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Luftschicht-Dämmung

Kerndämmung einblasen lassen – Fachbetrieb Berlin

Bei zweischaligem Mauerwerk (Luftschichtmauerwerk) bietet die Kerndämmung die technisch eleganteste Sanierungsoption: Das Einblasmaterial wird unter kontrolliertem Druck in die vorhandene Luftschicht eingebracht – ohne Eingriff in die Raumgeometrie, ohne vollständige Gerüstmontage und ohne sichtbare Veränderung des Fassadenbilds. Entscheidend für den Erfolg sind eine fachgerechte Vorprüfung der Luftschicht und die materialgerechte Druckführung beim Einblasen.

Die erreichbare Dämmwirkung hängt von der lichten Schichtbreite (typisch 6–12 cm) und dem Wärmeleitwert λ des Einblasstoffs ab. Typische Berliner Altbau-Außenwände (Vollziegel + 6 cm Luftschicht + Verblendmauerwerk, U ≈ 1,0–1,2 W/(m²K)) kommen nach der Füllung mit EPS-Kügelchen (λ ≈ 0,036 W/(mK)) auf U-Werte von etwa 0,35–0,45 W/(m²K) – eine Halbierung des Wärmedurchgangskoeffizienten ohne Wandquerschnittsveränderung.

Leistungsumfang

Was umfasst Kerndämmung?

  • Zustandsprüfung der Luftschicht per Endoskopkamera (Schichtbreite, Anker, Feuchte, Vermauerungen)
  • Bauteilfeuchtemessung vor Freigabe (Mauerwerksfeuchte ≤ 6 Masse-% als Qualitätsanforderung)
  • Bohrraster-Planung und schonende Kernbohrung (Ø 20–30 mm) durch die Außenschale
  • Druckkontrolliertes Einblasen des Dämmmaterials (EPS, Mineralwolle oder Perlite) nach Herstellervorgaben
  • Fugendichter Verschluss aller Bohrlöcher mit farblich angepasstem Kalk- oder Zementmörtel
  • Thermografische Abnahmekontrolle (ΔT ≥ 10 K) zur Verifikation lückenloser Füllung

Je nach Wandaufbau und Material wird ein Druckprotokoll des Einblasgeräts gefertigt; bei Vorhaben im Denkmalschutzbereich erfolgt vorab die Abstimmung von Materialtyp und Bohrstellen mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde.

0,038–0,040λ-Wert Zellulose eingeblasen [W/(m·K)]
60–100 mmTypische Hohlraumbreite Berliner Gründerzeit
55–60 kg/m³Mindest-Einblasdichte Zellulose vertikal (ETA)
15–20 %BEG-EM-Fördersatz auf förderfähige Kosten
Schichtaufbau Zweischaliges Mauerwerk – Befüllung und Materialfluss – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Kerndämmung Berlin: Kosten und Preistreiber

Kerndämmung kostet in Berlin typischerweise 25–45 EUR/m² Wandfläche (inkl. Endoskopie-Voruntersuchung, Material und Bohrlochverschluss). Der wichtigste Preistreiber ist die Hohlraumtiefe: Bei 8 cm Kernbreite fällt deutlich weniger Material an als bei Brüstungsfüllungen mit 14 cm.

Aufpreis entsteht durch schwer erreichbare Fassaden (Gerüst: +12–18 EUR/m²), historische Klinkerfassaden mit Bohrbild-Auflagen sowie eine thermografische Voruntersuchung bei unbekannter Hohlraumkontinuität.

Bei Berliner Gründerzeithäusern ist die Gerüstfrage oft entscheidend: Lässt sich die Einblasung von Fenstersimsen oder Leitern aus erledigen, sinken die Gesamtkosten erheblich.

Erklär-Illustration einer Berliner Gründerzeitfassade mit Gerüst, Einblasung von Leiter und Fenstersims, Bohrbild im Klinker und Thermografie-Voruntersuchung als Kostentreiber.
Preise & Kosten

Was kostet Kerndämmung?

Richtwerte Berlin, netto, inkl. Material, Einblasen und Abschlussarbeiten. Gerüst separat ausgewiesen.

LeistungPreis-Spanne (Richtwert)
Voruntersuchung (Thermografie + Endoskopie)150–400 EUR pauschal
Kerndämmung Zellulose25–38 EUR/m²
Kerndämmung EPS-Perlen20–30 EUR/m²
Kerndämmung Mineralwolle-Flocken28–42 EUR/m²
Bohrlochverschluss Klinkerfassade (Farbabgleich)8–15 EUR/Bohrloch
Gerüst bei nicht ebenerdigen Flächen12–18 EUR/m² Fassade

Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.

GEG 2024 Anlage 7: U-Wert-Grenzwert und Ausnahmen im Bestand

Nach GEG 2024 § 48 i.V.m. Anlage 7 gilt für erstmals gedämmte Außenwände im Bestand ein U-Wert-Grenzwert von ≤ 0,24 W/(m²·K). Kerndämmung in typischem Berliner Gründerzeitmauerwek (36 cm Vollziegel + 8 cm Hohlraum, Zellulose λ = 0,040) ergibt einen Rechenwert von ca. 0,26–0,29 W/(m²·K) — der Grenzwert wird oft knapp verfehlt.

Die Ausnahmeregelung des GEG erlaubt das Unterschreiten der Anforderung, wenn das Bauteil technisch oder wirtschaftlich nicht auf den Grenzwert zu bringen ist — etwa bei denkmalgeschützter Fassade, baulich fixierter Hohlraumbreite oder Putzauflagen. Der Nachweis der Unzumutbarkeit obliegt dem Bauherrn.

Für den BEG-Förderantrag ist der Rechenwert nach Maßnahme maßgeblich. Bei knappem Verfehlen des Grenzwerts sollte vorab mit dem Energieberater geprüft werden, ob ein anerkannter Ausnahmetatbestand nach BAFA-Merkblatt den Antrag sichert.

Interaktiv

Einblasvolumen und Richtkosten berechnen

Regelmaß Hohlraum: 7 cm → 0,07 m³ Einblasgut je m² Wandfläche. Rechner zeigt EPS-Granulat (WLG 035). Vergleich Richtkosten je m² (Material + Lohn): EPS ca. 15-22 €, Zellulose ca. 16-24 €, Mineralwolle ca. 22-32 €.

EPS-Granulat (WLG 035)
Richtkosten inkl. Arbeit

Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

Im Vergleich

Einblasmaterialien im Vergleich

KriteriumZelluloseEPS-PerlenMineralwolle-Fl.
λ-Wert [W/(m·K)]0,038–0,0400,036–0,0400,034–0,044
Euroklasse (EN 13501-1)E (imprägn.)EA1
Dampfdiffusion μ [-]1–240–601–2
Kapillaraktivjaneinnein
Setzungsrisiko vertikalmittel (ETA-Dichte nötig)geringgering
Min. Hohlraumbreite [mm]≥ 40≥ 30≥ 40
Materialpreis Berlin [EUR/m²]12–189–1415–22
Einblasdämmstoffe im Vergleich: EPS, Mineralwolle, Zellulose – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Feuchteschutz: Taupunktverschiebung und Kontraindikationen

Durch Kerndämmung verschiebt sich der Taupunkt in die Dämmschicht — die innere Wandschale bleibt wärmer, Kondensation an der Raumoberfläche entfällt. Entscheidend ist dabei die Dampfdiffusionsoffenheit des Einblasmaterials: Zellulose und Mineralwolle-Flocken (μ ≈ 1–2) ermöglichen ein beidseitiges Abtrocknen eingedrungener Feuchte, EPS-Perlen (μ ≈ 40–60) dagegen nicht.

Bei regelmäßig schlagregenbelasteten Fassaden (unverputztes Verblendmauerwerk, ungünstige Exposition) sollte das Einblasmaterial diffusionsoffen sein, damit Feuchte nach außen abtransportiert werden kann — andernfalls akkumuliert sie im Hohlraum und führt zu Ausblühungen und Frostschäden.

Kontraindikation: Bestehende Durchfeuchtung der Außenwandschale schließt eine Kerndämmung aus. Ursache beseitigen und Wand vollständig trocknen lassen — erst dann darf Dämmmaterial eingebracht werden.

Wandquerschnitt: Schlagregen auf Klinkerschale, diffusionsoffene Kerndämmung mit Feuchtetransport nach außen, Ausblühungen sowie durchfeuchtete Wand als Ausschlusskriterium.
So gehen wir vor

Ablauf einer fachgerechten Kerndämmung

1

Voruntersuchung

Thermografische Aufnahme bei Temperaturdifferenz ≥ 10 K (innen/außen) sowie Endoskopie zur Prüfung der Hohlraumkontinuität — Abmauerungen, Mörtelnester und eingemauerte Leitungen müssen vor der Rasterplanung bekannt sein.

2

Bohrraster-Planung

Lochabstand typisch 50–80 cm; bevorzugt in der Stoßfuge (nach Verschluss unsichtbar). Bei segmentiertem Hohlraum engeres Raster. Zonen mit Holzbalkenköpfen, eingemauerten Leitungen und Sturzbereichen werden ausgespart.

3

Einblasen

Material wird druckgesteuert von unten nach oben eingebracht. Zellulose: typischer Fülldruck 1,5–3,5 kPa. Endpunkt jedes Abschnitts: vollständiger Rückdruck aus der Kontrollöffnung signalisiert vollständige Füllung.

4

Verdichtungsnachweis

Dokumentierter Materialverbrauch (kg) bezogen auf das rechnerische Hohlraumvolumen ergibt die erreichte Einblasdichte. Alternativ oder ergänzend: endoskopische Füllstandsprüfung nach Abschluss.

5

Bohrlochverschluss

Stoßfuge: Verschluss mit Originalmörtel, Fugenprofil nacharbeiten — praktisch unsichtbar. Klinkerfläche: farbangeglichener Mörtelstopfen; bei höchsten Anforderungen Klinkerersatzstück einsetzen.

Wärmebrücken durch Maueranker: Korrekturwert und U-Wert-Abzug

In Zweischalenmauerwerk verbinden Maueranker aus Stahl oder Bronze die beiden Wandschalen. Sie sind punktuelle Wärmebrücken, deren Einfluss nach DIN EN ISO 6946 Anhang D als Korrekturterm ΔU zum Rechenwert des Wandaufbaus addiert wird.

Bei rostfreiem Stahl (λ ≈ 17 W/(m·K)) und einer üblichen Ankerdichte von 4–5 Stück/m² ergibt sich ΔU von ca. 0,003–0,005 W/(m²·K) — ausreichend, um ein knapp eingehaltenes U-Wert-Ziel von 0,24 zu kippen und die BEG-Fördervoraussetzung zu gefährden.

In der Praxis wird dieser Korrekturterm bei BEG-Nachweisen oft vergessen. Bei unbekanntem Ankertyp ist ein konservativer Ansatz nach dem oberen Tabellenrichtwert aus DIN EN ISO 6946 zu wählen; der Energieberater sollte den tatsächlichen Ankertyp erfassen.

Lösungs-Finder

Materialeignung — Schnellcheck nach Wandtyp und Anforderungsprofil

Welches Profil trifft auf Ihr Gebäude zu?

EPS-Granulat (WLG 035, Baustoffklasse E) geeignet: kapillarunterbrechend, setzungsstabil bei sachgerechter Einblasdichte. DIBt- oder ETA-Zulassung des Produkts prüfen. Verarbeitungsprotokoll mit Füllgrad ≥ 95 % ist Pflichtdokument — ohne diesen Nachweis kein Abschluss.
Nur hydrophobierte Mineralwolle (WLG 033-035, A1) zulässig: keine Kapillarleitung, kein Feuchtetransport in den Hohlraum. EPS und Zellulose scheiden aus. Sockelzone grundsätzlich vor der Kernfüllung von außen abdichten — nachträgliche Feuchtesanierung im Hohlraum ist kaum möglich.
Ausschließlich Mineralwolle (Baustoffklasse A1, nicht brennbar) normkonform. EPS (Klasse E) und Zellulose (Klasse B1) sind für GKL 4-5 nicht zulässig. Das gesamte Einblas-System muss über eine gültige ETA mit Brandschutzklassifizierung verfügen — Systemzulassung, nicht nur Materialzulassung des Granulats.
Zellulose (WLG 040, Klasse B1, Trockenblasmethode) wirtschaftlich und ökologisch: hohe Sorptionspufferwirkung, Rw-Verbesserung ca. 2-3 dB gegenüber Leerhohlraum. Einblasdichte ≥ 50 kg/m³ für dauerhaft setzungsfreie Füllung — bei Unterschreitung droht Sackung und Wärmebrücken im oberen Wandbereich.
Technische Daten

Technische Ausführungsparameter Kerndämmung

Bohrdurchmesser standard30–50 mm
Bohrrasterabstand50–80 cm
Einblasdruck Zellulose (typisch)1,5–3,5 kPa
Min. Hohlraumbreite befüllbar (Flocken)≥ 40 mm
Min. Hohlraumbreite befüllbar (EPS-Perlen)≥ 30 mm
Mindest-Einblasdichte Zellulose vertikal55–60 kg/m³ (ETA-Vorgabe)
Min. Temperaturdifferenz Thermografie≥ 10 K (innen/außen)
Normgrundlage U-Wert-BerechnungDIN EN ISO 6946
U-Wert-Verbesserung nach Hohlraumbreite – 5 bis 10 cm – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Setzungsverhalten von Zellulose: ETA-Mindestdichte und Befüllnachweis

Zelluloseflocken neigen bei unzureichender Einblasdichte zu Setzungen — nach Jahren entstehen Hohlstellen im oberen Wandbereich, die als Kältebrücke sichtbar werden. Die produktspezifischen Europäischen Technischen Bewertungen (ETA) schreiben für vertikale Hohlräume eine Mindest-Einblasdichte von typischerweise 55–60 kg/m³ vor.

Der Befüllnachweis erfolgt über das Verhältnis von verbrauchter Materialmenge (kg) zum rechnerischen Hohlraumvolumen. Die Genauigkeit hängt von der Hohlraum-Vorvermessung ab — unentdeckte Abmauerungen verfälschen die Berechnung und täuschen eine ausreichende Dichte vor.

Planungshinweis: Im Leistungsverzeichnis sollte ein Dichtigkeitsnachweis (Materialbilanz + endoskopische Kontrolle nach Einblasen) als gesonderte Position gefordert werden — standardmäßig ist dieser nicht in jedem Angebot enthalten.

Wandquerschnitt mit eingeblasener Zellulose, verdeckter Abmauerung, dahinter unbefüllter Hohlraum und Endoskop-Kontrolle zum Befüllnachweis.

Durchfeuchtung vor Einblasen beheben

Bestehende Feuchteschäden im Mauerwerk schließen eine Kerndämmung aus. Feuchte im Hohlraum führt nach dem Einblasen von Zellulose zu Schimmel und Fäulnis. Erst nach vollständiger Trocknung und Beseitigung der Feuchteursache darf eingeblasen werden.

Thermografie spart Folgekosten

Eine thermografische Voruntersuchung bei ≥ 10 K Temperaturdifferenz zeigt Hohlraumkontinuität und -unterbrechungen. Sie kostet 150–400 EUR — verhindert aber teure Nachbohrungen bei unentdeckten Mörtelnest-Füllständen oder Abmauerungen.

Bohrbild bei Klinkerfassaden: zwei Varianten

Variante A (bevorzugt): Bohren in der Stoßfuge — nach Verschluss mit Originalmörtel praktisch unsichtbar. Variante B: Bohren in die Klinkerfl'ache — erfordert farbangeglichenen Mörtelstopfen oder Klinkerersatz, bei genauem Hinsehen sichtbar.

Brandschutz: Euroklassen der Einblasmaterialien und baurechtliche Konsequenzen

Mineralwolle-Flocken sind nicht brennbar (Euroklasse A1 nach DIN EN 13501-1) und können ohne Einschränkung in Brandabschnitten eingesetzt werden. Zelluloseflocken erreichen nach Flammschutzimprägnierung typischerweise Klasse E; einzelne Produkte kommen auf Klasse B (entspricht schwerentflammbar nach DIN 4102-1 B1).

Baurechtlich relevant: In Gebäuden der Gebäudeklasse 4 und 5 nach Musterbauordnung (mehr als 4 Vollgeschosse) wird für Dämmstoffe in Außenwänden in der Regel Euroklasse A1 oder A2 gefordert — Zellulose scheidet dort aus.

Bei Gebäuden mit Brandwandanforderung ist zu prüfen, ob die Kerndämmung die Branddurchwanderung in der Hohlraumebene begünstigt; ggf. sind mineralische Abschottungen im Hohlraum an der Brandwandachse vorzusehen.

Interaktiv

Amortisationsdauer Kerndämmung nach Heizkostenniveau

Kerndämmung reduziert den U-Wert einer zweischaligen Außenwand typisch von 1,0-1,2 W/(m²K) auf 0,33-0,45 W/(m²K) — das entspricht 60-70 % weniger Wandwärmeverlust. In der Gesamtenergiebilanz eines Hauses: ca. 13-18 % der Jahresheizkosten. Regler auf aktuelle Jahresheizkosten stellen.

Jahresheizkosten
Im Überblick

Einblasmaterialien für die Kerndämmung

Zelluloseflocken

Aus Altpapier hergestellte Flocken, flammschutzimprägniert. Diffusionsoffen (μ 1–2) und kapillaraktiv — gut geeignet für Fassaden mit wechselnder Feuchtebelastung. Euroklasse E; Mindest-Einblasdichte 55–60 kg/m³ vertikal (ETA-Vorgabe) einhalten.

EPS-Perlen (Polystyrol-Granulat)

Sehr leichte Kügelchen (12–18 kg/m³), fließfähig, auch in schmale Hohlräume ab 30 mm einsetzbar. Praktisch dampfdicht (μ ≈ 40–60) — ungeeignet bei diffusionsoffen geplantem Aufbau oder dauerhaft feuchtebelasteter Außenschale. Euroklasse E.

Mineralwolle-Flocken

Einziges nicht brennbares Einblasmaterial (Euroklasse A1). Diffusionsoffen, formstabil, kein Setzungsrisiko. Einsatz besonders bei GK 4/5-Gebäuden und Bereichen mit Brandschutzanforderungen. Höherer Materialpreis als Zellulose oder EPS.

Perlite-Granulat

Geschäumtes Vulkangestein, vollständig mineralisch und nicht brennbar. Historisch in Kernsanierungen des DDR-Plattenbaus eingesetzt. λ-Wert 0,050–0,065 W/(m·K) — heute nur bei spezifischen Anforderungen gewählt, etwa Denkmalschutz mit Mineralitätspflicht.

Endoskopie-Befund: Typische Hindernisse und Befüllbarkeit im Hohlraum – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Sonderfälle: Wann der Hohlraum nicht oder nur abschnittsweise befüllbar ist

Hohlräume unter 40 mm Breite lassen sich mit Zellulose- oder Mineralwolle-Flocken nicht vollständig füllen — die Strömungsgeometrie verhindert eine gleichmäßige Verteilung, Fehlstellen entstehen zwangsläufig. EPS-Perlen sind ab 30 mm einsetzbar.

Kritische Zonen: Mauerabschnitte mit eingemauerten Holzbalkenköpfen dürfen nicht überdämmt werden (Feuchte-/Faulnisgefahr); Abschnitte mit eingemauerten Leitungen (Gas, Strom) und Fensterstürze mit unbekannter Einbaulage müssen bei der Rasterplanung ausgespart werden.

Bei stark segmentiertem Hohlraum (z.B. horizontale Aussteifungsrippen alle 60 cm) ist abschnittsweise Befüllung über engeres Bohrraster zwingend — bei sehr hohem Rasteraufwand sinkt die Wirtschaftlichkeit unter die Schwelle einer vergleichbaren Außendämmung.

Wandquerschnitt mit kritischen Zonen: Holzbalkenkopf, eingemauerte Gas-/Stromleitung, Fenstersturz und Aussteifungsrippen alle 60 cm, die eine Befüllung verhindern.

Kerndämmung: Stärken und Grenzen

Vorteile

  • Minimaler Eingriff in die Fassade — kein Wandaufbau nach außen
  • Keine Wohnflächenreduzierung (kein Innendämmungsverlust)
  • Kurze Ausführungszeit (ein- bis zweitägige Baumaßnahme)
  • Förderfähig nach BEG EM (BAFA), 15–20 % der Kosten
  • GEG-nachweisfähig bei ausreichender Hohlraumbreite
  • Reversibel: Material kann ggf. rückgewonnen werden

Nachteile / Grenzen

  • Nur bei vorhandenem Hohlraum im Wandaufbau anwendbar
  • Voruntersuchung (Thermografie, Endoskopie) erforderlich
  • Zellulose: Setzungsrisiko bei unzureichender Einblasdichte
  • GEG-U-Wert-Grenzwert 0,24 W/(m²·K) wird bei schmalem Hohlraum oft knapp verfehlt
  • Nicht anwendbar bei bestehenden Feuchteschäden im Mauerwerk
  • Hohlraumbreite ≤ 40 mm stark einschränkend für Flocken-Materialien

Förderung BEG/BAFA: Voraussetzungen und Antragsreihenfolge

Kerndämmung ist im Rahmen der Bundesförderung für Effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) als Wärmeschutzmaßnahme an der Gebäudehülle förderfähig. Der aktuelle Fördersatz beträgt 15 % der förderfähigen Kosten; mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht sich der Satz auf 20 %.

Prozessablauf Kerndämmung: Von der Voruntersuchung bis zum Thermografie-Nachweis – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Erklär-Illustration: Fördernachweise BEG/BAFA mit U-Wert-Anzeige, Fachunternehmererklärung, ETA sowie Zeitachse Antrag vor Auftragsvertrag.

Fördertechnische Voraussetzung ist der Nachweis eines U-Werts nach Maßnahme ≤ 0,24 W/(m²·K) oder ein anerkannter Ausnahmetatbestand gemäß BAFA-Merkblatt bei bauartbedingter Zielverfehlung. Nachweisdokument ist die Fachunternehmererklärung zusammen mit der produktbezogenen ETA/Leistungserklärung.

Zwingend zur Reihenfolge: Der Förderantrag muss vor Unterzeichnung des Auftragsvertrags gestellt und bestätigt sein — rückwirkende Förderung ist ausgeschlossen. Für den iSFP-Bonus ist ein Energieeffizienz-Experte aus der offiziellen Expertenliste Pflicht.

Kurz erklärt

Wichtige Begriffe rund um Kerndämmung

Zweischalenmauerwerk
Wandkonstruktion aus zwei voneinander getrennten Mauerwerksschalen mit Hohlraum oder Luftschicht dazwischen; strukturelle Voraussetzung für Kerndämmung.
λ-Wert (Wärmeleitfähigkeit)
Materialkennwert in W/(m·K); je kleiner, desto besser die Dämmwirkung. Rechenwert für U-Wert-Berechnung nach DIN EN ISO 6946.
ETA (European Technical Assessment)
Europäische Technische Bewertung — produktspezifischer Eignungsnachweis für Bauprodukte ohne harmonisierte Norm; Grundlage für CE-Kennzeichnung von Einblasdämmstoffen.
Euroklasse (DIN EN 13501-1)
Klassifizierung des Brandverhaltens von Bauprodukten: A1 (nicht brennbar), A2, B, C, D, E, F (leicht entflammbar).
ΔU-Korrekturwert
Zuschlag zum Wärmedurchgangskoeffizienten U nach DIN EN ISO 6946 Anhang D für inhomogene Schichten und punktuelle Wärmebrücken wie Maueranker.
Taupunktverschiebung
Verlagerung der Kondensationsebene durch eine Dämmmaßnahme — nach Kerndämmung liegt der Taupunkt im Dämmmaterial statt an der Innenoberfläche der Außenwand.
iSFP (individueller Sanierungsfahrplan)
Energieberatungsdokument nach GEG § 2 Nr. 33 mit einer Sanierungsreihenfolge für das Gebäude. Voraussetzung für den BEG-iSFP-Bonus (+5 Prozentpunkte Förderung).

Ein Endoskopie-Befund vor dem Einblasen ist keine optionale Serviceleistung — er ist die einzige Möglichkeit, Mörtelnester, Abmauerungen und eingemauerte Leitungen rechtzeitig zu lokalisieren, bevor sie zur dauerhaften Fehlstelle werden.

Sachverständigenhinweis, energetische Gebäudesanierung Bestand

Kerndämmung Fragen & Antworten

Welche Mindest-Luftschichtbreite ist für eine Kerndämmung erforderlich?
Nach technischer Praxis und Herstellervorgaben für Einblasdämmstoffe muss die Luftschicht nach Abzug von Drahtankern und Mörtelresten eine lichte Weite von mindestens 40–50 mm aufweisen, damit das Material alle Bereiche vollständig ausfüllt. Die Messung erfolgt per Endoskopkamera durch ein 20-mm-Vorversuchsbohrloch. Engere Stellen durch Mörtelbrücken oder verdeckte Vermauerungen verursachen lokale Fülldefekte, die ohne thermografische Abnahme unentdeckt bleiben.
Was passiert mit dem Taupunkt nach der Kerndämmung – entsteht Kondensatgefahr?
In der belüfteten Luftschicht wird anfallendes Kondensat bisher durch den Luftstrom abgeführt. Nach dem Schließen der Schicht verschiebt sich der Taupunkt je nach Dampfdiffusionswiderstand (µ-Wert) des Materials: EPS-Kügelchen (µ ≈ 20–100, hydrophobiert) hemmen Wasserdampfdiffusion stark und minimieren Kondensatgefahr; Mineralwolle-Flocken (µ ≈ 1) sind diffusionsoffen, weshalb ein Feuchteeintrag durch eine undichte Außenschale kritischer zu bewerten ist. Bei unklaren Wandaufbauten empfiehlt sich ein hygrothermischer Nachweis nach DIN 4108-3 (Glaser-Verfahren) oder eine dynamische Feuchtesimulation.
Kann eingeblasenes Dämmmaterial langfristig setzen und die Dämmwirkung dauerhaft mindern?
Faserdämmstoffe (Zelluloseflocken, Mineralwolle-Granulat) können durch Schwerkraft und Erschütterungen langfristig setzen und oben in der Luftschicht einen unverdämmten Streifen entstehen lassen. Normprüfungen nach EN 14064-2 zeigen bei ungünstiger Einbaufeuchte Setzmaße von bis zu 15–20 % für Mineralwolle-Flocken. EPS-Kügelchen und Perlite setzen hingegen praktisch nicht (< 1 %) – fachgerecht eingeblasene Mineralwolle muss daher mit definierter Überschussdichte (Überdruckmethode) verarbeitet werden, ein oft unterschätzter Qualitätspunkt bei der Ausführungskontrolle.
Welche Schlagregenbeanspruchungsgruppe erlaubt Kerndämmung ohne besondere Zusatzmaßnahmen?
DIN 4108-3 unterscheidet drei Schlagregenbeanspruchungsgruppen (I = gering, II = mittel, III = stark). Kerndämmung ist bei Gruppe I und II unproblematisch – auch bei nicht vollständig schlagregendichten Außenschalen, wenn hydrophobes Material (EPS mit DWR-Ausrüstung oder Perlite) eingesetzt wird. Bei Gruppe III (exponierte Lagen, Gebäudehöhe über 22 m, küstennahe Standorte) ist die Dichtheit der Außenschale individuell zu bewerten; das Berliner Stadtgebiet fällt überwiegend in Gruppe II, bei Hochhäusern über fünf Vollgeschosse ist ein planerischer Nachweis ratsam.
Wie wird die lückenlose Füllung der Luftschicht nach Abschluss zuverlässig nachgewiesen?
Das zuverlässigste Verfahren ist die Infrarot-Thermografie (nach EN 13187) bei einem Temperaturunterschied von mindestens 10 K zwischen Innen und Außen: unverdämmte Zonen erscheinen als signifikant kältere (Außenaufnahme) bzw. wärmere (Innenaufnahme) Wandbereiche. Ein Druckprotokoll des Einblasgeräts belegt die verarbeitete Materialmenge, trifft aber keine räumliche Aussage über Fülldefekte an Versprüngen oder Fensterstürzen. Stichprobenhafte Endoskopie-Rückbohrungen ergänzen den Nachweis an bekannten Problemstellen.
Ist Kerndämmung bei denkmalgeschützten Gebäuden in Berlin genehmigungsfähig?
Ja – bei denkmalgeschützten Gebäuden mit zweischaligem Mauerwerk ist Kerndämmung häufig die einzige behördlich genehmigte Wärmedämmmaßnahme, da weder Außen- noch Innendämmung das Erscheinungsbild oder die Grundrisse verändern darf. Die Bohrlöcher (Ø 20–30 mm) in der Außenschale werden nach dem Einblasen mit farblich angepasstem Kalk- oder Trassmörtel verschlossen und nach dem Abbinden kaum sichtbar. Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt Berlin (LDA) ist vor Planungsbeginn obligatorisch; das LDA gibt teils Materialpräferenzen vor – etwa Perlite statt EPS aus Reversibilitätsgründen.
Welchen U-Wert erreicht eine kerngefüllte Berliner Altbauwand, und genügt das den GEG-Anforderungen?
Eine typische Berliner Altbau-Außenwand (24 cm Vollziegel + 6 cm Luftschicht + 11,5 cm Verblendmauerwerk, U ≈ 1,0–1,2 W/(m²K)) erreicht nach EPS-Füllung (λ = 0,036 W/(mK)) einen U-Wert von ca. 0,35–0,45 W/(m²K). Das GEG 2024 fordert bei nachträglicher Dämmung einer Außenwandfläche (§ 48 GEG) einen U-Wert von ≤ 0,24 W/(m²K) – diesen Wert erreicht Kerndämmung allein meist nicht. Als Einzelmaßnahme ist sie dennoch über die BEG-Einzelmaßnahme (BAFA) förderbar, wenn das Bauteilpaket in Kombination mit ergänzender Innendämmung den Ziel-U-Wert von ≤ 0,20 W/(m²K) erreicht.
Welche Ausführungsfehler treten bei Kerndämmung am häufigsten auf, und wie lassen sie sich vermeiden?
Drei praxisrelevante Fehlerquellen: (1) Zu hoher Einblasdruck (über 0,5 bar) erzeugt Risse in der Außenschale oder verschiebt Drahtanker – Abhilfe: kontinuierliche Drucküberwachung und Sichtprüfung der Fassade während des Einblasens. (2) Einblasen bei feuchter Wand (Mauerwerksfeuchte > 6 Masse-%) mindert die Dämmwirkung dauerhaft und erhöht das Schimmelrisiko an der Innenschale – Abhilfe: Widerstandsmessung vor Freigabe. (3) Unvollständige Füllung an Fensterstürzen, Versprüngen oder Vermauerungen – Abhilfe: Bohrraster engstellen (< 0,8 m² je Bohrloch) und Endoskopie an Problemzonen.
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Kerndämmung Referenzen & Beispiele

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Die nachfolgenden Angaben stützen sich auf anerkannte Regelwerke, Normvorgaben und technische Merkblätter, die für die fachgerechte Planung und Ausführung von Kerndämmung maßgeblich sind.

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