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Malerarbeiten Berlin

Raufaser streichen lassen in Berlin – Fachbetrieb für Innenanstriche

Raufaser ist der meistverlegte Wandbelag in deutschen Bestandsimmobilien – und gleichzeitig der am häufigsten falsch überstrichene. Entscheidend ist nicht die Farbe, sondern die Untergrundvorbereitung: Kreide-Altanstriche, Silikonschichten und zu viele Farblagen sind die Hauptursachen für Abplatzungen und Reliefverlust.

Ein fachgerechter Anstrich erhält das Raufaser-Relief und schafft eine dauerhaft haftende, homogene Oberfläche. Dabei beeinflussen Flortiefe der Walze, Viskosität der Dispersionsfarbe und Schichtfolge das Ergebnis mindestens so stark wie die Farbqualität selbst.

Leistungsumfang

Was umfasst Raufaser streichen?

  • Untergrundprüfung: Haftfestigkeit, Schichtdicke, Saugfähigkeit (Abzugs- und Wischtest)
  • Reinigung und Vorbehandlung – Entfernung von Kreidefilm, Schimmelflecken und haftlosen Altschichten
  • Grundierung nach Untergrundklasse (Tiefengrund oder Sperrgrundierung auf Schellack-/Kunstharzbasis)
  • Naht- und Eckversiegelung, Spachtelung von Fehlstellen vor dem Erstanstrich
  • Zwei-Schicht-Anstrich mit strukturgerechter Innen-Dispersion (Nassabriebklasse 2, Flortiefe 12–15 mm)
  • Abnahme nach VOB/C ATV DIN 18363 – Beurteilung bei diffusem Tageslicht aus 1,5 m Sichtabstand

Die Ausführung erfolgt nach ATV DIN 18363 (Malerarbeiten) und den BFS-Merkblättern des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz. Verwendete Dispersionsfarben erfüllen mindestens die Nassabriebklasse 2 nach DIN EN 13300 und sind für den Einsatz auf Strukturtapeten zugelassen.

Raufaser-Kornklassen: Strukturtiefe und Farbverbrauch im Vergleich – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

BFS-Merkblätter und VOB: Was Fachbetriebe bei Tapetenanstrichen rechtlich schulden

Das BFS-Merkblatt für Tapezier- und Klebearbeiten (Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz) legt fest, welche Vorleistungen vor dem Tapetenanstrich zu erbringen sind: Haftprüfung, Dokumentation der Altanstriche, Festlegung des Anstrichsystems und Einhaltung von Trocknungszeiten. Wer diese Prüfpflichten übergeht, riskiert Mängelansprüche auch dann, wenn das handwerkliche Ergebnis optisch einwandfrei wirkt.

Nach VOB/C ATV DIN 18363 muss der Auftragnehmer den Untergrund vor Arbeitsbeginn auf Haftfestigkeit, Feuchtegehalt und vorangegangene Beschichtungen prüfen und Bedenken schriftlich anzeigen — andernfalls gilt die Eignung als stillschweigend anerkannt. Besonders bei Tapetenanstrichen ist die Anzahl der Altanstriche zu dokumentieren, da sie die technische Grundlage für die Entscheidung Überstreichen oder Abriss bildet.

Cutaway einer Wand mit gestapelten Altanstrichen, Gitterschnitt-Haftprüfung und Feuchtemessgerät zur VOB-Untergrundprüfung vor dem Anstrich.
8–10 m²/LErgiebigkeit auf Raufaser je Lage (vs. 12–15 m²/L auf Glattputz)
2 LagenRegelanstrichzahl für volldeckendes Ergebnis auf Strukturtapeten
≥4–6 hMindest-Überstreichbarkeit je Lage Dispersionsfarbe bei 20 °C
Kl. 1–2Empfohlene Nassabrieb-Klasse nach EN 13300 für Flure und Treppenhäuser

Deckvermögen auf Strukturflächen: Warum Raufaser zwei Anstriche zur Regel macht

Das Deckvermögen von Farben wird über den Kontrastgrad bei festgelegtem Auftrag auf einer normierten Prüfkarte bestimmt. Das Problem bei Raufaser: Rillen und Körner erzeugen Schattenzonen, die selbst bei hoher Pigmentdichte mit einem einzigen Anstrich nicht vollständig abgedeckt werden — die Herstellerangabe zur Ergiebigkeit gilt für ebene Flächen und darf nicht direkt auf Strukturtapeten übertragen werden.

Daraus ergibt sich die zwingende Zwei-Lagen-Regel: Der Erstanstrich benetzt und grundiert die Struktur, der Zweitanstrich schließt die verbliebenen Schattenzonen. Wer in der Ausschreibung nur einen Anstrich vorsieht, unterschreitet bei Raufaser typischerweise die geschuldete Deckqualität — ein häufiger Streitpunkt bei der Abnahme nach VOB/B, der sich durch korrekte Positionierung im LV vermeiden lässt.

Interaktiv

Farb- und Grundierungsbedarf berechnen

Richtwerte für Raufaser Kl. II (mittelkörnig), 2 Anstriche Dispersionsfarbe — Ergiebigkeit ca. 5 m²/L. Kl. I (fein): Faktor ~0,30 L/m², Ergiebigkeit ~6,5 m²/L; Kl. III (grob): ~0,55 L/m², ~3,5 m²/L. Tiefengrund zusätzlich ca. 0,10 L/m² (separat kalkulieren).

Dispersionsfarbe (2 Anstriche)
Richtkosten inkl. Arbeit

Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

So gehen wir vor

Ablauf: Raufaser fachgerecht streichen

1

Untergrundprüfung

Haftfestigkeit per Klebestreifen-Test an mehreren Stellen prüfen, Feuchtemessung (Ziel ≤3 % CM bei Kalkputz), Anzahl der Altanstriche zählen und schriftlich dokumentieren.

2

Reinigung und Kleinreparaturen

Fettflecken entfetten, abgelöste Tapetenkanten mit Tapetenkleber anlegen und vollständig trocknen lassen, Risse mit Elastik-Spachtel schließen.

3

Abdeckarbeiten

Lichtschalter, Steckdosen und Fensterrahmen mit Abklebeband sichern, Böden mit Baumwoll-Vlies abdecken — keine Folie allein, da Farbnebel darauf wegrutscht.

4

Sperrgrund (bei Bedarf)

Bei Farbwechsel dunkel→hell oder stark saugenden Untergründen pigmentierten Sperrgrund auftragen; vollständige Trocknung mindestens 12–24 h abwarten, bevor der Deckanstrich beginnt.

5

Erstanstrich

Kanten und Ecken mit Pinsel vorstreichen, dann Fläche mit Kurzflor-Rolle (Flortiefe 10–12 mm) vollflächig in einer Richtung rollen — Richtung merken oder markieren.

6

Trocknungszeit einhalten

Mindestens 4–6 Stunden bei 20 °C und 50 % r. F.; bei Kalk- oder Silikatfarbe gemäß TDS des Herstellers, oft 12–24 h. Zugluft in den ersten 2–3 h vermeiden.

7

Zweitanstrich

Kanten und Ecken erneut vorstreichen, dann Fläche quer zur Erstlagrichtung rollen; gleiche Rollgeschwindigkeit und gleichen Rollendruck halten, um Glanzgradunterschiede im Streiflicht zu vermeiden.

8

Abnahme im Streiflicht

Beschichtung unter seitlichem Lichteinfall auf deckende Gleichmäßigkeit, Rollspuren und Kantenschatten prüfen. Befund und Trocknungszeiten protokollieren, Endhärte-Hinweis an Auftraggeber übergeben.

Strukturverlust durch Altanstriche: kritischer Schichtdickenaufbau im Querschnitt – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Dunkel nach hell: Sperrgrundpflicht und warum sie regelmäßig ignoriert wird

Wechselt der Anstrich von einem dunklen auf einen hellen Farbton, reichen zwei Decklagen nicht: Das Durchscheinen des Untergrunds (Farbdurchschlag) wird unter wechselnden Lichtverhältnissen sichtbar und stellt nach den einschlägigen BFS-Merkblättern einen Mangel dar. Fachgerecht ist hier ein pigmentierter Sperrgrund (weiß oder abgetönt), der den alten Farbton neutralisiert, bevor die Deckanstriche aufgebaut werden.

In der Praxis wird dieser Schritt häufig weggelassen, weil er eine zusätzliche Trocknungsphase bedeutet und die Kosten spürbar erhöht. Das Einsparpotenzial beträgt dabei 5–9 EUR/m² — der Folgeaufwand bei reklamiertem Farbdurchschlag liegt in der Regel um ein Vielfaches höher, da der gesamte Deckanstrich zu wiederholen ist.

Prozessgrafik in vier Schritten: dunkler Altanstrich, Sperrgrund-Auftrag, Trocknungsphase und heller Deckanstrich auf einer Wand.

Schimmel unter Raufaser darf nicht überstrichen werden

Schimmelflecken unter der Tapete müssen durch Abriss freigelegt, der Untergrund desinfiziert und die Ursache (Wärmebrücke, Lüftungsmangel) beseitigt werden. Eine Abdeckung durch Anstrich verstößt gegen das Gebot der Mängelfreiheit, verschleppt den Befund und kann gesundheitsgefährdend sein.

Rollrichtung konsequent beibehalten

Wird die Rollrichtung zwischen Erst- und Zweitanstrich willkürlich gewechselt, entstehen sichtbare Schimmer- und Glanzunterschiede im Streiflicht — insbesondere bei Dispersionsfarben mit Seidenglanz. Empfehlung: immer senkrecht (in Bahnrichtung) rollen, Kanten stets mit demselben Pinseltyp vorarbeiten.

Zugluft in der Anfangstrocknung vermeiden

Stark durchlüftete Räume trocknen Dispersionsfarben an der Oberfläche zu schnell ab — es bildet sich eine Haut, die die Restfeuchte einschließt und zu Blasenbildung führt. Fenster während der ersten 2–3 Stunden nach Auftrag schließen, danach gleichmäßig lüften.

Raumluft und Farbe: VOC-Klassen, AgBB-Schema und wann Kalkfarbe sinnvoll ist

Die EU-Richtlinie 2004/42/CE begrenzt den VOC-Gehalt (flüchtige organische Verbindungen) für Innenwandfarben (Kategorie A) auf ≤75 g/L bei wasserverdünnbaren Produkten. In der Praxis überschreiten viele handelsüblichen Dispersionsfarben diesen Wert bei der initialen Anfangsemission — relevant vor allem für Kitas, Schulen, Krankenhäuser und Räume mit immun- oder atemwegssensiblen Bewohnern.

Das AgBB-Schema (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten) geht darüber hinaus und bewertet Summenparameter wie TVOC nach 28 Tagen; Produkte mit Blauem Engel (RAL UZ 102) oder natureplus-Zertifizierung erfüllen diese Kriterien nachweislich. Kalkfarbe bietet hier einen systemischen Vorteil: Sie enthält keine organischen Bindemittel, gibt keine VOC ab und ist in der Regel AgBB-konform — allerdings nur auf kompatiblen Untergründen einsetzbar.

Lösungs-Finder

Welche Grundierung für Raufaser?

Welcher Ausgangszustand liegt vor?

Tiefengrund (wässrig) empfohlen: Neue Raufaser ist stark saugend und nimmt Farbe ungleichmäßig auf. Tiefengrund 1:5 mit Wasser verdünnt reduziert den Feuchteentzug, stabilisiert den Faserverbund und verhindert Aufquellen. Gemäß BFS-Merkblatt zur Untergrundvorbereitung ist ein Voranstrich bei erstmaligem Deckanstrich auf Papieruntergründen Standard. Trocknen mind. 4 h, dann Deckanstrich.
Bei intaktem, kreidefreiem Altanstrich (Wischprobe negativ, kein Abrieb) ist kein separater Grundieranstrich zwingend erforderlich. Kritisch: saugende Fehlstellen aus Reparaturen oder Ausbesserungen gezielt mit Tiefengrund vorreiben. Haftfestigkeit vorab per Klebestreifen-Gittertest prüfen — löst sich Farbe schollenartig ab, gilt Fall 5.
Sperrgrund (Shellac- oder Alkydharz-Basis) nötig: Nikotin-Chromophore und Wasserränder sind migrationsfähig und bluten durch wasserbasierte Dispersionsfarbe durch. 1–2 Anstriche Shellac-Sperrgrund bilden eine belastbare Barriere. Bei Befall >30 % der Fläche Wirtschaftlichkeit gegenüber Abriss + Neutapezieren prüfen — die Materialkosten für Sperrgrund können den Tapezieraufwand erreichen.
Sperrgrund + hohe Deckkraft (DIN EN 13300 Deckklasse 2) empfohlen: Dunkle Buntfarben schlagen durch helle Dispersionsschichten durch. Zwischenlage Sperrgrund mit stark weißpigmentierter Formulierung; danach Deckfarbe im Zielton. Bei extremen Wechseln (z.B. RAL 9005 → Weiß) 3 Decklagen einkalkulieren; Ergiebigkeitsverlust durch Weißpigmentierung berücksichtigen.
Haftgrund erforderlich: Glänzende Filmbildner (Alkydlacke, Latexfarben, Kunstharzfarben) bieten neuer Dispersion keine ausreichende Haftung. Lösemittelhaltiger oder spezieller wässriger Haftgrund auftragen, vollständig trocknen lassen. Alternative bei kleineren Flächen: Anschleifen P120, entstauben, dann Tiefengrund. Haftfestigkeit nach 24 h per Gittertest verifizieren — bei negativem Ergebnis Abriss prüfen.
Technische Daten

Technische Kenndaten: Anstrichsysteme auf Raufaser

EigenschaftTypischer Wert / Klasse
Ergiebigkeit auf Raufaser8–10 m²/L je Lage (Herstellerangaben gelten für Glattflächen)
Auftragsviskosität Dispersionsfarbe3 000–6 000 mPa·s (Kreiselviskosimeter, 20 °C)
Nassabrieb-Klasse (EN 13300)Kl. 1–2 für Gemeinschaftsflächen, Kl. 3–4 für normale Wohnräume
VOC-Grenzwert Innenwand (EU-RL 2004/42/CE, Kat. A)≤75 g/L (gebrauchsfertig, wasserverdünnbar)
Oberflächentrocken (20 °C / 50 % r. F.)30–60 min
Überstreichbarkeit Dispersionsfarbe≥4–6 h
Überstreichbarkeit Kalk-/Silikatfarbe≥12–24 h (produktabhängig)
Volle Endhärte Dispersionsfarbe2–4 Wochen nach Endanstrich
Sperrgrund pigmentiert (pH)pH 7–9, Trockenzeit ≥12 h vor Deckanstrich
Empfohlene Flortiefe Rolle10–12 mm Kurzflor
Nassabrieb-Klassen EN 13300: Mindestanforderungen auf Raufaser je Raumtyp – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Nassabrieb-Klasse: Der häufigste Planungsfehler bei Treppenhäusern und Fluren

Die Nassabrieb-Klasse nach EN 13300 klassifiziert, wie viele Bürstenzyklen unter Wasserbenetzung eine Beschichtung widersteht, bevor sichtbarer Materialabtrag einsetzt — Klasse 1 ist am beständigsten, Klasse 5 praktisch nicht waschbar. In Treppenhäusern und gemeinschaftlich genutzten Fluren wird aus Kostengründen häufig eine Standardinnenfarbe der Klasse 3–4 verwendet, die nach wenigen Jahren ausgewaschen ist und neu gestrichen werden muss.

Die korrekte Ausschreibung für Gemeinschaftsflächen in Wohngebäuden verlangt mindestens Nassabrieb-Klasse 2, für stark frequentierte gewerbliche Flächen Klasse 1 (Latexfarbe). Der Planungsfehler entsteht meist nicht auf der Baustelle, sondern im Leistungsverzeichnis: Steht dort nur 'Dispersionsfarbe weiß' ohne Klassen-Angabe, liegt die Produktwahl beim günstigsten Bieter.

Querschnitt einer Treppenhauswand mit Raufaser und Dispersionsanstrich, an dem eine Nassabrieb-Prüfbürste den Farbfilm abträgt.
Im Vergleich

Überstreichen oder abreißen? Entscheidungsmatrix

KriteriumÜberstreichenAbreißen + Neuverklebung
Anzahl Altanstriche≤4–5 Lagen>6–8 Lagen
Tapetenzustandblasenfrei, vollflächig haftendBlasen, abgelöste Kanten, Risse
Schimmelindizkein Befall vorhandenimmer abreißen — Inspektion Pflicht
Klebestreifen-Hafttest<10–15 % Flächenablösung≥15 % Ablösung an Teststellen
Kostenniveau12–24 EUR/m²32–50 EUR/m²
Strukturerhaltleichte Glättung durch Farbaufbau möglichNeuprofil, volles Strukturbild wiederherstellbar
Schallschutz/Massekein Einflussbei Neuaufbau Mehrlagennachweis prüfen

Kalkfarbe auf Raufaser: Voraussetzungen, Unverträglichkeiten und ein oft übersehenes Risiko

Kalkfarbe mit pH 12–13 ist auf Raufaser möglich, setzt jedoch voraus, dass der Untergrund frei von Kunstharzdispersionen, Öl- oder Alkylanstrichen ist: Kalkfarbe verseift mit fetthaltigen Bindemitteln, die Haftung bricht zusammen, die neue Schicht platzt ab. Vor der Erstanwendung auf vorbehandelten Tapeten ist ein Testauftrag an verdeckter Stelle mit 24-stündiger Beobachtungszeit unerlässlich.

Das systemisch entscheidende Risiko: Kalkfarbe ist nicht mit Dispersion überstreichbar — wird der Kalkfilm zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Kunststoffdispersion übergestrichen, fehlt die Haftbrücke, die Schicht blättert ab. Wer Kalkfarbe wählt, legt sich auf das System fest oder muss später vollständig abreißen. Diese Bindewirkung muss bei der Beratung klar kommuniziert und schriftlich festgehalten werden.

Interaktiv

Überstreichen oder Abreißen?

Mehrfach übermalte Raufaser verliert Struktur und Haftfähigkeit. Die Gesamtschichtdicke (Tapete + Anstriche) ist das entscheidende Kriterium — ab ca. 1,5–2 mm kippt die Wirtschaftlichkeit zugunsten des Komplettabrisses. Faustregel: jeder Dispersionsanstrich auf Raufaser addiert ca. 0,10–0,15 mm.

Anzahl vorhandener Farbanstriche
Preise & Kosten

Was kostet Raufaser streichen?

Netto-Richtwerte für Berlin, bezogen auf fertige Wandfläche inkl. Material und Lohn. Individuelle Kalkulation nach Objektbegehung.

LeistungPreis-Spanne (Richtwert)
Untergrundprüfung und Dokumentation3–6 EUR/m²
Pigmentierter Sperrgrund (1 Lage, bei Farbwechsel)5–9 EUR/m²
2 Lagen Dispersionsfarbe (Standardfall)12–18 EUR/m²
3 Lagen bei starkem Farbwechsel dunkel→hell16–24 EUR/m²
2 Lagen Latexfarbe Nassabrieb-Kl. 1 (Flure, Treppenhäuser)18–28 EUR/m²
2 Lagen Kalkfarbe inkl. Untergrundvorbereitung18–26 EUR/m²
Abreißen Raufaser + Neuverkleben + 2 Anstriche32–50 EUR/m²

Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.

Grundierungstypen für Raufaser: Entscheidungsmatrix nach Untergrundszustand – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)

Trocken ≠ durchgehärtet: Warum der Zeitpunkt des Zweitanstrichs über Haftung entscheidet

Dispersionsfarben zeigen nach 30–60 Minuten Oberflächentrockenheit — klebfrei, aber das Filminnere ist noch nicht vernetzt. Wird der Zweitanstrich zu früh aufgebracht, weicht das Lösemittel der neuen Lage die noch weiche Erstlage auf: Es entstehen Runzelbildung, Abhebungen und irreversible Glanzstreifen, die eine vollständige Neuausführung erfordern.

Die Endhärte einer Dispersionsfarbe ist erst nach 2–4 Wochen erreicht; in dieser Zeit darf die Fläche nicht gereinigt, beklebt oder mechanisch belastet werden. Reklamationen wegen mangelhafter Haftfestigkeit — besonders auf glatten oder schwach saugenden Untergründen — sind in der Praxis häufig auf zu kurze Zwischentrocknungszeiten oder zu frühe Folgebeschichtungen zurückzuführen, nicht auf Produktfehler.

Wand-Querschnitt: links intakter Schichtaufbau, rechts abplatzender Zweitanstrich wegen zu früher Beschichtung auf glattem Untergrund.
Im Überblick

Farbsysteme für Raufaser im Überblick

Dispersionsfarbe (Kunststoff-Dispersion)

Marktstandard mit breitem Spektrum an Nassabrieb-Klassen (1–4), gut abtönbar, kurze Trocknungszeit, pH-neutral. Kompatibel mit nahezu allen Altanstrichen. Für die meisten Wohnräume erste Wahl — auf AgBB-Konformität und VOC-Klasse bei sensiblen Nutzungen achten.

Latexfarbe (Latex-Dispersion)

Hohe Elastizität und überlegene Waschbeständigkeit (Nassabrieb-Klasse 1). Empfohlen für Treppenhäuser, Flure, Bäder und Küchen. Weniger dampfdiffusionsoffen als Standard-Dispersion — in Räumen mit hoher Feuchtedynamik Diffusionswiderstand beachten.

Silikatfarbe (Kieselsäurefarbe)

Mineralische Bindung durch Verkieselung mit dem Untergrund, sehr hohe Dauerhaftigkeit und Diffusionsoffenheit. Nicht auf organischen Altanstrichen anwendbar — Untergrund muss mineralisch oder mit Silikat-Grundierung vorbereitet sein. Nassabrieb-Klasse 1 erreichbar.

Kalkfarbe (Sumpfkalk oder Casein-Kalk)

pH 12–13, keine synthetischen Bindemittel, kein VOC-Austrag, nachweislich antimikrobiell. Systemtreue zwingend: nicht mit Dispersion misch- oder überstreichbar. Nur auf alkalitauglichen, von Kunstharzanstrichen freien Untergründen einsetzbar — Vorabtest obligatorisch.

Überstreichen oder abreißen? Die Wirtschaftlichkeitsgrenze in der Praxis

Ab etwa sechs bis acht Altanstrichen verliert der Gesamtaufbau Kohäsion: Der Rollendruck beim nächsten Anstrich erzeugt Blasen, weil die untersten Lagen nicht mehr ausreichend am Putz haften. Die Kostendifferenz zwischen problemlosem Überstreichen und vollständigem Abriss mit Neuverklebung beträgt typischerweise das 2–2,5-Fache — bei hochwertigen Flächen oder flächigen Altschäden ist Abriss langfristig die wirtschaftlichere Entscheidung.

Anstrich-Ablauf auf Raufaser: Prozessschritte mit kritischen Wartezeiten – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Erklär-Illustration zur Wirtschaftlichkeitsgrenze: Klebestreifen-Hafttest und Blasenbildung auf Raufaser als Entscheidungskriterien zwischen Überstreichen und Abriss.

Der Praxis-Entscheidungsbaum: Klebestreifen-Hafttest an mindestens fünf repräsentativen Stellen — löst sich dabei mehr als 10–15 % der geprüften Fläche, ist Abriss die sicherere Wahl. Ergänzend: Mehr als zwei sichtbare Blasen auf 10 m² gelten als Indiz für eine bereits gesättigte Anstrichtiefe. Beide Befunde sollten protokolliert und dem Auftraggeber vor Angebotserstellung schriftlich mitgeteilt werden.

Kurz erklärt

Wichtige Begriffe rund um Raufaser streichen

BFS-Merkblatt 26
Richtlinie des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz für den Anstrich auf Tapeten. Regelt Untergrundprüfung, Anstrichanzahl, Trocknungszeiten und Dokumentationspflichten — vertragsrelevant bei VOB-Aufträgen.
ISO 6504-3
Internationale Norm zur Bestimmung des Deckvermögens (Kontrastgrad) von Farben bei festgelegtem Auftrag auf einer Normprüfkarte. Maßgeblich für die Bewertung, ob ein Einlagenauftrag auf Strukturflächen ausreicht.
Nassabrieb-Klasse (EN 13300)
Klassifizierung der Waschbeständigkeit von Wandfarben nach europäischer Norm: Klasse 1 (sehr hoch) bis Klasse 5 (nicht waschbar). Für Gemeinschaftsflächen sollte die Klasse im Leistungsverzeichnis ausdrücklich festgelegt werden.
VOC (Volatile Organic Compounds)
Flüchtige organische Verbindungen in Farben und Lacken. EU-Richtlinie 2004/42/CE begrenzt den Gehalt für wasserverdünnbare Innenwandfarben (Kategorie A) auf ≤75 g/L im gebrauchsfertigen Zustand.
AgBB-Schema
Bewertungsschema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten. Prüft TVOC-Emissionen nach 3 und 28 Tagen — Grundlage für Produktzulassungen in Schulen, Kitas und Krankenhäusern.
Sperrgrund (pigmentiert)
Haftgrundierung mit Weißpigmentierung, die dunkle Altanstriche farblich neutralisiert und die Voraussetzung für volldeckende Deckanstriche bei großem Farbsprung schafft. Trocknungszeit mindestens 12–24 h.
VOB/C ATV DIN 18363
Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Maler- und Lackierarbeiten. Regelt Prüfpflichten vor Ausführungsbeginn, Ausführungsqualität und Mängelansprüche — gilt ergänzend zum BGB bei öffentlichen und privaten Bauvorhaben.
Metamerismus (Farbdurchschlag)
Optisches Phänomen, bei dem ein unzureichend abgedeckter Untergrundton unter wechselnden Lichtverhältnissen durchscheint. Bei Raufaser nach Farbwechsel ohne Sperrgrund ein typischer, reklamationsrelevanter Mangel.
Relevant für Sie

Raufaser streichen: Was es für Sie bedeutet

Entscheidend vor der Beauftragung: Wie viele Anstriche trägt die Raufaser bereits? Ab sechs Lagen steigt das Risiko für Blasenbildung und Haftungsversagen erheblich. Lassen Sie den Untergrund vor Ort prüfen — erst dann ist eine seriöse Entscheidung zwischen Überstreichen und Abreißen möglich. Für Wohnräume reicht Dispersionsfarbe; für Bäder, Flure und Treppenhäuser empfiehlt sich eine waschbeständige Latexfarbe der Nassabrieb-Klasse 1–2.

Im Leistungsverzeichnis sollten Nassabrieb-Klasse, VOC-Anforderung (AgBB-konform) und Anstrichanzahl explizit ausgeschrieben werden — ohne diese Angaben entscheidet der günstigste Bieter über das Produkt. BFS-Merkblatt 26 und VOB/C ATV DIN 18363 als Vertragsgrundlage festsetzen; Sperrgrundposition als Bedarfsposition aufnehmen, Haftprüfung als Vorleistungspflicht definieren.

Bei Instandhaltungsplanung ist die Anstrichhistorie der kritische Eingangswert: Mehr als sechs Altanstriche bedeuten erhöhtes Kohäsionsversagen-Risiko. Klebestreifen-Hafttest oder Gitterschnitt nach ISO 2409 als Pflichtprüfung vor jeder Folgebeschichtung vorsehen. Für Treppenhäuser Nassabrieb-Klasse 1–2 ausschreiben, Sperrgrunderfordernis objektabhängig prüfen.

Für Wohngebäude mit mehreren Einheiten gilt: Einheitliche Ausschreibung nach BFS-Merkblatt 26 reduziert Streitwert bei Mängelrügen signifikant. Latexfarbe Nassabrieb-Klasse 1 in Gemeinschaftsflächen verlängert Wartungsintervalle deutlich gegenüber Standard-Dispersion. Abriss und Neuverkleben lohnt wirtschaftlich ab ca. sechs Altanstrichen — die Budgetplanung sollte diesen Zyklus als Kostenpunkt abbilden.

Raufaser streichen Fragen & Antworten

Warum braucht Raufaser mindestens zwei Anstriche – reicht ein Deckstrich nicht?
Die dreidimensionale Textur von Raufaser wirft Schatten in die Strukturtäler. Ein einzelner Anstrich erreicht diese Vertiefungen kaum vollständig, sodass grau-transluzente Stellen sichtbar bleiben. Erst der zweite Anstrich – quer zur ersten Rollrichtung aufgetragen – schließt die verbliebenen Lücken. BFS-Merkblätter empfehlen bei Strukturtapeten den Zweifachanstrich als Mindeststandard, da andernfalls keine gleichmäßige Deckung im Schichtaufbau erreichbar ist.
Welche Flortiefe muss die Streichwalze für Raufaser haben?
Für Raufaser Typ 30 bis 100 (mittel- bis grobkörnig) ist eine Flortiefe von 12 bis 15 mm empfehlenswert. Eine zu kurze Florhöhe (unter 10 mm) erreicht die Talsohlen der Struktur nicht und hinterlässt ungefärbte Schatten; eine zu lange (über 18 mm) führt zu Farbrückhaltung und Tropfneigung. Die Wahl der richtigen Walze beeinflusst den tatsächlichen Verbrauch um bis zu 25 %.
Ab wie vielen Altanstrichen sollte Raufaser ausgetauscht werden?
Eine normative Grenzschichtzahl existiert nicht. In der Praxis verlieren viele Raufaser-Typen ab dem dritten oder vierten Überarbeitungsanstrich ihre Relief-Definition – das Profil 'versumpft'. Entscheidend ist der Haftwert nach Abzugstest gemäß DIN EN ISO 4624: zu geringe Abreißwerte signalisieren erhöhtes Ablöserisiko und machen einen Tapetenwechsel wirtschaftlicher als einen weiteren Anstrich.
Wann ist eine Sperrgrundierung zwingend – und wann reicht eine Tiefengrundierung?
Eine Tiefengrundierung genügt bei saugfähigem, sauberem Untergrund ohne Problemstoffe. Sobald Nicotinverfärbungen, Silikonaltanstriche (erkennbar am Perleffekt bei Wasserauftrag), Wasserschadensflecken oder starker Kreideabrieb vorhanden sind, ist eine Sperrgrundierung auf Schellack- oder Kunstharzbasis notwendig. Silikonhaltige Altschichten verhindern sonst die Haftung wasserbasiger Deckfarben vollständig.
Welche Farbeigenschaften sind bei Raufaser ungeeignet?
Zu niedrigviskose Dispersionsfarben (unter ca. 5.000 mPa·s) laufen in Tapetentäler und bilden Nasen. Stark pigmentierte Vollton-Pasten mit geringem Bindemittelanteil können das Relief verkleben. Silikonharzfarben für den Außenbereich sperren innen spätere wässrige Überarbeitungen. Optimal sind Innen-Dispersionsfarben der Nassabriebklasse 2 nach DIN EN 13300 mit einer für Strukturtapeten geeigneten Applikationsviskosität.
Wie berechnet sich der Farbverbrauch bei Raufaser im Vergleich zu glattem Putz?
Die strukturbedingte Mehroberfläche erhöht den Verbrauch um 20 bis 35 % gegenüber glatter Wandfläche. Für Raufaser Typ 50 (mittelkörnig) sind typisch 150 bis 200 ml/m² je Anstrichgang anzusetzen statt 100 bis 140 ml/m² auf Glattputz. Faustregel: Wandfläche (m²) × Herstellerangabe × 1,25; bei grober Körnung (Typ 100+) Faktor 1,35 einkalkulieren.
Kann Raufaser problemlos über einen vorhandenen Latexanstrich gestrichen werden?
Latexfarbe bildet eine elastische, schwach saugende Sperrschicht. Wässrige Dispersionsfarbe haftet darauf ausreichend, sofern der Altanstrich fest sitzt, nicht kreidet und sich beim Anfeuchten nicht aufweicht. Kritisch sind mehrfach übereinanderliegende Latexschichten: Das Gesamtsystem kann beim nächsten Feuchtanstrich großflächig abschälen. Empfehlung: Haftprüfung per Klebeband-Test; bei Versagen Abschleifen oder Auftrag eines Haftgrunds auf Schellackbasis.
Was gilt nach VOB/C ATV DIN 18363 als mangelhafte Ausführung beim Anstrich auf Raufaser?
Nach ATV DIN 18363 muss der Anstrich die Tapetentextur erkennbar erhalten – ein Verkleben des Reliefs gilt als Mangel. Weitere Mangeltatbestände: unvollständige Deckung sichtbarer Wandbereiche, Läufer und Nasen, fehlende Farbgebung an Anschlusskanten sowie Farbeinträge auf Nachgewerken (Fußleisten, Steckdosen). Die Beurteilung erfolgt bei diffusem Tageslicht aus 1,5 m Sichtabstand – eine Streiflichtkritik aus 20 cm ist nach VOB/ATV kein zulässiger Prüfmaßstab.
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Raufaser streichen Referenzen & Beispiele

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Die Ausführung orientiert sich an VOB/C ATV DIN 18363 (Malerarbeiten), DIN EN 13300 (Nassabriebklassen für Innenanstriche) sowie den BFS-Merkblättern für Dispersionsanstriche auf Strukturtapeten.

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