: Diffusion oder Dampfsperre entscheidet den Langzeiterfolg

Der sd-Wert (wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke, in Metern) beschreibt den Diffusionswiderstand einer Schicht. Berechnung nach DIN EN ISO 12572: sd = μ × d (μ = Diffusionswiderstandszahl des Materials, d = Schichtdicke in Metern). Diffusionsoffene Schimmelschutzfarben (sd < 0,5 m) erlauben Wandfeuchte den Austausch nach innen — auf Außenwänden ohne Innendämmung bauphysikalisch notwendig.

Ein hoher sd-Wert (> 1–2 m) wirkt als Dampfbremse: Feuchtigkeit staut sich an der Grenzfläche Untergrund/Beschichtung — ideale Wachstumsbedingung für Schimmelpilze, die exakt diese Schicht besiedeln. Das Paradox: eine zu dampfdichte Schimmelschutzfarbe fördert langfristig genau das Wachstum, das sie verhindern soll. Besonders kritisch bei ungedämmten Außenwänden oder Flächen mit kapillarer Feuchteaufnahme.

Interaktiv

Kosten- und Aufwandsindikator: Schimmelbehandlung

Kalkulation für Befallsstufe I (oberflächlicher Schimmel, Myzel auf Beschichtung oder Putzoberfläche, kein Putzversagen). Materialansatz: 2-lagiges Beschichtungssystem — Schimmelschutz-Grundierung + Anti-Schimmel-Deckfarbe, Verbrauch ca. 0,35 l/m². Arbeitsaufwand Stufe I: ca. 0,6–0,8 Std./m² (Desinfektion + 2 Anstriche). Korrekturfaktoren Lohnanteil: Stufe II (Schimmel im Putz, Putzabriss + Neuputz) ca. +150 %; Stufe III (Mauerwerk befallen, biozide Tiefenimprägnierung) ca. +300 %. Preisindikation Berlin inkl. MwSt.

Schimmelschutz-Beschichtungssystem
Richtkosten inkl. Arbeit

Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

Im Vergleich

Sanierungsoptionen im Vergleich

KriteriumÜberstreichen (PT7)Substrat-Abtrag + NeuputzSchimmelschutzspachtel
Befallstiefe≤ 2 mm, oberflächlich> 2 mm oder Substrat befallen≤ 1 mm, nur Feinputze
Untergrundfeuchtetrocken (CM ≤ 4 %)auch Restfeuchte tolerierbartrocken (CM ≤ 2 %)
Dauerhaftigkeithoch bei Ursachenbehebungsehr hochmittel
Kosten28–55 EUR/m²40–90 EUR/m²20–40 EUR/m²
Bewohnbarkeit während Maßnahmemeist möglicheingeschränkt, Staubentwicklungeingeschränkt
Normreferenz BiozidPT7 (BPR 528/2012)UBA-Leitfaden, WTA-MerkblätterPT7 nach Produktspezifikation
Feuchtigkeitsquellen und typische Schadensbilder im Vergleich – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

pH-Wert des Untergrunds: unterschätzter natürlicher Schutzfaktor

Frischer Zementputz und Beton besitzen pH-Werte von 12–13 — in diesem stark basischen Milieu können Schimmelpilze nicht wachsen. Mit fortschreitender Karbonatisierung (CO₂-Aufnahme aus der Raumluft reagiert mit Calciumhydroxid zu CaCO₃) sinkt der Oberflächen-pH auf 8–9 oder darunter: Der natürliche Milieuschutz entfällt. Diagnose vor Ort: 1%ige Phenolphthalein-Lösung — Lila-Färbung zeigt pH > 9 (Schutzwirkung vorhanden), farblos bedeutet pH ≤ 9 (Schutz weg).

Kalkfarben und Kalkputze (Kalkhydrat pH 11–12) regenerieren diesen basischen Milieuschutz partiell — weshalb historische Kalkputzgebäude statistisch seltener Schimmelschäden zeigen als moderne Gipsputzflächen (Gips pH 7–8). Bei Neuverputz auf schimmelgefährdeten Flächen (Nordecken, Wärmebrücken) ist der Putztyp daher eine bautechnische Schutzentscheidung, nicht nur eine ästhetische.

Bauteil-Querschnitt einer Nordecke mit Wärmebrücke: Kalkputz (pH 11–12) und Gipsputz (pH 7–8) im Vergleich als basischer Schimmelschutz auf Mauerwerk.
Technische Daten

Technische Kennwerte für Schimmelschutz-Beschichtungssysteme

KennwertAnforderung / Richtwert
sd-Wert Schimmelschutzfarbe (ungedämmte Außenwand)< 0,5 m (diffusionsoffen nach DIN EN ISO 12572)
Untergrundfeuchte vor Anstrich (CM-Methode)Zementputz ≤ 4 %, Gipsputz ≤ 2 % (produktabhängig prüfen)
pH-Mindestwert für natürlichen Milieuschutz> 9 (Phenolphthalein-Indikatortest)
Temperaturfaktor fRsi nach DIN 4108-2≥ 0,70 (Wohnklima 20 °C / 50 % rF, Außen –5 °C)
Biozid-Produktart für Filmschutz (trocken)PT7 nach BPR 528/2012
Biozid-Produktart für Lagerkonservierung (im Eimer)PT6 nach BPR 528/2012 (nicht für Wandwirkung ausreichend)
Einwirkzeit Biozidvorbehandlung (typisch)30–60 Min. (Herstellerangabe zwingend einhalten)
Mindestschichtdicke Schimmelschutzanstrich≥ 150–200 µm trocken (2 Lagen, nach technischem Merkblatt)

Wärmebrücken nach DIN 4108-2: wenn Überstreichen strukturell scheitert

DIN 4108-2 definiert den Mindest-Temperaturfaktor fRsi ≥ 0,70 für Innenoberflächen — bezogen auf Außenbedingungen –5 °C und Innenklima 20 °C / 50 % relative Feuchte. Wird dieser Wert an Wärmebrücken (Deckeneinspannungen, Rollladenkästen, auskragende Balkonplatten, Gebäudeecken) unterschritten, fällt die Innenoberflächentemperatur unter den Taupunkt: Kondensation ist physikalisch erzwungen, Schimmel zwangsläufige Folge.

In diesen Fällen ist das Überstreichen symptomkurierend ohne Langzeitnutzen — nach wenigen Monaten bricht der Befall an identischer Stelle erneut auf. Die Lösung liegt ausschließlich in der bauphysikalischen Ertüchtigung: Innendämmung mit Dampfbremse, konstruktive Wärmebrückenoptimierung oder kontrollierte Lüftungsanlage nach DIN 1946-6. Thermographische Aufnahmen im Heizbetrieb (Außen < 5 °C, Innen beheizt) machen kritische Stellen präzise und dokumentationsfähig sichtbar.

Interaktiv

Taupunkt-Risikoampel: Schimmelrisiko an der Wandinnenfläche

Ansatz: Raumtemperatur T_i = 20 °C, Außentemperatur T_e = -10 °C (Berliner Auslegungs-Wintertemperatur nach DIN EN 12831), Wärmeübergangswiderstand innen R_si = 0,13 m²K/W (DIN EN ISO 6946, Horizontalwärmestrom). Taupunkt nach Magnus-Näherungsformel. Schieberegler: relative Luftfeuchte der Innenraumluft.

Relative Luftfeuchte Innenraum

Schimmel überstreichen: Chancen und Grenzen der Methode

Vorteile

  • Wirtschaftlich bei oberflächlichem Befall (< 2 mm): deutlich geringere Kosten und Bauzeit als Substrat-Abtrag + Neuputz
  • Bei korrekter Vorbehandlung und gesicherter Ursachenbehebung dauerhaft wirksam — PT7-Biozide hemmen Myzelneubildung im Film langfristig
  • Wohnraum bleibt meist nutzbar: kein Großrückbau, keine Staubentwicklung durch Abbrucharbeiten
  • Diffusionsoffene Schimmelschutzfarben (sd < 0,5 m) verbessern das Feuchteprofil der Wand aktiv statt es zu verschlechtern
  • Klare Nachweiskette möglich: Produktwahl, Biozid-Zulassung, Schichtdicke und Chargen dokumentierbar für Gewährleistungsfall und Mietrecht

Nachteile / Grenzen

  • Versagt vollständig, wenn die Feuchteursache (Wärmebrücke, Bauteilfeuchte, Lüftungsdefizit) nicht vorab behoben ist
  • Befallstiefe > 2 mm: Biozid erreicht tiefsitzendes Myzel nicht — scheinbar saniert, biologisch aktiv
  • Falsches Produkt (kein PT7-Wirkstoff, sd-Wert zu hoch) erzeugt Schimmel unmittelbar unter der neuen Schicht
  • Feuchter Untergrund (CM über Grenzwert) verhindert Haftung und Biozidwirkung — häufigster vermeidbarer Ausführungsfehler
  • Kein geeignetes Verfahren bei Stachybotrys chartarum (Schwarzschimmel mit Mykotoxinbildung): UBA empfiehlt vollständige Substratentfernung
Befallstiefe im Wandquerschnitt: Drei Sanierungsszenarien – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Typische Fehler beim Schimmel-Überstreichen und ihre Folgeschäden

Der häufigste Fehler: Überstreichen ohne Biozidvorbehandlung. Der Anstrich überdeckt Sporen optisch, tötet sie nicht ab. Das Myzel wächst hinter dem Film weiter, der Anstrich blasiert sich nach 4–8 Wochen auf und delaminiert. Zweithäufigster Fehler: Anstrich auf feuchtem Untergrund (CM-Wert über Produktspezifikation) — Haftvermittler und Beschichtungsfilm können keine belastbare Adhäsion ausbilden.

Schwerwiegend ist das Überstreichen bei nicht beseitigter Ursache: Kondensations- oder Tauwasserproblem, undichte Außenhülle, unzureichende Lüftung. Hier entsteht ein Gewährleistungsrisiko für den Auftragnehmer — und eine Gesundheitsgefahr für den Nutzer, da aktives Myzel hinter intakter Oberfläche unbemerkt weiter Sporen und MVOCs in die Raumluft freisetzt.

Wandquerschnitt: aktives Schimmelmyzel hinter übermalter Oberfläche setzt durch Tauwasser weiter Sporen und MVOCs in die Raumluft frei.

Stachybotrys chartarum: kein Fall für Überstreichen

Schwarzschimmel (Stachybotrys chartarum) produziert Trichothecen-Mykotoxine bei dauerhaft feuchten Bedingungen. Das UBA empfiehlt bei Verdacht auf diesen Pilztyp die vollständige Entfernung des befallenen Substrats — keine Beschichtung, kein Überstreichen. Laboridentifikation der Sporenprobe (Kultur oder PCR) vor der Sanierungsentscheidung.

Phenolphthalein-Test vor dem Anstrich

1%ige Phenolphthalein-Lösung (Apotheke/Fachhandel) auf den gereinigten, trockenen Untergrund auftragen. Lila-Färbung: pH > 9 — günstiger Ausgangspunkt. Farblos: pH ≤ 9 — vor dem Schimmelschutzanstrich eine Kalkvorlage (Kalkhydrat-Schlämme) auftragen, um den Millieuschutz zu regenerieren.

Lüftung nach DIN 1946-6 als Teil der Lösung

DIN 1946-6 (Lüftung von Wohnungen) definiert den Mindestluftwechsel zur Feuchteabfuhr. Ist das Lüftungsverhalten ursächlich für den Schimmelbefall (häufig in energetisch sanierten Gebäuden ohne mechanische Lüftung), muss die normgerechte Belüftung Bestandteil der Sanierungslösung sein — nicht die Beschichtung allein.

MVOC-Messung: Qualitätssicherung und Gewährleistungsschutz nach der Sanierung

MVOCs (Microbial Volatile Organic Compounds) sind flüchtige Stoffwechselprodukte aktiver Schimmelpilze — darunter Geosmin, 1-Octen-3-ol und 2-Methylisoborneol. Sie diffundieren durch Beschichtungen hindurch und sind in der Raumluft nachweisbar, selbst wenn die Oberfläche optisch makellos erscheint. Eine MVOC-Raumluftmessung (frühestens 4 Wochen nach Sanierungsabschluss, Raum mindestens 12 h geschlossen) ist der einzige nicht-destruktive Nachweis, dass kein biologisch aktives Myzel hinter dem Anstrich verbleibt.

Ablauf: Fachgerechte Schimmel-Übermalung in 5 Schritten – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Querschnitt einer sanierten Wand mit MVOC-Messgeräten für Ausgangs- und Kontrollmessung, Protokoll und Vorher-Nachher-Konzentrationsdiagramm.

Für den Auftragnehmer bilden eine Ausgangsmessung vor und eine Kontrollmessung nach der Sanierung einen belastbaren Gewährleistungsnachweis — er kann damit belegen, dass die Maßnahme zum Zeitpunkt der Übergabe wirksam war. Für Hausverwaltungen und Immobiliengesellschaften sind MVOC-Protokolle Bestandteil einer sorgfältigen Dokumentation zur Beweissicherung bei Mietrechtskonflikten rund um Schimmelschäden (§ 536 BGB, Mietminderungsrecht).

Preise & Kosten

Was kostet Schimmel überstreichen?

Preise für fachgerechte Schimmelsanierung durch Überstreichen (Netto, Berlin, Stand 2025). Alle Positionen setzen Vorbehandlung mit PT7-zugelassenem Wirkstoff und trockenen Untergrund voraus.

LeistungPreis-Spanne (Richtwert)
Befundaufnahme, CM-Feuchtemessung, Protokoll180–350 EUR pauschal
Biozidvorbehandlung (chlorfrei, PT7)8–15 EUR/m²
Schimmelschutzgrundierung (1 Lage, diffusionsoffen)10–18 EUR/m²
Schimmelschutzanstrich (2 Lagen, PT7)15–28 EUR/m²
Komplettleistung (Vorbehandlung + Grundierung + 2 Lagen)28–55 EUR/m²
MVOC-Kontrollmessung (akkreditiertes Labor, 4 Wochen nach Abschluss)250–500 EUR pauschal
Substrat-Abtrag + Neuputz bei Befallstiefe > 2 mm (Mehrkosten)40–90 EUR/m²

Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.

Kurz erklärt

Wichtige Begriffe rund um Schimmel überstreichen

PT7 (Produktart 7)
Zulassungskategorie nach EU-Biozidverordnung BPR 528/2012 für Biozide, die den trockenen Beschichtungsfilm vor Schimmel- und Algenbewuchs schützen. Maßgeblich für Schimmelschutzfarben — nicht zu verwechseln mit PT6 (Lagerkonservierung im Eimer).
sd-Wert
Wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke in Metern. Berechnung: sd = μ × d (μ = Diffusionswiderstandszahl, d = Schichtdicke in m). Je kleiner der sd-Wert, desto diffusionsoffener die Schicht.
fRsi (Temperaturfaktor)
Dimensionsloser Kennwert nach DIN 4108-2 für Wärmebrücken: fRsi = (Tsi – Te) / (Ti – Te). Mindestwert 0,70 nach Norm; Unterschreitung bedeutet Tauwasserausfall an der Innenfläche.
MVOC
Microbial Volatile Organic Compounds — flüchtige Stoffwechselprodukte aktiver Schimmelpilze (z. B. Geosmin, 1-Octen-3-ol). Nachweis in der Raumluft belegt aktiven Pilzbefall auch hinter intakten Beschichtungen.
Karbonatisierung
Reaktion von CO₂ aus der Luft mit Ca(OH)₂ im Putz/Beton zu CaCO₃. Senkt den pH-Wert von > 12 auf unter 9 und hebt damit den natürlichen Schimmelhemmungseffekt alkalischer Baustoffe auf.
CM-Methode
Calciumcarbid-Methode zur quantitativen Feuchtebestimmung in Baustoffen vor Ort. Ergebnis in Massen-% (CM-%). Genaueste Feldmethode; Pflicht vor schimmelrelevanten Beschichtungsarbeiten auf feuchtigkeitssensiblen Untergründen.
BKC (Benzalkoniumchlorid)
Quartäre Ammoniumverbindung, breit antimikrobiell. PT7-zugelassener Wirkstoff in professionellen Schimmelentfernern; keine Chlorgasbildung, gute Verträglichkeit mit mineralischen Untergründen.

Schimmelschutzfarbe ohne Ursachenbehebung ist Malerei auf Zeit — meist auf sehr kurze Zeit. Die Beschichtung ist das letzte Glied einer Kette aus Diagnose, Trocknung, Biozidbehandlung und pH-Optimierung. Wer dieses Glied als erstes setzt, verliert die ganze Kette.

Praxisempfehlung: Sachverständiger für Schimmelpilzsanierung

Schimmel überstreichen Fragen & Antworten

Wann reicht Überstreichen — wann ist vollständiger Materialrückbau nötig?
Nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes gilt Schimmelbefall bis 0,5 m² an nicht porösem Untergrund (Putz, Dispersionsfarbe) als leicht sanierbar: mechanische Entfernung und Überbeschichtung sind ausreichend, sofern die Feuchteursache beseitigt ist. Ab 0,5 m², bei porösem Material (Gipskarton, Holz, Mineralwolle) oder bei Nachweis toxigener Arten wie Stachybotrys chartarum ist ein Sanierungskonzept mit Rückbau Pflicht. Entscheidend ist der Materialzustand — nicht allein die Fläche.
Welche Oberflächen-Vorbereitung ist vor dem Überstreichen zwingend?
Zunächst wird der Schimmelbelag trocken und mechanisch abgetragen — Nassschliff verteilt Sporen in der Raumluft und ist zu vermeiden. Anschließend folgt eine biozide Flächendesinfektion mit einem PT-2-zugelassenen Mittel. Die Fläche muss vollständig abtrocknen, in der Praxis mindestens 24–48 Stunden bei normaler Raumtemperatur. Stark saugender Untergrund erhält eine Sperrgrundierung, bevor die eigentliche Schimmelschutzgrundierung (PT-7) appliziert wird. Das Weglassen der Grundierung aus Kostengründen ist die häufigste Ursache für Rückfall, da Fungizide der Deckschicht in den Untergrund abwandern.
Was regelt die EU-Biozidverordnung für Schimmelschutzfarben konkret?
Die EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012 klassifiziert fungizide Beschichtungen als Produkttyp PT-7 ('Schutzmittel für Beschichtungen'). Wirkstoffe müssen in der Unionsliste zugelassener Wirkstoffe (Anhang I BPR) gelistet sein; andernfalls ist das Produkt nicht verkehrsfähig. Viele Produkte mit Silberionen-Zusatz oder IPBC erfüllen diese Anforderung formal nicht. Für gewerbliche Auftraggeber relevant: Bei Schäden durch nicht zugelassene Biozidprodukte können Gewährleistungsansprüche entfallen — die Zulassung des eingesetzten Mittels sollte dokumentiert werden.
Was ist der fRsi-Wert und warum ist er für Schimmelprävention entscheidend?
Der Temperaturfaktor fRsi beschreibt das Verhältnis der raumseitigen Bauteiloberflächentemperatur zur Innen-Außen-Temperaturdifferenz. DIN 4108-2 fordert fRsi ≥ 0,70 an jeder Stelle des Außenbauteils, um Schimmelpilzwachstum bei Standardwohnbedingungen (20 °C / 50 % r.F.) auszuschließen. Werte darunter bedeuten: Die Oberfläche kühlt so weit ab, dass Kondensat anfällt — Überbeschichtung bekämpft dann nur das Symptom. Eine Thermografie-Aufnahme unter definierten Bedingungen (ΔT ≥ 10 K zwischen innen und außen) macht kritische Wärmebrücken sichtbar und ist Basis jeder nachhaltigen Sanierungsentscheidung.
Wie unterscheidet sich echte Schimmelschutzfarbe von normaler Farbe mit Fungizid-Zusatz?
Konventionelle Innenfarben dürfen nach Biozidverordnung keine dauerhaft antimykotische Wirkung bewerben, sofern kein PT-7-zugelassener Wirkstoff enthalten ist. Der Unterschied liegt im Wirkstoffgehalt, der Wirkstoffverteilung (oberflächennah vs. tiefenaktiv) und der Prüfnachweisbarkeit: Echte Schimmelschutzfarben werden nach EN ISO 846 auf Beständigkeit gegen Pilzangriff getestet. Zudem enthalten sie oft hydrophobierende Komponenten, die kapillare Wasseraufnahme reduzieren — ein wichtiger Zusatzeffekt an Außenwand-Innenseiten. Der Begriff 'Anti-Schimmel-Farbe' ohne PT-7-Nachweis ist ein Marketingbegriff ohne normative Substanz.
Warum kehrt Schimmel nach dem Überstreichen oft innerhalb von Monaten zurück?
Die häufigste Ursache: Die hygrische Ursache wurde nicht beseitigt. Interstitielle Kondensation durch Wärmebrücken oder dauerhaft erhöhte Raumluftfeuchte (> 65 % r.F.) führt zu Wasseraktivitätswerten (aw) nahe 1,0 an der Oberfläche — Bedingungen, unter denen selbst PT-7-Beschichtungen langfristig versagen. Ein zweiter Systemfehler: Die biozide Vorbehandlung mit PT-2-Mittel wurde übersprungen, sodass vitale Pilzstrukturen im Untergrund verbleiben und durch die neue Beschichtung hindurchwachsen. Ohne Ursachennachweis — idealerweise per Thermografie — ist jedes Überstreichen eine temporäre Maßnahme.
Welche Gesundheitsschutzmaßnahmen sind beim Überstreichen von Schimmel vorgeschrieben?
Beim mechanischen Abtragen werden Sporen und — bei toxigenen Arten — Mykotoxine freigesetzt. Mindest-PSA: FFP2-Maske (bei Stachybotrys-Verdacht FFP3), Schutzbrille und Einwegoverall. In bewohnten Räumen sind HVAC-Öffnungen temporär zu verschließen und der Bereich ist abzusperren. Bewohner mit Asthma, Immunsuppression oder in der Schwangerschaft sollten den Bereich für mindestens 24 Stunden meiden. Der Umweltbundesamt-Leitfaden 'Hilfe bei Schimmelbefall im Haus' beschreibt gestufte Schutzmaßnahmen nach Befallsklassen und ist für die fachliche Planung verbindlich heranzuziehen.
Was kostet Schimmel überstreichen in Berlin — welche Faktoren beeinflussen den Preis?
Richtwerte für Berlin: Einfache Überbeschichtung kleiner Flächen (< 1 m²) inklusive biozider Vorbehandlung und Grundierung liegt bei ca. 150–300 €. Größere Flächen (2–5 m²) mit vollständigem Beschichtungssystem kosten erfahrungsgemäß 350–800 €. Thermografie zur Wärmebrückenanalyse schlägt mit 120–250 € je Termin zu Buche, ist aber bei wiederkehrendem Befall unerlässlich. Preistreiber sind Untergrundtyp (Gipskarton teurer als Putz), eingeschränkte Zugänglichkeit durch Heizköper oder Einbaumöbel sowie der Umfang der Dokumentation und des Lüftungsprotokolls.
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