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Video: PAK-Sanierung / Teerpappevon Neuwest Bauleitern empfohlen
Schadstoff & Sondersanierung

Teerpappe entfernen lassen in Berlin — fachgerechte PAK-Sanierung

Teerpappe aus Steinkohlenteerpech enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) — krebserzeugende Gefahrstoffe der Kategorie 1B nach CLP-Verordnung. Im Unterschied zu modernen Bitumen-Dachbahnen erreicht der Leitwert-Stoff Benzo[a]pyren (B[a]P) in historischen Steinkohlenteer-Materialien regelmäßig mehrere hundert mg/kg und überschreitet damit deutlich die Schwellenwerte für gefährliche Abfälle.

Rückbau und Entsorgung unterliegen einem gesonderten Regelwerk: TRGS 551 (PAK-Tätigkeiten), TRGS 524 (Sanierungsschutzmaßnahmen) und die Nachweisverordnung (NachwV) regulieren Arbeitsschutz, Abfalldeklaration und Entsorgungsweg. Eine fachgerechte Durchführung schützt vor Haftungsrisiken und ist Voraussetzung für baurechtlich saubere Folgemaßnahmen.

Leistungsumfang

Was umfasst PAK-Sanierung / Teerpappe entfernen?

  • Probenahme und PAK-Analytik (Summe EPA-16-PAK, Leitwert B[a]P) zur rechtssicheren Gefährdungseinstufung
  • Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV und Schutzzonenplanung nach TRGS 524
  • Einrichten von Schwarz-Weiß-Schleuse, Unterdruckzone und Absauganlage (Industriesauger Filterklasse H)
  • Kontrollierter, staubarmer Rückbau mit vollständiger PSA (Atemschutz P3, Schutzanzug Typ 5/6)
  • Abfallrechtliche Deklaration als gefährlicher Abfall (AVV-Schlüssel 17 03 01*) und fachgerechte Entsorgung
  • Freimessung (Raumluft / Restfläche) und lückenloser Entsorgungsnachweis per Begleitschein nach NachwV

PAK-haltige Teerpappe tritt typischerweise als Dachabdichtung (Kaltdächer vor ca. 1970), als Kapillarsperre unter Kellerboden-Estrich oder als Dampfsperre unter Holzdielung auf. Die Friabilität — der Grad der Zermürbung und Staubentwicklung — ist das entscheidende Kriterium für die Gefährdungsbewertung: Intakte, gebundene Lagen erfordern andere Schutzmaßnahmen als spröde, bereits absandende Materialien, die bei mechanischer Berührung sofort respirable PAK-haltige Stäube freisetzen.

PAK-Konzentrationsstufen nach TRGS 551 – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Eine Laboranalyse entscheidet über Sanierungsweg und Entsorgungskosten

Teer oder Bitumen? Warum die Verwechslung teuer werden kann

Schwarze Klebstoffe und Dachbahnen unter historischen Bodenbelägen werden pauschal als 'Teerpappe' bezeichnet — dabei entscheidet die Materialchemie über den gesamten Sanierungsweg. Steinkohlenteerhaltige Produkte enthalten PAK zwischen 1.000 und über 50.000 mg/kg und gelten als gefährlicher Abfall (AVV 17 03 01*); reine Bitumenprodukte ohne Steinkohlenteer liegen meist weit unterhalb der Sonderabfall-Schwelle.

Optisch sind beide Typen kaum unterscheidbar — erst eine Laboranalyse (PAK-Totalextraktion) schafft Klarheit. Entsorgungskosten für Sonderabfall betragen 200–450 EUR/t; bei Fehlklassifikation drohen Bußgelder nach KrWG und persönliche Haftung des ausführenden Betriebs.

Besonderheit DDR-Bestand: Teerprodukte waren dort bis in die frühen 1980er Jahre in Verwendung. Ostberliner Wohngebäude bis Baujahr 1985 sollten daher grundsätzlich auf Materialtyp untersucht werden — unabhängig vom optischen Eindruck.

Cutaway eines Ostberliner Fußbodenaufbaus mit schwarzer Klebeschicht, Bohrkernentnahme und Laborprobe zur PAK-Analyse zur Unterscheidung von Teer und Bitumen.
1.000–50.000 mg/kgPAK-Gehalt typischer Steinkohlenteer-Klebstoffe
1950–1985Hauptrisiko-Baujahre (DDR bis ca. 1985)
PAK-1616 Verbindungen nach US-EPA-Prioritätsliste
AVV 17 03 01*Abfallschlüssel teerhaltige Bitumengemische (Sonderabfall)
Wenn zwei krebserzeugende Gefahrstoffe in einem Material stecken

Asbestverstärkte Teerpappe: der häufig übersehene Doppelbefund

In Dachbahnen und bodenverlegten Teerprodukten (ca. 1955–1975) wurde häufig Asbestgewebe als Trägereinlage verbaut. Bei Rückbau entsteht Doppelrisiko: PAK aus dem Teer und freigesetzte Asbestfasern aus der Trägereinlage — beide Stoffe sind als KMR-Stoff Kategorie 1B bzw. 1A eingestuft.

Viele Schadstoffgutachter analysieren primär auf PAK; Asbest wird nur auf gezielte Anfrage untersucht. Die Regel lautet: Jedes Teerpappe-Material aus dem genannten Bauzeitraum ist vor Abbruchbeginn auf Asbest zu analysieren — ein nachträglicher Befund auf der Baustelle erzwingt Arbeitsunterbrechung, Neuplanung und behördliche Voranzeige nach TRGS 519.

Das anerkannte Analyseverfahren ist die Polarisationsmikroskopie (PLM) nach EN ISO 22262-1; bei Chrysotil-Verdacht bietet REM/EDX höhere Empfindlichkeit. Kosten für Doppelbeprobung (PAK + Asbest): 200–450 EUR je Mischprobe — marginal gegenüber Sanierungskosten bei nachträglichem Befund.

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Kostenkalkulator PAK-Sanierung / Teerpappe

Schätzrechner für einlagige Teerpappe (ca. 4–6 kg/m², AVV 17 03 01*). Mehrlagiger Aufbau: Ergebnis je Lage multiplizieren. Enthält TRGS-konforme Schutzmaßnahmen, ohne Analytik und Gutachter.

Teerpappe-Abbruchabfall, gefährlich
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Unverbindlicher Richtwert – der genaue Preis hängt von Untergrund, Aufwand und Ausführung ab.

Im Überblick

PAK-haltige Materialtypen im Altbaubestand

Steinkohlenteer-Kaltkleber

Schwarzer, zähflüssiger Klebstoff unter Parkett, PVC-Belag oder Steinzeug — häufigster Befund in Gebäuden der 1950er–1970er. PAK-Gehalte bis 50.000 mg/kg möglich; Sonderabfall-Einstufung in aller Regel zwingend.

Teerpappe (Abdichtungsbahn)

Bituminöse Bahnenware als Abdichtung unter Estrichen, in Kellerböden und Flachdächern. Oft mehrlagig verklebt; adhäsive Restschichten auf Betonoberflächen sind die typische Sanierungsherausforderung.

Asbestverstärkte Teerpappe

Teerpappe mit Asbestgewebe als Trägerschicht — Doppelgefährdung. In Deutschland überwiegend bis ca. 1975 verbaut. Optisch von asbestfreier Ware nicht unterscheidbar; Sanierung nach TRGS 519, nicht nach Standard-PAK-Vorgaben.

Teer-Bitumen-Mischprodukte

Übergangsprodukte mit PAK im Grenzbereich (ca. 100–2.000 mg/kg). Einstufung als gefährlicher Abfall hängt vom Einzelbefund ab — Selbsteinschätzung unzulässig, Laboranalyse obligatorisch.

Schichtaufbau Flachdach 1950er–80er: PAK-haltige Lagen – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Der Estrich unter dem Kleber kann die eigentliche Sanierungsaufgabe sein

Wie tief ist die Kontamination? PAK-Migration und Tiefenanalyse

PAK aus Teerklebstoffen migrieren über Jahrzehnte in angrenzende poröse Baustoffe — insbesondere in Zementestrich und Betondecken. Abhängig von Porosität, Temperatur und ursprünglicher Konzentration wurden Kontaminationen bis 50 mm Tiefe im Estrich dokumentiert.

Für die Tiefenprofilanalyse werden Bohrkerne in Schichten à 5–10 mm getrennt analysiert. Das Ergebnis entscheidet, ob der Estrich nach Klebstoffentfernung verbleiben kann oder als Sonderabfall ausgebaut werden muss — die Analytikkosten amortisieren sich beim ersten vermiedenen Estrichabriss.

Bei Fußbodenheizung oder stark beheizten Böden ist die PAK-Ausgasung in die Raumluft signifikant erhöht — auch noch Jahre nach der Verlegung. Raumluftmessungen auf PAK sind daher bei Nutzungsänderung oder Belagsrückbau grundsätzlich zu empfehlen.

Querschnitt eines beheizten Bodenaufbaus mit extrahiertem Bohrkern in Millimeterschichten, PAK-Klebstoffrest, Estrich, Heizrohren und Ausgasung in die Raumluft.
Schematischer Aufbau

Querschnitt: PAK-Ausbreitung im Bodenaufbau

Gefährdungsbeurteilung vor Baubeginn ist Pflicht — kein Ermessen

TRGS 524: Schutzstufen, die viele Ausführende falsch einschätzen

Bei Abbruch- und Sanierungsarbeiten mit PAK-haltigen Materialien gilt die TRGS 524 (Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen). Sie fordert gestufte Schutzmaßnahmen nach dem ermittelten Gefährdungspotenzial. Teer-Kaltkleber mit hohen PAK-Gehalten erfordert je nach Staubentwicklung und Raumvolumen Halbmaske oder Gebläsefiltergerät P3, Chemikalienschutzanzug Typ 5/6 und Schwarz-Weiß-Schleuse — nicht lediglich eine einfache Staubschutzmaske.

Die Gefährdungsbeurteilung muss schriftlich, aufgaben- und stoffbezogen vorliegen, bevor die erste Arbeitsstunde beginnt: Stoffidentifikation aus Laboranalyse, Expositionsabschätzung, PSA-Festlegung, Notfallplan. Fehlt sie, haftet der Bauherr als Auftraggeber gesamtschuldnerisch für Arbeitsschutzversäumnisse des beauftragten Betriebs.

Bei Doppelbefund PAK + Asbest ist eine kombinierte Gefährdungsbeurteilung mit der jeweils strengeren Schutzmaßnahme zu erstellen. Für Asbestarbeiten greift dann TRGS 519 mit Anforderungen an Unterdruckhaltung, zugelassenes Fachpersonal und behördliche Voranzeige mindestens 7 Werktage vor Beginn.

Lösungs-Finder

Sanierungsverfahren-Finder: Methode nach Belastung & Untergrund

Welche PAK-Konzentration zeigt die Raster-Beprobung, welcher Untergrund liegt vor und welche Folgenutzung ist geplant?

Mechanischer Ausbau (Handaufnahme oder Fräsen) ohne Nassverfahren ausreichend. Schutzstufe 2 gem. GefStoffV §10, Halbmaske FFP2, Schutzanzug Typ 5. Abbruchabfall zwingend als AVV 17 03 01* deklarieren — Einstufungsgrenze: Benzo[a]pyren-Anteil > 0,1 % im Abfall. Untergrundvorbereitung für Folgebeschichtung durch Kugelstrahlen Sa 2,5 oder Fräsen. Dokumentation nach GefStoffV §14; keine Voranmeldepflicht beim Gewerbeaufsichtsamt.
Nass-Fräsen mit Direktabsaugung (Staubklasse H) oder Schleifverfahren unter Kapselung. AGW Benzo[a]pyren: 0,002 mg/m³ (TRGS 551). Schutzstufe 3 gem. GefStoffV §11 Abs. 4, Vollmaske A2P3 zwingend. Raumluftmessung während Abbruch obligatorisch; nach Sanierung Restbelastungsprüfung Innenraumluft (Zielwert < 1 ng/m³ B[a]P gem. Ad-hoc-AG Innenraumrichtwerte). Entsorgung AVV 17 03 01*, DK-III-Deponie oder thermische Behandlung. Voranmeldung Gewerbeaufsicht bei > 100 m² Fläche oder > 500 kg Abfall.
Sonderfall: PAK migriert in Holzgefüge bis 30–50 mm Tiefe — Entfernung der Teerpappe allein unzureichend. Optionen: (a) vollständiger Ausbau der kontaminierten Trägerschicht oder (b) diffusionsdichte Kapselung durch EP-Sperrschicht (≥ 500 µm, Permeabilität < 1 g/m²·d). Schutzstufe 4, umluftunabhängiges Atemschutzgerät (TH3) oder Vollmaske A2P3. Anzeige beim Gewerbeaufsichtsamt gem. GefStoffV §54 vor Arbeitsbeginn obligatorisch. Gutachternachweis Restbelastung nach Abschluss zwingend.
Kritischer Sonderfall: PAK penetriert Mauerwerk-Porenstruktur bis 10–20 mm — Oberflächenentnahme allein nicht ausreichend. Optionen: (a) vollständiger Abbruch betroffener Wandbereiche, Entsorgung AVV 17 03 01*, oder (b) diffusionsdichte Kapselung (EP-Versiegelung ≥ 500 µm) mit anschließender Emissionsmessung nach AGÖF-Prüfschema, Nachweis < 0,1 µg/m³ Summen-PAK Raumluft. Schutzstufe 4. Behördenkoordination und Freigabe durch Sachverständigen zwingend.
Raster-Beprobung vor Ausführung zwingend: Mischproben im Raster 1 Probe/25 m², Analyse auf EPA-16 + Benzo[a]pyren gem. DIN ISO 18287. Ohne Analyseergebnis gilt Worst-Case-Einstufung Schutzstufe 3 und Abfall AVV 17 03 01*. Kosten Beprobung und Laboranalytik: ca. 150–350 EUR/Probe. Ergebnis bestimmt Schutzstufe, PSA-Klasse, Raumluftmesspflicht und Entsorgungsweg — beeinflusst Gesamtkosten erheblich.
So gehen wir vor

Ablauf einer PAK-Sanierung: Phase für Phase

1

Schadstoffkartierung und Laboranalyse

Mischproben aus Klebstoff und Substrat; Analyse auf PAK-16 (Totalextraktion), ggf. Asbest (PLM nach EN ISO 22262-1), PCB und Schwermetalle. Bei Substratmigrationsverdacht: Tiefenprofil-Beprobung in 5–10-mm-Schichten.

2

Sanierungskonzept und Gefährdungsbeurteilung

Festlegung des Verfahrens (Vollrückbau, Kapselung oder Überbauung), Schutzstufe nach TRGS 524, Entsorgungsweg, Abfallschlüssel. Bei öffentlichen Auftraggebern: Ausschreibung nach VOB/B mit gesondertem LV-Abschnitt und Eventualpositionen für Mehrbefunde.

3

Einrichten Sicherheitsbereich und Schleuse

Abgrenzung der Sanierungszone mit Folie und Klebeband, Einrichtung Schwarz-Weiß-Schleuse, HEPA-H14-Unterdruckgerät zur Staubhaltung. Schriftliche Einweisung aller Beteiligten vor Beginn.

4

Mechanischer Rückbau

Entfernung durch Kaltschälen (Schaber, Schälmaschine) oder Fräsen mit integrierter Absaugung. Keine Heißmethoden, kein trockenes Schleifen. Bei Substratmigration: Fräsen des Estrichs bis unterhalb der Kontaminationsgrenze.

5

Entsorgung als gefährlicher Abfall

Abfallschlüssel AVV 17 03 01*. Entsorgungsnachweis nach NachwV über eANV-Portal bei nachweispflichtigen Mengen. Transport nur durch zugelassene Entsorgungsfachbetriebe; Begleitscheine 3 Jahre archivieren.

6

Freimessung und Abschlussdokumentation

Kontrollbeprobung Substrat und Raumluftmessung auf PAK unter Nutzungsbedingungen (keine Vorlüftung). Sanierungsbericht mit Lageplan, Fotodokumentation, Analyseberichten und Entsorgungsnachweisen an Bauherrn übergeben.

Verfahrensvergleich: Mechanischer Ausbau — Thermik — Kapselung – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Kombinationsbefunde, die die Sanierungsplanung wesentlich verkomplizieren

Schadstoff-Cocktail: Wenn PAK nicht der einzige Befund ist

In Gebäuden der Hauptrisikoepoche treten PAK selten isoliert auf. Häufige Kombinationen: PCB-haltige Fugenmassen zwischen Estrichfeldern, Bleifarben in alten Anstrichen auf Betonoberflächen, Schwermetalle in Bodenbelägen. Jeder Stoff erfordert einen eigenen Entsorgungsweg und ggf. abweichende PSA-Anforderungen.

Die Kombination PAK + PCB zwingt zu Raumluftmessungen auf PCB, da PCB sowohl über Absorption als auch über Ausgasung exponiert. Die Raumluft-Richtwerte des Umweltbundesamts gelten als Eingreifwert; bei gleichzeitiger Asbestexposition sind alle Gefahrstoffe in einer kombinierten Gefährdungsbeurteilung zusammenzuführen.

Im Leistungsverzeichnis sollte der Schadstoffabschnitt immer mit einer Erkundungsposition beginnen sowie Eventualpositionen für Mehrmengen und Zusatzbefunde enthalten — ohne diese erzeugen nachträgliche Befunde Nachträge, die das Budget erheblich sprengen können.

Raumquerschnitt: PCB-Fugendichtstoffe und PAK-Teerkleber gasen aus, zentrale Luftprobenahme-Pumpe misst die Raumluft-Belastung.
Im Vergleich

Sanierungsverfahren im Vergleich

KriteriumVollrückbauKapselung / VersiegelungÜberbauung mit Systemaufbau
SchadstoffbeseitigungVollständig — Quelle entferntNein — Quelle verbleibtNein — Quelle verbleibt
LangzeitsicherheitSehr hochAbhängig von VersiegelungsqualitätAbhängig von Aufbau und Dichtigkeit
Nutzung nach FreimessungUneingeschränkt möglichNur mit Nutzungsbeschränkung + GutachtenNur mit Nutzungsbeschränkung + Gutachten
Sonderabfall-EntsorgungEinmalig, dann abgeschlossenNein — Risiko bei künftigem UmbauNein — Risiko bei künftigem Umbau
Investitionskosten80–220 EUR/m²20–60 EUR/m²30–90 EUR/m²
Grundbuch / AltlastenkatasterEintrag löschbar nach FreimessungEintrag bleibt ggf. bestehenEintrag bleibt ggf. bestehen
Was Bauherren und Planer kennen müssen, bevor die Arbeiten beginnen

Rechtlicher Rahmen: Anzeige-, Nachweis- und Zertifizierungspflichten

Betriebe, die bei Abbrucharbeiten KMR-Stoffe der Kategorie 1A oder 1B freisetzen (PAK zählen als KMR 1B), benötigen eine Erlaubnis nach GefStoffV § 6 Abs. 1 sowie qualifiziertes Personal mit formalem Sachkundenachweis — allgemeine Berufserfahrung ersetzt diesen nicht.

Die Nachweispflicht nach Nachweisverordnung (NachwV) erfordert bei nachweispflichtigen Mengen gefährlichen Abfalls den elektronischen Entsorgungsnachweis über das eANV-Portal. In Berlin ist die SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin zuständige Koordinierungsstelle; Begleitscheine sind 3 Jahre aufzubewahren.

Liegt auf dem Grundstück eine Schädliche Bodenveränderung nach BBodSchG § 4 vor, besteht gegenüber der zuständigen Behörde Anzeigepflicht. Freiwillige Sanierungen ohne Bescheid sind zulässig, müssen die Sanierungsziele aber dokumentiert einhalten — andernfalls droht eine nachträgliche behördliche Sanierungsanordnung.

Interaktiv

PAK-Gehalt → Schutzstufe & PSA-Pflicht (GefStoffV / TRGS 524 / TRGS 551)

Regler auf den gemessenen PAK-Gehalt (Summe EPA-16, mg/kg TS) aus der Laboranalyse einstellen — Schutzstufe, PSA-Mindestklasse, Messpflicht und Anzeigepflicht werden direkt angezeigt.

PAK-Gehalt (Summe EPA-16)
Technische Daten

Technische Kennwerte und Normen: PAK-Sanierung

Abfallschlüssel teerhaltige BitumengemischeAVV 17 03 01* (Sternchen-Abfall, gefährlicher Abfall)
Asbestanalyse MaterialprobePolarisationsmikroskopie PLM nach EN ISO 22262-1; REM/EDX bei Chrysotil-Verdacht
Migrationstiefe PAK in EstrichDokumentierte Befunde bis 50 mm (abhängig von Porosität, Temperatur, Expositionsdauer)
PAK-EinstufungBenzo[a]pyren: KMR Kategorie 1B krebserzeugend (GefStoffV / EG-VO 1272/2008)
Relevante Technische RegelnTRGS 524 (kontaminierte Bereiche); TRGS 519 bei Asbest-Doppelbefund
Behördliche Voranzeige bei AsbestTRGS 519: mindestens 7 Werktage vor Beginn
EntsorgungsnachweisNachwV; eANV-Portal; Begleitscheine 3 Jahre Aufbewahrungspflicht
Sanierungspflicht BodenBBodSchG § 4 i.V.m. BBodSchV (Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung)
Pflichtphasen PAK-Sanierung: Von der Probenahme bis zur Freimessung – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Aus der Praxis: Was schiefgeht — und was es den Bauherrn kostet

Typische Fehler bei der PAK-Sanierung und ihre rechtlichen Folgen

Häufigster Fehler: Abbruchbeginn ohne Laboranalyse und Gefährdungsbeurteilung. Ohne bekannte PAK-Konzentration ist weder korrekte PSA noch Schutzstufe wählbar. Im Schadensfall haftet der Bauherr für Gesundheitsschäden bei Arbeitnehmern; die Beweislastumkehr nach § 618 BGB ist zu beachten.

Klassischer Kostentreiber: Vermischung von Abfallströmen. Teerpappe-Reste mit unbelastetem Estrich in einem Container klassifizieren die Gesamtmenge als Sonderabfall AVV 17 03 01*. Das Trennungsgebot nach § 9 Abs. 2 KrWG ist geltendes Recht — Verstöße sind bußgeldbewehrt.

Rechtlich heikel: Kapselung ohne belastbares Sachverständigen-Gutachten. Wird ein PAK-haltiger Boden nur überbaut ohne gutachterliche Bestätigung, entsteht beim späteren Verkauf ein Sachmangel nach § 434 BGB — Kaufpreisminderung, Rücktritt oder Schadensersatz auch bei baurechtlich genehmigter Maßnahme.

Vergleich zweier Container – reiner Estrich-Bauschutt gegen mit Teerpappe vermischten Sonderabfall – plus Bodenkapselung ohne Gutachten als Sachmangel-Risiko.

Keine Heißarbeiten, kein trockenes Schleifen

Schmelzen, Brennen oder trockenes Schleifen teerhaltigerMaterialien setzt krebserzeugende PAK-Dämpfe und Pyrolyseprodukte frei. Für teerhaltige Materialien sind diese Methoden unabhängig von Fläche oder Menge grundsätzlich unzulässig.

Sonderabfall nicht mit Restbauschutt vermischen

Teerhaltige Materialien (AVV 17 03 01*) dürfen nach § 9 Abs. 2 KrWG nicht mit nicht-gefährlichem Bauschutt vermischt werden. Verstöße können mit Bußgeldern bis 100.000 EUR geahndet werden; Unternehmer und Bauherr können gleichzeitig haften.

Doppelbeprobung spart Überraschungskosten

Wer vor Sanierungsbeginn auf PAK, Asbest und PCB beprobt, zahlt 400–800 EUR mehr für Analytik — vermeidet aber mehrere Tage Arbeitsunterbrechung bei nachträglichem Befund. Amortisation ab ca. 50 m² Sanierungsfläche.

Freimessung unter Nutzungsbedingungen

Raumluftmessungen nach der Sanierung müssen unter realitätsnahen Bedingungen erfolgen: normale Raumtemperatur, keine Vorlüftung, Belag teilweise offen. Messungen nach Dauerlüftung oder bei kaltem Gebäude unterschätzen die tatsächliche Exposition erheblich.

Die Sanierungsdokumentation ist der entscheidende Nachweis für künftige Eigentümerwechsel

Freimessung und Abschlussdokumentation: Ohne Protokoll kein sauberes Grundbuch

Nach Abschluss der Sanierung sind Kontrollbeprobungen des Substrats und eine Raumluftmessung auf PAK obligatorisch, bevor die Fläche wieder genutzt wird. Die Messungen erfolgen unter Nutzungsbedingungen — kein Dauerlüften, keine künstliche Auskühlung; nur so spiegeln die Ergebnisse die reale Exposition wider.

Entsorgungsentscheidung: AS 17 03 01* (teerhaltig) vs. AS 17 03 02 (bituminös) – Erklär-Grafik (NEUWEST Berlin)
Prozessgrafik: Freimessraster auf Baugrubensohle, Laborprobe, gebundener Sanierungsbericht und Katasterdokument mit Stempel zur Löschung des Altlasteneintrags.

Der Sanierungsbericht muss mindestens enthalten: Ausgangsbefund mit Laboranalyse, Lagepläne der sanierten Bereiche, Fotodokumentation Vorher/Nachher, Entsorgungsnachweise (Begleitscheine eANV), Freimessprotokoll mit Laborbericht sowie abschließende Sachverständigen-Bewertung. Bei Immobilientransaktionen und Bankfinanzierungen ist dieses Dokument regelmäßig Pflichtunterlage.

Bei Grundstücken mit Eintrag im Altlastenkataster kann die vollständige Sanierungsdokumentation beim zuständigen Umweltamt als Grundlage für die Löschung des Eintrags genutzt werden. Die Löschung verbessert die Grundstücksbewertung erheblich — ein oft unterschätzter wirtschaftlicher Vorteil gegenüber einer Kapselung, die den Eintrag bestehen lässt.

Preise & Kosten

Was kostet PAK-Sanierung / Teerpappe entfernen?

Orientierungswerte für den Berliner Raum; verbindliche Preise nur nach Vor-Ort-Begutachtung und Laboranalyse. Die tatsächlichen Kosten hängen von Kontaminationsgrad, Substrattiefe und gewähltem Verfahren ab.

LeistungPreis-Spanne (Richtwert)
Schadstoffkartierung (PAK + Asbest + PCB)400–800 EUR pauschal (bis 5 Mischproben)
Tiefenprofil-Beprobung Substrat150–300 EUR/Bohrpunkt (Schichtanalyse 5–10 mm)
Vollrückbau Teer-Kaltkleber / Teerpappe35–80 EUR/m² (ohne Estrich-Rückbau)
Vollrückbau inkl. kontaminierter Estrichschicht80–180 EUR/m² (bis ca. 50 mm Frästiefe)
Entsorgung Sonderabfall (AVV 17 03 01*)200–450 EUR/t (Transport + Deponie DK II/DK III)
Kapselung / Epoxid-Versiegelung Substrat15–40 EUR/m² (ohne Rückbau der Quelle)
Überbauung (PE-Folie + Estrich-Systemaufbau)30–80 EUR/m² (abhängig von Aufbauhöhe)
Freimessung (Luft + Feststoff) inkl. Laborbericht600–1.800 EUR pauschal
Sanierungsbericht durch Sachverständigen800–2.500 EUR pauschal (je nach Projektumfang)

Richtwerte für Berlin/Brandenburg, projektabhängig — kostenloses Festpreis-Angebot anfragen.

Zeitlicher Ablauf

Realistischer Projektzeitplan PAK-Sanierung

  • Schadstoffkartierung + Laboranalyse1–2 Wochen
  • Sanierungskonzept + behördliche Abstimmung2–4 Wochen
  • Ausschreibung und Vergabe (öff. Auftraggeber)4–8 Wochen
  • Einrichten Sicherheitsbereich + PSA-Unterweisung1–2 Tage
  • Mechanischer Rückbau (je 100 m²)1–5 Werktage
  • Freimessung + Laborauswertung1–2 Wochen
  • Sanierungsbericht + Behörden-Abschluss2–4 Wochen
Kurz erklärt

Wichtige Begriffe rund um PAK-Sanierung / Teerpappe entfernen

PAK-16 (EPA-Prioritätsliste)
Die 16 prioritären polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe nach US-EPA-Liste, darunter Benzo[a]pyren, Naphthalin und Anthracen. Der Summenwert PAK-16 ist der Standardkennwert der Schadstoffanalytik; Benzo[a]pyren (B[a]P) dient als toxikologischer Leitkennwert.
AVV 17 03 01* — Sternchen-Abfall
Europäischer Abfallschlüssel für 'Bitumengemische, die Steinkohlenteer enthalten'. Sternchen-Kennzeichnung bedeutet automatisch gefährlicher Abfall — erfordert Entsorgungsnachweis (NachwV), Begleitscheine und Entsorgung über zugelassene Fachbetriebe.
KMR-Stoff Kategorie 1B
Krebserzeugende, mutagene oder reproduktionstoxische Stoffe, bei denen aufgrund von Tierversuchen erhebliche Anhaltspunkte vorliegen. Benzo[a]pyren ist KMR 1B; daraus folgen verschärfte Pflichten nach GefStoffV: Substitutionsgebot, Minimalmengengebot, besondere PSA-Anforderungen.
eANV — Elektronisches Abfallnachweisverfahren
Seit 2011 verpflichtend für gefährliche Abfälle: digitale Entsorgungsnachweise und Begleitscheine über die Länder-Portale. In Berlin ist die SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH zuständig. Aufbewahrungspflicht: 3 Jahre.
PLM — Polarisationsmikroskopie
Anerkanntes Analyseverfahren zur Identifizierung von Asbestfasern in Festkörperproben nach EN ISO 22262-1. Unterscheidet Asbestminerale von Nicht-Asbest-Fasern anhand optischer Eigenschaften im polarisierten Licht.
Schädliche Bodenveränderung (BBodSchG)
Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen, die Gefahren für Mensch oder Umwelt herbeiführen können — Legaldefinition nach BBodSchG § 2 Abs. 3. Auslöst Sanierungspflicht nach § 4 BBodSchG und kann zu Altlastenkataster-Eintrag und behördlicher Sanierungsanordnung führen.
Eluat-Analyse
Labortest (Auswaschungsversuch), der misst, welche Schadstoffe ein Material unter Wassereinfluss abgibt. Entscheidend für die Deponieklassen-Zuordnung (DK I–III) und damit für die Entsorgungskosten bei teerhaltigen Materialien.

Bei Teerpappe-Befunden lauert die eigentliche Überraschung selten im Kleber selbst — sondern im Estrich darunter, der die PAK über Jahrzehnte aufgesogen hat. Wer nur die Pappe abzieht und den Estrich als unbeschadet belässt, liefert dem Bauherrn eine Freimessung, die er nie bekommen wird.

Praxishinweis aus der Schadstoffsanierung Altbau, Berlin

PAK-Sanierung / Teerpappe entfernen Fragen & Antworten

Ab welchem PAK-Gehalt gilt Teerpappe als gefährlicher Abfall?
Die Einstufung folgt der AVV (Abfallverzeichnis-Verordnung): Teerhaltige Bitumengemische erhalten den Schlüssel 17 03 01* (Sternchen = gefährlicher Abfall), sobald Steinkohlenteerpech nachweisbar enthalten ist — unabhängig vom absoluten Summen-PAK-Wert. In der Praxis wird der Benzo[a]pyren-Gehalt als Leitkennwert bestimmt; historische Steinkohlen-Teerpappe liegt typischerweise bei mehreren hundert mg/kg B[a]P. Nur wenn eine eindeutige Erdöl-Bitumen-Herkunft labortechnisch belegt ist, gilt der nicht-gefährliche Schlüssel 17 03 02 — eine Verwechslung beider Kategorien begründet nach KrWG eine bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeit.
Wie unterscheide ich Teerpappe von einer Bitumen-Schweißbahn — auch ohne Labor?
Drei Praxisindikatoren liefern eine belastbare Ersteinschätzung: Geruch (beim Erwärmen oder Ankratzen stechend-teerbitter bei Steinkohlenteerpech; Bitumen riecht eher süßlich-ölig), Einbauzeit (vor ca. 1970 fast ausschließlich steinkohlenteerbasiert; ab Mitte der 1970er Jahre dominierte Bitumen), Konsistenz (Teerpappe bricht spröde-körnig; Bitumenbahnen sind dehnbarer, oft mit Polyestervlies- oder Aluminiumeinlage). Diese Merkmale helfen für die Vorabschätzung, ersetzen jedoch nicht die Laboranalyse, die für eine rechtssichere Abfalldeklaration zwingend erforderlich ist.
Müssen Gebäudenutzer während der PAK-Sanierung das Gebäude verlassen?
Bei Innenraum-Sanierungen (Keller, Bodenaufbau unter Wohnbereich, Treppenhaus) ja, in aller Regel. Die TRGS 524 fordert räumlich abgegrenzte Schutzzonen mit Zugangskontrolle; der Abbruchbereich muss via Unterdruckzone vom restlichen Gebäude getrennt sein. Benzo[a]pyren ist als krebserzeugend Kat. 1B eingestuft — für krebserzeugende Stoffe ohne unbedenkliche Wirkschwelle gilt das ALARA-Prinzip (as low as reasonably achievable), sodass jede Freisetzung in bewohnte Bereiche zu vermeiden ist. Nach Abschluss empfiehlt sich vor Wiedernutzung eine Raumluftmessung durch ein akkreditiertes Labor.
Ist eine Kapselung (Überbauung) statt vollständigem Rückbau technisch zulässig?
Prinzipiell ja — wenn das Material dauerhaft gebunden, nicht friabel, vor mechanischen Einwirkungen geschützt und kein Freisetzungspfad in Raumluft oder Boden vorhanden ist. BBodSchG und BBodSchV lassen eine Sicherung als Alternative zur Dekontaminierung zu, sofern die Wirkungspfade zuverlässig unterbrochen sind und eine langfristige Überwachung gesichert ist. Entscheidend ist die Baurechtspraxis: Bei späteren Umbauten, Kernbohrungen oder Leitungsführungen über dem kapselten Material entsteht erneute Expositionspflicht und die Deklarationslast lebt wieder auf — Gebäudeeigentümer haften auch gegenüber Folgehandwerkern. Für Kellerräume mit Personenaufenthalt wird der vollständige Rückbau deshalb fast immer vorgezogen.
Welche Schutzausrüstung ist beim Teerpappe-Rückbau vorgeschrieben?
Die TRGS 524 verlangt mindestens: Atemschutz mit Partikelfilter P3 (in der Praxis Vollmaske mit Kombinationsfilter ABEK2-P3 oder gebläseunterstützte Haube TH3P), Chemikalienschutzanzug Typ 5 oder 6 (partikel- bzw. sprühdicht), PAK-permeationsgeprüfte Schutzhandschuhe (Nitril mind. 0,5 mm oder Butyl) sowie Gesichtsschutz. Technisch ist eine emissionsarme Arbeitstechnik Voraussetzung — Nassverfahren oder Absaugung mit Industriesauger Filterklasse H — weil Atemschutz lediglich ergänzt, nicht ersetzt. Die Schutzstufenwahl muss in der Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV schriftlich begründet werden.
Wie läuft der Entsorgungsnachweis für PAK-haltige Teerpappe ab?
Als gefährlicher Abfall (AVV 17 03 01*) unterliegt Teerpappe der Nachweisverordnung (NachwV). Ablauf: (1) Abfallerzeuger oder beauftragter Entsorger erstellt einen Entsorgungsnachweis (ENS) mit Deklarationsanalyse und Annahmeerklärung der aufnehmenden Anlage; (2) für jeden Abtransport wird ein elektronischer Begleitschein über das eANV (elektronisches Abfallnachweisverfahren) generiert; (3) die Entsorgungsanlage quittiert den Empfang digital. Der vollständige Nachweis ist drei Jahre aufzubewahren. Im Straßentransport gilt ADR-Klasse 9, UN-Nummer 3077. Fehlende oder lückenhafte Begleitscheine begründen eine Ordnungswidrigkeit nach KrWG.
Was prüfen Freimessungen nach dem Rückbau — und wann gilt eine Fläche als freigegeben?
Die Freimessung bewertet zwei Wirkungspfade: Raumluft (B[a]P-Konzentration nach definierten Belüftungsintervallen, gemessen nach anerkannten Innenraum-Probenahmeverfahren) und Oberflächen-Restbelastung (Wischproben oder Bohrmehlanalysen auf verbleibendem Betonuntergrund). Ein bundeseinheitlicher Grenzwert für Restbelastungen auf Baukonstruktionen existiert nicht; die Beurteilung erfolgt einzelfallbezogen unter Heranziehung der BBodSchV-Prüfwerte und der geplanten Nutzungsart. Die schriftliche Freigabe durch einen Sachverständigen dokumentiert die fehlende Restexposition — und ist bei künftigen Eigentumsübertragungen oder Gewährleistungsstreitigkeiten das entscheidende Dokument.
Warum ist Friabilität das wichtigste Beurteilungskriterium — und nicht der gemessene PAK-Gehalt?
PAK in fest gebundenem, intaktem Teer werden kaum in die Atemluft freigesetzt — das Risiko entsteht erst, wenn das Material zerfällt und respirable Stäube (Partikel < 4 µm aerodynamischer Durchmesser) entstehen. Stark verwitterte, spröde Teerpappe setzt bereits durch leichten Druck oder Erschütterung PAK-haltige Feinstäube frei, ohne dass mechanisch gearbeitet wird. Friabilität beeinflusst daher direkt: die erforderliche Schutzstufe (höher bei friablem Material), den Abbruchansatz (Nassverfahren oder kontinuierliche Absaugung als Pflichtmaßnahme statt Option) und den Handlungsdruck (intaktes Material kann unter Monitoring verbleiben; friables Material mit Personenexposition erfordert unmittelbares Handeln). Ein hoher PAK-Gehalt bei intaktem Material ist weniger gefährlich als ein niedriger Gehalt in einem stark friablen Zustand.
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