Fassade reinigen lassen in Berlin – Fachbetrieb für Putz, Klinker und Naturstein
Fassadenverunreinigungen entstehen durch drei grundlegend verschiedene Mechanismen: atmosphärische Depositionen (Ruß, Reifenabrieb, Industrie), biologischen Bewuchs (Algen, Moose, Flechten, Cyanobakterien) und materialspezifische Ausblühungen (Salze, Karbonatisierungsprodukte). Jeder Kontaminationstyp erfordert ein anderes Reinigungsverfahren — eine pauschale Hochdruckreinigung ist weder fachgerecht noch dauerhaft erfolgreich.
Entscheidend ist die Befundaufnahme vor dem Einsatz: Welches Substrat liegt vor? Wie tief sind Schadstoffe eingedrungen? Liegt lebender oder abgestorbener Bewuchs vor? Diese Fragen bestimmen, ob Niederdruckreinigung, Heißwasserverfahren, chemisch-mechanische Verfahren oder eine Kombination geeignet ist — und in welcher Reihenfolge sie anzuwenden sind.
Was umfasst professionelle Fassadenreinigung?
- Befundaufnahme: Kontaminationstyp, Substrat, Schichtaufbau und Schadensbilder protokollieren
- Verfahrenswahl: materialsichere Methode (Niederdruck, Heißwasser, chemisch, mechanisch) festlegen
- Biozidbehandlung bei biologischem Befall: EU-BPR-zugelassene Wirkstoffe (PT7) mit substratgerechter Einwirkzeit
- Reinigung mit pH-geprüften, substratkompatiblen Reinigungsmitteln und definiertem Arbeitsdruck
- Spülung und Restfeuchtekontrolle: Trocknungszeit vor Folgemaßnahmen sicherstellen
- Nachbehandlung nach Befund: Hydrophobierung, Versiegelung oder Übergabe zur Instandsetzung
Die Ausführung erfolgt je nach Gebäudehöhe und Zugänglichkeit mit Gerüst, Hubarbeitsbühne oder Hängegerüst. Auf Wunsch wird die Leistung inklusive Befundprotokoll und Fotodokumentation erbracht — damit hat der Auftraggeber eine vollständige Grundlage für eventuelle Folgearbeiten und eine klare Zustandsdokumentation vor und nach der Reinigung.

Reinigung oder Sanierung: Technische Entscheidungskriterien
Ob eine Reinigung nachhaltig wirkt oder eine Sanierung vorangestellt werden muss, entscheidet der Substratbefund. Massgeblich sind Haftzugfestigkeit des Aussenputzes (Richtwert nach WTA-Merkblatt 2-9 generell ≥ 0,3 N/mm²), vorhandene Rissbreiten (> 0,2 mm: dichte Vorsanierung) sowie der kapillare Durchfeuchtungsgrad gemessen per Calciumcarbid-Methode.
Eine Biozid-Reinigung an einer kapillar durchfeuchteten Fassade entfaltet keine Dauerwirkung: Algen und Pilze resiedeln innerhalb einer Vegetationsperiode, weil das nötige Austrocknungspotenzial fehlt. Erst nach Beseitigung der Feuchteursache — Sockelabdichtung, Attikadetails, Fugenstand — ist eine Reinigung mit langfristiger Schutzwirkung sinnvoll.
Bei Putzoberflächen mit Hohlstellen (Klopftest, Thermografie) muss vor der Druckreinigung eine Kartierung der Ablösezonen erfolgen. Hydraulischer Druckeintrag in Hohlräume führt zu schlagartigen Platzabbrüchen — ein Schadensbild, das sich nachträglich kaum fugenlos ausbessern lässt.

Was kostet Fassadenreinigung?
Die Kosten hängen von Untergrundtyp, Verschmutzungsgrad, Verfahren und Gerüstaufwand ab. Nachfolgende Richtwerte gelten netto ohne Gerüst, sofern nicht anders angegeben.
| Leistung | Preis-Spanne (Richtwert) |
|---|---|
| Niederdruckreinigung Putzfassade (≤ 80 bar) | 8–14 EUR/m² |
| Heisswasser-Reinigung mineralischer Fassaden (60–95 °C) | 12–18 EUR/m² |
| Chemische Algizid-Behandlung + Nachspülung (PT 7) | 6–10 EUR/m² |
| WDVS-Fassade, Schonreinigung (≤ 40 bar) | 14–22 EUR/m² |
| Naturstein-Reinigung (ohne Säure, Niederdruck) | 20–35 EUR/m² |
| Gipskrusten-Entfernung Naturstein/Baudenkmal | 35–80 EUR/m² |
| Laserablation (Nd:YAG, Baudenkmalbereich) | 80–150 EUR/m² |
| Gerüst, einfache Fassade (Pauschalanteil) | 8–15 EUR/m² Fassadenfläche |
| Hydrophobierung nach Reinigung (Zusatzleistung) | 6–12 EUR/m² |
Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.
WDVS-Fassaden reinigen: Drucklimits und Schadensrisiken
Wärmedämm-Verbundsysteme reagieren extrem druckempfindlich: Mineralwoll-basierte Systeme tolerieren nach Angaben des BFS (Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz) in der Regel maximal 30 bar Reinigungsdruck, EPS-Systeme mit harten Deckputzen bis etwa 40–60 bar — stets abhängig von der tatsächlich vorliegenden Putzzugfestigkeit und Schichtdicke der Armierungslage.
Kritische Schadensmuster durch zu hohen Druck: Ablösung des Oberputzes vom Armierungsgewebe, Eindrücken von Dämmplatten (sichtbar als bleibende Welligkeit), Durchfeuchten des Klebermörtels durch Mikrorisse. Besonders tückisch: Schäden an EPS-Systemen manifestieren sich oft erst nach der ersten Frostperiode als Ausbrüche — der Reinigungsbetrieb ist dann längst abgezogen.
Der Spritzabstand bestimmt den effektiven Aufpralldruck stärker als der Kesseldruck allein. Praxisregel: Flachstrahldüse mit 25–40° Fächerwinkel, Mindestabstand 30 cm. Obligatorisch vor Flächenfreigabe: Testfeld 0,5 × 0,5 m mit Ablöseprüfung (Gitterritz, Klebeband-Test) — bei jedem WDVS-Auftrag neu, da Systemhersteller und Baujahr die Toleranz massgeblich beeinflussen.
Kostenrechner: Fassadenreinigung kalkulieren
Richtwert für mittleren Verschmutzungsgrad (Algen, Verkehrsstaub), Zugangstechnik Hubarbeitsbühne. Schwere Verschmutzung oder Seilzugangstechnik (SZT) +30–50 %; Gerüstbau je nach Objekt separat kalkulieren. Biozid-Nachbehandlung ist eingerechnet.
Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.
Reinigungsverfahren nach Fassadentyp
Niederdruckreinigung (≤ 80 bar)
Standardverfahren für mineralische Putzfassaden, Klinker und Beton. Kombinierbar mit alkalischem Vorentfetter (pH 9–11) gegen Russablagerungen oder biozidischem Vorbehandler gegen Grünbelag. Gut dosierbar, schonend, geringes Eintragerisiko.
Heisswasser-Hochdruckverfahren (60–95 °C)
Thermische Inaktivierung von Algen und Pilzhyphen ab ca. 70 °C ohne oder mit reduzierter Biozidmenge. Höherer Wasserverbrauch (ca. 5–8 l/m²). Bei WDVS nur bedingt geeignet, da Temperaturschock Querspannungen im Armierungsgewebe erzeugen kann.
Chemische Nassreinigung (pH-gesteuert)
Saure Reiniger (pH 1–3, z.B. Phosphorsäurebasis) gegen Ausblühungen und Sinterschichten; alkalische Reiniger (pH 12–14) gegen Fette und Öle. Immer mit Vorwässerung, definierter Einwirkzeit und vollständiger Nachspülung. Materialverträglichkeitsprüfung obligatorisch.
Biozid-Behandlung (Sprüh-/Flutverfahren)
Gezielter Einsatz nach BPR (EU 528/2012), Produktart PT 7, gegen Algen, Moose und Flechten. Einwirkzeit 24–72 h, danach Totmaterial abspülen. Biozidhaltige Abwässer unterliegen wasserrechtlichen Auflagen (WHG § 62); Direkteinleitung in Regenwasserkanäle unzulässig.
Laserablation (Nd:YAG / CO₂)
Präzisionsverfahren im Baudenkmalbereich: Laser sublimiert Schmutzschicht (Gipskruste, Farbreste) schichtweise ohne mechanischen Eingriff. Kein Feuchtigkeitseintrag, kein Abrieb am Substrat. Energiedichte je nach Material 0,5–2,0 J/cm² einstellbar. Aufwändig, kostenintensiv (ab 80 EUR/m²).
Trockeneisstrahlen (CO₂-Pellets)
CO₂-Pellets sublimieren beim Aufprall (−78,5 °C): kein Feuchtigkeitseintrag, kaum Schleifwirkung auf den Untergrund, Rückstand nur der gelöste Schmutz. Geeignet für empfindliche Sandsteine, Stuck und Fachwerk. Hörbarer Schalldruck — Nachbarn informieren.

Effloreszenzen: Primär- und Sekundärausblühungen richtig behandeln
Primärausblühungen entstehen in den ersten Wochen nach der Verarbeitung: Kalziumhydroxid Ca(OH)₂ löst sich im Porenwasser, migriert an die Oberfläche und carbonatisiert mit CO₂ zu weissem Kalziumkarbonat CaCO₃. Da es wasserlöslich ist, genügt meist trockenes Bürsten oder leichtes Wässern — kein Säureeinsatz nötig.
Sekundärausblühungen entstehen durch nachträglichen Salzeintrag aus Boden (Sulfate, Nitrate), Tausalz (Chloride) oder Ziegelrohmaterial. Sie bilden oft schwerlösliche Verbindungen (Ettringit, Thaumasit) und dürfen nicht mit einfachem Abwaschen behandelt werden: Gelöstes Salz zieht tiefer ins Substrat und kristallisiert erneut — mit wachsendem Sprengdruck im Porenraum.
Die korrekte Vorgehensweise beginnt mit der Salzanalyse per Ionenchromatographie der Ausblühprobe. Erst das Analyseergebnis bestimmt das Mittel: Trockenbürsten bei Sulfaten, neutraler Reiniger bei Nitraten, dosierte Verdünntsäure bei Karbonatschlieren. Eine Wiederholung ohne Behebung der Feuchteursache ist in jedem Fall wirkungslos.

Reinigungsverfahren im Vergleich
| Kriterium | Niederdruck + Chemie | Heisswasser | Laserablation |
|---|---|---|---|
| Eignung WDVS | bedingt (≤ 40 bar) | nein | ja |
| Biozideinsatz erforderlich | meist ja | reduziert | nein |
| Naturstein-Eignung | bedingt | bedingt | sehr gut |
| Feuchtigkeitseintrag | hoch | mittel | keiner |
| Kosten Richtwert | 8–22 EUR/m² | 12–18 EUR/m² | ab 80 EUR/m² |
| Baudenkmal-geeignet | selten | selten | ja |
| Gipskruste entfernen | nein | bedingt | ja |
Biozide bei der Fassadenreinigung: BPR-Zulassung und Abwasserpflichten
Seit Inkrafttreten der EU-Biozidprodukte-Verordnung (EU) Nr. 528/2012 (BPR) dürfen für die gewerbliche Fassadenbehandlung gegen Algen, Pilze und Flechten ausschliesslich zugelassene Biozidprodukte der Produktart PT 7 (Filmkonservierungsmittel) eingesetzt werden. Nicht zugelassene Heimwerkerprodukte sind im gewerblichen Einsatz unzulässig — unabhängig vom Wirkstoff.
Besonderer Handlungsbedarf besteht beim Umgang mit Abwasser: Biozidhaltige Abspülwässer gelten nach WHG (Wasserhaushaltsgesetz) und den Anforderungen der AbwV als behandlungsbedürftiges Abwasser. Je nach Bundesland und Einleitstelle ist eine wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung oder die Einleitung über eine geeignete Absetz-/Filteranlage vorgeschrieben. Direkteinleitung in Regenwasserkanäle oder Gewässer ist unzulässig.
Pyrethroid-basierte Algizide wirken hochgradig toxisch auf aquatische Organismen und reichern sich in Gewässersedimenten an. Ihr Einsatz nahe offener Gewässer oder auf durchlässigem Untergrund ohne Auffangvorrichtung verstösst regelmässig gegen § 62 WHG. Sorgfältige Fachbetriebe dokumentieren Biozidprodukte mit Produktdatenblatt, Mengennachweise und Entsorgungsweg.
Reinigungsverfahren-Finder: Fassadentyp bestimmt das Verfahren
Welchen Fassadentyp haben Sie?
Fassadenreinigung: Ablauf in der Praxis
Befundaufnahme und Schadenskartierung
Sichtprüfung, Klopftest (Hohlstellen), Feuchtemessung (CM-Methode oder elektrisch), Belagsidentifikation (Algen, Moos, Russ, Ausblühungen). Bei Naturstein oder Baudenkmal: Materialanalyse und ggf. Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde.
Wahl des Verfahrens und Vortestung
Testfläche mindestens 0,5 × 0,5 m an einer repräsentativen, unauffälligen Zone. Bewertung nach 24 h: Substratreaktion, Farbveränderung, Ablösung. Erst nach Freigabe des Testfelds: Beginn der Gesamtfläche.
Untergrundvorbereitung
Grobe Partikel und Moospolster mechanisch vorabtragen. Gefährdete Anschlüsse (Fensterbank, Fugenmörtel, Sockelprofil, Zinkbleche) abkleben oder mit Folie schützen. Vor chemischer Behandlung: Substrat vollständig vorwässern.
Reinigung mit definiertem Verfahren
Biozidauftrag stets von oben nach unten, gleichmässig und lückenlos, Einwirkzeit exakt einhalten. Druckreinigung: überlappende Bahnen, konstanter Abstand. Heisswasser: Temperaturfühler am Düsenkopf überwacht die Austrittstemperatur.
Nachspülung und Zwischenbegutachtung
Vollständiges Abspülen gelöster Beläge und Biozidanteile mit klarem Wasser. Zwischenprüfung auf Resthaftung, verbliebene Flecken und Kantenabrieb. Lokale Nachbehandlung wo nötig — vor Gerüstabbau.
Trocknungsphase und optionale Nachbehandlung
Trocknungszeit mindestens 48–96 h bei ≥ 10 °C und relativer Luftfeuchtigkeit < 80 % abwarten. Erst danach: Hydrophobierung, Biozid-Depotbehandlung oder Neubeschichtung. Frühzeitiger Auftrag auf Restfeuchte führt zu Haftungsverlusten und Blasenbildung.

Reinigungsschäden: Ursachen, Erkennungsmerkmale und Vermeidung
Die häufigsten Reinigungsschäden entstehen nicht durch das Reinigungsmedium selbst, sondern durch zu hohen Aufpralldruck, zu kurzen Spritzabstand oder einen falsch gewählten pH-Wert am ungeeigneten Untergrund. Typische Schadensbilder: Sandung (Abtrag der Putzkörnung), Schleifspuren, Farbauswaschung, Anfrasen des Fugenmörtels, Ablösung von Beschichtungen.
Chemische Schäden entstehen oft durch Übereinwirkzeit oder falschen pH: Phosphorsäurebasierte Reiniger (pH < 2) lösen Kalzit in Kalkputzen und Kalksteinoberflächen auf — erkennbar an mattweissen Flecken und aufgerautem Gefüge. Alkalische Reiniger (pH > 13) lösen Aluminiumprofile und Zinkverblechungen an; die Schäden zeigen sich erst nach Wochen als weisse Korrosionsprodukte.
Zur Vermeidung gilt: pH-Wert des Reinigers immer auf Materialverträglichkeit prüfen, Einwirkzeit strikt einhalten (Übereinwirkzeit korrodiert stärker als Untereinwirkzeit), Testfläche unter identischen Substrat- und Witterungsbedingungen ausführen. Druckreinigungsschäden an der Kornstruktur sind irreversibel — ein nachträglicher Ausgleichputz ist selten nahtlos ausführbar.

Verfahrenseignung nach Untergrundtyp (1 = ungeeignet, 5 = optimal)
| Niederdruck | Heisswasser | Chem. Reiniger | Laser / CO₂ | |
|---|---|---|---|---|
| Mineralputz | ||||
| WDVS / Silikonharzputz | ||||
| Klinker / Ziegel | ||||
| Sichtbeton | ||||
| Naturstein (Sandstein) | ||||
| Naturstein (Granit / Basalt) | ||||
| Baudenkmal / Stuck |
Naturstein und Baudenkmal: Wann Fassadenreinigung schadet
Poröse Natursteine wie Sandstein oder Tuffstein verlieren ab ca. 20 bar effektivem Aufpralldruck messbar Kornbindung. Einmal sandender Stein lässt sich ohne Festiger nicht dauerhaft reinigen. Die WTA-Fachpublikationen zur Natursteinerhaltung fordern für Baudenkmalsubstrat zwingend eine Voruntersuchung (Materialanalyse, Festigkeitsmessung) und Abstimmung mit dem zuständigen Denkmalamt vor Beginn jeder Reinigung.
Flechten stellen eine Sondersituation dar: Ihre Rhizinen penetrieren bis 5 mm tief in den Stein. Mechanisches Ablösen reisst den obersten Mineralverband heraus und hinterlässt vertiefte Narben. Die Empfehlung: chemische Abtötung mit einem geeigneten Biozid (PT 7), anschliessend 4–8 Wochen Wartezeit bis das Flechtenmaterial trocken und morsch ist — dann erst trockenes Abbürsten.
Nach den Landesdenkmalschutzgesetzen der meisten Bundesländer gilt Reinigung als genehmigungspflichtige substanzverändernde Massnahme, wenn sie mehr als reine Staubschmutzschichten entfernt — also auch Patina oder biogene Krusten angreift. Eine Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde ist nicht optional, sondern rechtlich geboten.
Druckwäsche bei Frost unzulässig
Eingetragenes Wasser gefriert in Poren und erzeugt Sprengdruck. Frost-Tau-Wechsel nach Nassreinigung verursacht Spallation und Kantenabbrüche. Ausführung nur bei stabilen Aussentemperaturen > 5 °C und mindestens 48 h Frostfreiheit nach Abschluss.
Bestes Ausführungsfenster: März bis Juni
Im Frühjahr sind Algen und Moose noch im Wachstumsstopp — geringere Vitalität bedeutet tiefere Biozidwirkung. Steigende Temperaturen verkürzen zudem die Trocknungszeit vor Folgebehandlungen wie Hydrophobierung oder Neubeschichtung.
Gerüstplanung entscheidet über Gesamtkosten
Bei Fassadenflächen über 80 m² bestimmt das Gerüst oft 30–50 % der Gesamtkosten. Laufen ohnehin Malerarbeiten oder ein Fensterwechsel mit Gerüstpflicht, empfiehlt sich die gleichzeitige Beauftragung der Reinigung — Synergieeffekt ohne Mehraufwand beim Gerüstaufbau.
WDVS: Keine Hochdruckreinigung ohne Systemfreigabe
WDVS-Systeme verschiedener Hersteller haben unterschiedliche Drucktoleranzen. Vor jeder Reinigung das Systemdatenblatt auf den zulässigen Reinigungsdruck prüfen oder Herstellerfreigabe einholen. Fehlt die Angabe: maximal 30 bar mit Pflicht-Testfläche.

Hydrophobierung, Imprägnierung oder Versiegelung: Was nach der Reinigung sinnvoll ist
Die drei Nachbehandlungsoptionen unterscheiden sich grundlegend in Wirkungsweise und Substrateignung. Eine Hydrophobierung (Siloxan/Silan) imprägniert das Substrat tiefenwirksam und reduziert die kapillare Wasseraufnahme, ohne die Dampfdiffusion wesentlich zu hemmen (sd-Wert in der Regel < 0,1 m). Sie ist die empfohlene Standardmassnahme nach Reinigung mineralischer Putze, Klinker und Naturstein (ausser dichtem Granit oder poliertem Stein).
Konsolidierungsmittel / Festiger — insbesondere Kieselsäureethylester (KSE / TEOS) — dringen tief in poröse, sandende Untergründe ein und bilden dort Kieselsäure-Gel, das den Kornverband stabilisiert. Einsatz nach Reinigung sandender Sandsteine oder enthärteten Kalksteins vor jeder weiteren Behandlung. Die Hydrophobierung folgt immer erst nach vollständiger Aushärtung des Festigers.
Versiegelungen (filmbildende Beschichtungen) schliessen Kapillarporen vollständig und hemmen die Diffusion — für Naturstein und Baudenkmalsubstrat in der Regel kontraindiziert, da Restfeuchte nicht entweichen kann und zu Abplatzungen führt. Anwendungssinnvoll bleibt die Versiegelung bei glatten Betonfassaden oder Industrieoberflächen mit definiertem Schutzauftrag.

Technische Kenngrössen zur Fassadenreinigung
| Reinigungsdruck WDVS Mineralwolle | ≤ 30 bar (Herstellerangabe massgeblich) |
|---|---|
| Reinigungsdruck WDVS EPS, harter Putz | ≤ 40–60 bar |
| Reinigungsdruck Klinker / Beton | 50–120 bar |
| Heisswasser-Reinigungstemperatur | 60–95 °C |
| Biozid-Einwirkzeit PT 7 | 24–72 h (produktabhängig) |
| Trocknungszeit vor Folgebeschichtung | min. 48 h bei ≥ 10 °C, r.F. < 80 % |
| Haftzugfestigkeit Putz (Reinigungsfreigabe) | ≥ 0,3 N/mm² (Richtwert WTA) |
| Laserablation Energiedichte Nd:YAG | 0,5–2,0 J/cm² (materialabhängig) |
| Trockeneis-Sublimationstemperatur CO₂ | ca. −78,5 °C |
| Wasserverbrauch Niederdruckreinigung | ca. 3–6 l/m² |
| Wasseraufnahmekoeffizient w nach Hydrophobierung | < 0,1 kg/(m²·h^0,5) (DIN EN ISO 15148) |
| pH-Bereich saurer Reiniger | pH 1–4 |
| pH-Bereich alkalischer Reiniger | pH 9–14 |
Gipskruste und saurer Regen: Chemie der Fassadenkorrosion
Die schwarze Kruste an Natursteinfassaden ist kein blosser Schmutz, sondern das Produkt einer chemischen Reaktion: Schwefeldioxid (SO₂) aus Verbrennungsabgasen reagiert in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff mit dem Kalziumkarbonat (CaCO₃) des Kalksteins zu Kalziumsulfat-Dihydrat (CaSO₄ · 2H₂O) — Gips. Die poröse Gipsmatrix akkumuliert Russpartikel und Stäube und erzeugt so die charakteristische Schwarzfärbung.


Das Tückische: Die Gipskruste schützt den darunter liegenden Stein kurzfristig vor weiterer Karbonatisierung, löst sich aber bei Regen ab — zusammen mit dem bereits korrodierten, obersten Steinkorn. Unter der Kruste liegt dann enthärtetes, geschwächtes Material, das bei mechanischer Reinigung sofort weiteren Schaden nimmt. Wettergeschützte Flächen (Laibungen, Gesimse) akkumulieren dickere Krusten als frei bewitterte Flächen mit Selbstreinigungseffekt.
Korrekte Behandlungsstrategie: Gipskruste durch Kompressenverfahren (Attapulgit- oder Sepiolith-Paste zieht gelöste Salze kapillar aus dem Stein), Dampfreinigung oder Laserablation entfernen — niemals mechanisch kratzen. Anschliessend Festigung des enthärteten Substrats mit Kieselsäureethylester (KSE) nach WTA-Empfehlungen zur Natursteinfestigung, bevor weitere Massnahmen erfolgen.
Projektphasen einer Fassadenreinigung
- Befundaufnahme, Leistungsbeschreibung, Behördenabstimmung (Denkmal)1–2 Tage
- Gerüstaufbau0,5–2 Tage
- Vortestung (Testflächen + Einwirkzeit auswerten)1–3 Tage
- Reinigung Gesamtfläche1–5 Tage
- Trocknungsphase (Pflicht vor Nachbehandlung)2–5 Tage
- Nachbehandlung (Hydrophobierung, Biozid-Depot)1–2 Tage
- Abnahme, Fotodokumentation, Gerüstabbau0,5–1 Tag
Wichtige Begriffe rund um Fassadenreinigung
Effloreszenzen
BPR / PT 7
Haftzugfestigkeit
Hydrophobierung
KSE / TEOS
Kompressenverfahren
WTA
Gipskruste
Eine Fassadenreinigung, die den Untergrund nicht schlimmer hinterlässt als vorgefunden, ist das Minimum. Das Optimum ist eine Reinigung, die die nächste Sanierung um Jahre hinausschiebt — durch Biozid-Depot, Hydrophobierung und lückenlose Dokumentation des Ausgangszustands als Referenz für künftige Massnahmen.
Grundsatz substratschonender Instandhaltung (nach WTA-Grundprinzipien zur Bauwerkserhaltung)










